SXEU31 DWAV 021800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 02.09.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Im Norden wechselhaft, zeitweise windig, Küsten und Bergland teils stürmisch. Am Freitag markante Wellenpassage über Norddeutschland. Im Süden meist trocken und sommerlich warm bzw. heiß. Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... ergeben sich keine signifikanten Änderungen zur Frühübersicht, sodass hier nur ein Update der Entwicklung erfolgt. Heute Nachmittag und Abend dauert die westliche Strömung weiter an und eine Trogpassage sorgt besonders vom Emsland bis nach Schleswig-Holstein für einige Schauer, lokal für einzelne Gewitter. Diese bringen punktuell einen kräftigen Platzregen und Böen (Bft 7) aus West. Auch im Osten können sich zum Abend einzelne Schauer entwickeln. Ansonsten verläuft der Nachmittag und Abend über der Mitte wechselnd bewölkt, im Süden teils auch länger sonnig und trocken. Die abendlichen Werte liegen zwischen 18 und 26 Grad, mit den höchsten Werten entlang des südlichen Oberrheins. In der Nacht zum Donnerstag erfolgt von Westen eine Warmfrontpassage, die den Norden betrifft und dort etwas Niederschlag bringt. Im Umfeld der Deutschen Bucht fallen 5 bis 10 l/qm/12h, je weiter im Binnenland, desto weniger Nass wird erwartet. Über der Deutschen Bucht sind ausgangs der Nacht auch einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Im Süden und Osten bleibt es meist klar, zeitweise ziehen ausgedehnte Wolkenfelder durch und es bleibt trocken (abseits eines örtlichen Schauerrisikos in Richtung Lausitz). Die Minima liegen von Nordwest nach Südost zwischen 16 und 8 Grad. Donnerstag ... erfolgt die Warmfront-, zum Nachmittag von Nordwesten auch die Kaltfrontpassage einer Welle, die über die Nordsee ostwärts zieht. Somit verlagert sich der skalige Niederschlag der Warmfront zügig in den Nordosten der Republik, bevor dieser nachfolgend einen konvektiven Charakter erhält in Form zahlreicher Schauer und einzelner Gewitter. Das Gewitterrisiko betrifft aus heutiger Sicht vor allem Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern. Hier stehen 200-500 J/kg MUCAPE mit ausreichend Scherung zur Verfügung, sodass besonders hier einzelne kräftige Gewitter nicht ausgeschlossen sind. Die Hauptgefahr liegt bei einzelnen stürmischen Böen oder Sturmböen (Bft 8 bis 9). Grundsätzlich sehen die Hodographen interessant aus für ein örtliches Tornadopotenzial, allerdings reagiert die Numerik sehr zurückhaltend bei der Entwicklung der Gewitter, was auch Absinken rückseitig der Welle geschuldet sein dürfte. Akkumuliert in 12h werden die höchsten Mengen (um 10 l/qm) im Nordosten erwartet, sonst fallen die Mengen bis zu den zentralen Mittelgebirgen nur strichweise nennenswert aus. Im Süden bleibt es bei viel Sonnenschein trocken. Die Maxima liegen zwischen 19 und 24 Grad im Norden und Osten, während im Südwesten mit viel Sonnenschein 24 bis 28 Grad zu erwarten sind. Der Westwind weht mit Passage der Welle besonders im Norden bis zu den zentralen Mittelgebirgen stark böig (Bft 6 bis 7), im Umfeld der Deutschen Bucht stark böig bis stürmisch (Bft 7 bis 8). Im exponierten Bergland treten markante Böen auf (Bft 8 bis 9), auf dem Brocken teils auch schwere Sturmböen (Bft 10). In der Nacht zum Freitag erwartet uns eine Keilpassage, sodass in der ersten Nachthälfte im Osten/Nordosten letzte Schauer in sich zusammenfallen und sich das Wetter vorübergehend beruhigt. Bereits nach Mitternacht nähert sich von Westen die nächste Welle, die über die Nordsee ostwärts zieht und die die über der Mitte Deutschlands liegende Kaltfront vorderseitig erneut nach Norden drückt. Somit verdichtet sich die Bewölkung im Norden im Nachtverlauf von Westen und nachfolgend setzt Regen ein, teils gewittrig durchsetzt. Dies betrifft vor allem die Region vom Emsland bis nach Schleswig-Holstein. Ansonsten verläuft die Nacht teils bewölkt, teils klar, im Süden überwiegend klar und trocken. Der Südwestwind schwächt sich im Binnenland unter die Warnschwellen ab, exponiert im Bergland und im Umfeld der Küsten sind aber weiterhin stürmische Böen oder Sturmböen aus Südwest nicht ausgeschlossen, auf dem Brocken mit schweren Sturmböen. Die Minima liegen zwischen 20 und 13 Grad. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC Freitag ... erfolgt die genannte Wellenpassage über Norddeutschland von West nach Ost, allerdings weiterhin mit unterschiedlichen Erwartungen bezüglich der Zugbahn und Intensität der Welle (wohl aus einer sich abschwächenden diabatischen Rossbywelle hervorgehend). Diese Welle fällt mit einem maximierten integrierten Feuchtetransport von TPWs um 35 mm zusammen sowie mit extremer Scherung (hochreichend um 35 m/s, 0-3 km Scherung 20 bis 30 m/s und teils stark erhöhter Richtungsscherung). All diese Zutaten sorgen für ein hohes Überraschungspotenzial, was den Wind und den Niederschlag angeht (Mengen bzw. Gewitter?). Im IFS-ENS ist die Streuung beim Bodendruck ebenfalls noch enorm. Daher macht es noch keinen Sinn Feinheiten herauszuarbeiten. Wind: Eine markante Gradientverschärfung während der Wellenpassage auf rund 16 hPa von Nord nach Süd mit 850 hPa Windgeschwindigkeiten im Norden zwischen 40 und 60 kt sorgt rein aus dem Gradienten heraus für markante Böen (Bft 8 bis 9). Jede konvektive Verstärkung (z.B. durch Gewitter) kann uns dabei schnell lokal in den Bft 10/11 Bereich bringen. Im exponierten Bergland treten durchweg markante Böen auf (Bft 9 bis 10, auf dem Brocken Bft 11). Sollte sich eine Bodentiefentwicklung herauskristallisieren, dann wäre auch eine unwetterartige Windentwicklung aus dem Gradienten heraus peripher des Tiefs nicht ausgeschlossen (Norddeutschland betreffend). Dieses beschriebene Windmaximum betrifft aber nur die südliche Peripherie der Welle, während polseitig ein Minimum beim Wind auftritt. Der Wind frischt bis zur Mitte stark böig, zeitweise stürmisch auf, wobei aber die variable Zugbahn noch höhere Unsicherheiten zur Folge hat, wie weit südlich das Windfeld ausgreift. Regen: Maximierte Feuchteadvektion mit PWs nahe von Rekordwerten bei der Modellklimatologie könnten besonders entlang des Wellenscheitels markante bis strichweise unwetterartige 12 std. Niederschlagsmengen hervorrufen. ICON zeigt dies aktuell mit bis zu 35 l/qm/12h, IFS bis 70 l/qm/12h im Umfeld von Bremen/Hamburg. Gewitter: Je nach Geometrie der Welle sind auch organisierte Gewitter nicht ausgeschlossen, wobei das Potenzial zunimmt, sollte sich die Welle stärker intensivieren. Markante bis unwetterartige Böen sowie ein örtliches Tornadopotenzial wären dann zu besprechen. Über der Mitte und dem Süden sorgt hohes Geopotenzial und kräftige Warmluftadvektion für viel Sonnenschein und hochsommerliche Werte von 27 bis 33 Grad, polseitig der Welle liegen diese je nach Niederschlag zwischen 18 und 22 Grad. In der Nacht zum Samstag verlagert sich die Kaltfront rückseitig der Welle/des sich entwickelnden Bodentiefs über die Mitte in den Süden der Republik und bringt dort noch regional 5 bis 10 l/qm Nass in 12h. Im Norden bleibt es besonders im Umfeld der Küsten leicht wechselhaft mit einigen Schauern bzw. einzelnen Gewittern. Der Westwind bleibt mäßig bis frisch, im Bergland sowie im Umfeld der Küsten markant und das bei Minima zwischen 20 und 13 Grad. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Numerik erfasst die Entwicklung während der Kurzfrist sehr gut, bevor zum Freitag die Unsicherheiten im Zuge einer markanten Wellenpassage deutlich zunehmen. Hier kann sich auch im Norden regional eine markante Lage mit Blick auf Wind, Regen und Gewitter entwickeln, was aber noch sehr unsicher ist. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Helge Tuschy