SXEU31 DWAV 060800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 06.01.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: TrM Heute insgesamt ruhiges Winterwetter, im Norden einzelne, mitunter auch gewittrige Schneeschauer. In der Nacht zum Mittwoch in der Südosthälfte gebietsweise strenger Frost, an der Nordsee exponiert einzelne Böen Bft 8 nicht ausgeschlossen. Am Mittwoch von West nach Ost Durchzug von etwas Schnee, lokal markante Neuschneemengen nicht ausgeschlossen, dazu an der Nordsee und auf exponierten Gipfeln stürmische Böen oder Sturmböen. Nacht im Südosten strenger Frost. Am Donnerstag an der Küste und im Süden und der Mitte Stürmisch, exponiert Sturmböen oder schwere Sturmböen, auf exponierten Gipfeln Böen bis Stärke 12 (Orkanböen). Dazu von Südwesten übergreifend und in der Nacht zum Freitag den Norden und die Mitte erreichend Schneefälle, meist um 5 cm Neuschnee, lokal auch um 10 cm Neuschnee, in Staulagen auch unwetterartige Neuschneemengen möglich. Bei Schnee in Verbindung mit Böen Schneeverwehungen. Im Süden und der Mitte nach den Schneefällen Übergang von Schnee in Regen, dabei Glatteisgefahr. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Dienstag... dominiert in der Höhe ein stark amplifizierter Langwellentrog das Geschehen, der sich, ausgehend vom Polarmeer, über Skandinavien und Deutschland hinweg bis zur Iberischen Halbinsel und nach Nordwestafrika erstreckt. Die Trogachse liegt aktuell von Nordost nach Südwest orientiert über der Mitte unseres Landes, im Tagesverlauf verlagert sie sich, im Norden rascher als im Süden, ostwärts. Folglich überquert sie den Norden bis zum Abend komplett und erreicht den Westen Polens, über dem Süden hängt sie dagegen deutlich zurück und kommt über Baden-Württemberg nicht hinaus. Mit der Trogverlagerung wird über den Norden Höhenkaltluft geschoben, die mit Temperaturen von teils unter -40°C ausgesprochen niedrig temperiert ist. Da sich dort die 850er Werte zumeist in einer Spanne von -8°C bis -11°C bewegen, reicht schon die thermische Schichtung knapp für die Auslöse von Gewittern aus. Zusammen mit der troginduzierten Hebung sind somit über dem Norden Schneeschauer und auch einzelne kurze Gewitter zu erwarten. Die prognostizierten Mengen bewegen sich allenfalls in niedrigen einstelligen cm-Bereich, so dass in der Regel eine Glättewarnung ausreichen dürfte, im unmittelbaren Nordseeumfeld könnten die Mengen durch den Lake-Effekt eventuell den mittleren einstelligen cm-Bereich ankratzen, was dann lokal doch eine (vorübergehende) Schneefallwarnung nach sich ziehen könnte. Im Bodendruckfeld korrespondiert mit dem Langwellentrog ein großräumigen und etwas unförmiger Tiefdruckkomplex, der heute Morgen Kerne sowohl im Seegebiet knapp nördlich von Schottland, über dem Nordmeer sowie über der Nordsee aufweist, wobei letzterer auf den Nordseeinseln durch einen leicht zusammengezogenen Gradienten auch mal eine Bft 7 als nicht gänzlich ausgeschlossen erscheinen lässt. Ersterer dagegen intensiviert sich und wandert an die Schottische Küste, er wird dann ab der Nacht zum Mittwoch für uns interessant. Von dem Tiefdruckkomplex zieht sich eine Tiefdruckrinne über die Ostsee hinweg bis nach Südosteuropa. Da auch die Rinne allmählich nach Osten verschoben wird, kann sich über dem Süden ein Hochkeil kräftigen, der in der Mitte und dem Süden für insgesamt ruhiges Winterwetter sorgt. Niederschläge in diesem Bereich fallen allenfalls noch aus einem in Auflösung begriffenen Frontenrest, der am frühen Vormittag als schmaler Wolken- und Niederschlagsstreifen vom südlichen Oberrhein / Hochrhein nach Mitteldeutschland weist und dabei vor allem am Vormittag lokal geringe Neuschneemengen bringen kann. Ansonsten gestaltet sich der Tag ruhig, abgesehen von schwacher WLA über dem Nordwesten, die in Verbindung mit einer Warmfront zu sehen ist, spielt frontales Geschehen heute keine Rolle. Die Höchstwerte bleiben weit überwiegend im Dauerfrostbereich, in Berglagen sogar im mäßigen Dauerfrostbereich, allenfalls von der Kölner Bucht bis ins Emsland sowie im unmittelbaren Küstenumfeld erreichen die Werte ganz knapp den positiven Bereich. In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich das Schottlandtief unter weiterer Vertiefung auf die offene Nordsee (Kerndruck am Abend etwa 998 hPa, am Morgen 992 hPa). Gestützt wird die Vertiefung durch einen dem Tief folgenden Kurzwellentrog, der es zum Morgen ebenfalls, von den Britischen Inseln kommen, auf die Nordsee schafft. Im Vorfeld der zum Tief gehörenden Front verdichtet sich im Nordwesten vor allem in der zweiten Nachthälfte die Bewölkung. Laut der Deutschen Modellkette soll ausgangs der Nacht auch unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden leichter Schneefall einsetzen, eine Sichtweise, die die externen Modelle nicht teilen. Bei diesen läuft die Verlagerung des Tiefs etwas zögerlicher ab, so dass es auch im westlichen Emsland bis zum Morgen trocken bleiben soll. Damit kommt es potentiell nur noch im Küstenumfeld lokal zu leichtem Schneefall ohne nennenswerte Neuschneeauflage, im weit überwiegenden Teil des Landes bleibt es trocken. Mit der Annäherung des Tiefs frischt allerdings der Wind auf. Dabei dreht er allgemein auf Süd, nur im Südosten weht er nach aus Südwest. Während er in der Südosthälfte schwach unterwegs ist, wird er nach Nordwesten zu mit fortschreitender Dauer der Nacht immer lebhafter, an der Nordsee sind morgens dann auch steife Böen Bft 7, eventuell, insbesondere in Nordfriesland, auch stürmische Böen Bft 8 mit von der Partie. An der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste könnte es exponiert vielleicht auf mal für eine Bft 7 reichen. Die windschwachen Gebiete können, von den Alpen bis ins Erzgebirgsvorland, wieder gebietsweise mit strengem Frost kalkulieren, wobei die Tiefstwerte im Nordwesten und an den Küsten meist bei -1°C bis -3°C liegen, sonst bewegen sie sich überwiegen zwischen -3°C und -8°C. Mittwoch... läuft der schottische Kurzwellentrog weiter in die Haupttrogachse hinein, genau genommen übernimmt er mehr und mehr ihre Funktion, die alte Haupttrogachse ist zum Abend nur noch schwach über dem Baltikum auszumachen. Der Trog in seiner Gesamtheit verlagert sich nur Wenig, auch durch den in die Rückweite hineinlaufenden Kurzwellentrog, im Bereich des Mittelmeeres überquert er Korsika und Sardinien, was auch der Aufrechterhaltung einer Zone tiefen Luftdrucks im erweiterten Adriabereich "dient". Das ehemalige Schottlandtief zieht bis zum Abend vor die dänische Nordseeküste, dabei wird es vom Kurzwellentrog überlaufen, so dass es sich nicht weiter vertieft. Dennoch legt der Wind allein durch die Annäherung des Tiefs etwas zu. In den Hochlagen der westlichen Mittelgebirge sind dann Böen Bft 7 bis (exponiert) 8 möglich, an der Ostseeküste dürft sich das ganze in einer ähnlichen Größenordnung abspielen, während an der Nordsee (und auf dem Brocken) die volle Sturmstärke (Bft 9) greift. Insbesondere in exponierten Lagen Nordfrieslands können auch Böen Bft 10 (schwere Sturmböen) nicht ausgeschlossen werden. Mit der Verlagerung des Tiefs greift auch dessen Frontensystem weiter ostwärts aus. Bis zum Abend erreichen die Schneefälle etwa eine Linie von der Lübecker Bucht bis zum Oberrhein. Die Modelle setzten durchweg auf Schnee. Grundsätzlich könnte man versucht sein, im äußersten Nordwesten bei Höchstwerten von null bis +2°C versucht sein, auch an Regen (und eventuell an Glatteis zu denken). Die Soundings deuten diesbezüglich aber eine zu kleine Schmelzfläche an. Gänzlich ausschließen kann man gefrierenden Regen dort aber nicht, auch wenn die Milderung keine durchgreifende ist und die 850er Temperaturen ganztägig zumeist in einer Spanne von -5°C bis -8°C verharren. Nur im äußersten Süden wird die -10°C in 850 hPa nach Südosten abgedrängt. Bei den Schneemengen bewegen wir uns zumeist in einem Bereich bis 5 cm in 6 Stunden. Allerdings könnten sich lokal, insbesondere in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge und im Nordwesten, lokal auch höheren Mengen von 5 bis 10 cm akkumulieren. Damit sollte dann aber auch das Maximum erreicht sein, und viel mehr sollte auch deswegen nicht zusammenkommen, weil durch die Frontverlagerung der Schneefall nicht viel länger als sechs Stunden anhält. Nicht vergessen werden darf, dass die Kombi aus Schnee und Wind für einige Schneeverwehungswarnungen sorgen könnte. Im Osten und Süden des Landes bleibt es noch trocken, auch der Wind ist dort bei weitem nicht so lebhaft wie im Nordwesten und im Gegensatz zum bewölkten Nordwesten zeigt sich häufig die Sonne. Eisig bleibt des trotzdem bei Höchstwerten von -5°C bis 0°C. Frostfrei sind der Nordwesten und die Küste, lokal steigen die Temperaturen im Südosten noch nicht einmal auf -5°C. In der Nacht zum Donnerstag erreicht das Tief Dänemark (nach ICON, externe Modelle sind auch hier langsamer bezüglich der Verlagerung), wobei es sich weiter auffüllt. Der Langwellentrog wandert weiter ins östliche Mitteleuropa, auf seiner Rückseite ist die Höhenströmung antizyklonal, so dass aus der Höhe eventuelle niedertroposphärische Hebungsantriebe gedämpft werden. In diesem Umfeld kommt die Front bis in die östliche Mitte voran, auf ihrer Rückseite sind noch vereinzelte Schneeschauer möglich. Zwischen Vorpommern und Ostsachsen bleibt es trocken. Die Schneefälle verlieren aber im Nachtverlauf deutlich an Intensität, ein paar wenige cm Neuschnee (bis max. 5 cm), das ist alles, und das kann möglicherweise mit einer Glättewarnung abgefangen werden. Im Norden, im Einflussbereich des Tiefs, können vereinzelt auch noch mal kräftigere Schneeschauer auftreten. Im äußersten Norden deuten die Modelle lokal auch gefrierenden Regen an. Ob die Schmelzflächen im Bereich einer Warmen Nase in 950 hPa dafür aber ausreichen, das muss sich noch zeigen. Durch das Auffüllen des Tiefs geht der Gradient in die Knie. Damit schwächt sich der Wind ab, er dreht aber über der Nordsee auf Nordwest. Mehr als eine Bft 7 oder Bft 8 (nach ICON, das auch hier die Speerspitze bildet) wird es ausgangs der Nacht aber auch auf den windanfälligen Inseln nicht mehr geben. Vom Alpenrand bis in die Lausitz gibt es nochmal strengen Frost unter -10°C, im Emsland bleibt es lokal frostfrei mit Werten ganz knapp über 0°C, der breite Raum dazwischen liegt, von Nordwest nach Südost kälter werdend, dazwischen. Donnerstag... Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag zieht ein sich kräftigendes Tief von der Südspitze Irlands in die Niederlande. Entwicklungsgünstig auf der Vorderseite eines scharfen Kurzwellentroges gelegen, sinkt der Kerndruck bis zum Freitagmorgen auf etwas unter 975 hPa. Bezüglich der Lage des Tiefs am Freitagmorgen liefern die Modelle noch unterschiedliche Einschätzungen, laut ICON soll das Tief nördlich der Maasmündung liegen, die externen Modelle setzen auf eine weiter südliche Zugbahn. Unabhängig von der genauen Position des Tiefs zieht der Gradient deutlich an. In der Nacht zum Freitag erreichen die Böen an den Küsten sowie im Südwesten dann die Stärke 7 bis 8 Bft, an exponierten Küstenabschnitten auch Bft 9, auf exponierten Gipfeln des Südwestens auch Bft 10, auf dem Feldberg im Schwarzwald die Bft 12. Schon ab dem Nachmittag ziehen in den Südwesten neue Niederschläge, die zur Warmfront des Sturmtiefs gehören. Während die 850er Temperaturen präfrontal am Abend noch bei -5°C verharren, steigen sie im Westen schon auf etwa +1°C an. Somit fällt zuerst Schnee, der dann aber allmählich in Regen übergeht. Dabei ist aufgrund der kalten Vorgeschichte gebietsweise auch gefrierender Regen zu erwarten. Die Niederschläge erreichen zum Abend eine Linie Emsland - Osthessen - Alpen, bis zum Morgen haben sie etwa die Elbe erreicht. Dabei fallen durchaus um 5 cm Neuschnee, lokal aber auch bis 10 cm Neuschnee, in Staulagen der Mittelgebirgslage kann es auch mehr werden (vielleicht reicht es lokal und eng begrenzt sogar für unwetterartige Neuschneemengen) - bevor der Schnee über der Mitte und dem Süden vorübergehend in Regen übergeht. Im Norden kommt die Warmluft nicht an, deswegen bleibt es dort bei der festen Phase. Zusammen mit dem kräftigen Wind sind auch Schneeverwehungen zu erwarten, eventuell - insbesondere im Süden, wo die Warmluft am längsten wirksam ist - auch kurzzeitiges Tauwetter. Rückseitig des Tiefs wird in der Nacht schon wieder ein neuer Schub Kaltluft herangeführt, der dann auch neue Schneeschauer mit sich bringt. Die recht turbulente Lage ist aktuell noch unübersichtlich, weitere Modellläufe bringe hoffentlich Klarheit. Die Höchstwerte liegen von Ostbayern bis nach Vorpommer zumindest gebietsweise noch im Dauerfrostbereich, sonst steigen sie auf null bis 4°C. In der Nacht zum Freitag werden Minima von 2 bis -6°C erwartet. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Bis einschließlich Mittwoch lassen sich anhand der synoptischen Basisfelder kaum warn- und prognoserelevante Unterschiede ableiten. Ab dem Donnerstag zeigen sich dann deutliche Modellunterschiede, weshalb eine präzise Abschätzung der erwarteten Abläufe noch nicht möglich ist. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Martin Jonas