SXEU31 DWAV 181800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 18.08.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Nachts nur vereinzelte Gewitter. Am Mittwoch zunächst im Norden und in der Mitte gebietsweise Gewitter und Starkregen. Ab dem späten Nachmittag bis in die Nacht zum Donnerstag in der Südhälfte (eher südliche Mitte) teils kräftige Gewitter, Unwetter möglich. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt Deutschland an der Südflanke eines Höhentrogkomplexes mit Drehzentren (in 500 hPa) nordwestlich von Schottland bzw. über Mittelschweden unterhalb einer recht kräftigen westnordwestlichen Höhenströmung. Diese ist aufgrund persistenter WLA zunächst noch leicht antizyklonal konturiert, wobei im Laufe der Nacht ein flacher Rücken über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts schwenkt. Dahinter dreht die Höhenströmung mehr auf West und ein kurzwelliger Troganteil erreicht morgens den Nordwesten des Landes. Im Bodenfeld reicht eine mehrkernige Tiefdruckzone vom Seegebiet zwischen Island und Schottland über die nördliche Nordsee und Süd- bzw. Mittelskandinavien bis zum Westen Russlands. Ein darin eingebettetes zentralsteuerndes Tief ("NORA I") verlagert im Laufe der Nacht sein Drehzentrum vom Seegebiet nordwestlich von Schottland etwas nach Süden, dessen teilokkludiertes Frontensystem hat inzwischen auf Mitteleuropa übergegriffen, wobei sich am Okklusionspunkt ein Teiltief ("NORA II") entwickelt hat, das sich im Laufe der Nacht langsam von der nördlichen Nordsee Richtung Jütland verlagert. Dessen Warmfront hat inzwischen, abgesehen von Nordosten und Osten, weite Teile des Landes überquert und vor allem in einem breiten Streifen von NRW bis nach Südostbayern für eine leichte Linderung der Trockenheit gesorgt. Die Luftmasse im Warmsektor entstammt in etwa dem Seegebiet rund um die Biskaya und ist entsprechend hochreichend feucht mit PPWs zwischen 30 und nahe 40 mm und potenziell instabil geschichtet (gebietsweise 50 bis 300 J/kg ML-Cape), so dass es auch nach Passage der Warmfront gebietsweise noch weitere, mangels dynamischer Hebungskomponente allerdings meist nur wenig ergiebige Schauer gibt. Immerhin hat sich am späteren Nachmittag und Abend entlang einer schwachen Konvergenz eine vom Saarland und der Südpfalz über Nordbaden bis nach Südbayern reichende Schauerstraße etabliert, innerhalb derer es sogar für einzelne Gewitter reicht. Ergiebigere Niederschläge gab es durch Stau auch in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen, für diese Regionen läuft aktuell sogar noch eine Dauerregenwarnung. Im Laufe der Nacht überquert die Warmfront auch die Osthälfte des Vorhersagegebietes, während die Kaltfront den Nordwesten bzw. Norden erfasst und dort mangels Schubkomponente ins Schleifen gerät. Mit der Warmfront verlagern sich auch die leichten schauerartigen Regenfälle ostwärts und klingen von Westen und Südwesten her wieder ab. Mit Annäherung des oben erwähnten kurzwelligen Troganteils lebt die Schaueraktivität später allerdings im Nordwesten, vor allem im Bereich der schleifenden Kaltfront, wieder ein wenig auf, kurze Gewitter nicht ausgeschlossen. Trocken bleibt es hingegen vom Südwesten bis in die Mitte und auch im Süden sind später keine Niederschläge mehr zu erwarten. Dort lockern die Wolken stärker auf, teilweise ist es gering bewölkt. Der im Warmsektor anfangs vor allem im Südwesten und Westen noch böige Westwind lässt im Laufe der ersten Nachthälfte rasch nach und ist nicht mehr warnrelevant. Dafür frischt der Wind vor allem mit Kaltfrontpassage im Norden auf. An den Küsten, insbesondere an der Nordsee, gibt es später einzelne steife Böen aus West bis Nordwest. Ganz im Südwesten bleibt es nachts mit Minima zwischen nahe 20 und 16 Grad sehr mild, aber auch sonst wird es mit 17 bis 12 Grad nicht allzu frisch. Mittwoch ... passiert der flache Kurzwellentrog Norddeutschland ostwärts, "drückt" die Kaltfront bis in die mittleren Landesteile und überläuft diese, so dass sie im weiteren Tagesverlauf an Wetterwirksamkeit einbüßt. Vor allem morgens und vormittags kann sie aber vorübergehend aktiviert werden und insbesondere in einem schmalen Streifen vom Niederrhein über das Münsterland und Ostwestfalen bis ins südöstliche Niedersachsen werden in erster Linie von den Konvektion erlaubenden Modelle für einige Stunden schauerartig verstärkte, teils mit Gewittern durchsetzte Regenfälle simuliert mit erhöhten Wahrscheinlichkeiten für (mehrstündigen) Starkregen im I-D2-EPS. Das Ganze ist mengenmäßig grenzwertig (SuperHD simuliert etwas höhere Mengen als I-D2) und weist auch aufgrund der trockenen Vorgeschichte wohl keinen relevanten Impact auf, so dass sich großflächigere Warnungen im Vorfeld nicht wirklich anbieten. Kräftigere Schauerstraßen mit eingelagerten Gewittern haben SuperHD, AROME und I-D2 mit Trogpassage am Vormittag auch entlang der ostfriesischen Küste, der Elbmündung und im Südwesten von Schleswig-Holstein im Programm. Dort wirkt auch die "warme Unterlage" (Oberflächenwasser Nordsee, also Lake Effekt) sicherlich förderlich für Konvektion, so dass ein- bzw. mehrstündiger Starkregen nicht ausgeschlossen ist. Nach Passage des Troges klingen die Schauer am Nachmittag in der Nordhälfte und in der (nördlichen) Mitte auf ihrem Weg Richtung Osten/Südosten zwar insgesamt ab, kommen aber wohl nicht ganz zum Erliegen. Zudem bleibt die Luftmasse labil geschichtet, so dass auch dann neben kurzen Schauern auch einzelne Gewitter (bei markanter Scherung mit Böen Bft 7 bis 8) nicht ausgeschlossen sind, am ehesten im Nordwesten. Das Bodentief zieht bis zum Abend langsam über Jütland nach Südschweden, ohne sich weiter zu vertiefen. An dessen Südflanke streift das Windfeld die Küsten von Nord- und Ostsee und es gibt dort auch außerhalb der Schauere und Gewitter einzelne steife Böen (Bft 7) aus West, an der Nordsee aus Nordwest. Postfrontal gelangt maritim erwärmte Subpolarluft in den Norden und in die Mitte des Landes mit T850 zwischen 7 und 10 Grad. Somit erreichen die Höchsttemperaturen dort Werte zwischen 18 Grad dort, wo sich die Sonne kaum zeigt und 23, vielleicht 24 Grad mit mehr Sonne. Dann gilt es, den Blick gen Westen zu richten. Der westliche Teil des Höhentrogkomplexes kommt im Tagesverlauf langsam nach Süden voran und greift auf Schottland über, wodurch die Höhenströmung über Mitteleuropa langsam beginnt, auf Westsüdwest zurückzudrehen. Ein darin eingebetteter weiterer Kurzwellentrog interagiert dabei über Nordfrankreich mit der Kaltfront, so dass sich dort im Tagesverlauf eine weitere, flache Frontalwelle entwickeln kann. Auf deren Vorderseite wird nach Süddeutschland von Südwesten her eine sehr warme und potenziell instabile Luftmasse subtropischen Ursprungs eingesteuert, die 850 hPa-Temperatur steigt auf etwa 14 Grad entlang von Mosel und Main und bis 19 Grad mit schwachem (West)föhn im Alpenvorland. Durch recht kräftige mitteltroposphärische WLA und den Föhn ist die Luftmasse aber zunächst ziemlich gedeckelt, so dass konvektive Umlagerungen erst einmal weitgehend unterbunden werden. Lediglich entlang einer etwa vom Saarland und der Südpfalz bis nach Oberfranken reichenden Feuchteflusskonvergenz mit PPWs über 35 mm simulieren die Konvektion erlaubenden Modelle bereits mittags und nachmittags einzelne Schauer, für Gewitter dürfte die Labilitätsfläche nicht hochreichend genug sein, zudem kann mangels Einstrahlung auch kaum Cape aufgebaut werden. Spannender wird es dann ab dem späten Nachmittag/Abend mit Annäherung der Frontalwelle und dem damit einhergehenden Hebungsinput. Von Nordfrankreich bzw. Belgien her ziehen dann schauerartig verstärkte Regenfälle nach Rheinland-Pfalz, vielleicht auch noch ins südliche NRW und kommen rasch nach Osten voran. An deren Südflanke können sich nach Lesart der Konvektion erlaubenden Modelle einzelne kräftige Gewitter entwickeln, wobei die Modelle unterschiedliche Szenarien auf der Agenda haben: I-D2 simuliert erst im Laufe des Abends, vor allem aber deutlich später, in der Nacht zum Donnerstag kräftige Einzelentwicklungen, die bei beeindruckenden Scherungswerten (DLS 25 bis über 30 m/s, LLS um 15 m/s 0 bis 1 km, dazu lange, teilweise gekurfte Hodografen) als langlebige Superzellen auf jeden Fall Unwetterpotenzial erreichen dürften, trotz der eher ungünstigen Tageszeit. Betroffen wäre die Region Südpfalz/Nordbaden bis Oberfranken/Oberpfalz. SuperHD hat im aktuellen Lauf erneut (wie bereits zwei Läufe vorher) bereits am früheren Abend eine isolierte, langlebige Superzelle auf der Agenda, die über das nördliche BaWü und Mittelfranken zum Oberpfälzer Wald ziehen soll. Wie auch immer das am Ende aussieht: Diese Lage bietet angesichts der beeindruckenden Scherung trotz eher nur mäßiger Cape durchaus Potenzial für unwetterartige Entwicklungen; vor allem der Wind steht dann im Fokus (für 3 cm Hagel und 30 l/m² dürfte es auch reichen), insbesondere, wenn es bereits am Abend zu derartigen Entwicklungen kommen sollten. Auch Tornados können nicht ausgeschlossen werden. Abgesehen von den Entwicklungen an deren Südflanke fällt mit Passage der Welle gebietsweise mit einzelnen Gewittern durchsetzter schauerartiger Regen, wobei dann auch ein- oder mehrstündig Starkregen möglich ist. Die aktuellen Modelle simulieren bis Donnerstagfrüh die höchsten Mengen mit 10 bis 30 l/m² in 6 bis 12 Stunden in etwa vom Saarland/südliches Rheinland-Pfalz über Südhessen bis nach Franken bzw. zum Vogtland. Vor Eintreffen der Welle wird es tagsüber in der Südhälfte im Einflussbereich der Subtropikluft noch einmal sehr warm bis heiß mit Maxima zwischen 25 und 32 Grad, die höchsten Werte im südlichen Oberrheingraben und am Hochrhein. Dazu frischt der Wind zeitweise böig aus westlichen Richtungen auf, in freien und höheren Lagen reicht es eventuell sogar für einzelne steife Böen. In der Nacht zum Donnerstag setzt sich die Austrogung über den Britischen Inseln weiter fort, so dass die relativ glatte, aber leicht "flatternde" Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet noch etwas aufsteilt. Der darin eingebettete Kurzwellentrog zieht samt Frontalwelle rasch nach Osten ab, die Kaltfront kommt über Süddeutschland aber kaum weiter nach Süden voran. Auch nach Abzug der kräftigsten Gewitter kann es entlang der nach Süden ausgreifenden Outflow-Boundary noch zu Neuentwicklungen kommen, vor allem I-D2 hat solche entlang und südlich der Donau auf der Agenda. Diese fallen dann aber bei Weitem nicht mehr so heftig aus. Im Frontbereich klingen die Niederschläge nach Abzug der Welle dagegen rasch ab. Auch im Norden und in der Mitte lässt die Schaueraktivität im Laufe des Abends und der ersten Nachthälfte rasch nach, der Wind an den Küsten schwächt sich ab und ist alsbald nicht mehr warnrelevant. Mit Annäherung eines weiteren Kurzwellentroges und einem vorlaufenden Bodentrog, der sich morgens über der Deutschen Bucht befindet, lebt die Schauertätigkeit im Laufe der zweiten Nachthälfte im Nordseeumfeld wieder auf, über der Nordsee können sich dann auch kräftige Gewitter mit Starkregen entwickeln, die die Küste aber wohl noch nicht erreichen. Im Süden liegen die Minima bei milden 19 bis 15 Grad, sonst kühlt es auf 16 bis 11 Grad ab. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... hat sich gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht nichts Wesentliches geändert, die Unklarheiten wurden nicht wirklich beseitig. Mit Durchschwenken des Bodentroges gibt es im Nordwesten und Norden weitere Schauer und Gewitter, die vereinzelt auch kräftiger ausfallen können und dann mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen daherkommen. Die Kaltfront schleift über Süddeutschland und wird vielleicht wieder etwas aktiviert, so dass es in ihrem Einflussbereich einzelne, teils kräftige Gewitter geben kann, das SuperHD ist allerdings diesbezüglich recht defensiv aufgestellt. Im Warmsektor kann es im Süden/Südosten Bayerns bei hoher potenzieller Instabilität und markanter Scherung dagegen durchaus noch zu unwetterartigen Entwicklungen kommen, das zeigt z.B. auch das SuperHD mit einer Superzelle, die entlang des Bayerischen Alpenrandes nach Osten ziehen soll. In dem breiten Streifen zwischen den Schauern im Norden und den kräftigen Gewittern im Süden/Südosten passiert dagegen nicht viel. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Der grobe Fahrplan steht zwar und auch die wetteraktiven Zonen lassen sich relativ gut herausarbeiten. Im Detail gibt es dann aber doch noch größere Differenzen, insbesondere, was die konvektive Aktivität ab dem späten Mittwochnachmittag an der Südflanke der Frontalwelle angeht. Die Zutaten lassen vor allem aufgrund der beeindruckenden Scherung auf jeden Fall auch einzelne Superzellen mit Unwetterpotenzial erwarten. Die Frage stellt sich, ob es schon am frühen Abend zur Auslöse reichen könnte, was deutlich stärkere Entwicklungen erwarten lässt, als wenn es erst in der Nacht dazu kommt. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff