SXEU31 DWAV 190800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 19.01.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: S/SEa Ruhige Hochdruckrandlage; im östlichen Bergland bis in die kommende Nacht hinein noch stürmische Böen, exponiert Sturmböen. Im Südosten in den kommenden Nächten strenger Frost möglich. Sonst bei Zufuhr trockenkalter Festlandsluft keine markanten Wettererscheinungen. Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC -------------------------------------------------------------- Montag... befindet sich Deutschland an der Südwestflanke einer umfangreichen und blockierenden Höhenantizyklone mit Schwerpunkt über dem Osten/Nordosten Polens. Als Gegenpart fungiert ein Höhentrog über dem nahen Ostatlantik, der zwar im begriff ist, auf die Britischen Inseln überzugreifen, daran aber aufgrund der Blockadewirkung erst einmal gehindert wird. Aus dieser Gemengelage resultiert eine äußerste flaue südsüdöstliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet, wobei diese vor allem über der Westhälfte mit Passage eines Kaltlufttropfens von Süd nach Nord (abends erreicht er die Deutsche Bucht) eine leicht zyklonale Kontur aufweist. Sonderlich wetterwirksam erweist sich dieser KLT allerdings nicht, zumal aus dem Bodenhoch "CHRISTIAN" (aktuell mit geschlossener 1040 hPa-Kernisobare über der Ukraine bzw. Weißrussland gelegen) trockene und mäßig kalte Festlandsluft von Südosten her ins Vorhersagegebiet strömt. Gut auszumachen ist diese Luftmasse anhand der Taupunkte, die aktuell in der gesamten Osthälfte die -5 Grad teils deutlich unterschritten haben, während sie sich im Westen und Südwesten noch immer zwischen +1 und -4 Grad bewegen. Dort wurde die feuchte Grundschicht in der Peripherie des KLT zudem etwas angehoben, so dass sich in den Niederungen vielerorts Hochnebelfelder ausgebreitet haben und an den Randzonen zu den klaren Regionen auch dichter Bodennebel. Entsprechend blieb es entlang der Rheinschiene und an der Mosel auch frostfrei, ebenso in Teilen von Ostsachsen. Dort ist aber nicht die fehlende Ausstrahlung schuld, sondern der teils stürmische Südostwind, der dem recht scharfen Gradienten im Zusammenspiel mit der Orographie und daraus resultierenden Phänomenen (Low Level Jets, etc...) geschuldet ist. Es handelt sich also nicht um den klassischen "Böhmischen Wind", sondern eher um föhniges Überströmen der Berge. Sowohl an den Nordrändern der östlichen Mittelgebirge als auch an den Westrändern der ostbayerischen Mittelgebirge gibt es bis ins Vorland steife, exponiert auch stürmische Böen, in den Kammlagen sowie in entsprechend passend ausgerichteten Tälern des Erzgebirges und des Zittauer Berglandes auch einzelne Sturmböen. Im Tagesverlauf fächert der Gradient vor allem nach Westen zu etwas auf, so dass der Wind bis zum Abend zumindest in den ostbayerischen Mittelgebirgen langsam nachlässt. Im Rest des Landes steht ein wettertechnisch ruhiger Tag ins Haus. Der Hochnebel im Westen und Südwesten (der bis ins schwäbische Alpenvorland reicht) dürfte zwar Lücken bekommen, löst sich aber wohl nicht vollständig auf, auch im westlichen Ostfriesland beginnt der Tag teilweise trüb durch Hochnebel, der aber langsam nach Westen rausgedrückt wird. Ansonsten scheint die Sonne, lediglich über den Westen/Nordwesten ziehen mit dem KLT ein paar hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg. Die Höchsttemperaturen erreichen meist Werte zwischen 1 und 7 Grad, in einigen Alpentälern bzw. im südlichen Alpenvorland wird es mit schwachem Föhn (in einigen dafür anfälligen Tälern kann es steife Böen aus Süd bis Südost geben) auch teilweise deutlich milder mit bis zu 11 Grad, auch im Hochschwarzwald sind Werte nahe 10 Grad möglich. Unter dem Hochnebel im Südwesten (Oberschwaben bis ins Allgäuer Alpenvorland) gibt es gebietsweise leichten Dauerfrost. In der Nacht zum Dienstag verlagern sich Höhen- und Bodenhoch langsam nach Südosten, das Bodenhoch schwächt sich zudem etwas ab, während ein Keil des Höhenhochs nach Mitteleuropa gerichtet bleibt und den Höhentrog westlich der Britischen Inseln weiterhin blockiert. Dabei kommt es unmittelbar südwestlich von Irland zu einem Cut-Off mit einem scharf konturierten Trog an dessen Südflanke westlich der Biskaya. Das zugehörige Bodentief weist aber kaum mehr Entwicklungspotenzial auf und in Kombination mit dem sich abschwächenden Bodenhoch fächert der Gradient nun auch über der Osthälfte Deutschlands weiter auf. Der Wind an den östlichen Mittelgebirgen schwächt sich somit langsam weiter ab, bleibt aber zumindest im Osterzgebirge und Zittauer Bergland mit Böen Bft 7 bis 8, anfangs in exponierten Lagen auch noch Sturmböen Bft 9 aus Südost weiterhin warnrelevant. Ansonsten bleibt es vielerorts klar, lediglich im Wesen und Südwesten halten sich gebietsweise Hochnebelfelder bzw. breiten sich wieder etwas aus und in deren Randzonen kann sich erneut dichter Nebel bilden. Die Absinkinversion wird tendenziell noch etwas nach unten gedrückt, Lagen oberhalb von etwa 700 bis 800 m bleiben nebelfrei. Bei beständigem Hochnebel im Westen bleibt es stellenweise frostfrei (am ehesten wohl am Niederrhein und im westlichen Ruhrgebiet), ebenso in höheren Mittelgebirgslagen, ansonsten gibt es aber verbreitet leichten, nach Osten und Süden zu sowie generell in den Mittelgebirgstälern mäßigen Frost, in Südostbayern, am ehesten in den ostbayerischen Mittelgebirgstälern sowie in einigen Alpentälern kann es auch strengen Frost geben. Glätte sollte kaum eine Rolle spielen und ist am ehesten durch gefrierendes Nebelnässen stellenweise im Westen, Süden und in der Mitte denkbar. Dienstag... wandelt sich die Höhenantizyklone in einen Rücken um, der von der Ägäis bis ins östliche Mitteleuropa reicht und nach wie vor nicht an Blockadewirkung einbüßt. Entsprechend kommt der scharfe und zunehmend kurzwellige Trog vor Westeuropa unter beginnender Amplifizierung kaum weiter nach Osten voran. Das Bodenhoch "CHRISTIAN" über Südosteuropa schwächt sich weiter ab, dafür beginnt der Druck über Nordskandinavien im Bereich eines sich verstärkenden Höhenrückens allmählich zu steigen. Über dem Vorhersagegebiet setzt sich dagegen leichter Druckfall fort, was der ruhigen Hochdruckrandlage aber keinen Abbruch tut. Somit ändert sich wettertechnisch gegenüber dem Vortag kaum etwas. Erneut halten sich in einigen Niederungen Südwest- und Westdeutschlands (am ehesten Oberrhein sowie von Oberschwaben bis zur Ostalb und ins Unterallgäu bzw. ins Donauries) gebietsweise ganztägig Nebel bzw. Hochnebel. Ansonsten scheint aber überwiegend die Sonne. Im Osterzgebirge bzw. im Zittauer Bergland weht nach wie vor warnrelevanter Südostwind, der wohl auch noch bis in die Nacht zum Mittwoch andauert. Die Advektion der trockenkalten Festlandsluft führt tendenziell zu einem leichten Temperaturrückgang gegenüber dem Vortag. In 850 hPa beträgt die Temperatur, wie auch am Vortag, etwa 2 bis 6 Grad, bodennah reicht es aber meist nur noch für Höchstwerte zwischen 0 und 5 Grad, lediglich in mittleren Höhenlagen Südwestdeutschlands, im höheren Alpenvorland sowie in weiten Teilen von NRW werden 5 bis 8 Grad erreicht. Bei Hochnebel, aber auch im Nordosten kann es leichten Dauerfrost geben. In der Nacht zum Mittwoch zieht sich unser Höhenrücken tatsächlich mal etwas weiter nach Südosten zurück, und somit kann der nach wie vor scharfe Kurzwellentrog von der Biskaya her nordostwärts grade noch so auf Nordwestfrankreich und den Ärmelkanal übergreifen, ehe er innerhalb der südlichen Höhenströmung einen Nordkurs einschlägt. Das Höhenhoch über Nordeuropa verstärkt sich dagegen und somit auch im Bodenfeld eine vom Nordwesten Russlands bis nach Nord- und Mittelskandinavien reichende Hochdruckzone. Somit fällt der Druckfall mit Annäherung des Troges von Westen her über West- und Südwestdeutschlands etwas stärker aus als weiter östlich bzw. nordöstlich, was zu einer Gradientverschärfung vor allem über Nordwestdeutschland führt. Über der offenen Nordsee frischt der Wind somit aus Ost auf, morgens kann es über der Deutschen Bucht eventuell schon erste steife Böen Bft 7 geben. Warnrelevant bleibt der Südostwind auch am Osterzgebirge und im Zittauer Bergland mit Böen Bft 7, exponiert Bft 8. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten: Vor allem im Westen und Südwesten hält sich gebietsweise Hochnebel, örtlich bildet sich auch dichter Nebel, an der Grenze zu Benelux ziehen zudem mit Annäherung eines okkludierten Frontensystems hohe Wolkenfelder durch. Auch nach Schleswig-Holstein driftet von Norden her nach Lesart vieler Modelle ein Hochnebelgebiet. Im Rest des Landes ist der Himmel klar und es gibt erneut verbreitet leichten bis mäßigen, im Südosten gebietsweise auch strengen Frost. In einigen Niederungen Westdeutschlands bleibt es dagegen frostfrei. Glätte ist lediglich in den Nebelregionen eventuell Thema. Mittwoch... schlägt der Kurzwellentrog, wie bereits angedeutet, Nordkurs ein, wird aber seinerseits blockiert vom sich verstärkenden Höhenhoch über Nordskandinavien bzw. dem Nordmeer und verlagert sich unter Konturverlust über England bis zum Abend nach Südschottland bzw. zur Irischen See. Gleichzeitig wird der westeuropäische Höhentrogkomplex durch ein weiteres Höhentief regeneriert, das bis zum Abend ins Seegebiet südlich von Irland zieht. Die "Einschläge" rücken also näher und auch über dem Vorhersagegebiet setzt sich der Geopotenzialverlust weiter fort, dennoch überwiegt nach wie vor die Blockadewirkung, nun durch die umfangreiche Hochdruckzone über Nordost- und Nordeuropa, die sich langsam auch Richtung Südskandinavien ausweitet. Gleichzeitig schiebt sich von Benelux und Frankreich her eine flache Tiefdruckrinne nach West- und Süddeutschland. Vor allem über die Westhälfte ziehen nun mit Annäherung einer sich in Auflösung befindlichen Okklusion zeitweise dichtere hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg, es sollte aber nach Lesart aller vorliegenden Modelle trocken bleiben. Über Norddeutschland verschärft sich der Gradient weiter und an den Küsten weht somit lebhafter Ost- bis Südostwind. Über der Nordsee und auch an Ostseeküstenabschnitten mit auflandigem Wind gibt es steife Böen, auf Helgoland eventuell auch stürmische Böen. Am Erzgebirge und im Zittauer Bergland lässt dagegen der Wind langsam nach und dürfte nachmittags/abends wohl nicht mehr warnrelevant sein. Sonst passiert weiterhin nur wenig. In einigen Regionen West- und Südwestdeutschlands hält sich in den Niederungen erneut Nebel bzw. Hochnebel, wenngleich wohl seltener als an den Vortagen. Auch in Schleswig-Holstein ist es gebietsweise stark bewölkt durch Hochnebel. Im Rest des Landes scheint dagegen die Sonne, abgesehen von den hohen und mittelhohen Wolkenfeldern im Westen und Nordwesten. Im Nordosten und in Ostbayern sowie bei beständigem Nebel/Hochnebel auch im Südwesten gibt es leichten Dauerfrost, sonst werden 0 bis 4 Grad erreicht, in NRW sowie im höheren Alpenvorland und in höheren Mittelgebirgslagen Südwestdeutschlands etwa 4 bis 8 Grad. In der Nacht zum Donnerstag streift eine weitere Okklusion den äußersten Westen und Südwesten des Landes, allerdings aller Voraussicht nach nur mit dichteren Wolkenfeldern. Ansonsten ist kaum Änderung in Sicht: An den Küsten bleibt es windig, über der offenen Nordsee stürmisch. Generell kommen die hohen und mittelhohen Wolkenfelder etwas weiter nach Osten voran, auch in Teilen von Schleswig-Holstein hält sich Hochnebel, ebenso wie in einigen Regionen Südwest- und Westdeutschlands. Im Osten und Südosten ist der Himmel dagegen klar und dort kann es gebietsweise strengen Frost geben. Glätte ist nach wie vor kaum Thema. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren einheitlich, es lassen sich kaum warn- und prognoserelevante Unterschiede ableiten. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff