SXEU31 DWAV 141800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 14.07.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Abgesehen vom Norden allgemein, besonderes aber im Südosten lokal kräftige Gewitter mit Unwetterpotential durch teils extrem heftigen Starkregen und größere Hagelansammlungen sowie Orkanböen, nachts nachlassend. Am Mittwoch am Oberrhein schwül-heiß und hohe Wärmebelastung und im Süden starke Gewitter mit Unwetterpotential durch größeren Hagel und Hagelansammlungen, orkanartige Böen und heftigen Starkregen. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... stehen sich im Geopotentialfeld vier Druckgebilde gegenüber, eine Höhenhoch über dem südlichen Nordmeer etwa im Bereich der Färöer-Inseln sowie ein weiteres Höhenhoch über dem nördlichen Algerien. Die beiden als Gegenspieler fungierenden Höhentiefs drehen sich westlich der Biskaya sowie an der deutsch-polnischen Grenze im Bereich der Oder. Der Bereich des bei dieser Positionierung der Geopotentialgebilde unweigerlich zu erwartenden Sattelpunktes befindet sich etwa über dem Ärmelkanal. Dort ist für die kommenden Stunden aber Geopotentialfall zu erwarten. Zuzuschreiben ist dies einem weiteren, aktuell noch sehr schwachen, sich aber etwas intensivierenden Höhentief, welches in der Nacht über Dänemark und Ostfriesland hinweg an den Niederrhein zieht. Zusammen mit dem nur sehr zögerlich nach Süden vorankommenden deutsch-polnischen Höhentief bildet es einen Dipol, der die Nordhälfte Deutschlands in die Zange nimmt. Dabei bilden beide auch den Schwerpunkt eines Troges, der von Ost nach West über der Nordhälfte unseres Landes liegt. Schon hier sei darauf hingewiesen, dass die genaue Positionierung der Protagonisten nicht trivial ist, schon zwischen den 06 UTC Läufen von ICON und ICON-EU gibt es deutliche Unterschiede, ICON stellt das Gesamtsystem dabei etwas weiter östlich auf als dies bei ICON-EU der Fall ist. Wie dem auch sei, nördlich der Trogachse, die die Höhentiefs verbindet, sickert in den Norden trockenere und stabiler geschichtete Luft ein bzw. der Bereich, in dem die entsprechende Luftmasse dominiert, wird im Laufe der Nacht größer. In der Folge soll es bis zum Morgen nördlich einer Linie Berlin - Münster trocken bleiben, was nicht nur ICON, sondern auch externe Modelle (z. B. UK10, IFS, GFS) so sehen. Südlich der genannten Linie kann es auch in der Nacht zu kräftigen, lokal auch zu sehr kräftigen Gewitterentwicklungen kommen. Das Problem: Die unterschiedlichen Modelle sehen für die Niederschläge verschiedene Trigger in unterschiedlicher Intensität an unterschiedlichen Orten. Sicher ist, dass in der Nacht ein kurzwelliger Troganteil von Belgien kommend über die Südhälfte Deutschlands hinwegschwenkt und zum Morgen Niederösterreich und das Böhmische Becken erreicht. Rückseitig des Kurzwellentroges soll die Höhenströmung durchglätten, was dann, zumindest aus der Höhe, ein Nachlassen der Hebungsimpulse bedeutet. Im Bodendruckfeld stehen einem klar ausgeformten Tief westlich der Biskaya und einem ebenso klar ausgeformten Hoch über dem südlichen Nordsee eine gradientschwache Sumpflage insbesondere über der Südhälfte Deutschlands gegenüber. In dieser simulieren die Modelle sehr individuell konvergente Zonen, die niedertroposphärische Hebungsantriebe liefern. Last but not least reagiert ICON-EU stark auf die Anwesenheit des deutsch-polnischen Höhentiefs und simuliert sehr kräftige konvektive Niederschläge in Mitteldeutschland, eine Lösung, von der ICON-D2 aber nichts wissen will (jeweils deterministische Läufe). Mit anderen Worten: Der Versuch, die Niederschlagsschwerpunkte für die Nacht herauszuarbeiten gleicht dem Versuch einen Pudding an die Wand zu nageln. Grobe Tendenz: Bayern ist am stärksten betroffen, mit Abstrichen Mitteldeutschland und BaWü, nur noch wenig tut sich in Hessen, RLP und dem Saarland. Grundsätzlich sollte die Intensität abnehmen, und auch ungewittrige Cluster sind denkbar. Dennoch ist das Potential für heftigen Starkregen ebenso weiterhin vorhanden wie das für größeren Hagel und Sturmböen. In den Ballungsräumen im Süden und Südwesten des Landes kann es bei vielen Wolken und keinem "Gewittervolltreffer" erneut für eine Tropennacht reichen. Ansonsten werden am Morgen meist 18 bis 13 Grad gemessen, in Vorpommern teils nur 10 Grad. Mittwoch ... startet der Tag mit dem dipolartigen Höhentief, wobei das westliche Zentrum über dem Niederrhein sich rasch abschwächt, es aber dennoch schafft, als Sekundärtrog in Richtung Süddeutschland zu schwenken. Je nach Lesart kann man in die Entwicklung auch hereininterpretieren, dass die beiden Kerne zu einem Gesamtkern über der Mitte Deutschlands verschmelzen. Auf jeden Fall wird die am Südrand des Höhentiefs befindliche potentiell feuchteste und instabilste Luftmasse etwas nach Süden verschoben. Die Grenze (PPWs über 25 mm) dürfte etwa entlang von Main und Mosel liegen, nördlich davon ist die Luftmasse trockener und es sollten - wenn überhaupt - nur sehr vereinzelt kurze Schauer oder Gewitter auftreten. Natürlich ist auf der Südflanke erst einmal maßgebend, wieviel Konvektion aus der Nacht heraus noch übrig ist beziehungsweise wieviel sich mit neuerlicher Annäherung des Sekundärtroges aus Westen in den Frühstunden (abgehoben) neu formieren kann. Vor allem über Baden-Württemberg und Oberbayern gibt es in der Numerik (z. B. ICON-D2 und ICON-EU) Signale dafür. Es stellt sich umgekehrt aber auch die Frage, wieviel Energie durch eventuelle Entwicklungen in der Nacht schon abgebaut wurde. Nach dem üblichen vormittäglichen Konvektionsminimum lebt die Aktivität dann in den Nachmittagsstunden erneut auf. Die Luftmasseneigenschaften sind ohne -wechsel ähnlich zum Vortag (PPWs 30 bis 40 mm, CAPE 1000 bis 1500 J/kg) der Bereich, in dem die genannten Werte anzutreffen sind, wird aber peu à peu kleiner, nachmittags erstreckt er sich von der Pfalz und dem Schwarzwald bis nach Niederbayern. Dafür sind die Scherungsbedingungen aber passabel (im Gegensatz zum Vortag) und durchaus eine Größenordnung höher mit vielfach verbreitet 20 bis 30 m/s zwischen 0 und 6 km. Die bodennahe Schicht mit östlichen Winden im Bereich der Rinne wird flacher, vom Durchgang einer Druckwelle und Drehung auf West bis Nordwest sind wir aber im Süden morgen weit entfernt. Damit nimmt morgen im Süden auch die Gefahr von Großhagel und Böen bis Bft 11/12 (orkanartige Böen oder Orkanböen) deutlich zu (was ICON-D2 auch deterministisch mit Bft 11, probabilistisch dagegen aber kaum untermauert). Je nach Entwicklung der weiteren Läufe könnte eine Vorabinfo für morgen im Süden angebracht sein. Weiter nördlich kann das Höhentief mit der Luftmasse nicht mehr ganz so gut interagieren, dort sind die Trockeneinschübe größer. Mithilfe der Orographie mag es vereinzelte Überentwicklungen geben, meist verläuft der Tag dort aber bei nur lockerer Quellbewölkung heiter und trocken bei einem zeitweise böig auffrischenden Nordostwind. Die einzige Ausnahme ist der äußerste Osten, insbesondere an der Neiße und von dort bis zum Oderbruch: Dort wird um das Höhentief wieder feuchte Luft herumgeholt, die für einzelne Schauer und Gewitter gut sein könnte. Für 30 Grad und mehr reicht es gebietsweise noch in der Westhälfte des Landes, meist werden es 25 bis 29 Grad - im Süden bei drückender Schwüle. In der Nacht zum Donnerstag verlagert sich das Höhentief kaum, ein Dipolcharakter lässt sich eher aus der 500-hPa-Temperatur als aus den Isohypsen ableiten. Auf der Ostflanke wird von Südosten feuchte (hochreichend gesättigte) und auch leidlich instabil geschichtete Luft angesaugt. Diese Luftmasse wird im Laufe der Nacht voraussichtlich in den Nordosten gesteuert, wobei bei der räumlichen Ausbreitung, Intensität und Gewitteraktivität noch größere Unsicherheiten vorhanden sind. Stand jetzt ist in Teilen Brandenburgs mehrstündiger, teils gewittriger Starkregen nicht ausgeschlossen (ICON-D2-EPS um 10% für mehr als 20 mm/6h, ICON.EU und IFS bis 10% für mehr als 25m mm/12h). Im Süden sind unterdessen noch weitere Gewitter (teils Unwetter) unterwegs, die sich aber immer mehr zu den Alpen zurückziehen und spätestens nach Mitternacht auch deutlich abschwächen, teils auch verclustern. Sonst ist es oft nur locker bewölkt und meist trocken bei angenehmen 18 bis 10 Grad. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... und in der Nacht zum Freitag wandert das Höhentief zur Nordsee, Deutschland gelangt so wieder mehr auf die Vorderseite eines westeuropäischen Langwellentroges. Von Südwesten steigen die Temperaturen und auch die Feuchte an, entsprechend nimmt auch das Gewitterrisiko zu. Details gibt es in der Frühübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die großräumigen Abläufe simulieren die Modelle ähnlich. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail (genaue Lage der Kerne des Höhentiefs, exakte Strömungskonfiguration in der Höhe, Lage eventueller bodennaher Konvergenzen). Diese Unterschiede führen letztendlich zu teils deutlichen Unterschieden in den prognostizierten Wetterabläufen. Die entsprechenden Unterschiede wurden teilweise im Text angesprochen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Martin Jonas