SXEU31 DWAV 281800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 28.08.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Unter Tiefdruckeinfluss unbeständiges Wetter, im Norden windig, mäßig warm bis warm. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt Deutschland auf der Vorderseite eine markanten Langwellentroges, dessen Achse sich von der Nordsee über Frankreich bis nach Ostspanien erstreckt, in einer kräftigen südwestlichen Strömung. Mit dieser gelangt noch feucht-warme, zu kräftigen Gewittern neigende Luft in Teile des Landes. Von Nordwesten her ist zudem eine Kaltfront auf Ostkurs und schiebt die heiße Luft am Abend nach Tschechien und Österreich. Die schauerartig verstärkten, teils gewittrigen Niederschläge im Umfeld der Kaltfront verlieren weiter an Intensität. Dennoch ist Starkregen um 20 l/qm/h sowie stürmische Böen oder Sturmböen bis 80 km/h wahrscheinlich. Rückseitig der Kaltfront werden die zahlreichen Gewitter vorwiegend aus der Höhe induziert. PVA kann dabei den ordentlichen Deckel bei rund 600 hPa örtlich sprengen und das signifikante MU-Cape anzapfen. Da zusätzlich auch noch sehr gute Scherungsbedingungen vorhanden sind, sind einzelne Superzellen möglich. Bei derartigen Entwicklungen muss auch weiter ein Blick auf die Wolkenuntergrenze und die Rotation geworfen werden, um potentielle Rüssel zeitnah zu sichten und zu bewarnen. Ansonsten steht der wind im Fokus. Durch die Südwestdröhnung liegt der Jet über Deutschland, sodass hohe Windspitzen heruntergemischt werden können. Bei kräftigen Entwicklungen sind demnach 90 bis 130 km/h möglich. Bei PPWs von 25 bis 35 mm ist zwar auch genügend Flüssigwasser vorhanden, allerdings ziehen die Zellen/Linien recht zügig, sodass meist nur Mengen höchstens um 20 l/qm/h zu verzeichnen sein sollten. Über der Mitte und im Norden, wo sich die höchsten Mengen an MU-Cape befinden, ist bis in den Abend Hagel bis 2 cm möglich. Im Laufe des Abends und der Nacht kann sich der Trog südwärts amplifizieren und ein eigenständiges Höhentief ausbilden, welches von Belgien über Rheinland-Pfalz und Thüringen bis zur Lausitz wandern soll. In diesem Zuge werden im Osten zunehmend schwache antizyklonale Bedingungen gezeigt. Gleichzeitig gelangen weite Teile des Nordwestens, Westen und der Mitte in den Trogbereich. Dynamische Hebungsimpulse bleiben in der Nacht somit dem Süden und Südosten vorbehalten. Allerdings ist die Luftmasse dort schon kaum noch labil und besitzt teilweise einen ordentlichen Deckel, der kaum gesprengt werden kann. Somit sind zwar weitere Gewitter möglich, kräftige Gewitter sowie auch Superzellen aber weniger wahrscheinlich. Meist sollte es sich um einen schauerartigen, lokal gewittrigen Regencluster handeln. Ansonsten sollte die Gewitteraktivität weitgehend abklingen und erst ausgangs der Nacht in Ostfriesland durch einen kurzwelligen Anteil getriggert wieder in Gang kommen. Aufgrund des Gradienten ist am heutigen Abend abseits der Gewitter vor allem in Hochlagen mit stürmischen Böen oder Sturmböen zu rechnen. Sonst kann hier oder da auch Outflow weit vorlaufend einzelne steife Böen induzieren. Samstag ... bleibt die westliche bis südwestliche, zyklonale gekrümmte Grundströmung erhalten. Nach Abzug des Troges nach Osten kann sich über Deutschland vorübergehend ein schwacher Rücken aufbäumen. Doch schon im Laufe des Tages rückt von Westen ein markanter Kurzwellentrog mit Höhentief näher, der bodennah ein Randtief induziert, welches bis Sonntagmorgen über Südengland und die südliche Nordsee ostwärts zieht. Dabei kann sich zunächst im Westen und Nordwesten, in der Nacht allgemein in der Nordwesthälfte Deutschlands der Gradient verschärfen, sodass einzelne steife Böen bis 60 km/h, an Nord- und Ostsee vor allem auflandig auch einzelne stürmische Böen wahrscheinlich sind. Ansonsten muss auch in Hochlagen mit steifen bis stürmische Böen gerechnet werden. Das Bodentief hat auch einen okkludierten Frontenzug im Gepäck, der sich zum Abend annähert und in der ersten Nachthälfte auf den Westen und Nordwesten übergreift. Einhergehend setzen zum Abend schauerartige Regenfälle ein, die nachts im Nordwesten auch stärker ausfallen können. Im Nordseeumfeld kann auch ein kurzes Gewitter mit Sturmböen nicht ausgeschlossen werden. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC Sonntag ... soll das bodennahe Randtief über Dänemark nach Südschweden wandern. Resultierend schiebt es auch ein Windfeld auf der Südflanke ostwärts. Einhergehend muss am Sonntag etwa in der Nordhälfte mit steifen Böen, exponiert auch stürmischen gerechnet werden. An der Ostsee können auch einzelne Sturmböen nicht ausgeschlossen werden. In der Südhälfte frischt der Wind ebenfalls spürbar auf, erreicht aber wohl nur im höheren Bergland einzelne steife, in Kammlagen auch stürmische Böen. Mit Abzug der wenig aktiven Okklusion nach Osten reichen die Hebungsprozesse des Tiefs wohl nur im Norden noch aus, um schauerartige Regenfälle auszulösen. Im restlichen Land bleibt es zunehmend trocken. Mit dem Tief kann in die Südosthälfte auch nochmals ein Schwall warme bis lokal heiße Luft vordringen, während im Nordwesten mäßig warme Atlantikluft übernimmt. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren die Geopotential- und Luftdruckverteilung vergleichbar. Gewisse Unterschiede sind derzeit vor allem noch bei der genauen Zugbahn des Randtiefs zu verzeichnen, wobei sich die Abweichungen im Verlauf des Tages schon reduziert haben. Je nach Zugbahn und Intensität werden auch die Windspitzen stärker oder weniger stark simuliert. Mehr als eine regional markante Windlage in der Nordhälfte des Landes ist aber nicht zu erwarten. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Lars Kirchhübel