SXEU31 DWAV 250800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 25.10.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: SWz Heute nach dem anhaltenden Regen weitere Schauer und einzelne, kräftige Gewitter. Böiger bis stürmischer Südwestwind, Bergland und Küsten voller Sturm bis Orkan. Anfang der Woche an den Küsten weiterhin böiger Wind aus Süd bis Südwest und wechselhaft, sonst Wetterberuhigung. Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Sonntag... beginnen wir die Kurzfrist mit einem umfangreichen Orkantief (per Windmittel-Definition) über Schottland, das dort die Nacht zum Sonntag mit einem Kerndruck von etwas unter 950 hPa an Land gegangen ist. Der Name dieser Zyklone lautet MANJA (int. Boelo) und diese könnte in die Geschichtsbücher eingehen, wird eine Messung von 947.6 hPa zu 23 Uhr Lokalzeit auf den Äußeren Hebriden in der Tat verifiziert (ggf. kommen noch mehr Messungen hinzu). Somit hätte der bisherige Monatsrekord vom Sturmtief AMY Anfang Oktober 2025 für Schottland nur kurz Bestand. MANJA zieht heute tagsüber unter allmählicher Auffüllung ostwärts in Richtung Vikingbank. Diese recht zögernde Ostverlagerung hängt mit einer die Kurzfrist anhaltenden, umfangreichen Blockierung über Russland zusammen, die nach der am Montag über Mitteleuropa erfolgten Trogpassage von MANJA gar Kontakt mit einer weiteren positiven Geopotenzialanomalie über Südwesteuropa aufnimmt, was uns dann erneut effektiv/länger anhaltend vom Atlantik abkoppelt. Der Tag heute beginnt mit Durchschwenken der teilokkludierten Front im Süden und Osten mit viel Regen, der sich bis zum Abend in die Bereiche südlich der Donau zurückzieht. Zu den bisher gefallenen 12sd. Mengen (bis 07Z) von 25 bis lokal 50 l/qm im Stau der westlichen zentralen Mittelgebirge fallen dort noch bis zum Ende des Niederschlags (im Vormittagsverlauf) weitere 5 bis 10 l/qm, im Stau des Hochschwarzwaldes fallen zu den bisher gefallenen 15 bis 35 l/qm bis zum Abend weitere 20 bis 40 l/qm Niederschlag, sodass das vorhandene Warnkonzept insgesamt gut passt. Postfrontal der ostwärts durchschwenkenden Kaltfront gestaltet sich der Vormittag im Westen sehr freundlich, streckenweise auch sonnig, bevor hier ab der Mittagszeit einige Schauer- und Gewitterstaffeln südostwärts durchziehen. Diese entwickeln sich bei einem weiterhin sehr strammen Höhenwind, teils mit 50 kt in 700 hPa, sodass je nach Intensität der Konvektion (u.a. Anordnung in kurzen linienhaften Segmenten) markante Böen Bft 9 zu erwarten sind, punktuell vom Saarland bis zur Hohenloher Ebene vielleicht auch mal eine Bft 10. Auch sollte man die Geschwindigkeitsfelder im Radar im Auge behalten (besonders SL, RP bis Unterfranken), überlappen doch hervorragende Scherung mit häufig recht niedrigem Kondensationsniveau, sodass ein einzelner Tornado nicht kategorisch ausgeschlossen werden kann, was auch für NRW gilt, wo etwas mehr Grenzschichtfeuchte vorhanden ist. Deutlich reger fällt die Konvektion über und im Umfeld der Deutschen Bucht aus, wo wiederholt kräftige Schauer und einige Gewitter ostwärts ziehen, was in Vorhersagesoundings mit hochreichender Labilität bei einem deftigen Windfeld in 850 hPa (50-60 kt) gezeigt wird. Verständlich, dass hier die Konvektion auch abseits vom reinen Gradientwind teils unwetterartige Böen nach SH bringt (besonders Nordfriesland betreffend). Diese Konvektion erfasst im Nachmittagsverlauf unter Abschwächung auch den Norden/Nordosten der Republik. Abends fällt inneralpin oberhalb von 1500 m etwas Neuschnee. Abseits vom Regen dominiert natürlich der Wind weiterhin das Warnbild. Meist weht dieser im Tiefland mit Bft 6 bis 7, teils auch stürmisch (Bft 8) aus Süd bis Südwest und im Bergland natürlich je nach Höhenlage mit Bft 9 bis 12 (Unwetter im Hochschwarzwald und auf dem Brocken, zum Nachmittag ggf. auch über den Nordfriesen). Insgesamt schwächt sich der Wind über der Mitte und im Osten im Tagesverlauf ab, weht aber besonders im Nordwesten mit unveränderter Intensität. Auch hier gilt es bei Detailfragen die gültigen Warnungen zu konsultieren. Die Maxima liegen zwischen 9 und 16 Grad. In der Nacht zum Montag spaltet sich MANJA in zwei Zentren auf, wobei das südliche im Lee des Norwegischen Gebirges über Südnorwegen induziert wird. Diese Entwicklung hält trotz einer weiteren Auffüllung von MANJA den kräftigen Druckgradienten über Norddeutschland aufrecht, sodass im Binnenland von Norddeutschland ein böiger Südwestwind weht (Bft 6 bis 7), küstennah mit markanten Böen Bft 8 bis 9, entlang der Nordfriesen bei auflandiger Komponente Bft 10/11. Die Böen werden besonders über/im Umfeld der Deutschen Bucht und über SH auch effektiv durch rege Konvektion gestützt und erst im Verlauf der 2. Nachthälfte ist mit einer zögernden Entspannung des Gradientwindes zu rechnen. Ansonsten verläuft die Nacht anfangs noch mit einigen Schauern und einzelnen Gewittern, die unter Abschwächung rasch ostwärts ziehen, sodass die Nachtstunden in der Folge meist klar bzw. mit lockeren Wolkenfeldern über die Bühne gehen. Der Südwestwind spielt nur noch im Bergland markant eine Rolle (Bft 8 bis 11), im Tiefland weht dieser meist nur mäßig. Die Minima liegen zwischen 9 und 2 Grad, im Bergland teils im leichten Luftfrost. Montag... füllt sich auch MANJA II (Benennung als zweites Tiefzentrum noch nicht offiziell) über Norwegen/Schweden rasch auf, was Geopotenzialfall über dem Nordostatlantik und einem sich nach Westeuropa aufwölbenden Keil geschuldet ist. Dies hängt mit einer neuerlichen rapiden Zyklogenese zusammen, die dieses Mal nicht von Ex-JOSEPHINE hervorgerufen wurde, sondern durch sie selbst repräsentiert wird. Allerdings ist es fraglich, ob die Benennung von Ex-JOSEPHINE überhaupt fortgeführt wird, kommt es doch bei Troginteraktion über dem Nordostatlantik zu einer Neubildung abseits des eigentlichen Kerns. Zwar wird einiges an feucht-labiler Luftmasse in die neue Entwicklung mit eingebracht, die peripher von Ex-JOSEPHINE herangeführt wurde, doch verbleibt die eigentliche Zirkulation von Ex-JOSEPHINE klar westlich der Neubildung. Entsprechend wurde in den TKBs eine Neuentwicklung favorisiert. Egal wie, die neue rasante Tiefentwicklung westlich vor Irland lässt in der Nacht zum Dienstag eine Warmfront nach Deutschland ziehen, mit einem nachfolgend ausgeprägten Warmsektor, der uns am Dienstag beeinflusst. Der Montag beginnt aber insgesamt freundlich, im Südosten auch sonnig und trocken. Daran ändert sich erst zum Nachmittag etwas, denn dann zieht von Westen im Vorfeld der nahenden Warmfront mehrschichtige Bewölkung auf, die zum späten Nachmittag/Abend im Westen etwas Regen bringen kann. Die Front ist im IFS-ENS allerdings noch mit einem nennenswerten zonalen Spread behaftet, sodass der Niederschlagsbeginn noch etwas unsicher ist. Anders sieht das Wetter im noch längere Zeit zyklonal geprägten Norden aus, denn hier muss bei wechselnder Bewölkung ganztägig mit einigen Schauern gerechnet werden. Der meist ablandige Südwestwind bringt dem Küstenumfeld nochmal einen windigen Tag mit Bft 6/7 Böen im angrenzen Binnenland und Bft 7/8 Böen im Küstenumfeld. Am Vormittag sind über der Deutschen Bucht auch noch Sturmböen Bft 9 zu erwarten, bevor sich der Wind auch hier (vorübergehend) mit Drehung auf Süd abschwächt. Die Höchstwerte liegen bei milden 11 bis 17 Grad. In der Nacht zum Dienstag legt sich in der Höhe die Keilachse von Westen kommend allmählich über uns, sorgt jedoch dank der bereits angesprochenen Warmfrontpassage besonders im Norden für etwas Nass und dichte Bewölkung. Derweilen verläuft die Nacht im Süden teils klar, teils stark bewölkt und ausgangs der Nacht kann im Südwesten/Westen das eine oder andere Nebelfeld auftreten. Der Südwestwind spielt im Tiefland keine warnrelevante Rolle, kommt im Westen mäßig, sonst schwach daher. Im Küstenumfeld weht dieser weiterhin böig, in Richtung Nordfriesen zunehmend stürmisch aus Süd bis Südwest. Die Minima liegen zwischen dem durchmischten Nordwesten und dem entkoppelten Südosten zwischen 12 und 1 Grad. Dienstag... erfasst uns der bereits beschriebene Warmsektor vollumfänglich und bringt uns neben viel Sonnenschein (besonders den Süden und die Mitte betreffend) auch sehr milde Höchstwerte, die im Südwesten zwischen 18 und 21 Grad liegen. Im Norden beginnt der Tag noch mit dichten Wolkenfeldern, die aber ebenfalls rasch auflockern. Zum späten Nachmittag und Abend verdichtet sich die Bewölkung im Nordwesten peripher der von Westen nahenden Kaltfront, ob es für erste Tropfen reicht ist aber noch unsicher. Im Norden und Osten liegen die Maxima meist zwischen 14 und 18 Grad. Der Wind weht im Süden und Osten schwach aus Südost, sonst mäßig, im Nordwesten auch frisch aus Südwest und über der Deutschen Bucht teils stürmisch. In der Nacht zum Mittwoch passiert uns die recht wetterinaktive Kaltfront ostwärts und erreicht ausgangs der Nacht den Bodensee und Berlin (wenngleich noch Unsicherheiten bei der Verlagerungsgeschwindigkeit bestehen). Meist sind es 1 bis 5 mm/12h, nach ICON lokal etwas mehr. Bedeutet anfangs im Osten, nach Mitternacht im Westen häufig klar und meist trocken bei lokaler Nebelbildung. Die Minima liegen zwischen 9 und 3 Grad. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Kurzfrist wird insgesamt sehr einheitlich erfasst, wenngleich es bei der Verlagerungsgeschwindigkeit der Fronten noch gewisse Diskrepanzen gibt. Dies wirkt sich aber nur auf das Timing der jeweiligen Niederschlagsereignisse aus (einige Stunden plus/minus). Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Helge Tuschy