Wetter aktuell Mission impossible Meistens lässt sich das Wetter für 4 Tage im Voraus gut vorhersagen. Es gibt aber auch Situationen, da ist eine genaue Vorhersage unmöglich, so wie für kommenden Dienstag. Die Aufgabe von uns Vorhersagemeteorologen ist simpel beschrieben: Fertige eine Prognose für Bewölkung, Temperatur, Niederschlag und Wind für die kommenden Stunden und Tage. Unterstützt werden wir dabei neben Messungen von Radaren und Satelliten von einer Vielzahl an Vorhersagemodellen, die teils beim Deutschen Wetterdienst selbst entwickelt werden, die wir aber auch von anderen Quellen beziehen wie zum Beispiel vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). In aller Regel lassen sich von den Modellen Vorhersagen gut ableiten. Die Aussagen gehen meistens ab Tag 4 auseinander, es lässt sich aber ein wahrscheinliches Szenario herausfiltern, das oft auch zwischen den Modelllösungen liegt. Die größten Probleme in der Vorhersage bereiten Tiefdruckgebiete in der Höhe sogenannte Kaltlufttropfen. Deren Vorhersage gestaltet sich meist schwierig. Sie werden von den Modellen zwar erfasst, ihre Verlagerung wird aber oft unterschiedlich simuliert. Das Problem mit einem Höhentief haben wir auch aktuell. Auf der Vorhersage der Bodenwetterkarte für den heutigen Sonntag aus dem DWD-Modell ICON sehen wir ein umfangreiches Hochdruckgebiet namens GERHARD, das von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien reicht. Südlich daran schließt sich eine Zone tieferen Luftdrucks an, in die einzelne kleine Tiefdruckgebiete eingelagert sind. Über dem Schwarzen Meer befindet sich ein Tiefdruckgebiet, das Verbindung zu einem großen Tiefdruckgebiet über der Barentssee hält. Betrachtet man die Höhenwetterkarte mit den Linien gleichen Geopotentials, so finden wir zwei Tiefdruckgebiete sowohl auf 500 hPa (ca. 5500 Meter über dem Meer), als auch auf 300 hPa (ca. 9000 Meter über dem Meer, etwa auf Jet-Niveau). Ein Tiefdruckgebiet liegt über Frankreich, ein weiteres stützt das Bodentief über dem Schwarzen Meer. Wir sehen auch einen Höhentrog über dem Baltikum, der vom Tief über der Barentssee ausgeht. In der Prognose für Montag sind sich die drei großen Modelle ICON (vom DWD), GFS (aus den USA) und IFS (vom EZMW) einig. Aus dem Trog tropft ein Höhentief über dem Baltikum ab und zieht südwestwärts nach Polen. Von dort verlagert es sich westwärts in den Osten Deutschlands. Am Dienstag divergieren die Modelle dann stark. Während ICON und GFS das Höhentief samt kalter Luft weiter west-/nordwestwärts propagieren lassen, lässt IFS das Tief über dem Osten Deutschlands liegen. Für eine Prognose ist das eine sehr schlechte Ausgangslage. Die Lage des Höhentiefs hat nicht nur Auswirkungen auf die Temperatur, sondern auch auf Bewölkung und Niederschlag. Bleibt das Tief im Osten liegen (Lösung des IFS), so bleibt dort auch die Bewölkung dominant. Zeitgleich wird eine neue Störung im Westen ausgebremst, was dort zu mehr Sonne führen kann. In höhenkalter Luft sind zudem bevorzugt am Nordrand des Tiefs Schauer wahrscheinlich, die dann den Osten bzw. Nordosten beträfen. Zieht das Tief hingegen in den Nordwesten Deutschlands (Lösung ICON/GFS), verlagern sich auch die Schauer nord-nordwestwärts. Damit wäre die Chance auf Auflockerungen und trockene Phasen im Osten gegeben. Zeitgleich würde die Störung aus Frankreich nicht mehr gebremst und der Westen und Südwesten sähen mehr Wolken und im Tagesverlauf auch aufkommenden Regen. Bei der Temperatur ergeben sich im Dreieck Sachsen - Thüringen - Sachsen-Anhalt je nach Modell +10 oder -2 Grad in 850 hPa (ca. 1400 Meter über Meer). Das hat auch Auswirkungen auf die Temperatur am Boden, die in diesem Bereich je nach Modell zwischen 7 und 13 Grad schwankt. Die Vorhersage für Tag 2 (von heute an gesehen) ist demnach alles andere als leicht und schon gar nicht sicher. Auch die Vorläufe der Modelle ergeben kein klareres Bild. Alle halten an ihrer Vorhersage mehr oder minder fest. Die Unterschiede bleiben. Schauen wir wie lang und wer am Ende recht behält. Dipl.-Met. Jacqueline Kernn Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.10.2026 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst