SXEU31 DWAV 201800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 20.10.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Zunehmende unbeständig. Zunächst nur in den Gipfellagen der süddeutschen Mittelgebirge und der Alpen, am Donnerstag dann generell in höheren Lagen sowie an der Nordsee stürmische Böen bzw. Sturmböen. Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag mit langsamer Passage eines Frontensystems nahezu flächendeckend Regen, aber kaum warnrelevante Mengen. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland weiterhin zwischen einem umfangreichen und blockierenden Hochdruckgebiet über dem fennoskandischen Raum und einem flachen schmalen sowie in mehrere Teiltröge aufgesplittete Höhentrog, der vom Westausgang des Ärmelkanals über West- und Südfrankreich bis zum westlichen Mittelmeerraum reicht. Zwar hat sich die Hochdruckzone inzwischen etwas nach Nordosten bzw. Osten zurückgezogen, an deren Südflanke strömt von Osten her bodennah aber weiterhin relativ trockene Festlandsluft ins Vorhersagegebiet. Dennoch verlief der Tag bei Weitem nicht überall sonnig und störungsfrei. Einerseits haben sich - typisch für diese Jahreszeit - bei schwachem Gradienten in Teilen Süddeutschlands dichte Nebel- und Hochnebelfelder ausgebreitet, die sich insbesondere von der Donau bis ins Alpenvorland vielerorts auch ganztägig gehalten haben. Andererseits hat sich trogvorderseitig eine flache Tiefdruckrinne über Frankreich auf dem Weg nach Nordosten gemacht und mit feuchterer Luft den Südwesten bzw. Westen Deutschlands erreicht. Dort zogen dichtere Wolken auf, die inzwischen auch die mittleren Landesteile erfassen, für nennenswerte Niederschläge waren die dynamischen Hebungsprozesse jedoch zu schwach. Der größte "Störenfried" ist jedoch ein Kaltlufttropfen, der bereits in der vergangenen Nacht von Polen her auf Sachsen übergegriffen ist, inzwischen Nordkurs eingeschlagen hat und sich aktuell (in 500 hPa) in etwa über Nordostniedersachsen/Ostholstein befindet. Vor allem an dessen Nord- und Ostflanke haben sich dichte Wolken über den Nordosten und Osten des Landes ausgebreitet, insbesondere von der vorpommerschen Küste bis nach Nordfriesland hat es vor allem vormittags auch zeitweise leicht geregnet, inzwischen sind die Niederschläge aber nordwärts abgezogen. In den Regionen dazwischen geht bzw. ging der Tag aber in der Tat mit viel Sonnenschein zu Ende, insbesondere also vom Nordwesten über Teile der Mitte bis nach Oberfranken bzw. zur Oberpfalz, aber auch am Alpenrand. Dort hat sich leichter Föhn eingestellt, der aber auf bayerischer Seite nicht wirklich warnrelevant ist. Inneralpin hat es immerhin in einigen Tälern bei stürmischen Böen für Maxima deutlich über 20 Grad gereicht, am bayerischen Alpenrand war bei knapp 19 Grad (Mittenwald) Schluss. In der kommenden Nacht zieht sich der breite, bis nach Skandinavien und zum Nordmeer reichende Höhenrücken langsam weiter nach Norden zurück. Aus der Südspitze des flachen Höhentroges über Frankreich tropft vor der katalonischen Küste ein kleinräumiges Höhentief ab und zieht ins Seegebiet nördlich von Korsika. Somit verlagern sich die konvektiv durchsetzten unwetterartigen, teils extremen Regenfälle (an der Ostküste Korsikas fielen am Vormittag während eines mehrstündig stationären Gewitters über 400 l/m² in 3 Stunden) langsam Richtung Südalpen bzw. Italien. In Norditalien setzt Druckfall ein, wodurch sich der Föhn in den Alpen langsam etwas abschwächt, aber noch nicht zum Erliegen kommt. Nach wie vor kann es auch in den bayerischen föhnanfälligen Tälern einzelne steife, auf exponierten Gipfeln auch stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Süd bis Südost geben. Ein weiterer kurzwelliger Troganteil zieht im Laufe der Nacht vom Ärmelkanal über England hinweg nordnordostwärts zur westlichen Nordsee, wobei unmittelbar vorderseitig der zunehmend scharfen Achse starke Krümmungsvorticity generiert werden kann. Somit kann sich die aktuell von Mittelengland bis nach Westdeutschland reichende Tiefdruckrinne etwas verstärken, dabei vertieft sich das kleinräumige Bodentief "JELLA" und zieht bis Mittwochfrüh ins Seegebiet vor Northumberlands, während die Rinne selbst dann auf die Deutsche Bucht bzw. Schleswig-Holstein übergreift. Mit der Rinne kommen die dichten Wolken über dem Westen, Südwesten und der Mitte Deutschlands - inzwischen als Warmfront analysiert - ebenfalls nach Norden voran, während die Kaltfront des Tiefs im Laufe der Nacht bereits den äußersten Westen und Südwesten des Landes erfasst, dann aber mangels Schubkomponente nur langsam nach Osten vorankommt. Derweil greift im Laufe der zweiten Nachthälfte vom nahen Ostatlantik her ein weiterer Höhentrog unter Amplifizierung auf Irland und Westfrankreich über, der aufgrund der kräftigen rückseitigen Kaltluftadvektion eine leicht negative Achsneigung annimmt. Ein vorlaufender kurzwelliger Troganteil kann mit dem Frontensystem, insbesondere mit der Kaltfront interagieren, so dass diese etwas aktiviert wird. Die Folge sind zwar halbwegs flächendeckende, aber nicht sonderlich intensive Regenfälle, die sich von Westen und Südwesten her auf den Nordwesten und die Mitte des Landes ausweiten. Meist kommen weniger als 5 l/m² in 12 Stunden zusammen, in den westlichen Mittelgebirgen gebietsweise aber nahe 10 l/m². Im Rest des Landes bleibt es wettertechnisch ruhig. Der Kaltlufttropfen verabschiedet sich Richtung Norden, wird mehr und mehr in den Trogkomplex weiter westlich eingebunden und schlägt morgens als scharfer Randtrog knapp nördlich des Kattegat auf. Somit lockern die Wolken im Osten und Nordosten zwar von Süden her etwas auf, alsbald ziehen aber mit Annäherung der Rinne erneut hohe und mittelhohe Wolkenfelder auf. Somit gibt es nur noch wenige Regionen, in denen die Nacht gering bewölkt verläuft, am ehesten noch in Teilen Bayerns und der Osthälfte. Dort kann sich dann gebietsweise dichter Nebel ausbreiten. Anzusprechen bleibt noch das Aufleben des Böhmischen Windes am Erzgebirge und im Zittauer Bergland. Dieser bleibt aber wohl weitgehend unterhalb der Warnschwellen und erreicht höchstens exponiert mal Böen Bft 7 bis 8. Die Minima bewegen sich meist zwischen 9 und 4, Grad, bei aufgelockerter Bewölkung auch darunter, für Frost sollte es aber nicht reichen. Mittwoch ... ziehen sowohl der kurzwellige Troganteil über der westlichen Nordsee als auch der Ex-Kaltlufttropfen über der westlichen Ostsee rasch nordwärts ab und haben keinen Einfluss mehr auf die Wetterentwicklung hierzulande. Derweil kommt der Höhentrog über West- bzw. Südwesteuropa unter weiterer Amplifizierung langsam ostnordostwärts voran und erreicht abends mit seiner Achse Belgien bzw. den Norden und Osten Frankreichs. Vorderseitig steilt die leicht zyklonale südliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet weiter auf. Das Bodentief "JELLA" zieht rasch nordwärts Richtung Färöer-Inseln, ein weiteres kleinräumiges Tiefdruckgebiet verlagert sich bis zum Abend von der Irischen See über Nordengland zur Nordsee. Es "übernimmt" quasi die steuernde Funktion für die zunehmend verwellende Kaltfront über dem Vorhersagegebiet, die mittags und am Nachmittag mit Annäherung eines Bodentroges an der Südflanke des Tiefs, der abends die südwestliche Nordsee sowie den Westen Deutschlands erreicht, an Fahrt aufnimmt und bis zum späteren Abend auch die Osthälfte des Vorhersagegebietes überquert. Mit Annäherung des Troges nimmt sie zunehmend Anafrontcharakter an, die Hauptniederschlagstätigkeit verlagert sich also in den postfrontalen Bereich. Vor allem im Süden intensivieren sie sich auf ihrem nur zögernden Weg gen Osten noch etwas, im Osten von Baden-Württemberg und im Allgäu sowie generell am Alpenrand (dort es ab dem Nachmittag) fallen bis zum Abend verbreitet mehr als 10 l/m². Mit Vorstoß eines flachen Hochkeils dreht die Bodenströmung an den Alpen generell auf Nordwest und es stellt sich eine Gegenstrom- bzw. Staulage ein, die am Alpenrand auch bis Donnerstagfrüh bzw. -vormittag andauert. Dort fallen bis dahin oft 20 bis 30 l/m² in knapp 24 Stunden, in exponierten Staulagen werden eventuell auch die Warnschwellen überschritten. Mangels Impact und aufgrund der Kleinräumigkeit der Ereignisse drängt sich allerdings eine entsprechende Warnung nicht grade auf. Postfrontal sickert von Norden her maritime Polarluft ein, die Temperatur in 850 hPa sinkt auf etwa 0 Grad, im Stau auch darunter. Entsprechend kann es im Laufe der Nacht bis auf nahe 1000 m schneien, oberhalb von 1500 m werden somit wohl Schneefallwarnungen fällig. Ansonsten fallen in einem breiten Streifen vom Süden/Südwesten über die Mitte bis in den Nordosten des Landes etwa 3 bis 10 l/m² und nur gebietsweise mehr bis zum Abend, wobei sich die Niederschläge vor allem am Nachmittag und Abend etwas intensivieren. Ganz im Westen/Nordwesten lockern die Wolken im Tagesverlauf zeitweise auf. Die einströmende maritim erwärmte Polarluft ist indifferent bis labil geschichtet, allerdings reicht die Labilitätsfläche voraussichtlich nicht hoch genug für Gewitter. Dennoch gibt es im Laufe des Nachmittags und Abends von Westen her gebietsweise schauerartigen Regen bzw. einzelne Schauer, die von Frankreich und Belgien her auf das westliche Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Teile von NRW und das Emsland übergreifen. Präfrontal bleibt es dagegen etwa von Ostvorpommern bis nach Ostsachsen bis zum Abend noch weitgehend trocken und vor allem in der Lausitz kann auch mal die Sonne durchkommen. Etwas Sonne kann es am Vormittag eventuell auch noch am (ostbayerischen) Alpenrand geben. Dann aber bricht auch dort mit Durchzug einer schwachen Druckwelle der Föhn zusammen. Rückseitig der Kaltfront verschärft sich der Gradient dagegen mit Vorstoß des flachen Hochkeils am Nachmittag im Westen und Süden, abends dann auch in der Mitte des Landes. In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge gibt es steife, im Hochschwarzwald, abends dann auf den Alpengipfeln und auf dem Brocken stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen aus Südwest. Eventuell reicht es dann im höheren südlichen Alpenvorland sowie im Lee einiger Mittelgebirge für steife Böen. Präfrontal können in der Lausitz, eventuell auch im Chiemgau und Berchtesgadener Land noch einmal Maxima zwischen 14 und 17 Grad erreicht werden, auch ganz im Westen liegen die Höchstwerte um 15 Grad. Ansonsten bleibt es bei meist bedecktem Himmel und Regen kühl mit 8 bis 13 Grad. In der Nacht zum Donnerstag greift der Höhentrog auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über, kommt aber aufgrund der Blockadewirkung durch den Höhenrücken über Ost- und Nordosteuropa nur noch langsam ostwärts voran und verliert an Kontur. Im Bodenfeld stößt - getriggert durch die kräftige KLA und Druckanstieg - der Hochkeil über Süddeutschland rasch nach Osten vor und kann sich dabei noch verstärken bzw. nach Norden ausweiten. Die Kaltfront kommt nun rasch nach Osten voran, entsprechend greifen die Regenfälle etwa um Mitternacht auch auf das deutsch-polnische Grenzgebiet über. Im Laufe der zweiten Nachthälfte klingen sie dann von Westen her allmählich wieder ab. Bis Freitagfrüh fallen im Osten und Südosten meist 3 bis 10 l/m², gebietsweise, vor allem (durch Gegenstrom und Stau) in Teilen Sachsens und - wie weiter oben bereits erwähnt - auch an den Alpen bis nahe 15 l/m². In der Westhälfte und in der Mitte verläuft die Nacht dagegen vielerorts trocken, einzelne Schauer gibt es anfangs noch vor allem im Südwesten sowie später, mit Annäherung des Troges, eventuell auch im Nordseeumfeld. Mit dem sich verstärkenden Hochkeil verschärft sich allerdings der Gradient und der Wind frischt weiter auf. Warntechnisch bemerkbar macht sich das aber wohl in erster Linie in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge und der Alpen, wo es stürmische Böen bzw. Sturmböen aus West bis Südwest gibt, ansonsten reicht es höchstens in Leelagen für einzelne steife Böen. Ausgangs der Nacht nimmt der Wind im Südwesten und Westen zumindest vorübergehend wieder ab. Anders im Nordseeumfeld. Mit Passage eines weiteren Bodentroges legt der Wind dort nachts zu, in der zweiten Nachthälfte gibt es verbreitet steife bis stürmische Böen aus Südwest, an exponierten Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bzw. auf Helgoland eventuell Sturmböen. Die Tiefstwerte liegen zwischen 10 und 2 Grad. In den südwestdeutschen Mittelgebirgen kann es bei aufgelockerter Bewölkung in ungünstigen Lagen leichten Frost geben. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... ist den Ausführungen in der Frühübersicht nicht mehr viel hinzuzufügen. Der Trog überquert das Vorhersagegebiet unter Substanzverlust langsam ostwärts, wobei es nur wenige und eher schwache Schauer in der Nordwesthälfte gibt. Dahinter setzt im Westen und Nordwesten bereits wieder WLA ein, die ebenfalls bis in die Mitte reichend leichte, teils schauerartige Regenfälle bringen kann, die Mengen fallen aber gering aus. Im Südwesten und Süden sorgt dagegen der Hochkeil auch für etwas Sonnenschein. Es bleibt vor allem in der Nordwesthälfte bis in die Mitte windig, auch in den Niederungen sind einzelne steife Böen aus Südwest möglich. An der Nordsee gibt es anfangs noch stürmische Böen, in den Gipfellagen der Mittelgebirge und auch der Alpen muss auch mit Sturmböen gerechnet werden. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 9 und 14 Grad, am Oberrhein bis 16 Grad. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Der grobe Fahrplan steht. Differenzen betreffen am ehesten noch die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge und sind auch der Modellauflösung geschuldet. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff