Wissenschaft kompakt Geschichte der Meteorologie ? Teil 2: Meteorologie im letzten Jahrtausend vor der christlichen Zeitenwende Das heutige Thema des Tages behandelt Teil 2 der Geschichte der Meteorologie und ist damit die Fortsetzung der Entwicklung der Meteorologie in den Hochkulturen des Altertums. Wesentliche meteorologische Erkenntnisse gelangen besonders im antiken Griechenland sowie im alten China und Indien. Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie ging es um die Ursprünge der Meteorologie, die in der Wetterbeobachtung zu finden sind, zu ersten zarten Weiterentwicklungen und Deutungen in den verschiedenen Hochkulturen. Astronomische und meteorologische Kenntnisse wurden oft zusammenhängend genannt (Astrometeorologie) und waren eng mit religiösen Vorstellungen verwoben. Blicken wir zunächst auf den europäischen Kulturkreis. Die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse stammen von den Ägyptern und den Mesopotamiern. Diese wurden von den Griechen und den Persern übernommen. Aus dem alten Perserreich sind wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Mathematik, Architektur und der Hydrologie überliefert. So wurde für semi-aride und aride Gebiete ein System des Wassertransports entwickelt, das Bewässerungsfeldbau ermöglichte. Das Grundwasser lag im Bereich von Siedlungen oft in zu großer Tiefe für den damaligen Brunnenbau. In Gebirgen war die Grundwasserschicht leichter anzuzapfen und so wurden leicht aufwärts führende unterirdische Kanalsysteme, Qanate genannt, in die Berghänge getrieben, die das dortige Grundwasser anzapfen konnten. Hilfreich waren hierfür Niederschläge in Form von Steigungsregen, welche in der Folge in die Grundwasserschicht versickern. Vertikale Zugschächte förderten das Sickerwasser zum weiter unten liegenden Qanat-Kanal und von dort zu dessen Austrittsstelle in Tal- und Siedlungsnähe. Auch im angrenzenden Zentralasien hatten dortige Kulturen gewisse wissenschaftliche Erkenntnisse, die Forschung dort ist jedoch bisher vergleichsweise nicht weit fortgeschritten. Explizite chronologisch nächste meteorologische Überlieferungen stammen aus dem antiken Griechenland. Das Gedicht ?Werke und Tage? des griechischen Dichters Hesiod, der um 700 v. Chr. lebte, stellte eine Art Bauernkalender in Versform dar. Darin brachte er astronomische Ereignisse mit bestimmten Wetterphänomenen in Verbindung. So schrieb er beispielsweise: "Wenn die Plejaden in das neblige Meer tauchen, um der rohen Kraft des Orion zu entkommen, dann toben wahrlich Stürme aller Art" (dies geschieht Ende Oktober oder Anfang November), und dass "fünfzig Tage nach der Sonnenwende ? die Zeit der drückenden Hitze zu Ende geht". Solche Beobachtungen könnten als eine der frühesten Formen klimatologischer Forschung angesehen werden. "Werke und Tage" steht am Anfang einer Tradition griechischer und römischer Werke, oft in Form von Kalendern, die astronomische Phänomene mit dem Wetter in Verbindung brachten. Etwa 600 v. Chr. galt der griechische Naturphilosoph Thales von Milet (um 625?um 545 v. Chr.) möglicherweise als der erste griechische Meteorologe. Ihm wird die Abgabe saisonaler Ernteprognosen nachgesagt. Dem griechischen Philosophen Anaximander (610?546 v. Chr.) wurde bescheinigt, meteorologische Phänomene bzw. die Meteorologie selbst in die Philosophie eingebracht zu haben, was als Grundlage nachfolgender Naturforscher gedient haben könnte. Seine Werke sind jedoch verschollen. Etwa 400 v. Chr. gibt es Hinweise darauf, dass der griechische Philosoph Demokrit (um 460?um 370 v. Chr.) Wetteränderungen prognostizierte und diese Fähigkeit nutzte, um die Menschen davon zu überzeugen, dass er auch andere zukünftige Ereignisse vorhersagen könne. Im selben Zeitraum verfasste der griechische Mediziner Hippokrates von Kos (um 460?um 370 v. Chr.) antike medizinische Texte, die als Corpus Hippocraticum zusammengefasst wurden. Eine Abhandlung mit dem Titel "Über Luft, Wasser und Orte", stellt das früheste bekannte Werk dar, das sich mit dem Wetter befasst. Allgemeiner gesagt handelt der Textinhalt über häufige Krankheiten, die an bestimmten Orten, zu bestimmten Jahreszeiten, bei bestimmten Wind- und unter bestimmten Luftverhältnissen auftreten. Überliefert ist: "Wer sich ernsthaft mit der Medizin befassen will, sollte zunächst die Jahreszeiten betrachten und die Wirkungen, die jede von ihnen hervorruft; denn sie sind nicht alle gleich, sondern unterscheiden sich in ihrem Einfluss erheblich voneinander. Als Nächstes sollte man die Winde, die Hitze und die Kälte untersuchen, insbesondere jene Faktoren, die allen Ländern gemeinsam sind, und dann jene, die für jeden Ort spezifisch sind." 340 v. Chr. schrieb der griechische Philosoph Aristoteles (384?322 v. Chr.) "Meteorologica", ein vierbändiges Werk, das den damaligen Wissensstand in den Geowissenschaften, einschließlich Wetter und Klima, zusammenfasst. Es ist das erste bekannte Werk, das versucht, ein breites Spektrum meteorologischer Themen zu behandeln und stellt damit die älteste umfassende Abhandlung zum Thema Meteorologie dar. Die Bände 1 bis 3 wenden Erklärungsmethoden an, die verschiedene Phänomene als eine Wechselwirkung von Kräften in einem natürlichen System erklären. In Band 4 werden die Eigenschaften und Auswirkungen von Wärme und Kälte auf organische Prozesse untersucht. Zum ersten Mal wurden Niederschläge und die Wolken, aus denen sie fallen, als ?Meteoren? bezeichnet ? ein Begriff, der vom griechischen Wort "meteoros" stammt, was so viel wie "hoch am Himmel" bedeutet. Von diesem Wort leitet sich der moderne Begriff "Meteorologie" ab, die Lehre von den Wolken und dem Wetter. Auch wenn der Begriff ?Meteorologie? heute als Bezeichnung für ein Teilgebiet der Atmosphärenwissenschaften verwendet wird, ist Aristoteles' Werk allgemeiner gehalten. Die ?Meteorologica? stützt sich auf Intuition und einfache Beobachtung, nicht jedoch auf das, was heute als wissenschaftliche Methode gilt. Mit seinen eigenen Worten zusammengefasst, umfasst der Inhalt "alle Eigenschaften, die wir als der Luft und dem Wasser gemeinsam bezeichnen können, sowie die Arten und Teile der Erde und die Eigenschaften ihrer Teile". Kapitel in den vier Bänden gibt es zu den vier Elementen (Luft, Feuer, Erde, Wasser), Sternschnuppen und Kometen sowie die Milchstraße, Polarlichter (Aurora borealis), Entstehung von Wolken und Regen, Nebel, Tau, Schnee, Hagel, Wind, Küstenerosion, Ozean, Salzgehalt des Meeres, Erdbeben, Donner und Blitz, Wirbelstürme, Halos und Regenbogen, Hitze und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit. Auch die Eigenschaften von Tornados werden beschrieben. Eine der beeindruckendsten Errungenschaften in der Meteorologie ist seine Beschreibung dessen, was heute als Wasserkreislauf bekannt ist: "Nun setzt die Sonne durch ihre Bewegung Prozesse des Wandels, des Entstehens und des Verfalls in Gang, und durch ihr Wirken wird das feinste und süßeste Wasser jeden Tag emporgetragen, löst sich in Dampf auf und steigt in die oberen Schichten auf, wo es durch die Kälte wieder kondensiert und so zur Erde zurückkehrt. Ebenso sollte jemand, der in eine ihm unbekannte Stadt kommt, deren Lage im Hinblick auf die vorherrschenden Winde und den Sonnenaufgang berücksichtigen; denn ihr Einfluss ist nicht derselbe, je nachdem, ob sie nach Norden oder Süden ausgerichtet ist oder ob sie der aufgehenden oder der untergehenden Sonne zugewandt ist." In der pseudo-aristotelischen Abhandlung "De Mundo", welche nach 322 v. Chr. abgefasst wurde, heißt es: "Eine Wolke ist eine dampfartige Masse, die sich verdichtet und Wasser bildet. Regen entsteht durch die Kompression einer dicht verdichteten Wolke, wobei die Stärke des Regens vom auf die Wolke ausgeübten Druck abhängt; bei geringem Druck fallen sanfte Tropfen; bei starkem Druck kommt es zu einem heftigeren Niederschlag, den wir als Schauer bezeichnen, da er stärker ist als gewöhnlicher Regen und sich als kontinuierliche Wassermassen über die Erde ergießt. Schnee entsteht durch das Aufbrechen verdichteter Wolken, wobei die Spaltung bereits vor der Umwandlung in Wasser stattfindet; es ist dieser Spaltungsprozess, der ihm seine schaumartige Beschaffenheit und sein strahlendes Weiß verleiht, während die Ursache für seine Kälte im Gefrieren der darin enthaltenen Feuchtigkeit liegt, bevor diese sich verteilt oder verdünnt. Wenn der Schnee heftig ist und stark fällt, nennen wir es einen Schneesturm. Hagel entsteht, wenn sich Schnee verdichtet und durch seine dichte Masse an Schwung für einen schnelleren Fall gewinnt; das Gewicht nimmt zu und der Fall wird umso heftiger, je größer die abgebrochenen Wolkenfragmente sind. Dies sind also die Phänomene, die als Folge feuchter Ausdünstung auftreten." Einige Jahre nach Aristoteles' Werk verfasste sein Schüler, der griechische Naturforscher und Philosoph Theophrastos von Eresos (um 371?um 287 v. Chr.) ein Buch über Wettervorhersagen mit dem Titel "Das Buch der Zeichen". Darin wurden verschiedene Anzeichen wie Sonnen- und Mondhalos, die von hohen Wolken gebildet werden, als Mittel zur Wettervorhersage vorgestellt. Die gemeinsamen Werke von Aristoteles und Theophrastos genossen eine solche Autorität, dass sie fast 2000 Jahre lang den größten Einfluss auf die Erforschung von Wolken, Wetter und Wettervorhersagen hatten. Aus dieser Zeit sind auch Zeichnungen von Windrosen entstanden. Heute kennt man allerdings nur deren Beschreibungen in den Werken, wieviele Winde es gibt und aus welcher Richtung sie wehen. Keine zeitgenössische antike Zeichnung einer Windrose hat überlebt. Allerdings gibt es Objekte aus Stein, die einer Windrose entsprechen. Das bekannteste ist der achteckige Turm der Winde in Athen aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Acht Reliefs zeigen die verschiedenen Windgottheiten der vier Haupt- und vier Nebenwinde mit einem Attribut, das auf den Charakter des Windes hinweist. Beispielsweise ist Boreas, der Windgott des Nordens, als bäriger Mann mit Mantel dargestellt, der in eine Muschel bläst. Um 250 v. Chr. erforschte der griechische Mathematiker und Physiker Archimedes von Syrakus (um 287?212 v. Chr.) die Konzepte des Auftriebs und des hydrostatischen Prinzips. Positiver Auftrieb ist für die Entstehung von Konvektionswolken (Cumulus und Cumulonimbus) unerlässlich. Der bedeutendste der griechischen Astronomen, Hipparchos von Nicäa (um 190?um 120 v. Chr.), erstellte einen astrometeorologischen Kalender traditioneller Art, der auf Hesiod zurückging. In ihm wurden erwartete Wetterbedingungen mit astronomischen Ereignissen wie dem Auf- und Untergang von Sternen und Sternbildern in Verbindung gebracht. Leider ist Hipparchos' Kalender heute verloren gegangen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es noch bei weiteren Philosophen aus dem antiken Griechenland zu einigen Erwähnungen über die Meteorologie kam, die oftmals dieselben Inhalte wie bei den hier beschriebenen Philosophen hatten und an dieser Stelle nicht detailliert genannt werden. Zum Abschluss dieses Artikels und der darin beschriebenen Zeitperiode geht der Blick weit nach Osten: In einigen klassischen Werken aus dem alten China sind meteorologische Inhalte überliefert. In der Arbeit "Tao Te Ching", mutmaßlich verfasst vom chinesischen Philosophen Laozi oder auch Laotse, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll, heißt es, "ein starker Wind kann nicht den ganzen Morgen wehen und ein heftiger Regen kann nicht einen ganzen Tag andauern." Etwa 1900 Jahre nach Yu dem Großen (siehe Teil 1 der Geschichte der Meteorologie) herrschten am Gelben Fluss im Chinesischen Kaiserreich weiterhin Überschwemmungen in regelmäßigen Abständen. Diese im wahrsten Sinne des Wortes einzudämmen und einen Ausgleich zwischen Trocken- und Hochwasserperioden herzustellen, war das Lebenswerk von Bing Li, Regent von Shu (heute bekannt als Sichuan), der um 250 v. Chr. lebte. Lis größte Errungenschaft war der Bau des ersten Staudamms an einem Ort namens Dujiangyan. Der Staudamm war Teil eines Projekts zur Umleitung des Minjiang, eines Nebenflusses des Jangtsekiangs. Das umgeleitete Wasser wurde in eine Reihe von Überläufen und Kanälen geleitet, die in Dürrezeiten zur Bewässerung der Felder geöffnet und bei Hochwasser geschlossen werden konnten. Li ließ drei Steinfiguren in Form von Männern, die die Götter des Hochwasserschutzes darstellten, als Pegel auf den Feldern aufstellen. Waren ihre Füße zu sehen, ging man von einer Dürre aus, und die Schleusen wurden geöffnet, um Wasser hereinzulassen. Waren ihre Schultern unter Wasser, war das Hochwasser zu hoch gestiegen, und die Schleusen wurden geschlossen. Auch in Indien entstanden zu dieser Zeit Schriften wie die "Upanishaden", die zwischen etwa 800 und 200 v. Chr. aus älteren Überlieferungen niedergeschrieben wurden. Sie beinhalten Erläuterungen zu den Prozessen der Wolkenbildung und des Regens. Sie beschreiben Jahreszeitenzyklen, die durch die Umlaufbahn der Erde um die Sonne bedingt sind. Das bedeutende indische Epos Mahabharata, das ab 400 v. Chr. aufgezeichnet wurde, beschreibt in Versform die Ankunft des indischen Sommermonsuns: "und dann (der Gott des Donners und des Blitzes), den Kadru so sehr verehrte, bedeckte das gesamte Firmament mit gewaltigen Wolken. Und diese Wolken, vom Blitz erhellt, donnerten unaufhörlich am Himmel gegeneinander und kochten eine Fülle von Wasser. Und infolge der unzähligen Wellen, die durch den heftigen Regenguss, das laute Donnern der Wolken, die Blitze, den heftigen Wind und das allgemeine Brodeln hervorgerufen wurden, glich der Himmel einem rauschhaften Tanz. Der Himmel ist vollständig von Wolken bedeckt, und die Sonnenstrahlen sowie der Mond verschwinden infolge dieses Aufruhrs ? und Wasser bedeckt die Erde überall." Im gleichen Werk wird auch ein Sandsturm beschrieben. Sie sehen, schon vor der christlichen Zeitenwende gab es umfangreiche Vorstellungen vom Wettergeschehen und spannende Entwicklungen, die nun auch in Aufzeichnungen vorliegen. Diese Serie wird fortgesetzt und wir blicken dann auf die Entwicklung der Meteorologie in der Zeit des Römischen Reiches, die Weiterentwicklung im antiken China sowie Erkenntnisse zur Meteorologie im europäischen Frühmittelalter. Dipl.-Met. Markus Eifried Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.04.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst