SXEU31 DWAV 071800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 07.06.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: "Skandal im Sperrbezirk" (Spider Murphy Gang 1981) - ROSI übernimmt und jagt EMIL vom Hofe. Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... steigt der Luftdruck vornehmlich in den nördlichen Landesteilen, womit die Richtung für die kommende Nacht vorgezeichnet ist. Zwischenhocheinfluss heißt das Motto, das auch tagsüber schon gültig war. Insbesondere in der Südhälfte, mit Abstrichen aber auch weiter nördlich. Nun expandiert der gute EMIL - so der Name des Hochs - nach Norden und bekommt gleichzeitig Unterstützung von einem flachen Rücken, der von Westen her den Vorhersageraum erreicht. Vor diesem Hintergrund ist die Gute-Nacht-Geschichte rasch auserzählt. Anfänglich im Norden noch auftretende Konvektion fällt rasch zusammen und die Tagesbewölkung lockert respektive löst sich auf. Hier und da bilden sich ein paar flache Nebelfelder und der Wind an der Nordsee bzw. in SH schwächt sich ab. Erst in der zweiten Nachthälfte ziehen von der Nordsee und Benelux etwas dichtere hohe Wolkenfelder in den Westen und Nordwesten, die das nächste Tiefdruckgebiet ankündigen - herzlich Willkommen ROSI, die als doppeltes Lottchen (zwei Kerne) ihr Nachtlager südlich von Island aufschlägt. Die Luft kühlt auf 13 bis 6°C ab, in einigen Mittelgebirgssenken und -mulden sogar noch etwas darunter. Montag ... passiert erstmal noch nicht viel uff de Gass. Die ROSI braucht ein bisschen, bis sie auf Trapp kommt, um nachhaltig ins hiesige Geschehen einzugreifen. EMILs Resterampe ist noch potent genug, den Tag verbreitet sonnig starten zu lassen, abzüglich der paar Nebelfelder sowie der hohen Wolken im Westen und Nordwesten. Schenkt man der Vorhersage Glauben, und es gibt in diesem Fall keinen substanziellen Grund, es nicht zu tun, bleibt das im Wesentlichen auch so bis zum Abend, zumindest mal in der Südosthälfte: viel Sonne (abzüglich einiger Quellungen oder Cirren), trocken und sommerlich warm mit Maximaltemperaturen zwischen 24 und 29°C (Anstieg T850 auf 10 bis 15, Richtung Alpen gar bis zu 17°C). Apropos Alpen, dort kann am Nachmittag im Grenzbereich zu Austria ein Schauer oder gar ein kurzes Gewitter nicht ausgeschlossen werden, die Hauptaktivität dürfte sich aber inneralpin abspielen. In den übrigen Landesteilen jedoch läuft der Hase zu Beginn der neuen Woche etwas anders. Je länger der Tag dauert, desto aktiver wird ROSI. Zunächst installiert sie an ihrer teilokkludierten, sich langsam dem Kontinent nähernden Kaltfront ein Teiltief (ROSI II), das am Mittag über der westlichen Nordsee zu sichten sein dürfte. Noch sind die Tiefs (der Mutterkern mit knapp unter 995 hPa befindet sich um 12 UTC dicht vor der SW-Küste Islands) und die Front aber zu weit weg, um hier schon nennenswert in die Show einzugreifen. Diese Rolle übernimmt der korrespondierende Potenzialtrog, der vor allem in seinem Südteil ostwärts vorankommt und somit eine zunehmend negative Achsneigung einnimmt. Die westlichen Landesteile gelangen zuerst unter die hebungsfördernde diffluente Vorderseite, was nicht ohne Konsequenzen bleibt. Zunächst mal nimmt am Vormittag die Bewölkung zu, wobei zu den hohen nun auch vermehrt mittelhohe (leichte WLA) und später tiefe Wolken dazukommen. Am Nachmittag ziehen dann die ersten Niederschläge vom Elsass, Franche-Comte bzw. dem schweizer Juragebiet nach BaWü sowie in die Südpfalz und das Saarland. Meist dürfte es sich dabei um schauerartig verstärkten Regen handeln, der sich langsam ostwärts ausweitet. Einzelne Gewitter - am ehesten auf der warmen, also der Vorderseite des kleinen "Regenkuchens" - sind ebenfalls möglich, auch wenn die Signale nicht gerade erdrückend sind. Labilität ist ausreichend vorhanden, doch mangelt es anfangs an Feuchte (das Maximum mit rund 30 mm PPW greift erst in den Abendstunden über, also dann, wenn die Labilität schon wieder auf dem absteigenden Aste ist). Somit steht nur wenig CAPE zur Verfügung, um elektrische Überentwicklungen zu generieren. Wenn´s doch klappen sollte, greift am ehesten das Starkregenkriterium (etwas über 15 l/m² innert kurzer Zeit), um das Gewitter von der gelben in die ocker Klasse zu hieven. Am Spätnachmittag/Abend ist dann auch im Westen und Nordwesten mit Schauern, schauerartigen Regenfällen und einzelnen Gewittern zu rechnen. Die große Lightning-Show steht aber auch dort nicht auf der Karte, weil die Rahmenbedingungen alles andere als günstig sind. Zum einen mangelt es zuvor an solarer Strahlung, um die Luftmasse energetisch vernünftig aufzubereiten (nur wenig CAPE). Zwar nimmt der Wasserdampfgehalt kontinuierlich zu und auch die Scherung wartet mit durchaus imposanten Zuwächsen auf. Im Gegenzug baut aber die Labilität ab und die Vertikalsondierungen signalisieren bei etwa 600 hPa eine kleine Sperrschicht, die zum Zünglein an der Waage werden könnte im Sinne "Gewitter eher nein". Darüber hinaus wird das übergreifende PVA-Maximum durch KLA erheblich teilkompensiert, was den dynamischen Hebungsinput nicht unerheblich dämpft. Schlussendlich erweckt auch die sich allmählich nähernde Kaltfront/Okklusion nicht den Eindruck, zu den Vollprofis ihrer Zunft zu gehören. Lange Rede, kurzer Sinn, am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ganze auf uns zukommen zu lassen und im Nowcasting abzuwickeln. Markante Gewitter mit Starkregen von etwas über 15 l/m², kleinem Hagel und Böen bis 8 Bft sind zwar nicht ausgeschlossen, in der Basis könnten einfache Gewitterwarnungen aber ausreichen. Kurz noch ein Satz zum Wind, der abseits von der Konvektion morgen eigentlich keine großen Sprünge macht. Einzig ganz im Süden gilt es auf eine Druckwelle zu achten, die in den Abendstunden von Südbaden über Oberschwaben bis ins Alpenvorland zieht und dabei den westlichen Wind kurzzeitig böig auffrischen lässt. Ob daraus am Ende eine kleine Warnung resultiert, ist aufgrund von Modellunterschieden z.Zt. noch nicht sicher. Die Temperatur erreicht in der Nordwesthälfte Höchstwerte zwischen 20 und 25°C. In der Nacht zum Dienstag arbeitet sich der Trog südostwärts voran. Wir bleiben aber auf der Vorderseite unterhalb einer zyklonal konturierten Süd- bis Südwestströmung, in der KLA und PVA (genau genommen handelt es sich dabei um differenzielle, mit der Höhe zunehmende Advektion zyklonaler (positiver) Vorticity, was aber ein wenig sperrig daherkommt; deswegen kurz PVA) gegeneinander konkurrieren. Unter dem Strich wird trotzdem Hebung geboten, zumal nun auch die Front übergreift bzw. ostwärts schwenkt. Kurzum, es kommt von West nach Ost zu schauerartigen Regenfällen und auch noch zu einzelnen Gewittern (mit lokaler Starkregengefahr), die aber zusehends aus abgehobener Labilität generiert werden. Im Süden, wo die Front zurückhängt, werden der sich weiter ostwärts ausbreitende Regen sowie einzelne Gewitter im Wesentlichen von der diffluenten Trogvorderseite getriggert. Die hohen Scherwerte, die in weiten Landesteilen auftreten (DLS und LLS) verpuffen weitgehend, weil kein guter Überlapp mit den Feuchte- und Labilitätsmaxima gegeben ist und zudem der Tagesgang die Grundschicht stabilisiert, so dass knackige Organisationsformen wie noch am vergangenen Donnerstag (Fronleichnam) kaum zu erwarten sind. Gut möglich allerdings, dass am frühen Morgen in Nordseenähe neue Schauer und sogar einzelne Gewitter auftreten, die der dort einsickernden Höhenkaltluft (T500 um -23°C, T850 um +3°C, dazu diabatische Impulse von der Nordseeoberfläche) geschuldet sind. Mit 17 bis 13°C Tiefsttemperatur bleibt die Nacht vielerorts ziemlich mild. Nur im Westen und Nordwesten, in frischer subpolarer Meeresluft kühlt die Luft etwas mehr ab, insbesondere in den Mittelgebirgen, wo es teils einstellig wird. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC Dienstag ... zeigen die neuesten Läufe keine signifikanten Abweichungen gegenüber den Frühversionen. Es gelten mithin die Ausführungen der heutigen Morgenübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Wie nicht anders zu erwarten, simulieren die Modelle die Feinabläufe des morgigen Montags inkl. der Folgenacht sehr individuell. Allen gemein - AROME vielleicht ausgenommen - ist aber eine recht verhaltene konvektive Aktivität, die uns nicht unbedingt die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann