SXEU31 DWAV 271800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 27.10.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Relativ maue Kaltfrontpassage, danach Hochdruckeinfluss mit zunehmenden Grundschichtphänomenen (JURIJ). Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... neigt sich ein äußerst linder Herbsttag langsam seinem Ende entgegen. Ein Tag, der als mild bis sehr mild in die Chroniken eingeht und zeigt, was Ende Oktober noch so möglich ist. Okay, für Rekorde hat´s zwar nicht gereicht, aber Temperaturen um oder sogar über 20°C im Süden und Westen (Spitzenreiter Müllheim (BW) mit 21,6°C) sind aller Ehren wert und es bedarf natürlich bestimmter Voraussetzungen, um in dieser Jahreszeit dieses thermische Niveau zu erreichen. Womit wir bei der aktuellen Wetterlage wären, die heute den GWL-Stempel SWa (Südwest antizyklonal) verdient. Auf der einen Seite notieren wir das äußerst solide Sturmtief NAOMI, heute Mittag mit knapp über 962 hPa im Kern zwischen Island und Schottland gelegen. Es sorgt mit dem korrespondierenden, bis nach Westeuropa reichenden Höhentrog für die Zufuhr entsprechender Subtropikluft (mS/xS) nach Mitteleuropa, wobei bei uns die T850-Werte Werte im Süden und Westen zwischen 10 und 13°C erreichen. Der antizyklonale Part wird einerseits vom langsam ostwärts abwandernden Bodenhochkeil IDRIS, zum anderen von einem sich ebenfalls allmählich nach Osten orientierenden Potenzialrücken beigesteuert. Wenn wir so wollen befinden wir uns noch im antizyklonal konturierten Warmsektor NAOMIs, der nun aber in Kürze seine Pforten schließen wird. Grund ist die bereits ante portas stehende Kaltfront (im Norden dichter als im Süden), die in der kommenden Nacht und am morgigen Mittwoch den Vorhersageraum ostwärts passiert. Mit von der Partie ein vergleichsweise schmales frontales Regenband, das bis morgen früh grob eine Linie Usedom/Oderhaff-Thüringer Wald-Bodenseeraum erreicht. Nur punktuell fallen dabei 5 l/m² oder etwas mehr, in der Regel liegen die Raten darunter. Ost-südöstlich davon bleibt es noch trocken und auch postfrontal trocknet es in der frisch einfließenden maritimen Polarluft (mP; T850 nur noch um +1°C) im Westen und Nordwesten alsbald wieder ab. Der Druck steigt von Frankreich her rasch an (JURIJ das nächste Hoch lässt grüßen), was stabile Verhältnisse schafft. Einzig an bzw. auf der Nordsee ist der nachfolgende Höhentrog in der Lage, ein paar schwache Schauer zu generieren. Der Wind nimmt sowohl an der Nordsee als auch auf dem Brocken ab, so dass die Warnkarte abgesehen von vielleicht ein paar Nebelwarnungen im Südosten (Donau + Nebenflüsse) farblos bleibt. Die Temperatur geht auf 10 bis 3°C (Nordsee milder), in Altbayern stellenweise auf 0°C oder etwas darunter zurück. Mittwoch ... schwenkt die Kaltfront mit dem zugehörigen Regenband über den Osten und Südosten hinweg. Am längsten (teils bis in den Nachmittag, teils sogar bis in den Abend hinein) regnet es von der Lausitz bis zum Alpenrand. Staueffekte sorgen vor allem zwischen Karwendel und Berchtesgadener Alpen für eine Intensivierung der Regenfälle, was in der Tagesbilanz bis zu 20, lokal vielleicht 25 l/m² ausmacht. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der unmittelbar auf die Kaltfront folgende Höhen- und Temperaturtrog mit seinen rund -22°C auf 500 hPa über +1/+2°C auf 850 hPa nicht nur wegen der limitierten Labilität (Prognosesoundings zeigen bei 900 bis 850 hPa die Genese einer absinkgenerierten Sperrschicht), sondern auch wegen des geringen Wasserdampfgehalts (PPW liegt bei wenig über 10 mm, das meiste davon in der Grundschicht) kaum was in Sachen Schauer auszurichten vermag. Auch der weitere Druckanstieg mit Bildung einer eigenständigen, langsam von Frankreich nach Deutschland wandernden 1030+X-hPa-Parzelle ist alles andere als förderlich. Im Gegenteil, in der frisch eingeflossenen Polarluft (mP) lockert die Bewölkung auf, insbesondere im Westen und Nordwesten scheint für längere Zeit die Sonne. Erst zum Abend hin nimmt die Bewölkung mit Annäherung eines Bodentrogs in Nordseenähe sowie im Grenzbereich zu den Niederlanden wieder zu. Selbiges gilt für den Südwestwind über der Deutschen Bucht, der schon am Nachmittag etwas stärker auffrischt, sehr wahrscheinlich aber nur auf Helgoland die untere Warnschwelle für 7er-Böen erreicht respektive knapp überschreitet. Kaltfront hin, polare Luftmasse her, richtig kalt wird´s auch am morgigen Mittwoch nicht. Okay, im für längere Zeit regnerischen Südosten könnte es an der ein oder anderen Stelle schwer werden, die 10°C-Marke zu überlisten. Ansonsten aber stehen mit verbreitet 12 bis 16°C (Sonne und/oder leichte Durchmischung) für Ende Oktober ziemlich milde Werte auf dem Zettel. Die Nacht zum Donnerstag wird hochdrucklastig. Nicht nur dass Kollege JURIJ mit seinem Zentrum weiteren Boden nach Osten hin gut macht. Auch die Expansion des Hochs nach Norden ist spürbar. Lediglich im Küstenbereich sowie in Teilen des norddeutschen Tieflands, wo die Passage des o.e. Bodentrogs auf dem Fahrplan steht, geben dichte Wolken und zeitweilig leichter Regen den Ton an. Ansonsten geht´s vielerorts gering bewölkt oder sogar klar in die Nacht, bevor sich in der entkoppelten Grundschicht gebietsweise Nebel oder Hochnebel bilden. Am östlichen Alpenrand regnet es anfangs noch etwas, bevor sich der Niederschlag in inneralpine Bereiche und nach Austria zurückzieht. Dabei dürfte die Schneefallgrenze kaum unter 1500 m sinken. Während es ganz im Norden unter den Wolken mit 11 bis 7°C relativ mild bleibt, kühlt es sonst auf 6 bis 0°C, bei längerem Aufklaren in ungünstigen Lagen (ein Klassiker deutscher Wetterberichtsprosa) gar in den leichten Frostbereich ab. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... zunehmend hochdruckbestimmte Grundschichtproblematik. Nicht Sein oder Nichtsein, sondern Blau oder Grau, das wird dann die Frage. Mehr dazu bei Shakespeare oder den Frühübersichten von heute und morgen. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Von den üblichen Prognoseproblemen grundschichtgeprägter Phänomene wie Nebel und Hochnebel abgesehen gibt es nichts, was hier Erwähnung finden sollte. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann