SXEU31 DWAV 190800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 19.03.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: BM Überwiegend Hochdruckwetter mit kleinen "Schönheitsfehlern" (heute und morgen "antizyklonale" Frontpassage, Samstag Kaltlufttropfen im Süden), aber ohne markante Wettererscheinungen. Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Donnerstag... befindet sich Deutschland im Einflussbereich einer langgestreckten, vom Atlantik über die Britischen Inseln bis nach Osteuropa reichenden Hochdruckzone mit Schwerpunkten bei Schottland bzw. über der nördlichen Nordsee ("MAX") und über dem östlichen Mitteleuropa "LUKAS"). Diese wird gestützt durch eine zonal ausgerichtete Potenzialbrücke einer abgeschlossenen inklusive Höhenantizyklone über den Britischen Inseln. Mit Passage eines Höhentroges von Nordwest nach Südost über Skandinavien wird die Brücke vor allem in ihrem Ostteil rasch abgebaut, übrig bleibt ein schmaler Keil, der durch den Trog nach Süden abgedrängt wird und abends von Belgien über die Mitte Deutschlands und Nordpolen bis zum Baltikum reicht. Der in einem insgesamt weiterhin antizyklonalen Umfeld (die Höhenantizyklone über dem Süden GBs wird nur ein wenig nach Nordwesten abgedrängt) an Kontur verlierende Trog greift dann bereits auf die deutsche Nordseeküste und die südliche Ostsee über. Somit bleibt auch die Hochdruckzone im Bodenfeld robust, bekommt allerdings mit Annäherung der Kaltfront des in etwa im Bereich der Barentssee gelegenen Tiefs "KATIE" über Mitteleuropa eine Schwachstelle und wird dort etwas nach Süden abgedrängt, während sich die Hochdruckparzelle über Schottland etwas verstärkt und langsam zur Nordsee verlagert. Über dem Vorhersagegebiet dominiert somit zunächst noch ruhiges und störungsfreies Hochdruckwetter. Abgesehen von einigen hohen Wolkenfeldern, die aktuell über den Osten und die Südhälfte des Landes hinweg rasch westsüdwestwärts geführt werden und einem kurzwelligen Troganteil geschuldet sind, beginnt der Tag nahezu überall sonnig. Vor allem im Südwesten weht anfangs noch ein recht lebhafter Ostwind, der dem dort vorhandenen scharfen Gradienten sowie der Orographie geschuldet ist. Mit der südwärtigen Verlagerung der Divergenzachse der Hochdruckzone weicht er dort aber bereits im Vormittagsverlauf auf und der Wind ist auch im Hochschwarzwald alsbald nicht mehr warnrelevant. Von Osten her gelangt nach wie vor trockene Festlandsluft (T850 hPa zwischen knapp unter 0 Grad im Südosten und +4 Grad an der Westgrenze) ins Vorhersagegebiet, die sich nach teils frostiger Nacht bei nahezu ungehinderter Sonneneinstrahlung (vor allem über den östlichen Mittelgebirgen und an den Alpen entwickelt sich flache Quellbewölkung wieder rasch erwärmen kann auf Höchstwerte zwischen 10 Grad im höheren südlichen Alpenvorland und 18 Grad im Westen; dort kann es in einigen Lee-Lagen eventuell sogar noch etwas milder werden (MOSMIX bis 19 Grad). Etwa ab den Mittagsstunden macht sich dann die sich nähernde Kaltfront in Form dichterer Bewölkung bemerkbar, die von Norden her zunächst auf Schleswig-Holstein, bis zum Abend dann auch auf die Norddeutsche Tiefebene übergreift. Im antizyklonalen Umfeld ist die Front aber nur wenig wetterwirksam, bis auf ein paar Tropfen Regen (am ehesten an der Ostsee) bleibt es weitgehend trocken. In der Nacht zum Freitag kommen der Höhentrog und die Kaltfront langsam etwa bis zu einer Linie Niederrhein - Oderbruch voran. Rückseitig schwenkt ein breiter Höhenkeil zur mittleren Nordsee und nach Südskandinavien und stützt nach wie vor das Bodenhoch über der Nordsee. Präfrontal erreicht die dichtere Bewölkung noch die Landesmitte, während es im Süden überwiegend gering bewölkt bleibt. Dort gibt es erneut recht verbreitet leichten Frost. Mit Frontpassage fällt vor allem nach Osten zu Mecklenburg-Vorpommern, Nordbrandenburg) auch etwas Regen (nach Lesart des I-D2 und des ICON-EU sogar um 2 l/m² in Ostvorpommern), weiter westlich reicht es maximal für ein paar Tropfen. Postfrontal lockern die Wolken von Norden her wieder auf, vor allem in Schleswig-Holstein und in Vorpommern können sich dann aber Nebel und Hochnebel ausbreiten. Der Front folgt ein Schwall kälterer Luft aus dem skandinavischen Raum, so dass es bei längerer Zeit aufgelockerter Bewölkung ebenfalls leichten Frost geben kann, im breiten Frontbereich bleibt es unter den meist dichten Wolken aber mit 5 bis 1 Grad weitgehend frostfrei. Freitag... kommt der weiter an Kontur verlierende und nur noch schmale Höhentrog in einem insgesamt nach wie vor antizyklonalen Umfeld nach wie vor nur noch langsam nach Süden voran und erreicht zum Abend mit seiner Achse in etwa Mosel und Main. Ihm folgt der Höhenkeil, der durch den Trogvorstoß aus dem grönländischen raum Richtung Island und Nordmeer nun vor allem mit seinem Westteil etwas nach Süden gedrückt wird und abends vom Ostatlantik kommend über England, die Nordsee und Südskandinavien bis zur mittleren Ostsee reicht. Dieser stützt nach wie vor das Bodenhoch, das nun seinen Schwerpunkt langsam von der Nordsee Richtung Dänemark und westliche Ostsee verlagert. In diesem frontolytischen Umfeld löst sich die Kaltfront über der Landesmitte mehr oder weniger auf; übrig bleiben dichtere Wolkenfelder und noch ein paar Tropfen Regen insbesondere über der Osthälfte bis in die Landesmitte reichend. Auch im Norden und Nordosten hält sich postfrontal unterhalb einer Absinkinversion in etwa 900 hPa noch gebietsweise dichte, teils auch hochnebelartige Bewölkung (am ehesten an der Nordsee sowie von Ostholstein bis nach Vorpommern). Ansonsten reicht es oft nur für lockere Bewölkung und vor allem im Südwesten, ganz im Süden, aber auch in Teilen Westdeutschlands scheint für längere Zeit die Sonne. Ein Luftmassenwechsel findet kaum mehr statt, die 850 hPa-Temperatur schwankt zwischen -1, vielleicht -2 Grad postfrontal in der Osthälfte und +2 bis +3 Grad im Südwesten. Die Höchsttemperaturen erreichen somit auch im Westen nicht mehr die Werte des Vortages und bewegen sich meist zwischen 10 Grad ganz im Norden und 17 Grad an Oberrhein, Untermain und Neckar. Bei auflandigem Wind werden insbesondere an der Ostsee gebietsweise auch nur einstellige Höchstwerte erreicht, ähnlich auch am Nordrand der östlichen Mittelgebirge, wo es überwiegend stark bewölkt bleibt. In der Nacht zum Samstag greift der schmalbrüstige Trog auf den Alpenraum über; in seinem Schlepptau folgt von Nordosten her ein Kaltlufttropfen, der morgens den Süden Polens erreicht. Zwischen dem vom Ostatlantik über das nördliche Mitteleuropa bis zum Baltikum reichenden Höhenkeil und dem schmalen Trog hat sich über dem Vorhersagegebiet eine nordöstliche Höhenströmung etabliert, die mit Annäherung des KLTs in den Frühstunden von Osten her beginnt, leicht zyklonale Züge anzunehmen. Das Bodenhoch bleibt allerdings - gestützt durch den Rücken - robust und reicht als langgestreckte Hochdruckzone von den Britischen Inseln über das nördliche Mitteleuropa bis in den Westen Russlands. Mit dem Trog kommen die dichteren Wolken von der östlichen Mitte langsam in den Südosten voran, Regen sollte aber daraus kaum mehr fallen. Im Westen und Südwesten bleibt es aufgelockert bis gering bewölkt, während sich im Norden und Osten vermehrt Nebel bzw. Hochnebelfelder ausbreiten können und es dort nur gebietsweise aufklart. Vor allem in der Osthälfte und im Norden sowie ganz im Süden kann es bei längerer Zeit aufgelockerter Bewölkung erneut leichten Frost geben, sonst bleibt es zumeist frostfrei. Samstag... kommt der Kaltlufttropfen (KLT) langsam westsüdwestwärts voran und erreicht am späteren Abend nach Lesart des ICON-EU mit seinem Drehzentrum den Bayerischen Wald. Die PVA-induzierte Hebung auf dessen Vorderseite wird durch die KLA nur teilweise kompensiert, somit greifen von Osten her dichte Wolkenfelder und auch leichte, teils schauerartige Niederschläge im Tagesverlauf auf den Südosten Deutschlands über. Bei auf etwa -1 bis -3 Grad sinkenden 850 hPa-Temperaturen können diese in den höheren Lagen der ostbayerischen Mittelgebirge und an den Alpen (Schneefallgrenze wohl um 1000 m) teilweise als Schnee fallen, die Mengen sind aber mit nur wenigen mm allgemein gering. Die Luftmasse ist leidlich labil geschichtet (bis -28 Grad in 500 hPa), dennoch dürfte es kaum für Gewitter reichen. Unklar ist auch nach wie vor, wie weit die Niederschläge über Süddeutschland noch nach Westen und Norden ausgreifen, abhängig von der genauen Zugbahn und Geometrie des KLT; GFS und IFS fahren diesbezüglich eine etwas offensivere Variante als ICON-EU und hat leichte Niederschläge bis in den Süden und Osten von Baden-Württemberg sowie nach Norden zu bis zu den östlichen Mittelgebirgen und zum Main auf der Agenda. Auch die mit dem KLT einhergehende Kaltluftadvektion wird noch mit Differenzen simuliert: UK10 simuliert für die Osthälfte des Landes (an der Nordflanke des KLTs) 850 hPa-Temperaturen sogar bis -6 Grad über der Osthälfte Deutschlands, nach Lesart des GFS sollen sie dort auf maximal -4 Grad und nach ICON-EU bzw. IFS auf -3 Grad zurückgehen. Wie auch immer das im Detail aussehen mag - tendenziell bekommen der Westen und Norden kaum etwas vom KLT zu spüren. Vor allem im Norden und Nordosten kann es aber dauern, bis sich Nebel und Hochnebel lichten, ansonsten scheint in diesen Regionen aber längere Zeit die Sonne, auch im Südwesten dürfte es für sonnige Abschnitte reichen. Etwas kühlere Luft erreicht diese Regionen aber dennoch, so dass es allgemein für Höchstwerte zwischen 7 Grad an den ostbayerischen Mittelgebirgen und 14, vielleicht 15 Grad entlang der Rheinschiene reicht. In der Nacht zum Sonntag überquert der nach Lesart aller Modelle Süddeutschland westsüdwestwärts, allerdings mit leicht unterschiedlich simulierter Zugbahn bzw. Geometrie. Entsprechend gibt es auch kleinere Differenzen, die räumliche Verteilung der simulierten Niederschläge betreffend, die aber lediglich die Südhälfte erfassen, allgemein nur gering ausfallen und in der zweiten Nachthälfte bereits weitgehend abgezogen sind. Rückseitig des KLT folgt klassischerweise geringfügig mildere Luft, so dass die Schneefallgrenze tendenziell ansteigt, nennenswerte Mengen sind aber sowieso nicht zu erwarten. Im Norden, im Westen und in der Mitte verläuft die Nacht dagegen teils locker bewölkt bzw. klar, gebietsweise breiten sich aber Nebel- und Hochnebelfelder aus, am ehesten in der Nordhälfte. An den Minima ändert sich gegenüber der Vornacht nur wenig; vor allem im Osten und in der Norddeutschen Tiefebene gibt es bei längerer Zeit aufgelockerter bzw. geringer Bewölkung leichten Frost, aber auch sonst fällt die Nacht mit Minima zwischen 4 und 0 Grad recht frisch aus. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle fahren einen einheitlichen Kurs. Bzgl. der Zugbahn und Geometrie des Kaltlufttropfens gibt es nach wie vor kleinere Differenzen, die Einfluss auf die räumliche Verteilung der leichten Niederschläge und auf die 850 hPa-Temperatur haben. Diese wurden im Text besprochen. Einige gestrige Modellläufe ließen in der Nacht zum (und auch am) Sonntag noch einen weiteren folgen. Diese Variante scheint aber jetzt vom Tisch zu sein. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff