SXEU31 DWAV 040800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 04.09.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Wz Heute im Norden markante Wellenpassage mit Starkregen, markanten Böen und teils kräftigen Gewittern. In der Folge dort zögernde Stabilisierung und mäßig warm. Im Süden heute sommerlich heiß, in der Folge (Kaltfrontpassage) vorübergehend wechselhaft und mäßig warm bis warm. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Freitag... beschäftigt uns die Passage eines Wellentiefs, das auf den Namen VILJA hört. Diese Welle begann ihr Dasein in den vergangenen 36-48 Stunden wohl in Form einer sogenannten "diabatischen Rossbywelle (DRW)" über dem subtropischen zentralen Nordatlantik und wurde in der Folge zügig nordostwärts nach Mitteleuropa geführt. Am gestrigen Tag fand dabei südwestlich von Irland allmählich die Interaktion dieser Welle mit einer markanten und zonal ausgerichteten Frontalzone statt, die sich auch heute noch von Irland bis zur Ostsee erstreckt und mit Windgeschwindigkeiten von nahezu 150 kt in 250 hPa für diese Jahreszeit ungewöhnlich kräftig aufgestellt ist. Dabei wird diese Frontalzone durch das Zusammenspiel von tiefem Geopotenzial über Nordeuropa/Skandinavien und einem kräftigen subtropischen Keil über Südwesteuropa gestützt. Die nun mit der Frontalzone interagierende Welle wird heute tagsüber rasch über Norddeutschland ostwärts geführt, interagiert allerdings destruktiv mit dieser. Das bedeutet, dass sich stromauf der Welle kein IPV Maximum nähert, das eine top-down Entwicklung hin zu einer kräftigen Bodenzyklogenese stützen würde (dies findet erst über Russland statt). Was die Wellenpassage so interessant macht ist die Herkunft aus subtropischen Gefilden und der Charakter der Welle (ehemalige DRW). Die Welle geht nicht nur mit ungewöhnlich hohen Feuchtewerten einher (TPWs von 35 bis lokal 40 mm, was auch durch Echtzeit Aufstiege (Radiosonden) in UK gestützt wird und Anomalieabweichungen nahe von Rekordwerten der Modellklimatologie entspricht), sondern auch mit einer markanten Dynamik innerhalb der unteren Troposphäre (gepaart mit sehr hoher Scherung). Die Welle passiert Norddeutschland heute tagsüber rasch ostwärts und drückt rückseitig eine Kaltfront allmählich in die Mitte Deutschlands, entlang derer sich eine weitere Welle (dynamisch forciert) entwickeln und die östliche Mitte zum Abend passieren soll. Dabei sind folgende Warnparameter von Interesse. STARKREGEN: Ein 55 bis 60 kt Jet in 850 hPa advehiert die sehr feuchte Luftmasse in den Warmfront- und Scheitelbereich der Welle, was sich auch durch einen imposanten Wert von über 1000 kg/m/s beim integrierten Wasserdampftransport äußert (bzw. mit SOT über +2 beim EFI). Im Bereich der stärksten Frontogenese entlang des Wellenscheitels sind dabei stündliche Regenmengen um 25 l/qm nicht ausgeschlossen, sodass bereits in der vergangenen Nacht für den Bereich von Ostfriesland bis in den Raum Hamburg eine mehrstündige Starkregenwarnung ausgegeben wurde. Eine Ostausdehnung dieser Warnung kann nicht ausgeschlossen werden. Unter dem Strich sind in diesem Streifen 6 std. Mengen von 25 bis 40 l/qm zu erwarten (und somit sind strichweise unwetterartige Mengen nicht ausgeschlossen). In der Folge entspannt sich die Starkregengefahr etwas, wenngleich Gewitter weiterhin punktuell Starkregen hervorrufen können. Ein Fokus für eine weitere Warnausgabe könnte der Wellenscheitel einer zweiten Welle über der östlichen Mitte am Nachmittag/Abend sein, was einen Streifen vom Weserbergland bis zur Lausitz betreffen würde (ebenfalls mehrstündiger markanter Starkregen). Diesbezüglich gibt es u.a. im ID2-EPS entsprechende Signale. WIND (abseits der Konvektion): Dank der kräftigen niedertroposphärischen positiven PV Anomalie (Reste des DRW) ist auch das Windfeld bis in tiefe Lagen als ungewöhnlich intensiv zu bezeichnen, worauf auch EFI Böen mit Werten bis +1 und mit einem leicht positiven SOT anspringen. Windgeschwindigkeiten von über 50 kt in 950 hPa stehen einer leicht stabil geschichteten Grenzschicht gegenüber, weshalb sich das Böenpotenzial im Warmsektor der Welle meist im Bft 8 bis 9 Bereich bewegen sollte. Dies betrifft allgemein Norddeutschland (südlich der Welle gelegen) und entsprechende markante Böenwarnungen wurden bereits frühzeitig ausgegeben. Berglagen springen je nach Exposition mit markanten Böen Bft 9 bis 10, auf dem Brocken auch mit Orkanböen Bft 12 an. Der Schwerpunkt der Windentwicklung ist dabei am späten Vormittag/Mittag im Nordwesten und am Nachmittag eher im Nordosten zu finden. Weiter südlich schwächt sich der Wind rasch ab, sodass in Süddeutschland meist nur ein mäßiger bis frischer Westwind auftritt. GEWITTER: Hier gibt es weiterhin sehr große Unsicherheiten, da bereits kleinste Änderungen bei der Geometrie der Welle Auswirkungen auf die Ausprägung der Konvektion haben. Grundsätzlich gilt, je weiter die Ausrichtung der Konvektion vom imposanten Scherungsvektor aus West abweicht, umso höher ist das Potenzial für kräftige Entwicklung. Zusätzlich zeichnete sich seit gestern eine weitere Verwellung entlang der Kaltfront über der Mitte der Republik ab. Insgesamt ist die zu erwartende Labilität sehr gering, was der Herkunft der Luftmasse mit sehr geringen lapse rates geschuldet ist. Der erste Schwerpunkt beim konvektiv verstärkten Wind könnte sich rückseitig der Hauptwelle im Nachmittagsverlauf über dem Nordosten etablieren (Teile von MV und nördliche BB). Hier wird mit fortschreitender Vertiefung der Welle die Kaltfront mehr Südwest-Nordost ausgerichtet, was eben eine Abweichung vom westlichen Scherungsvektor bedeutet. Die Konsequenz dürfte ein durchbrochenes LEWP sein, wo strichweise Bft 9 bis 10 nicht ausgeschlossen werden können. Dies wird innerhalb der Numerik aber sehr zurückhaltend gezeigt und hängt vor allem mit kaum vorhandener Labilität zusammen. Es bedarf aber nicht viel Anpassung der Grenzschicht (z.B. etwas Einstrahlung), um diesen Parameter zu verbessern. Besonders entlang der Bruchstellen bei der konvektiven Linie besteht bei sehr hoher Scherung und tiefem LCL ein lokales Tornadopotenzial. Der zweite Schwerpunkt wird die Welle am Nachmittag/Abend über der östlichen Mitte sein, die größere Sorgen bereitet. Hier führen etwas bessere Einstrahlung und der fortgeschrittene Tagesgang für MUCAPE von 300 bis 600 J/kg und dieser Warmsektor umfasst in etwa das nördliche Hessen, Thüringen, Sachsen und den Süden von Sachsen-Anhalt/Brandenburg. Abseits der mäßigen Labilität weist die Scherung sehr hohe Werte auf mit 0-3 km Scherung lokal bis 25 m/s und hoher Richtungsscherung bzw. einem hohen Anteil von streamwise Vorticity entlang eines sehr ausgeprägten SR Vorticityvektors (direkt entlang der Front). Einem leichten Deckel bei rund 850 hPa und einem vergleichsweise hohen LCL um 1000 m stehen kräftige Feuchte- und Warmluftadvektion gegenüber. Unter dem Strich erwarten wir eine auflebende Gewittertätigkeit im Verlauf des Nachmittags über der Mitte und dem Osten, wobei jede Bruchstelle der Konvektion oder ggf. vorgelagerte isolierte Zellen (z.B. Sachsen) ein Böen- und Tornadopotenzial haben. Gedämpfte Böensignale innerhalb der Numerik deuten aktuell eher noch auf abgehobene Konvektion hin, aber eine nur minimale Korrektur der Grenzschicht ermöglicht nahezu "surface based" Konvektion. Hier muss im Nowcast geschaut werden, wie sich der Warmsektor am Nachmittag entwickelt. Böen von Bft 9, lokal Bft 10 sowie teils heftiger Starkregen (Mehrfachtreffer/Zellinteraktionen) und eben einzelne Tornados sind lokal zu erwarten. Dieses Potenzial dauert bis in die erste Nachthälfte an. Auch rückseitig der Welle treten am Nachmittag im äußersten Norden weitere, teils kräftige Schauer und Gewitter auf mit markanten Böen und einem lokalen Tornadopotenzial. Zum späten Nachmittag beschränkt sich die Konvektion dann aber zunehmend nur noch auf die Deutsche Bucht und die Bewölkung lockert auf. Im Westen fällt mit Kaltfrontpassage etwas Regen und einzelne Gewitter sind nicht ausgeschlossen, während der Süden heute meist sonnig und trocken durch den Tag kommt. Die Höchstwerte liegen südlich des Mains meist zwischen 28 und 33 Grad, über der Mitte und dem Osten zwischen 24 und 29 Grad und nördlich der Welle zwischen 19 und 24 Grad. In der Nacht zum Samstag zieht die Kaltfront mit regional 5 bis 10 l/qm Nass in 12h weiter nach Süddeutschland und die kräftigen Gewitter über Sachsen verabschieden sich zügig nach Polen/Tschechien. Nachfolgend lockert die Bewölkung im Norden immer weiter auf (südwärts ausgreifend), allerdings mit anhaltend reger Schauer- und Gewitteraktivität über und peripher der Deutschen Bucht (besonders mit markanten Böen Bft 8 bis 9 und teils mit Graupel). Der Westwind bleibt mit 40-50kt in 850 hPa besonders für die Küsten und das Bergland ein Thema (stürmische Böen oder Sturmböen, Bft 8-9, Brocken auch Bft 10), während dieser im Binnenland meist mäßig bis frisch, im Südwesten teils auch nur schwach daherkommt. Die Minima liegen im Süden zwischen 19 und 14 Grad, sonst zwischen 14 und 10 Grad (entlang der See um 16 Grad). Samstag... passiert den Norden und Osten der Republik noch ein Höhentrog ostwärts, während sich sonst von Frankreich ein umfangreicher Höhenkeil nähert und eine Wetterberuhigung einleitet. Das Wetter zeigt sich somit dreigeteilt. Entlang und südlich der Donau regnet es noch peripher der an die Alpen ziehenden Kaltfront längere Zeit anhaltend mit 5 bis strichweise um 15 l/qm in 12h. Der Niederschlag zieht sich im Tagesverlauf immer weiter an die Alpen zurück und geht in rege Schauertätigkeit über. Von Norden lockert die Bewölkung auf und es trocknet weiter ab, sodass zum Abend nur noch der direkte Alpenstau von etwas Nass betroffen sein sollte. Im Norden und Nordosten sorgt die Höhenkaltluft in Verbindung mit der feuchten Meeresluft für rege Schauer- und Gewitteraktivität - wohl in Form mehrerer organisierter Konvektionsstaffeln. Die Scherung bleibt in allen Höhenbereichen sehr hoch und ebenso die Richtungsscherung bei niedrigem LCL, sodass erneut kräftige Schauer und Gewitter mit markanten Böen Bft 8, lokal Bft 9 zu erwarten sind. Aus heutiger Sicht ergibt sich besonders über SH und MV der beste Überlapp an mäßiger Labilität und kräftiger Scherung und hier besteht auch weiterhin ein lokales Tornadopotenzial. In einem breiten Streifen dazwischen, über der Mitte und dem Südwesten, verläuft der Tag hingegen freundlich, im Südwesten meist auch sonnig und trocken. Im Norden und Osten weht der Westwind erneut stark böig bis stürmisch (auch abseits der Konvektion) mit markanten Böen im östlichen exponierten Bergland (Bft 10 z.B. auf dem Brocken). Sonst weht der Westwind mäßig bis frisch, im Südwesten schwach bis mäßig. Die Maxima liegen von Nord nach Südwest zwischen 18 und 28 Grad. In der Nacht zum Sonntag wandert der Höhenkeil mit seiner Achse nach Westdeutschland und sorgt insgesamt für eine rasche Wetterberuhigung. Einzig im Umfeld der Ostsee sowie im Stau des Erzgebirges können die Nacht über noch weitere Schauer auftreten. Sonst verläuft die Nacht teils klar, teils locker bewölkt und trocken. Die Minima liegen in der eingeflossenen subpolaren Luftmasse zwischen 12 und 6 Grad, bodennah kühlt es über der Mitte teils bis 3 Grad ab und bei dort nur noch schwacher Windbewegung muss regional mit Nebel gerechnet werden. Der Wind bleibt im Umfeld der Küsten und im exponierten Bergland weiterhin stürmisch, sonst verbleibt dieser jedoch unter den Warnschwellen. Sonntag... liegt eine breite, jedoch etwas abgeflachte Keilachse mittig über Deutschland, sodass besonders im Westen und Süden ein störungsfreier Tag erwartet wird (sonnig und trocken). Im Norden und Osten verbleiben wir jedoch noch auf der Ostseite des Keils und somit ziehen dort wiederholt dichte Wolkenfelder nach Südost. Es bleibt jedoch auch hier trocken und zum späten Nachmittag lockert auch diese Bewölkung zunehmend auf. Die Maxima liegen von Nordost nach Südwest zwischen 19 und 29 Grad und der Wind weht im Nordosten noch mäßig bis frisch aus West, sonst nur schwach aus Ost bis Südost. In der Nacht zum Montag wandert der Keil ostwärts weiter und von Westen nähert sich ein schwacher Trog, der im Verlauf der Nacht im Westen einige Schauer, vielleicht auch einzelne Gewitter generiert. Sonst verläuft die Nacht aber meist klar oder locker bewölkt und trocken. Die Minima liegen von West nach Ost zwischen 15 und 6 Grad und der Wind spielt aus heutiger Sicht keine warnrelevante Rolle (aus Süd). Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Numerik hat die Kurzfrist insgesamt gut im Griff. Die größten Diskrepanzen gibt es bereits am heutigen Tag, die zwar für sich gesehen überschaubar ausfallen, jedoch beim Blick auf die Konvektionsvorhersage von großer Bedeutung sind. Dies wurde im Text bereits angesprochen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Helge Tuschy