Wetter aktuell Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage Neben einer neuerlichen Hitzewelle stellt sich ab dem heutigen Montagnachmittag vor allem die Frage nach den Gewittern, welche Unwetterpotential besitzen können. Wann, wo, ob Gewitter kommen und mit welchen Schwierigkeiten diese Prognose verbunden ist, soll heute Thema des Tages sein. Nach der Hitze ist vor der Hitze in diesem Sommer, und da sind auch die Gewitter meistens nicht allzu weit weg. Denn mittlerweile hat sich eine schwülheiße Luftmasse wieder bis in die Landesmitte ausgebreitet, was an leicht gestiegenen Taupunkten mit Werten zwischen 15 und 18 Grad zu erkennen ist. Dem gegenüber ist es weiter nördlich mit rund 10 bis 13 Grad deutlich trockener. Damit stellt sich neben der Frage nach den Höchstwerten (einfach zu beantworten: bis zu 37 Grad) rasch die weitere Frage nach Gewittern oder potentiellen Unwettern. Nimmt man die Zutatenmethode zur Hand, so wird schnell ersichtlich, dass die Labilität und das CAPE (Energie der Luftmasse) bis zur Landesmitte ausreichend vorhanden sind. Auch die Feuchte haben wir bereits thematisiert. Als drittes Zünglein an der Waage, sieht man mal von der Zusatzzutat "Scherung" ab, kommt die Hebung zum Zuge. Und hier wird es spannend: Je nachdem welches Modell man betrachtet, werden die möglichen Hebungsmechanismen unterschiedlich stark gewichtet. Wir erinnern uns: Hebung kann durch die Orografie, aber auch dynamisch etwa an Kurzwellentrögen oder unter linken Jeteingängen erzeugt werden. Summa summarum kommen dann unterschiedliche Modelle auch zu variierenden Prognosen bei den Gewittern, je nachdem wie stark sie die Hebung berechnen. Hier reicht schon der Blick auf das ICON-D2 und das ICON-RUC, die beide im DWD gerechnet werden. Generell liegt die Stärke des ICON-D2 vor allem in dynamischen Gewitterlagen mit klaren Hebungsimpulsen. Sind diese in einer leicht flatternden südwestlichen Höhenströmung, so wie heute und morgen, eher schwacher Natur, so kommt das Modell durchaus an seine Grenzen und berechnet manchmal deutlich weniger Gewitteraktivität. Dem gegenüber steht das ICON-RUC, das stündlich gerechnet wird und in der Vergangenheit auch bei antriebsschwachen Wetterlagen eine höhere Gewitteraktivität vorhersagte, die nicht selten dann auch so eintraf. Das kann natürlich auch an unterschiedlichen Assimilationsverfahren und einer anderen Berücksichtigung der Feuchte liegen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Meteorologe vom Dienst vor der großen Frage steht, wo es am Ende wie stark gewittert. Blicken wir dazu auf die aktuellen Berechnungen von ICON-D2 (09z-Lauf) und ICON-RUC (ebenfalls 09z-Lauf): Gegen 17 Uhr sind in beiden Modellen einzelne starke, möglicherweise auch schwere Gewitter über dem Südwesten Deutschlands und über dem Nordosten Hessens zu sehen. Je später es am Abend nun wird, umso größer werden dann aber die Prognoseunterschiede. Gegen 21 Uhr wird ein sich abschwächender Gewitterkomplex über Rheinland-Pfalz im ICON-D2 berechnet, während das ICON-RUC einen starken MCS (großes Gewittersystem) mit schwerem Sturm im Rhein-Main-Gebiet sieht. Auch nachts einigen sich beide Modelle nicht: Nach ICON-D2 fallen die Gewitter tendenziell in sich zusammen, nach Lesart des ICON-RUC bleiben sie weiterhin aktiv und breiten sich immer mehr in Richtung Landesmitte aus. Es wird deutlich, dass solche Probleme (leider) erst im Nowcasting richtig gelöst werden können, wenn ersichtlich ist, wo die Reise hingeht. Die Modelloutputs dienen aber durchaus als guter Hinweis dafür, welches Potential in der aktuellen Wetterlage steckt. Klar ist: Es muss heute wie auch morgen mit starken, teils unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, die von heftigem Starkregen, größerem Hagel oder Hagelansammlungen und Böen in schwerer Sturmstärke begleitet sein können. Bleiben Sie daher wachsam und verfolgen Sie die aktuellen Wetterwarnungen gerne unter dwd.de oder in der Warnwetter-App. M.Sc.-Met. Oliver Reuter Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.08.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst