SXEU31 DWAV 151800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 15.08.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Großräumige Umstellung der Großwetterlage, von Nordwesten deutlich kühler. Dabei kräftige Schauer und Gewitter. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... Vorderseitig eines sich über der Iberischen Halbinsel abschnürenden Höhentiefs und des entsprechenden, zunehmend flacher werdenden Trogresidums über Westeuropa wurde nochmals heiße und trockene nordafrikanische Luft nach Deutschland gelenkt. Bei 850-hPa-Temperaturen von 23 °C im Süden Deutschlands wurden Höchstwerte bis 39 °C erreicht. Allerdings nähert sich von Nordwesten die Kaltfront eines Tiefdruckkomplexes über Skandinavien. Diese führt knapp vorderseitig deutlich feuchtere Luft heran, sodasss sich wenige 100 J/kg CAPE aufbauen. Gleichzeitig stabilisiert die Grandschicht mit dem nördlichen Wind jedoch die Konvektion, sodass diese stark gedeckelt ist und größtenteils elevated auftritt. Die gute 0-6 km Scherung zwischen 15 und 20 m/s reduziert sich dadurch auf Werte knapp über 10 m/s effektive Scherung, sodass in Zusammenhang mit wenig CAPE stärkere Entwicklungen unwahrscheinlich sind. In dem Niederschlagsfeld, das aktuell über den Nordwesten zieht, gibt es somit nur wenig Aktivität. Weiter südlich wurden einzelne Zellen an einer konvergenten Bodenströmung ausgelöst. Dort ist die Grundschicht trockener und es besteht ein ausgeprägtes inverses V. Den Gewittern mangelt es aber wegen der geringen Feuchte auch hier an CAPE. Zudem ist die Scherung nur gering, sodass sich Gewitter im Westen und Südwesten bisher kaum organisieren konnten. Die Hauptgefahr geht bei D-CAPE-Werten von 1000 J/kg von Sturmböen aus, eventuell bei stärkeren Entwicklungen auch von schweren Sturmböen mit bis zu 95 km/h. Dafür fehlte es den Gewittern bisher an vertikaler Mächtigkeit. Mit dem Durchgang der Konvergenz frischt der Wind im Westen vorübergehend stark böig auf und dreht auf nördliche Richtungen. In der Nacht rückt das Trogresiduum näher und greift als Kurzwellentrog auf den Westen Deutschlands über. Gleichzeitig kommt die Kaltfront weiter südwärts voran. Dadurch wird Niederschlag über der westlichen Mitte aktiviert. Aufgrund der geringen MU-CAPE entstehen innerhalb des Niederschlagsbandes nur einzelne schwache Gewitter, sodass keine größeren Niederschlagsmengen zu erwarten sind. Des Weiteren ziehen einzelne Schauer über den Süden und Nordosten, die kaum gewittrig sind und sich schnell auflösen. Sonntag ... befindet sich Deutschland unter einem langgestreckten Trog in einer westlichen Höhenströmung. Die zum Skandinavientief gehörende Kaltfront kommt immer weiter nach Süden voran und wird bis zum Abend die Nordhälfte überqueren. Rückseitig fließt deutlich erwärmte subpolare Luft ein, die allerdings etwas trockener ist. Daher lösen sich die Wolken im Tagesverlauf auf und es bleibt dort trocken. Vor der Kaltfront überquert zunächst das abgesetzte Schauerband mit eingelagerten schwachen Gewittern am frühen Nachmittag die Südhälfte. Im Anschluss lockert die Bewölkung auf und in der subtropischen Luftmasse bauen sich bis zu 1000 J/kg ML-CAPE auf. Mit der Ankunft eines Kurzwellentroges am späten Nachmittag wird der Deckel voraussichtlich zuerst in der westlichen Mitte gesprengt, sodass sich von dort aus vermehrt Gewitter südostwärts ausbreiten. Die Scherung wird nach Norden hin immer besser. Allerdings gibt es nur im Bereich kurz vor der Kaltfront über der Mitte eine hinreichend gute Überlappung von ML-CAPE und Scherung, sodass dort einzelne Superzellen möglich sind. Simulierte UH-Trecks zeigen im ICON-D2 das höchste Potenzial von Südthüringen bis zum Erzgebirge. Dort kann auch größerer Hagel auftreten. Mit der feuchteren Grundschicht gehen die D-CAPE-Werte ansonsten auf etwa 500 J/kg zurück, sodass das Downburstpotenzial etwas gedämpft wird. Einzelne Unwetter mit schweren Sturmböen, heftigem Starkregen und Hagel sind vor allem in der Mitte wahrscheinlich. ICON-D2 rechnet ab den späten Abendstunden mit einer Verclusterung über Südthürinngen und Oberfranken und lässt die Gewitter als schwache Linie mit nur wenig Windentwicklung über Sachsen und Nordostbayern ostwärts ziehen. Die Scherung würde diese Entwicklung begünstigen. SuperHD rechnet hingegen mit einzelnen kleineren Clustern, die in der Nacht über die Südhälfte ziehen. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... amplifiziert sich der Trog über Mitteleuropa. Die Kaltfront kommt weiter nach Süden voran und wird dabei immer diffuser. Die 15-°C-Isotherme auf 850 hPa wird zu den Alpen zurückgedrängt. Gleichzeitig kühlen auch die höheren Luftschichten im Trog ab, sodass im Süden, wo noch genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, wieder mit 1000 J/kg CAPE gerechnet wird. Bei recht guter Scherung von 0-6 km bis 20 m/s sind südlich der Donau auch stärkere Entwicklungen und Superzellen möglich. Fraglich bleibt, inwiefern die bereits am Vormittag vorhandene Konvektion der Luft am Nachmittag die Luft herausnimmt. Weiter nördlich werden im Trogbereich weiterhin Schauer und einzelne Gewitter vorhergesagt, wobei die Aktivität durch anfangs dichte Bewölkung ziemlich gedämpft ist. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Es gibt noch größere Unsicherheiten in den Modellen bezüglich der morgigen Gewitter. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Christian Herold