SXEU31 DWAV 211800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 21.06.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Heißer Wochenstart in der Südwesthälfte mit bis zu 38°C, dazu von der Mitte bis in den Süden teils kräftige Gewitter. Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... haben wir den Zenit der Sommersonnenwende knapp überschritten. Um 10:24 Uhr war es soweit, der subsolare Punkt, also der Ort, über dem die Sonne im Zenit steht, hatte den nördlichen Wendekreis bei 23° 26´ erreicht. Weiter geht nicht, nun geht´s langsam aber sicher wieder zurück in den Süden. Heißt für uns, die Tage werden wieder kürzer, die Nächte länger. Im Grunde ist der Sommer gelaufen und wir können uns schon wieder auf Schnee und Eis(hockey) freuen. Wie meinen? Hat der Hoffmann noch alle Latten am Zaun, ist ihm die Hitze zu Kopf gestiegen? Okay, mal abgesehen davon, dass es in der Regel keiner großen Hitze bedarf, dass der Hoffmann dummes Zeug erzählt, soll an dieser Stelle lediglich etwas provoziert oder auch geträumt werden. Traumtänzer, natürlich stehen wir erst am Anfang des Sommers. Natürlich befinden wir uns erst am Anfang einer wohlmöglich länger andauernden Hitzeperiode. Und natürlich sind Tagesverlust und Nachtgewinn zunächst nur infinitesimaler Natur, sodass wir davon kaum was merken. Aber genug der Faselei. Zur Lage, die uns heute neben fetter Hitze insbesondere in der Südhälfte auch ein paar knackige Gewitter bis hin zu Unwettern beschert hat. Einer der Hotspots Berlin, wo die Feuerwehr wohl deutlich mehr zu tun hatte als gewünscht. Auch aktuell sind noch einige "Kanten" auf der Platte und das, obwohl die Großwetterlage eher antizyklonal gefärbt ist. In der Höhe ein breiter, von NW-Afrika bis hoch Mitteleuropa reichender, an seinem Nordrand aber abgeflachter Potenzialrücken. Am Boden HARTMUT, seines Zeichens Hochdruckgebiet mit 1033+X-hPa-Zentrum mittemang über der Nordsee. Beide, Rücken und Hoch verstärken sich sogar eher noch. So regeneriert sich der Rücken in seinem Westteil, weil er dort mit Warmluft vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel versorgt wird. Und auch die 1030iger-Isobare vergrößert die Fläche, die sie umhüllt. Berücksichtigt man nun noch, dass sich die Sonne in wenigen Stunden zur Nachtruhe begibt und damit der Energiehahn abgedreht wird, wird einem schnell klar, warum die meisten Modelle - allen vor die hochauflösenden außer AROME - die Gewitterei im Laufe der Nacht weitgehend zum Stillstand bringen. Mal etwas eher, mal etwas später. Da verwundert es, dass die gröberen Modelle nicht ganz so optimistisch sind. Demnach geht sehr wohl noch was, vornehmlich in der zweiten Nachthälfte im Bereich der östlichen Mitte etwa vom südlichen NDS über Teile Thüringens und Sachsen-Anhalts bis nach Sachsen rein (+/-). Im Angebot stehen einzelne Gewitter und/oder schauerartige Regenfälle mit eingelagerten Gewittern. Der Grund könnte ein flacher Sekundärtrog sein, der mit der auf West-Nordwest drehenden Höhenströmung durchgeschleust wird und auf eine sehr feuchte Luftmasse mit abgehobener Labilität trifft. Auf alle Fälle scheinen die Globalmodelle darauf sensitiver zu reagieren als die hochauflösenden. Inwieweit auch die von Norden etwas südwärts vorankommende, leicht diffus daherkommende Kaltfront an den Prozessen beteiligt ist, ist schwer zu beurteilen. Da es sich um nächtliches Geschehen handelt, sprich, sich die Grundschicht ein Stück weit stabilisiert hat, dürfte der KW-Trog die Hauptrolle spielen. So oder so sollten die Nachtdienste diese Region aufmerksam im Auge behalten. Noch zu erwähnen, dass postfrontal mit nördlicher bis östlicher Strömung eine weniger warme/heiße und auch trockenere Luftmasse in den Norden gelangt. T850 geht auf rund 10°C zurück (zum Vergleich, im äußersten Südwesten liegt sie bei 20°C), die Taupunkt gebietsweise auf unter 15°C. Äußerst komfortable Rahmenbedingungen für nächtliches Lüften, geht doch die Temperatur bei Aufklaren auf unter 15, im schleswig-holsteinischen Binnenland punktuell bis auf 10°C zurück. Da kann man weiter südlich nur neidisch werden, insbesondere im Südwesten, wo vielerorts einmal mehr eine Tropennacht mit über 20°C Minimum ansteht. Montag ... ändert sich gar nicht mal so viel an der Gesamtkonstellation. In der Höhe der Rücken mit Achse über Westeuropa, was bei uns eine vergleichsweise schwache west-nordwestliche Höhenströmung mit antizyklonaler Kontur zur Folge hat. Am Boden Hoch HARTMUT mit Zentrum über der Nordsee und Keil bis zur westlichen Ostsee respektive Nordostdeutschland. Auf seiner Südflanke kommt die Kaltfront noch etwas in Richtung Landesmitte voran, bevor sie im Tagesverlauf mangels ausreichend Baroklinität und auch sonstiger schwacher Marker möglicherweise der Frontolyse zum Opfer fällt. Front hin, Frontolyse her, Fakt ist, dass der Norden in den Genuss einer thermisch moderaten, nicht ganz so feuchten und zudem stabilen Luftmasse kommt, in der die Temperatur trotz ausreichend Sonnenschein unterhalb der 30°C-, ganz hoch im Norden sogar unterhalb der 25°C-Marke bleibt. Direkt an der Küste stehen bei nördlichen Wind z.T. nur rund 20°C auf der Karte. Die Mitte und der Süden hingegen verbleiben weiterhin in der sehr warmen bis heißen "tropical airmass". Am feuchtesten ist die Luft in der Mitte und im Südosten (PPW über 30, gebietsweise über 35 mm, spez. Grundschichtfeuchte um 13 g/kg), am labilsten ist sie im Südwesten. Auf alle Fälle wird wieder ordentlich CAPE generiert, ML-CAPE z.T. bis 1500 J/kg, wobei zwischen Alpenrand/südlichem Vorland und Oberrheingraben wegen der trockenen Grundschicht ein Minimum auszumachen ist. Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch dort ebenso wie in den anderen Regionen - vornehmlich ausgelöst durch die Orografie, die ein oder andere Überentwicklung in die Höhe schießt. Scherung ist, sieht man mal von kleinräumiger, durch die Topographie induzierter ab, kaum vorhanden. Heißt im Umkehrschluss, dass die Gewitter häufig in Form pulsierender, langsam süd-südostwärts ziehender Einzelzellen auftreten. Möglich, dass diese nach Südosten hin hier und da mal zu einer nicht allzu großen Multizelle zusammenwachsen. In der Basis wird in der markanten Liga gespielt (SR 15 bis 25 l/m² innert kurzer Zeit, kleiner Hagel und Böen 8 Bft). Unwetter durch SR > 25 l/m² und etwas größeren Hagel bis zu 3 cm (aufgrund der hohen Energiewerte) sind nicht ausgeschlossen und auch stärkere Böen 9 (10) sind im Südwesten aufgrund der inversen V-Struktur mit erhöhtem DCAPE nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Ebenso wenig kann negiert werden, dass es ein heißer, in Teilen verdammt heißer Wochenanfang wird mit Tageshöchstwerten zwischen 29 und 35°C, im Südwesten 34 bis 38°C. Für Ende Juni schon sehr ungewöhnlich, sowohl von den hohen Werten her, aber auch von der Andauer der Hitze auf diesem Niveau. Kurz noch in die Nacht zum Dienstag, wo sich der Rücken etwas nach Südwesten zurückzieht, während das Bodenhoch unter leichter Abschwächung von der Deutschen Bucht auf deutsche Festland wechselt. Die Modelle simulieren übereinstimmend ein Nachlassen bzw. sogar gänzliches Einschlafen der Konvektion. Auf der Suche nach den Gründen findet man neben dem Tagesgang (der aber nicht immer ein Garant ist) ein leichte Abtrocknungstendenz innerhalb der Luftmasse sowie - trotz Rückzug des Rückens - eine leichte Sperrschicht bei etwas 600 hPa, die als potenzieller Deckel fungiert. Außerdem deuten sich keine Importgewitter von unseren unmittelbaren Nachbarn an, so dass die Nachtdienste optimistisch in ihre Schichten einsteigen können - wohlwissend, dass man auf dem Sektor Konvektion, vor allem nächtlicher Konvektion nie vor Überraschungen gefeit ist. Wenig Neues von der Temperatur. Während das mit der Abkühlungsrate hoch im Norden zumindest abseits des unmittelbaren Küstensaums hervorragend funktioniert (wir reden hier von Tiefstwerten bis 10°C, in SH lokal vielleicht sogar einstellig), bleibt es gerade im Südwesten sehr, sehr mollig mit über 20°C. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC Dienstag ... liegen keine substanziellen Ergänzungen oder Unterschiede zur Frühübersicht vor. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die grundlegenden Muster werden sehr ähnlich simuliert. Wie so oft liegt der Teufel im Detail und dass wir da mal mehr, mal weniger in die Irre geführt werden, haben die letzten Tage und Nächte gezeigt. Von daher gilt: Blaumann an, Nowcast-Handwerkskoffer raus und in situ warnen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann