SXEU31 DWAV 281800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 28.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Hochdruckrandlage mit viel Sonne tagsüber und oft frostigen Nächten in der Nordosthälfte. Bei leichter Bise regional stark böiger Nordostwind. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... umspannt ein umfangreicher Höhenrücken den Großteil des Europäischen Nordmeeres, der Britischen Inseln und Nordsee und der Westhälfte Skandinaviens. An dessen Ostflanke findet ein beachtlicher fast schon spätwinterlich anmutender Kaltluftausbruch mit T850 von -10 Grad über Finnland, Westrussland und dem Baltikum. Auch wir bekommen in abgeschwächter Form einen Streifschuss ab mit immerhin noch Werten von -1 bis -5 Grad in 850 hPa östlich von Weser und Werra. Ein Kaltlufttropfen über der Bretagne ist nicht weiter von Relevanz. Die Taupunkte sind im Osten bereits auf Werte um -5 Grad zurückgegangen, was schon mal als unmittelbare Ankündigung einer frostigen Nacht verstanden werden kann angesichts wolkenloser und nur schwachwindiger Bedingungen (aber immerhin nicht komplett windstill). Entsprechende Warnungen wurden bereits großflächig ausgegeben. Meist bewegen sich die Tiefstwerte zwischen 0 und -3 Grad, im Westen und Süden zwischen 8 und 0 Grad. Gründe für die milderen Nachttemperaturen sind im Westen vor allem der teils noch mäßige, wenn auch nicht mehr ganz so böige Ostwind am Südrand des Bodenhochs dicht östlich von Schottland. Ganz im Süden sorgt leichtes Aufgleiten einer höhenmilderen, feuchten Luftmasse über dem Alpenraum für dämpfende Wirkung der hohen und mittelhohen Wolkenfelder. Etwas Regen fällt allenfalls in homöopathischen Mengen im unmittelbaren Grenzbereich zur Schweiz und zu Österreich. Mittwoch ... steigen das Geopotential und der Bodendruck von Norden weiter an, sodass deutschlandweit ein sonniger Tag zu erwarten ist. Die Ausnahme ist etwas Restbewölkung am direkten Alpenrand, sowie lockere Wolkenfelder im Nordosten. Niederschlag fällt keiner. Am Südrand der Antizyklone gelegen verbleiben wir in einem recht ausgeprägten Bodendruckgradienten (12 hPa/450 km), sodass der Ost- bis Nordostwind in der gesamten Südwesthälfte im Tagesverlauf teils stark böig auffrischt. Da bereits heute bei etwas schwächeren Randbedingungen Böen der Stärke 6 Bft vermehrt auftraten, ist morgen insbesondere mit Aufleben der Tagesböigkeit in anfälligen Regionen mit einigen Böen Bft 7 zu rechnen. PPWs um 6 mm, ein T-Td spread von teils über 20 Kelvin und eine bis knapp 800 hPa durchmischte Grenzschicht sind bei einer Waldbrandstufe 3 bis 4 im Süden ein Hinweis, das bei Brandentwicklung mit rascher Ausbreitung zu rechnen ist. Im Hochschwarzwald treten zudem wiederholt stürmische Böen (Bft 8) aus Ost auf. Im Norden weicht der Gradient rasch auf und dort kommt der Wind meist nur mäßig aus Nordost. Zum Abend kommt es im Tiefland zu einer raschen Entkopplung und Windabschwächung, während sonst der Wind weiterhin böig aus Ost weht. Zudem wird am Südrand der Antizyklone nochmals kältere Luft in den Osten/Nordosten der Republik geführt, wo die Temperaturwerte in 850 hPa auf -2 bis -5 Grad zurückgehen Dies drückt die Maxima im Nordosten auf vergleichsweise kühle 10 bis 15 Grad, wobei die Deterministik teils deutlich unter den MOS-Verfahren liegt. Ein Kompromiss aus beiden dürfte der Wahrheit recht nahe kommen. Dank der kräftigen Aprilsonne sind bei kurzzeitigen Überadiabaten trotz negativer 850er Temperaturen Höchstwerte bis an die 15 Grad plausibel. Im Süden und Westen bleibt es mit 17 bis 23 Grad mild bis sehr mild. Die Nacht zum Donnerstag hat nicht viel Neues zu bieten. Klar, trocken und kalt. Dabei fokussiert sich aus heutiger Sicht die beste Ausgangslage für effektive Auskühlung auf den (verlängerten) Ast der Divergenzachse, die von der Deutschen Bucht etwa entlang der Elbe bis nach Sachsen gerichtet ist. Langwellige Ausstrahlung, eine trocken-kühle Luftmasse polaren Ursprungs sowie nur schwache Windbewegung ergeben verbreitet leichten, vereinzelt mäßigen Luftfrost vom Osten bis zur Landesmitte. Bodennah möchte man in Richtung Lausitz und Erzgebirge gar vereinzelt strengen Frost um -10 Grad nicht gänzlich ausschließen. Landwirte und Hobbygärtner werden es nebst der anhaltenden Trockenheit mit Sorgenfalten auf der Stirn betrachten. Etwas unsicher gestaltet sich die Abkühlungsrate im Nordosten (Vorpommern bis Uckermark), die zunehmend auf die Nordflanke der Divergenzachse und somit in den Zustrom höhenmilder Luft gelangen. So breitet sich in 850-750 hPa von der Ostsee WLA gestützt dichtere mittelhohe Wolkenfelder von Vorpommern südwärts aus, die je nach Ausprägung die Abkühlung mehr oder weniger deutlich bremsen würden. Dennoch muss je nach zeitlichem und räumlichem Eintreffen der feuchteren Luftmasse mit Minima zwischen +3 und -1 Grad gerechnet werden, bodennah durchweg mit leichtem Frost bis -4 Grad. Der Luftfrost betrifft auch die östlichen und zentralen Mittelgebirge, den Bayerischen Wald und das Alpenvorland, während es im Südwesten und Westen mit 7 bis 2 Grad in 2m Höhe frostfrei bleibt. Bodennah muss allerdings beinahe deutschlandweit mit leichtem Frost gerechnet werden. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... keine grundlegende Wetteränderung. Erneut viel Sonne und allmähliche Erwärmung der Luftmasse im Osten, dadurch abnehmende Frostgefahr in den Nächten. Im Südwesten weiterhin leichte Bisenlage mit Böen Bft 7, im Bergland 8-9. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Wirklich nennenswerte Modellunterschiede sind nicht zu finden. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Robert Hausen