Wissenschaft kompakt Geschichte der Meteorologie - Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein. Schwerpunkt dieser Abhandlung bilden ausgewählte Länder außerhalb Europas mit Fokus auf Afrika. Abgerundet wird diese Übersicht mit einem Überblick über die internationale Zusammenarbeit über Konferenzen, Polarkommission bis hin zur Gründung der Weltorganisation für Meteorologie. Im letzten Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur Etablierung nationaler meteorologischer Institute blicken wir auf Afrika, ehe ein Überblick über die internationale meteorologische Zusammenarbeit erfolgt. Südafrika war über längere Zeit in mehrere britische Kolonien aufgeteilt. Initiiert durch meteorologische Beobachtungen durch den Königlichen Astronomen am Kap der Guten Hoffnung, dem irisch-südafrikanischen Astronom Sir Thomas Maclear (1794-1879) wurde 1860 in der Kapkolonie die Meteorologische Kommission am Kap der Guten Hoffnung gegründet. Bild 1 zentriert In der Oranjefluss-Kolonie (Orange River Colony) wurden erste meteorologische Messungen 1878 durch den britischen Meteorologen John Brebner (1833-1902) in Bloemfontein initiiert. 1881 nahm er weitere Stationen in Betrieb, die allerdings nur Niederschläge aufzeichneten. Im Bereich des Ministeriums für Landwirtschaft wurde 1903 eine meteorologische Abteilung gegründet, die vom britischen Meteorologen James Lyle (1871-1941) geleitet wurde. Aus demselben Jahr liegen von dort erste Messungen vor. In der Kolonie Natal begannen systematische Wetteraufzeichnungen ab 1882 am Natal-Observatorium in Durban. Ältere temporäre Messungen aus Pietermaritzburg reichen bis 1858 zurück. In der Kolonie Transvaal wurde 1903 eine meteorologische Abteilung gegründet. Ihr Sitz war das Union-Observatorium bei Johannesburg, das als meteorologisches Observatorium erbaut worden war. Dessen erster Direktor, der britisch-südafrikanische Astronom Robert Innes (1861-1933), baute das Observatorium zu einem astronomischen Observatorium um. Nach Bildung der Südafrikanischen Union 1910 wurden alle meteorologischen Dienste der vormaligen vier Kolonien zum Union of South Africa's Weather Service vereinigt, der bei der staatlichen Abteilung für Bewässerung angesiedelt wurde. Erster Leiter wurde der südafrikanische Meteorologe Charles Stewart (ca. 1870?-nach 1931). 1940 erfolgte die Umgliederung ins Verteidigungsministerium, 1949 unter dem Namen "South African Weather Bureau" ins Verkehrsministerium. In der ehemaligen britischen Kolonie Rhodesien, die das heutige Sambia und Simbabwe umfasst, starteten erste Niederschlagsmessungen 1878 an der Hope Fountain Mission, einer christlichen Missionsstation nahe Bulawayo. Systematische meteorologische Messungen begannen 1897 am Jesuiten-Observatorium in Bulawayo und in Salisbury (heute Harare). Das Jesuiten-Observatorium diente der Suche nach Wegen zur systematischen Wetteraufzeichnung für Landwirtschaft und Bergbau und lieferte die ersten präzisen Datensätze von Luftdruck und Wettergeschehen der Region. In der Folge baute der aus dem Elsass stammende französische Jesuitenpater, Mathematiker und Astronom Edmund Goetz (1865-1933) das später nach ihm benannte Observatorium aus und stattete es mit neuen Messinstrumenten aus. Neben der Meteorologie wurden am Observatorium auch astronomische und erdmagnetische Beobachtungen durchgeführt. Ab 1922 wurden synoptische Wettermeldungen täglich durchgeführt. Ab 1924 wurden regelmäßige Wettervorhersagen an die Presse gegeben und mittels Telegraphie an die Postämter gesendet. Erste meteorologische Aufzeichnungen in Madagaskar führten katholische Missionare um 1884 durch, die sich in Andohalo (heute ein Stadtteil der Hauptstadt Antananarivo) niedergelassen hatten mit dem Ziel, dort landwirtschaftliche Praktiken zu verbessern. 1901 wurde durch den französischen General und Kolonialverwalter Joseph Gallieni (1849-1916) der Landwirtschaftliche meteorologische Dienst und Wettervorhersagedienst gegründet. 1927 wurde der Dienst in "Direktion der Meteorologischen Dienste von Madagaskar und seinen abhängigen Gebieten" umbenannt und erweiterte seine Dienstleistungen und seinen Zuständigkeitsbereich. Erste temporäre meteorologische Messstationen in Abessinien oder Äthiopien wurden im 19. Jahrhundert durch Missionare und Entdecker betrieben. Ab 1890 betrieben Italiener eine Messstation nahe der später gegründeten Stadt Adami Tullu südlich von Addis Abeba, ab 1896 folgte eine weitere in Gambela im äußersten Westen. Systematische Messungen in Addis Abeba starteten 1902. Während der italienischen Invasion zwischen 1936 und 1941 im Abessinienkrieg wurden 192 Messstationen eingerichtet. Seit 1951 wurde das Messnetz auf 495 Stationen für den Flugbetrieb ausgebaut und bei der Zivilluftfahrt eine Abteilung gegründet, die sich mit meteorologischen Angelegenheiten befasst. Im Sudan (damals unter anglo-ägyptischer Besatzung bzw. Verwaltung) wurde 1890 eine erste Messstation in Sawakin (Suakin) südlich von Port Sudan an der Küste des Roten Meeres eingerichtet. Bis 1920 wuchs die Anzahl der Messstation auf 16. 1937 erfolgte die Gründung der Sudan Meteorological Authority. Im britischen Protektorats- und Kolonialbereich Nigeria starteten 1887 meteorologische Messungen in Akassa im Mündungsbereich des Flusses Niger. 1907 wurde eine Messstation in Ilorin nördlich von Lagos und 1909 eine weitere in Lokoja (hier mündet der Nebenfluss Benue in den Niger) eingerichtet. 1937 wurden die verschiedenen Messtationen in einer einheitlichen Abteilung der britischen westafrikanischen Wetterdienste organisiert. Ghana war unter dem Namen Goldküste eine Kolonie in Britisch-Westafrika. Die Beobachtung von Wetterphänomenen begann in den 1830er Jahren in der Umgebung der Aburi-Gärten in der Ostregion durch die Basler Mission. 1886 richtete die britische Kolonialregierung drei klimatologische Stationen entlang der Küste der Kolonie ein, deren Betrieb den medizinischen Abteilungen anvertraut wurde. 1937 wurde in der Goldküste die Abteilung für den britischen westafrikanischen Wetterdienst gegründet. Mali war als französisches Territorium unter den Bezeichnungen Französisch-Sudan sowie Obersenegal und Nigar administrativ ein Teil von Französisch-Westafrika. Erste meteorologische Messstationen wurden im Zuge der kolonialen Expansion 1895 in Kayes im Westteil des Landes, der damaligen Hauptstadt, 1897 in Timbuktu und 1900 in Nioro du Sahel im Westteil des Landes eingerichtet. 1930 wurde dann der Wetterdienst von Französisch-Sudan gegründet. Er war im Rahmen des Wetterdienstes von Französisch-Westafrika technisch mit den anderen Gebieten von Französisch-Westafrika verbunden, dessen Bundesdirektion für Meteorologie ihren Sitz in Dakar (Senegal) hatte. 1937 wurde das Netz der Wetterbeobachtungsstationen eingerichtet, das über einen Flugwetterdienst verfügte. Dieser lieferte meteorologische Informationen für Flugrouten, insbesondere auf den Strecken zwischen Bamako und Timbuktu, Gao und Dakar. Diese Wetterstationen wurden bis zur Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960 von zivilem Personal der Verwaltung für öffentliche Arbeiten oder von Militärpersonal unter französischer Leitung betrieben. Nach diesem Zeitpunkt wurde die Ablösung des französischen Führungspersonals schrittweise durch malisches Personal gewährleistet. Im benachbarten Senegal wurden im 19. Jahrhundert nur vereinzelt vorübergehend meteorologische Messungen auf der Halbinsel Cap Vert, der Westspitze Afrikas, durchgeführt. 1920 erfolgten erste systematische Messungen in Diourbel östlich von Dakar. In Dakar starteten Wetterbeobachtungen 1945. In der portugiesischen Kolonie Kap Verde fanden erste meteorologische Beobachtungen 1854 im Hafen von Vila da Praia an Bord des Kriegsschiffes "Andorinha" durch den portugiesischen Leutnant Fernando Maria Gama Lobo (1829-1879) statt. 1857 erfolgte die Einrichtung einer ersten meteorologischen Messstation im Bereich des Militärkrankenhauses in Praia. Diese wurde von dem portugiesischen Pharmazeuten Manuel Leyguarda Pimenta (ca. 1844-1868) geleitet. 1883 folgte eine weitere in Mindelo. Diese wurde von Jacinto Augusto Medina (1838-ca. 1895), einem portugiesischen Mediziner aus Madeira, geführt. Die meteorologischen Daten wurden per Telegramm über Unterseekabel an den internationalen meteorologischen Dienst gesendet. 1949 erfolgte die Gründung des Kapverdischen Meteorologischen Dienstes. Erste meteorologische Messungen im modernen Sinne im damaligen französischen Protektorat Tunesien sind 1873 datiert, allerdings ohne Ortsangabe. 1885 wurde eine französische Wetterstation in Tunis eingerichtet. Das Office Meteorologique de France baute 1923 ein Messnetz auf. Dessen Zentralstation war am Flughafen El Aounia (heute Flughafen Tunis) eingerichtet und hieß Service d'El Aounia. Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in Afrika wurden Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen als die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem Interesse waren Niederschlag und Temperatur. In Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) starteten 1891 meteorologische Messungen im ersten Verwaltungssitz Bagamoyo sowie nachfolgenden Verwaltungssitz Daressalam und in Tanga (im Nordosten, alle in Tansania). In den Residenturen Urundi begannen meteorologische Beobachtungen 1908 in Marienheim (Usumbura; heute Bujumbura in Burundi) sowie in Ruanda 1911 in Kigali. Etwas länger reichen die Aufzeichnungen der Überseestation Sansibar in der Stone Town im außerhalb des Schutzgebiets gelegenen Sultanat Sansibar zurück, diese begannen 1886. 1895 wurde in der Kolonie Deutsch-Ostafrika der offizielle Posten eines Regierungs-Meteorologen mit Sitz an der Kaiserlichen Hauptwetterwarte Daressalam geschaffen. Dessen Aufgabe bestand darin, das Klima des Schutzgebietes wissenschaftlich zu erfassen und ein Beobachtungsnetz aufzubauen, um Landwirtschaft und Schifffahrt zu unterstützen. Der erste Amtsinhaber Hans Maurer (1868-1945), Mathematiker, Geophysiker und Meteorologe aus dem Großherzogtum Hessen, baute in seiner Amtszeit von 1895 bis 1899 das bis dahin unstrukturierte Messnetz aus Missions- und Militärposten zu einem wissenschaftlich verlässlichen Stationsnetzwerk aus. Ihm folgte der deutsche Geograph und Meteorologe Carl Uhlig (1872-1938) als nächster Regierungs-Meteorologe nach. Er führte in seiner Amtszeit von 1900 bis 1906 die Arbeiten seines Vorgängers fort und erfasste bei Forschungsexpeditionen am Kilimandscharo und am Maeru (Mount Meru) die dortigen klimatischen und topographischen Verhältnisse. Ab 1906 übernahm der deutsche Meteorologe Gerhard Castens (1877-1963) den Amtsposten. Unter seiner Leitung erreichte das meteorologische Messnetz der Kolonie seinen Höhepunkt. Er baute das System bis zum Ersten Weltkrieg auf zeitweise rund 60 Stationen höherer Ordnung und etwa 400 Regenwarten aus. In Kamerun begannen Wetterbeobachtungen 1885 in Duala (Douala), 1889 in Jaunde (Yaounde) und 1891 in Buea (vorübergehender Verwaltungssitz). Mit Garbabi liegt eine Überseestation des Schutzgebietes im heutigen Nigeria (Messungen ab 1911). Im Bereich Neukamerun wurden auch Überseestationen eingerichtet, deren Messdauer in 1913, teils auch in 1912, jedoch relativ kurzer Dauer war (Fianga im heutigen Tschad, Mbaiki bei Bangui, heute Zentralafrikanische Republik, Ikelemba, heute Republik Kongo sowie Ukoko und Ojem oder Oyem, beide in Gabun). Zunächst wurde der Wetterdienst in Kamerun oft behelfsmäßig und dezentral durch koloniale Dienststellen, Faktoreien von Handelshäusern oder Missionsstationen betrieben und durch die Kaiserliche Versuchsanstalt in Victoria koordiniert. Von dort wurden die ersten systematischen Wetter-, Regen- und Temperaturmessungen für die Region organisiert, um den Plantagenbau (z. B. Kakao und Kautschuk) wissenschaftlich zu unterstützen. Nach dem Vorbild von Deutsch-Ostafrika wurde 1912 ein Amtsposten des Regierungs-Meteorologen geschaffen, dessen Aufgabe der Aufbau eines flächendeckenden Messnetzes und Wetterbeobachtungsdienstes war. Hauptsitz war die kühlere Bergstation in Buea. Einziger Amtsinhaber war der deutsche Meteorologe Paul Heidke (1877-1953). Bild 2 zentriert In Südwestafrika (heute Namibia) begannen meteorologische Messungen 1882 in Omaruru und 1883 in Rehoboth. Die Messreihe am Verwaltungssitz Windhuk (Windhoek) startete 1891. Der württembergische Geograph und Meteorologe Karl Dove (1863-1922) bereiste das Schutzgebiet zwischen 1892 und 1894 in staatlichem Auftrag. Er führte die ersten systematischen meteorologischen und klimageographischen Studien durch und legte den wissenschaftlichen Grundstein für die spätere landwirtschaftliche Nutzung. Das spätere Messnetzwerk, welches mit rund 420 Stationen das größte und dichteste aller deutschen Kolonien war, unterstand zunächst der Kaiserlichen Bergbehörde in Windhuk. Später wurden die meteorologischen Daten zentral von der Kaiserlichen Hauptwetterwarte in Windhuk verwaltet. Die täglichen Messungen vor Ort, oft reine Regenmessungen, wurden meist nebenamtlich von Regierungsbeamten, Stationsleitern oder Soldaten der Schutztruppe sowie lokalen Farmern durchgeführt. In Togoland (Togo und Ostteil von Ghana) wurden erste Messungen in der Kolonialstation Misahöhe (heute Misahoe, Togo) ab 1890 getätigt, im Verwaltungssitz Lome starteten diese 1892 und im Bergland der Volta-Region in Ahmedschowe (heute Amedzofe in Ghana) 1895. Die Wetterstationen unterstanden der Leitung des Kaiserlichen Vermessungsamtes in Lome. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Staaten meteorologische Messungen vorgenommen und meteorologische Messnetze innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen eingerichtet, welche vielfach in meteorologischen Institutionen der jeweiligen Länder mündete. Für die weitere Entwicklungen der Meteorologie war es unabdingbar, die Messmethoden und die Art der Messinstrumente einheitlichen Standards zu überführen und die meteorologischen Daten auszutauschen. Auf Initiative des US-amerikanischen Marineoffiziers und Hydrographen Matthew Fontaine Maury (1806-1873) luden die britische und die US-amerikanische Regierung andere Nationen zu einer ersten internationalen meteorologischen Konferenz nach Brüssel ein, die 1853 unter Vorsitz des belgischen Astronomen und Statistikers Adolphe Quetelet (1796-1874) abgehalten wurde. Bild 3 zentriert Das Hauptziel der Konferenz bestand darin, eine dauerhafte internationale Zusammenarbeit bei der Erforschung der meteorologischen Bedingungen über dem Meer zu etablieren. Man einigte sich auf die Form der Beobachtungsprotokolle auf Militär- und Handelsschiffen, die als Logbuch meteorologische, astronomische und magnetische Messungen und Beobachtungen umfassen und nach Ankunft im jeweiligen Hafen den zuständigen Stellen zur Auswertung übergeben werden müssen. Die beiden Temperaturskalen Fahrenheit und Celsius wurden anerkannt und zehn Wolkentypen zur Beobachtung festgesetzt. Auch nichtteilnehmende Nationen akzeptierten die getroffenen Vereinbarungen und setzten meteorologischen Messverfahren auf den Schiffen ein. Um 1860 setzte sich die Erkenntnis durch, dass die getroffenen internationalen Vereinbarungen auf See auch für Bodenmessungen sinnvoll seien. Um Wetterkarten zu erstellen, mussten Daten sowohl vom Land als auch vom Meer her gesammelt werden. Dies war zweifellos der Hauptgrund für die Gründung der Internationalen Meteorologischen Organisation. Der Schweizer Meteorologe und Physiker Heinrich von Wild (1833-1902), der aus Mähren stammende österreichische Meteorologe Karl Jelinek (1822-1876) und der preußische Astronom und Meteorologe Carl Bruns (1830-1881), Direktor der Sternwarte Leipzig, luden mit den Worten "Wenn es ein Gebiet der Wissenschaft gibt, das von einem einheitlichen System profitiert, dann ist es die Meteorologie" 1872 Meteorologen aller Länder zu einer Konferenz in Leipzig ein, auf der die Wetterbeobachtung international koordiniert werden sollte. Sie resultierte in großen Meinungsunterschieden sowohl hinsichtlich der besten Instrumente, ihrer Aufstellung am Messort als auch der Wahl der Maßeinheiten und des Beobachtungszeitpunkts. Auf der nächsten internationalen meteorologischen Konferenz in Wien 1873 wurde mit dem Ständigen Ausschuss ein Gremium eingerichtet, aus welchem bis 1879 durch den niederländischen Naturwissenschaftler Christoph Buys Ballot (1817-1890) die erste Internationale Meteorologische Organisation (IMO) ins Leben gerufen wurde. Deren erster Präsident wurde Buys Ballot. Der Ständige Ausschuss traf sich 1874 und 1878 in Utrecht und dazwischen 1876 in London. Nach dem nächsten internationalen meteorologischen Kongress 1879 in Rom traf sich ein eingerichtetes internationales meteorologisches Komitee öfter. Bild 4 zentriert Daneben wurden Treffen der Direktoren nationaler Wetterdienste etabliert. Dabei wurde vereinbart, das Haarhygrometer und das Aneroidbarometer als Begleitinstrumente zum Quecksilberbarometer einzusetzen und für die Wolkenbeobachtung wurde Howards Wolkenklassifikation übernommen. Russland führte das metrische System ein und passte seinen Kalender an. Keine Einigung konnte über die Celsius-Skala der Temperaturmessung erzielt werden, so dass auch heute noch teilweise Fahrenheit verwendet wird. Im Rahmen der Internationalen Meteorologischen Organisation wurden Vereinbarungen getroffen, die von großer wissenschaftlicher Bedeutung waren. So organisierte die Österreichisch-Ungarische Monarchie in den Jahren 1872?1874 die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition, die von dem aus dem Großherzogtum Hessen stammenden Marineoffizier und Polarforscher Carl Weyprecht (1838-1881) und dem aus Böhmen stammenden österreichischen Offizier und Polarforscher Julius von Payer (1841-1915) geleitet wurde. Dabei wurde das Franz-Josef-Land entdeckt. Es wurden Erfahrungen hinsichtlich der Grundprinzipien der Forschung in diesen Gebieten in allen Wissenschaftsbereichen gesammelt. Die Internationale Polarkommission wurde 1879 von Weyprecht zusammen mit dem aus der bayerischen Pfalz stammenden Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826-1909) auf einer Konferenz in Hamburg gegründet. In Bern wurde 1880 vereinbart, im Rahmen der Polarexpedition acht Polarstationen zu errichten. Russland, Österreich, Norwegen und Dänemark waren dafür verantwortlich. Die Beobachtungen an diesen Stationen dauerten vom 1. August 1882 bis zum 1. September 1883, dem Ersten Internationalen Polarjahr. In dieser Zeit wurden zahlreiche Messungen meteorologischer und magnetischer Größen durchgeführt. Diese Daten bildeten eine gute Grundlage für wichtige wissenschaftliche Untersuchungen. Ein halbes Jahrhundert später (1932/1933) wurde das Zweite Internationale Polarjahr organisiert, um die vielfältigen wissenschaftlichen Fragen zum Funktionieren der Natur in den Polarregionen weiter zu untersuchen. In dieser Zeit trugen sowjetische Meteorologen maßgeblich zum Erfolg dieser Aktion bei. Andere europäische und US-amerikanische Länder leisteten aufgrund finanzieller und politischer Umstände keinen nennenswerten Beitrag. Dank der Bemühungen der Internationalen Meteorologischen Organisation wurden nach und nach einheitliche Standards in der Meteorologie eingeführt. Diese standardisierten Messdaten werden ausgetauscht, was die Erstellung regelmäßiger täglicher Wettervorhersagen ermöglicht hat. Damit ein solches System funktionieren konnte, wurde erkannt, dass die Staaten es durch ihre Entscheidungen unterstützen mussten. Auf der IMO-Konferenz 1947 in Washington, D. C. wurde die Konvention zur Weltorganisation für Meteorologie (WMO) angenommen und die Organisation zum März 1950 in die WMO überführt. Die WMO wurde 1951 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution als Sonderorganisation der Vereinten Nationen anerkannt. Sie hat ihren Hauptsitz in Genf. Erster Präsident der WMO wurde der US-amerikanische Meteorologe Francis Reichelderfer (1895-1983). Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die Entwicklung der Aerologie im 19. Jahrhundert vorgestellt. Dipl.-Met. Markus Eifried Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.09.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst