SXEU31 DWAV 270800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 27.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: SWa Heute zunächst nur lokale Gewitter im Westen und Norden, kommende Nacht im Nordwesten und äußersten Norden Durchzug eines MCS. Am Sonntag nahezu landesweit Gewitter möglich. Insgesamt erhöhte Unwettergefahr aufgrund von Starkregen, größerem Hagel und schweren Sturmböen oder Orkanböen. Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Samstag... erstreckt sich weiterhin ein kräftiger Höhenrücken vom westlichen Mittelmeerraum über Mittteleuropa hinweg bis nach Skandinavien. Die Achse des Rückens befindet sich allerdings mittlerweile knapp östlich von uns. Somit gelangen wir zunehmend auf die Vorderseite eines Höhentroges über Nordwesteuropa. Das bisher am Boden wetterbestimmende Hoch HARTMUT hat sich gen Ost-/Südosteuropa verzogen. Mit Annäherung des Troges setzt von Nordwesten Druckfall ein. Daraus resultiert eine Tiefdruckrinne (WINONA) mit eingelagerter Konvergenz, die schließlich vom westlichen Mittelgebirgsraum zunächst bis in den Nordwesten Deutschlands reicht und am Nachmittag und Abend sich in seinem nördlichen Teil über den Norden hinweg ostwärts verlagert. In der südwestlichen Höhenströmung sind noch keine markanten Kurzwellentröge auszumachen. Dennoch werden im Bereich der Rinne einzelne Schauer und Gewitter ausgelöst werden. Scherung ist noch kaum vorhanden, sodass es sich überwiegend um diskrete Einzelzellen halten sollte. Allerdings findet im Bereich der Rinne eine deutliche Feuchtflusskonvergenz statt und die PPW Werte steigen dort teils auf Werte über 40 mm, lokal sogar bis 50 mm an. Hinzu kommt durch die Einstrahlung ein Anstieg der CAPE-Werte teilweise auf über 3000 J/kg. Soundings zeigen zudem markante inverted V-Strukturen. Kurzum, dort wo Gewitter entstehen, besteht potentiell auch immer Unwettergefahr durch großen Hagel, heftigen Starkregen mit Mengen um 30 l/qm und schweren Sturmböen Bft 10 oder gar orkanartigen Böen Bft 11. Dennoch sind sich die hochauflösenden Modelle einig, dass es sich zunächst nur um lokale Entwicklungen handelt, sodass heute tagsüber auf eine Vorabinformation verzichtet wird. In den weiteren Landesteilen sorgt ohnehin der Höhenrücken noch für eine starke Deckelung, sodass es sonst kaum zur Auslöse kommt, einzig im Schwarzwald und an den Alpen sind lokale Schauer und Gewitter nicht ausgeschlossen, die dann aber nicht so kräftig ausfallen sollten, wie im Westen und Norden. Die teils extreme Hitze hält heute weiter an, wobei es in der Nordwesthälfte auch zunehmend schwül wird. Die Höchstwerte liegen verbreitet bei 37 bis 41°C, im Südwesten sind punktuell auch bis zu 42°C möglich. Etwas erträglicher bleibt es nur noch unmittelbar entlang der Nordseeküste bei Temperaturen deutlich unter 30°C, auf den Inseln sogar eher 22 bis 25°C. In der Nacht zum Sonntag schwächen sich die Gewitter vom Tage zunächst wieder ab. Aber schon in der ersten Nachthälfte nimmt die Gewittertätigkeit im Nordwesten wieder zu. Wahrscheinlich noch weniger durch die Höhe, sondern durch konvergente Strukturen am Boden und zunehmende Scherung ausgelöst (DLS bis 25 m/s), soll von Belgien und den Niederlanden ein Gewittercluster zunächst auf den Niederrhein, das Münsterland und das westliche Niedersachsen übergreifen und sich rasch zu einem MCS entwickeln und von dort über das nördliche NS bis nach Schleswig-Holstein und evtl. auch noch Mecklenburg ziehen. Aufgrund der Zutaten muss in Verbindung damit mit heftigem Starkregen und größerem Hagel gerechnet werden. Und vor allem können dann auch großflächiger Böen bis Orkanstärke (Bft 11 bis 12) auftreten. Entsprechende Hinweise gibt es seitens I-D2 EPS. Insofern wurde eine Vorabinformation für den Nordwesten ausgegeben. In Verbindung mit einem ersten markanteren Kurzwellentrog könnte in der zweiten Nachthälfte noch ein zweiter Gewittercluster entstehen und auf ähnlicher Zugbahn nordostwärts ziehen. Dies zeigt vor allem Super HD. Durch vorlaufende Outflowboundaries in die Warmluft ost- und südostwärts hinein, kann es auch abgesetzt des MCS zu Böen bis Sturmstärke (Bft 9), evtl. sogar zu schweren Sturmböen (Bft 10) kommen. Auch die Auslöse vereinzelter Gewitter ist möglich, wenngleich die Signale hierfür eher gering sind. Im Osten, weiten Teilen der Mitte und im Süden verläuft die Nacht ruhig. Die Temperatur sinkt verbreitet nicht unter 24 bis 19°C ab, einzig im äußersten Südosten könnte es noch etwas weiter runter gehen. Sonntag... ziehen die Gewitter mit dem Kurzwellentrog zunächst Richtung Ostsee ab. Bis es soweit ist, besteht am frühen Vormittag aber in Teilen SH und Mecklenburg-Vorpommerns weiterhin Unwettergefahr. Das Rücken-Trogmuster kommt noch ein wenig weiter ostwärts voran, sodass der Einfluss des Troges bei uns weiter zunimmt. Die Tiefdruckrinne verlagert sich in die mittleren Landesteile und mit ihr auch die feuchtere und energiereichere Luftmasse. Antriebe aus der Höhe fehlen zunächst wieder. So ist nach einer kurzen Pause im Tagesverlauf vornehmlich in der Mitte und im Süden zunächst mit einzelnen Gewittern zu rechnen, die bei leicht zunehmender Scherung dann zu teils größeren Clustern zusammen wachsen können. Bei ähnlichen Zutaten wie am Vortag sind rasch wieder Entwicklungen bis in den Unwetterbereich wahrscheinlich. Aufgrund von Starkregen sind auch extreme Unwetter möglich. Sehr unsicher ist dann noch, was am späteren Nachmittag und auch in der Nacht zum Montag passiert. Es deutet sich an, dass erneut ein Kurzwellentrog von Westen übergreift und die Bildung eines MCS auslöst. Nach I-D2 passiert dies bereits am späteren Nachmittag mit Zugbahn von RLP und dem Saarland über Nordhessen und das südliche NRW in Richtung Osten und Nordosten, wo das ganze System auf mehrere hundert Kilometer Breite anwachsen soll. SUPER HD lässt das Ganze erst am frühen Abend entstehen mit einer vor allem am Anfang etwas nördlicheren Zugbahn. Auch andere Modelle deuten auf eine solche Entwicklung hin, Unsicherheiten bestehen aber noch bezüglich des Timings und der Zugbahn. Die Begleiterscheinungen wären aber sehr ähnlich zu denen in der kommenden Nacht, sprich erhöhte Unwettergefahr aufgrund von heftigem Starkregen, größerem Hagel und Böen bis Orkanstärke (Bft 11 bis 12). Auch im Süden kann die Gewitterei die Nacht über anhalten, Unwetter sollten dort aber nur noch lokal auftreten. Die Temperatur erreicht tagsüber nochmals verbreitet Höchstwerte zwischen 31 und 39°C, Temperaturen bis 41°C sind dann vor allem im Osten und Südosten zu erwarten. Auf den Nordwesten greift in der Nacht allmählich die Kaltfront eines Tiefs bei Island über, die letztlich den Luftmassenaustausch einleitet. So sinkt die Temperatur dort in der Nacht auf Werte um 17°C ab, sonst liegen wir meist bei Werten zwischen 24 und 19°C. Montag... greift der Höhentrog auf den Nordwesten Deutschlands über. Die Kaltfront kommt durch eine Wellenbildung über dem Nordwesten Deutschlands nur zögerlich weiter landeinwärts voran, bis zum Abend sollten aber der Nordwesten und Norden und auch weite Teile des Westens überquert sein. Entsprechend setzt dort Stabilisierung ein, wenngleich nicht ausgeschlossen ist, dass sich im Trogbereich noch einzelne Schauer entwickeln. Über den Osten hinweg ziehen im Laufe des Vormittags noch die Reste des MCS aus der Nacht hinweg. Timing und Zugbahn bleiben weiterhin unsicher. Dennoch muss weiterhin mit Starkregen und Sturmböen gerechnet werden, teils auch noch bis in den Unwetterbereich hinein. Die Gewitterträchtigste Luft wird in den Süden und Osten abgedrängt. Durch den zunehmenden Einfluss des Troges ist mit einer verbreiteteren Auslöse der Gewitter zu rechnen. CAPE ist nicht mehr so hoch wie an den Vortagen und auch die trockene Grundschicht wird weitgehend ausgeräumt. Insofern steht vor allem der Starkregen im Fokus, der bei PPW Werten zwischen 35 und knapp 50 mm und langsamer Verlagerung erneut hohes Potential für unwetterartige Entwicklungen bis in den extremen Bereich mit sich bringt. Zudem gibt es erneut Signale, dass am Nachmittag und Abend von Frankreich und der Schweiz kommend oder aus den Alpen heraus ein weiterer MCS aufziehen könnte, der dann auch eingangs der Nacht zum Dienstag im Süden noch für Ungemach sorgen kann. Für Details ist es aber noch zu früh. Die Kaltfront kommt etwa noch bis zur Landesmitte voran. Die Gewitter schwächen sich allmählich ab, kommen aber nicht gänzlich zum Erliegen. Immerhin wird die Hitze schon weitgehend abgedrängt, teils durch die Kaltfront, teils durch fehlende Einstrahlung. Die Höchstwerte liegen zwischen 25 und 29°C, im äußersten Osten und Südosten sind nochmal bis 32 Grad möglich. In der Nacht zum Dienstag kühlt es im Norden und Westen schon auf 15 bis 11°C ab, sonst auf 19 bis 16 °C. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die grundsätzliche Entwicklung wird sehr ähnlich gesehen. Im Detail ergeben sich aufgrund der Konvektion noch Unterschiede, die im Text bereits angesprochen wurden. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Johanna Anger