SXEU31 DWAV 041800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 04.09.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Stellenweise turbulenter Kaltfrontdurchgang, in die Nacht hinein abschwächend. Trotzdem einzelne gewittrige Regenfälle möglich. Dazu weiterhin teils stürmischer Wind bis in den Samstag hinein. Tagsüber im Nordosten zudem neue Schauer und Gewitter mit Sturmböen. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... geht es im Norden ausgesprochen dynamisch und mitunter recht turbulent. Uns beschäftigt ein durchziehender Wellenzug, der mit teils kräftigen Regenfällen und viel Wind einhergeht. Dabei befindet sich der Scheitelpunkt dieser Welle über Mecklenburg-Vorpommern und wird bis zum späteren Nachmittag nach Polen abziehen. Nachfolgend etabliert sich zunehmend die Kaltfront. Diese stellt sich vor allem in der Osthälfte noch vergleichsweise strukturiert dar. Dabei darf man diese Lage mit immerhin mediokrer Instabilität, dafür aber wirklich exorbitanter Scherung (über 50 kn bereits in 925 hPa!) nicht unterschätzen. Es bildet sich ein QLCS aus, entlang dessen es wiederholt zu schweren Sturmböen kommen kann. Mitunter weist dieses QLCS auch Bruchstücke auf. An diesen Bruchstücken kann es durch den Vorticityeintrag zu Spin-Ups kommen, die im worst case sogar zu kurzlebigen Tornados führen können. Ein, zwei Versuche konnten bereits via Radar beobachtet werden, die allerdings wohl erfolglos waren. Nichtsdestotrotz wird dieses System aber unter scharfer Beobachtung bleiben müssen, sowohl was geradlinige Sturmereignisse angeht, als auch mögliche eingebettete Vortizes. Der Rest des Systems stellt sich mittlerweile eher unstrukturiert dar. Vor allem nach Westen zu lassen sich höchstens noch schwache linienartige Segmente ausmachen, denen aber wohl zunehmend die Puste ausgeht. Offenbar wird das System dabei bereits rückseitig von Kaltluft überlaufen. Das würde den Prognosen der ICON-Kette (insbesondere D2 und RUC) entsprechen, die bereits am Nachmittag eine Abschwächung des gesamten Frontensystems im Programm gehabt haben, während andere hochauflösende Modelle wie SuperHD noch länger strukturierte Liniensegmente gezeigt haben. Abseits der Front weht im Warmsektor ein lebhafter Südwestwind, verbreitet treten steife Böen, in exponierten Lagen auch Sturmböen auf. Rückseitig der Front nimmt der Wind ebenfalls ab und weht nur noch im Umfeld der Nordsee in Sturmstärke. Schnell noch ein kurzes Wort zum Rest des Landes, sprich: Vor allem den Süden betreffend. Hier dominiert Hochdruckeinfluss ausgehend von einem kapitalen Höhenrücken (596 gpdm) über Südwesteuropa. Dementsprechend hier nach Süden hin abnehmende Bewölkung und zunehmend Sonnenschein. Südlich der Main-Linie gab es heuer tatsächlich nochmal einen heißen Tag mit maximal 33°C. Das reicht an einer Station (Ohlsbach, BW, Messreihe seit 1970) wahrscheinlich sogar für einen neuen Monatsrekord. Während sich die Kaltfront im Laufe des Abends vorübergehend abschwächt, nimmt sie in der Nacht zum Samstag wieder neue Fahrt auf. Dies ist einer weiteren Welle geschuldet, die sich entlang der Luftmassengrenze ausbildet und die Baroklinität wieder spürbar erhöht. Dadurch nimmt im zeitlichen Verlauf die Niederschlagsintensität an der Kaltfront erneut zu. Abschnittsweise nehmen die Niederschläge zumindest vorübergehend wieder stratiformen Charakter an. Ob es dabei vielleicht für einen Blitz reicht, bleibt allerdings fraglich. Etwas abgehobene Labilität ist zwar vorhanden, deckt sich aber auch schon nicht mehr gut mit dem Scherungsmaximum in der Höhe. Fraglich, ob genügend Antrieb zustande kommt. Immerhin hatte es am späten Nachmittag erstmals für ein paar Blitze in Südbrandenburg gereicht. Auch Starkregen in warnwürdigen Mengen erscheint ausgesprochen unwahrscheinlich. Bis zum Morgen kommen die Niederschläge etwa bis knapp nördlich der Donau voran. Rückseitig trocknet es bereits wieder ab. An der Nordsee und im angrenzenden Binnenland kommt es mit der nun nachströmenden Höhenkaltluft bereits zu neuen Schauern. Gleichzeitig bleibt es an der Küste weiterhin recht stürmisch mit weiteren Böen Bft 7-8 aus Nordwest bis West. Samstag ... ist zunächst die Kaltfront im äußersten Süden noch aktiv. Dort läuft sie gegen die Alpen, wodurch sich die verbliebenen Niederschläge nochmals intensivieren und es auch kurzzeitig nochmal gewittern kann. Dieses Vergnügen ist aber nur von kurzer Dauer. Rasch etabliert sich weiterer Hochdruck aus Richtung Frankreich und überläuft die verbliebenen Reste der Luftmassengrenze, sodass die Niederschläge im Laufe des Tages rasch nachlassen. Die Strömung steilt dabei insgesamt deutlich auf und dreht auf nordwestliche Richtung. Die Südwesthälfte des Landes ist damit raus aus dem aktiven Wettergeschehen, während der Nordosten noch im Bereich der Frontalzone verbleibt. Dort kommt es im Tagesverlauf zu zahlreichen Schauern und Gewittern, zum einen angetrieben durch Höhenkaltluft, zum anderen durch kurzwellige Troganteile, die in die ausgeprägte Höhenströmung eingebettet sind. Noch immer ist beachtliche Scherung im Spiel, teils bis 70 kn DLS 0-6 und immerhin auch 20 bis 30 kn LLS 0-1. Das bedeutet, dass auch morgen erneut organisierte Schauer- oder Gewitterlinien auftreten können, die das Potential für Sturmböen, im ungünstigsten Falle auch schwere Sturmböen aufweisen. Auch abseits der Konvektion weht gradientbedingt weiterhin recht böiger Wind, in der Spitze meist bis 7 Bft, vereinzelt und entlang der Küste auch mit 8 Bft. Erst zum späteren Abend lässt das Geschehen schließlich nach. Bezüglich der Temperaturen erwartet uns auch morgen wieder eine Zweiteilung zwischen Nordost und Südwest. Während im Norden die Werte meist auf 18 bis 20°C steigen, geht es im Oberrheingraben auf bis zu 28°C hoch. In der Nacht zum Sonntag weitet sich schließlich der erst Ableger des Hochdruckkomplexes über Südwesteuropa bis in die Mitte Deutschlands aus. Damit kommen auch die restlichen Niederschläge zum Erliegen; eine ruhige Nacht steht ins Haus. In der eingeflossenen Luftmasse sinken bei klarem Himmel die Temperaturen deutlich in den Keller. Vor allem in der Südwesthälfte werden verbreitet einstellige Tiefstwerte erreicht. Der Wind spielt kaum noch eine Rolle, höchstens etwas auflandiger Nordwestwind könnte entlang der Ostsee noch für eine etwas länger laufende Windwarnung sorgen. Mehr als 7 Bft sind aber auch dort nicht mehr drin. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC Sonntag ... steht im Zeichen ausgeprägten Hochdrucks. Damit gibt es an dieser Stelle nichts lohnenswertes mehr zu erläutern. Die Ausführungen der Frühübersicht sollten dafür ausreichen. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle bereiteten den Nachmittag und Abend über noch etwas Kopfzerbrechen bezüglich der Ausprägung der Kaltfront. Letzten Endes scheint sich jetzt halbwegs die ICON-Variante zu bewahrheiten, sodass dieser erstmal für die kommende Nacht weiter Glauben geschenkt wird. Ansonsten gibt es keine weiteren erwähnenswerten Modelldiskrepanzen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach M.Sc. Felix Dietzsch