SXEU31 DWAV 180800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 18.03.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Mittelding zwischen BM (Brücke Mitteleuropa) und NEa (Nordost antizyklonal) Heute Hochrandlage (LUKAS) mit Bise im Südwesten. Am Donnerstag und Freitag von Nord nach Süd antizyklonale Kaltfrontpassage. Große Tagesgänge der Temperatur, weiterhin Nachtfrostgefahr. Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Mittwoch... befindet sich Deutschland am Rande einer umfangreichen, sich vom östlichen Mitteleuropa bis weit nach Russland über den Ural hinaus erstreckenden Hochdruckzone, die in ihrem Westteil den Namen LUKAS verpasst bekommen hat. Gestützt wird LUKAS von einem nicht minder prominenten Höhenrücken, der bogenförmig von NW-Afrika und SW-Europa bis zur Nordsee reicht, um von dort via Ostsee und Baltikum ebenfalls Richtung Russland abzubiegen. Und als wäre das nicht schon genug antizyklonal, baggert LUKAS im Westen auch noch ein weit draußen auf dem Atlantik liegendes Hochdruckgebiet an, was schlussendlich einen mehrere tausend Kilometer langen, zonal exponierten Hochdruckschlauch zur Folge hat. Zu viel für einen einzigen LUKAS, der im Westen Unterstützung vom Kollegen MAX bekommt. Es verwundert nicht wirklich, dass es angesichts einer derartigen antizyklonalen Übermacht Tiefdruckgebiete schwer haben, unserem Wetter ihren Stempel aufzudrücken. Ihre Wirkungsstätten liegen z.Zt. woanders, z.B. über dem Nordmeer (KATIE), westlich der Iberischen Halbinsel (int. Therese) oder - mehr als Höhen-, weniger als Bodentief - über Italien. Letzteres verfügt über einen spitzen, nach Nordwesten gerichteten Trog, der über den Alpenhauptkamm hinwegragt und langsam westwärts schwenkt. Wettertechnisch bekommt der Trog zumindest hier bei uns nicht so viel auf die Reihe, was aber vor allem am untauglichen Treibstoff liegt. So gelangt mit ost-südöstlicher Strömung eine ziemlich trockene, kontinental geprägte Luftmasse (gealterte Polarluft xPs) nach Deutschland, mit der wetter- und bewölkungstechnisch kein großer Staat zu machen ist. Die tiefen Wolken, die in der Nacht von Österreich und Tschechien nach Ostbayern geflutscht sind, weiten sich noch etwas nach Westen aus, wobei sie teils als SC, teils als CU auftreten. Ansonsten sind Wolken heute absolute Mangelware, wenn man mal von einigen Cirren im Norden absieht. Trotzdem nochmal zurück zum Trog, der sich nicht nur in den einschlägigen Höhenniveaus der mittleren und oberen Troposphäre (z.B. 500 und 300 hPa), sondern auch weiter unten abbildet. Das hat zur Konsequenz, dass es über dem Süden und Südwesten des Vorhersageraums zu einer Gradientzunahme und mithin einem niedertroposphärischen Windmaximum kommt, das auch in die bodennahen Luftschichten abfärbt. Zumal am Südwestrand des Hochs ein leidlicher Druckunterscheid gegeben ist, der noch einen zusätzlichen Push aus der antizyklonalen Krümmung respektive der daraus resultierenden Supergeostrophie bezieht. Kurzum, Teile Süd- und Südwestdeutschlands - etwa von Bayerisch Schwaben bis hinauf zum Hunsrück - kommen heute in den zweifelhaften Genuss eines windigen Tages mit einer ruppigen, vor allem im Schweizer Mittelland so gefürchteten Bise. Steife Böen 7 Bft sind obligatorisch, im Bergland wird´s gar stürmisch (8-9 Bft), auf dem Feldberg im Schwarzwald sind sogar schwere Sturmböen 10 Bft jeweils aus östlichen Richtungen möglich. Bliebe noch die Temperatur, die nach einer vor allem in der Südosthälfte ziemlich kalten, vielfach frostigen Nacht ordentlich "Meter" macht und auf 11 bis 17°C ansteigt. Einzig an den Alpen sowie an wenigen Küstenabschnitten (bei auflandigem Wind) bleibt es etwas frischer. Die Nacht zum Donnerstag verbringen wir weiterhin im südlichen Teil der langgezogenen Hochdruckzone. Der o.e. Trog zieht zwar nach Frankreich ab, trotzdem bleibt ein Low-level-Maximum des Windes bei etwas über 1 km Höhe übrig. Entsprechend treten in exponierten Hochlagen weiterhin Böen 8-9 Bft, vereinzelt sogar 10 Bft auf, während der Wind in tieferen Lagen klar auf dem absteigenden Ast ist. Ansonsten gibt es nicht allzu viel zu berichten, auch wenn von Nordosten her einige Cirren zu uns hereindriften. Wenn man so will handelt es sich um die Vor-Vorboten einer Störung, die ab Donnerstag von Norden her die Herren LUKAS und MAX beginnt zu piesacken, worauf hier später noch eingegangen wird. Zusammengefasst präsentiert sich die Nacht verbreitet gering bewölkt oder klar. Dabei kühlt es abgesehen vom Westen und Südwesten sowie der Ballungszentren gebietsweise auf 0 bis -4°C in der Luft und lokal bis zu -8°C (Nordosten) ab. Es sei an dieser Stelle allerdings der Hinweis erlaubt, dass durch die aufliegende und z.T. recht scharfe Inversion Minus und Plus teilweise sehr eng beieinander liegen und schon wenige Dekameter Höhenunterschied was ausmachen können. Gewarnt wird offensiv, wobei eine erhöhte FAR in Kauf genommen wird. Donnerstag... bekommt die brückenartige Hochdruckzone wie oben bereits angedeutet eine leichte Delle. Namentlich schwenkt über Skandinavien ein sich amplifizierender, stark positiv, also nach Südwesten geneigter Trog ost-südostwärts hinweg, der auch in Deutschland Spuren hinterlässt. Zumal er von der Kaltfront des Tiefs KATIE angeführt wird, die für morgen eine Kreuzfahrt durch die Barentssee gebucht hat. Gegen Mittag dürfte die Front die deutsch-dänische Grenze auf der Kimbrischen Halbinsel, gegen Abend dann den deutschen Küstenraum zwischen Emden und Cuxhaven sowie Lübeck und Karlshagen erreichen. Damit werden im äußersten Norden - nachdem vorher noch längere Zeit die Sonne zum Zuge kommt - die Wolken zum Abend hin dichter, ohne dass beim Niederschlag was auf der Habenseite abfällt. Im großen Rest des Landes scheint die Sonne entweder von einem wolkenlosen (vor allem nach Westen hin) oder nur locker bewölkten (Cirren, in der östlichen Mitte sowie in Alpennähe auch einige Tages-CU), wobei die Temperatur gegenüber heute noch etwas zulegt auf verbreitet 14 bis 19°C (am wärmsten im Rheinland). Nur an den Alpen sowie an den Küsten (dort Winddrehung auf West bis Nordwest) bleibt es frischer. Apropos Wind, der spielt morgen aus warntechnischer Perspektive keine Rolle mehr, weil die Bise mächtig an Potenzial verliert. Die ein oder andere Böe 8 Bft auf den Schwarzwaldhöhen fällt da nicht mehr besonders ins Gewicht. In der Nacht zum Freitag machen Front und Trog Boden nach Süden hin gut, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass sie dabei harte Kärrnerarbeit leiten müssen. Schließlich ist das Terrain alles andere als "gastfreundlich", denn weder die Hochdruckzone noch der überlagerte Rücken verschwinden so mir nichts dir nichts. Genau genommen versuchen sie, das zyklonale Pärchen zu blockieren, was aber nicht so richtig gelingt. So kommt nicht nur die mehrschichtige frontale Bewölkung landeinwärts Richtung Süden voran. Im Norden fängt es sogar leicht an zu regnen (im Ostteil etwas mehr als nach Westen hin, insgesamt aber maximal nur 1 oder 2 l/m²). Gut möglich, dass es am frühen Morgen im äußersten Norden postfrontal schon wieder aufklart. Klar oder gering bewölkt mit nur geringer Nebelneigung verläuft die Nacht auf alle Fälle im Süden und auch noch in Teilen der Mitte. Dort steht dann wieder vielerorts Frost zwischen 0 und -5°C auf der Karte. In den beiden südlichsten Bundesländern muss bodennah recht verbreitet sogar mit mäßigem Frost zwischen -5 und -10°C gerechnet werden. Freitag... kommen Front und Trog auf weiterhin antizyklonaler Spur nach Süden voran, wobei die Front im Westen schwer ums Überleben kämpfen muss. Das Umfeld ist dort schon extrem frontolytisch, so dass sehr gut nachzuvollziehen ist, warum die Modelle den simulierten (schwachen; meist < 1 l/m² innert 12 h) Niederschlag weitgehend im Osten bzw. der östlichen Mitte runterkommen lassen. Nicht ausgeschlossen, dass zum Abend hin im hohen Erzgebirge ein paar wenige Flocken vom Himmel fallen. Darüber hinaus gilt es von einem sonnigen bis nur locker bewölkten Freitag im Süden und Südwesten zu berichten und auch postfrontal lockert die Wolkendecke im Norden in der von Nordosten einfließenden, abgetrockneten Polarluft teilweise auf. Derweil bleibt es im Osten bzw. der östlichen Mitte häufig wolkig bis stark bewölkt. Da sich Hoch und Rücken knapp nördlich von uns wieder regenerieren, weht hier ein schwacher bis mäßiger Wind aus dem Sektor Nord bis Ost. Bei der Temperatur schaffen wir es im Westen und Südwesten auf 14 bis 18°C, sonst nur noch auf 10 bis 14°C, im Nordosten sowie direkt an den Küsten lediglich auf 6 bis 10°C. Noch die Nacht zum Samstag, in der es im Südosten mit Hilfe des südwärts abziehenden Troges sowie den Resten der Kaltfront zu leichten Niederschlägen in Form von Regen, im höheren Bergland von Schnee kommt. Ansonsten verbleiben wir im Bereich der brückenartigen Hochdruckzone, die teils wolkige, teils klare Verhältnisse generiert. Im Norden gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Nebel oder Hochnebel. Ebenso ist wie im Osten sowie ganz im Süden stellenweise leichter Frost möglich. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Abgesehen von den üblichen, in der Regel nicht warnrelevanten Unschärfen kurzfristiger Wetterprognosen simulieren die Modelle das Geschehen sehr ähnlich. Die Schwierigkeiten bei der Frostwarnung wurden angesprochen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann