SXEU31 DWAV 190800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 19.04.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: HNF z; Übergang zu HNF a Heute ruppige Kaltfrontpassage mit Stark- und Dauerniederschlägen (Unwetter im Osten/Nordosten möglich!) sowie einzelnen, teils kräftigen Gewittern. Kommende Woche Wetterberuhigung mit teils frostigen Nächten. Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Sonntag... sowie in der kompletten Kurz- und Mittelfrist bleibt die Zirkulation über Europa gestört. Ursache ist ein blockierendes Höhenhoch über dem Norden Skandinaviens. Es bekommt Gesellschafft von einem weiteren Höhenhoch, dass sich über dem Raum Island vom ostatlantischen Rücken abspaltet. Der dazwischenliegende Trog wird zum Abtropfen gezwungen und bildet einen mehrkernigen Höhentiefkomplex mit gedachtem Drehzentrum über der Nordsee. Dieser nimmt langsam Verbindung zu einem Langwellentrog über Osteuropa auf. Der zwischen den beiden Tröge liegende, ins östliche Mitteleuropa wandernde Rücken wird dabei weiter abgebaut. Deutschland gelangt folglich vollends in den Einflussbereich des Höhentiefkomplexes, an dessen Südrand ein markanter Kurzwellentrog über die Mitte nach Osten gesteuert wird. Im Bodenfeld finden sich zwei Hochdruckgebiete mit Kern über dem Norden Skandinaviens und bei den Britischen Inseln (ULI). Letzteres verlagert sich mit seinem Schwerpunkt dem korrespondierendem Höhenhoch folgend nach Norden zum Raum Island. Das dazwischen liegende, ehemalige Zentraltief (WALTRAUD I) löst sich über der Norwegischen See langsam auf, bleibt aber Teil einer südostwärts bis nach Mitteleuropa gerichteten Tiefdruckrinne. In diese ist ein teil-okkludiertes Frontensystem eingelagert, das heute Morgen diagonal vom Südwesten bis in den Nordosten über Deutschland liegt. Aufgrund des Abtropfprozesses und durch Ausbildung eines Teiltiefs (WALTRAUD II) auf der Vorderseite des Kurzwellentroges wird die Front vor allem in ihrem Nordteil aber immer mehr eingebremst. Bis zum Abend erreicht sie in etwa die Donau und Westpolen. Während die Front in der Nacht zum Montag im Süden über die Alpen hinwegschwenkt, wird sie in ihrem Nordteil über Westpolen wieder rückläufig und greift, eingebettet in einen markanten Bodentrog, wieder auf den Osten und Nordosten über. Die Front korrespondiert im Radarbild mit einem durchbrochenen Regenband, das an der Spitze des Kurzwellentroges auf der kalten Seite der Frontalzone eine markante Verdickung aufweist. Starke, nur teilweise durch KLA kompensierte PVA sorgt dort für stärkere Hebung und folglich kräftigere, schauerartig und teils auch gewittrig durchsetzte Regenfälle. Dieser "Regenklops" verlagert sich im Tagesverlauf über die Mitte nach Osten. Dabei fallen gebietsweise 10-20 l/qm innerhalb von 3-6 Stunden. Kleinräumig können Starkregenschwellen (20-30 l/qm) gerissen werden, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür nach Osten zu durch die immer langsamere Verlagerung tendenziell zunimmt. Am Abend und in der Nacht dreht das mesoskalige Starkregengebiet über dem Osten nach Norden ein und geht in das vorübergehend quasi stationäre, frontale Regenband auf. Dabei wird das Niederschlagsereignis zeitlich gestreckt und geht meist ungewittrig vonstatten, sodass es eher Dauerregencharakter aufweist. Die Modelle rechnen vor allem in der Nordosthälfte Brandenburgs und in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns verbreitet mit Mengen von 25-40 l/qm in 12 Stunden, einige sogar mit deutlich über 50 l/qm. Einzig die genaue Positionierung der Schwerpunkte scheint noch unsicher, was sich auch in eher verwaschenen Wahrscheinlichkeiten für markante (~40-80 %) und unwetterartige Mengen (~10-30%) in den probabilistischen Modellen bemerkbar macht. Dennoch, eine flächige markante Dauerregenwarnung scheint in jedem Fall angebracht - mit der Option auf eine Heraufstufung auf Unwetter! In der vorgelagerten, leicht labilen Warmluft in der Südosthälfte kommt es schon am Vormittag abgesetzt von den frontalen Geschehnissen zu Schauern und einzelnen Gewittern. Bei 100-200 J/kg MU-CAPE handelt es sich zunächst um abgehobene Konvektion, die bei PPWs um 20 mm am ehesten noch lokalen Starkregen bringt, ansonsten aber eher keine markanten Begleiterscheinungen. Das ändert sich im Tagesverlauf. Vor allem entlang und südlich der Donau, eventuell über Ostbayern bis nach Sachsen und zur Niederlausitz, wo sich auch am Mittag/Nachmittag noch die warme Luft hält, kann - je nach Einstrahlung - auch ML-CAPE von 300-700 J/kg aufgebaut werden, was kräftigere Entwicklungen ermöglicht. Zudem zieht die Scherung an (teils >15 m/s DLS, um 10 m/s LLS), sodass sich die Konvektion zumindest zu Multizellen, eventuell mit kleineren Liniensegmenten oder kurzlebigen Superzellen organisieren kann. Dann muss neben Starkregen auch mit Sturmböen und Hagel gerechnet werden. Die Wahrscheinlichkeit für Unwetter (vor allem durch größeren Hagel und Böen, im Osten durch langsamere Verlagerung und "Backbuildung" auch durch Starkregen) ist aber nur leicht erhöht. Konvektion gibt es auch im Kernbereich des Troges im Westen und Nordwesten, wo Höhenkaltluft die einfließende polare Meeresluft labilisiert. Es handelt sich dabei um klassische Kaltluftkonvektion (Schauer und vereinzelte Graupelgewitter), die mit Windböen einher gehen kann und in der Fläche gelb abzuwarnen sind. Zwischen frontalem Wettergeschehen und trogbedingter Konvektion gibt es aber auch einen schmalen Streifen postfrontaler Subsidenz, die mit geringer Niederschlagsneigung und sonnigen Momenten aufwartet. Zwischen dem sich vor allem über Polen intensivierenden Teiltief und einem vom Westen vorstoßenden breiten Keil baut sich ein moderater Gradient auf, sodass der auf West bis Nordwest drehende Wind bevorzugt im Süden und Osten auffrischt. In der Fläche sind es aber eher Böen Bft 6 und nur ganz vereinzelt Bft 7. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit für Böen Bft 7 über der östlichen Mitte, wo eine thermische Komponente dazu kommt (Druckwelle aus dem Cold Pool des Starkregengebietes). In einige Hochlagen (Alpen, Bayerwald, Erzgebirge) treten neben Wind- einzelne stürmische Böen, exponiert Sturmböen auf. In der Nacht zum Montag verlagert sich der oval-geformte Höhentiefkomplex nach Norddeutschland und zur südlichen und westlichen Nordsee. Der markante Kurzwellentrog zieht ostwärts und bildet etwa über der Oder-Neiße-Linie ein eingeständiges Höhentief aus. Das Teiltief kann sich auf der Vorderseite des Troges noch etwas intensivieren und dreht sich mit Kern über Polen ein. Die nach Nordwesten gerichtete, in einen Bodentrog eingelagerte Okklusion wird wieder rückläufig und greift von Polen her auf den Osten, Nordosten und Norden über - mit den bereits oben beschriebenen Auswirkungen (nur langsam an Intensität einbüßender Dauerregen). Die Gewitter im Alpenvorland ziehen ab, nur an den Alpen kommt es staubedingt noch längere Zeit zu schauerartigen Niederschlägen. Auch hier sind um oder über 10 l/qm wahrscheinlich, warnwürdige Mengen aber eher unwahrscheinlich. T850 sinkt dort auf um 1 °C, sodass die Schneefallgrenze unter 2000 m, inneralpin eventuell auch auf rund 1500 m sinken kann. Auch sonst lassen Schauer tagesgangbedingt nach, klingen aber vor allem in einem Streifen von der Deutschen Bucht über die Mitte bis zum östlichen Mittelgebirgsraum nicht gänzlich ab. Größere Auflockerungen gibt es bevorzugt im Südwesten und abseits der Alpen im Süden. Dann kühlt es bei abnehmendem Wind kräftig ab, teils auf Werte nur wenig über 0 °C, gebietsweise ist Frost in Bodennähe zu erwarten. Örtlich bildet sich Nebel. Da sich der Gradient zwischen Bodentrog und dem sich kräftigenden Hoch über Skandinavien verschärft, frischt der auf Nordost drehende Wind an der Ostsee eher auf mit steifen bis stürmischen Böen. Montag... wird das Höhenhoch über Skandinavien von dem sich kräftigenden Hoch bei Island absorbiert. Im Bodenfeld resultiert daraus ein umfangreiches, von Grönland bis nach Skandinavien und zu den Britischen Inseln reichendes Hochdruckgebiet mit Kern über dem Nordmeer. An der Südflanke des Hochs wird der Höhentiefkomplex auseinandergerissen. Der Ostteil schwenkt als Randtrog des osteuropäischen Langwellentrogs über Deutschland zögerlich südwärts, der Westteil zieht zu den Britischen Inseln. Die beiden Aktionszentren sind mit einer Potenzialrinne verbunden. Die in dem an Kontur verlierenden Bodentrog eingelagerte Okklusion schwenkt vom Norden und Osten langsam zur Mitte. Wettertechnisch ergibt sich bei uns dabei eine Dreiteilung. In einem breiten Streifen vom Nordwesten über die nördliche Mitte bis in den Osten regnet es, allerdings nehmen die Intensitäten durch nachlassende Hebungsimpulse und Entrainment trockener Luft immer mehr ab, sodass keine warnwürdigen Mengen mehr zu erwarten sind. Ganz im Norden und Nordosten setzt sich trockenere Luft durch und due Bewölkung reißt auf. Vor allem am Nachmittag scheint die Sonne längere Zeit und es bleibt trocken. Allerdings weht der Nordostwind weiterhin stark böig. Vor allem an der Ostsee sind bis ins angrenzende Binnenland hinein stürmische Böen möglich, direkt an der See Sturmböen. In der Südhälfte entwickeln sich in etwas feuchterer und labiler Luft Quellwolken. Da die Labilitätsfläche nur bis etwa 700 hPa reicht, reicht es nur für einzelne schwache Schauer. Dazwischen gibt es aber auch sonnige Momente. Im Dauerregen liegen die Höchstwerte nur um 8 Grad, in der kälteren, trockeneren Luft im Norden und Nordosten um 11 Grad, in der Südhälfte bei 12 bis 18 Grad, mit den höchsten Werten am Oberrhein. In der Nacht zum Dienstag löst sich der Bodentrog und die Okklusion über der Mitte auf, bringt nur noch stellenweise leichten Regen, vor allem nach Osten zu. Die Schauer in der Südhälfte klingen ab, im Norden ist es trocken und verbreitet klar, der Wind lässt langsam nach. Bei längerem Aufklaren ist im Süden und Norden stellenweise leichter Frost möglich, Bodenfrost gibt es verbreitet. Dienstag... weitet sich der Einfluss des Nordmeerhochs und die trockene Luft immer weiter nach Süden aus. In der Nordhälfte steht ein überwiegend sonniger und trockener Tag ins Haus. In der Mitte und im Süden halten sich noch Reste der feuchten Luft, sodass sich wieder Quellwolken bilden, die vereinzelt Schauer bringen. Der Nordostwind weht böig, aber in der Regel unterhalb der Warnschwellen. Die Höchstwerte liegen zwischen 8 Grad in Vorpommern und 17 Grad am Rhein. In der Nacht zum Mittwoch klart es auch in der Mitte und im Süden verbreitet auf. Vor allem innerhalb eines Bodenhochkeiles über der Nordosthälfte kann es bei windschwachen Verhältnissen stark abkühlen. Gebietsweise tritt leichter Frost bis -3 Grad, in Bodennähe sogar örtlich mäßiger Frost. Im Süden und Westen drosselt der noch etwas lebhaftere Ostwind die Abkühlung etwas, aber auch hier ist zumindest Bodenfrost wahrscheinlich. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Bezüglich der synoptischen Basisfelder rechnen die Modelle einigermaßen kongruent. Dennoch ergeben sich sowohl hinsichtlich der konvektiven Stark- als auch skaligen Dauerregenfälle warnrelevante Diskrepanzen. Neben GFS rechnen vor allem die hochauflösenden Modelle mitunter deutlich höheren Mengen bis weit in den Unwetterbereich im Osten und Nordosten als die anderen Globalmodelle, teils auch noch mit größerem räumlichem Versatz. Entsprechend verwaschen und eher gering sind noch die Wahrscheinlichkeit für unwetterartige Niederschlagsmengen. Folglich wird zunächst nur eine großflächige markante Dauerregenwarnung als Signal herausgegeben und diese bei Bedarf, sollten sich die Modelle angleichen, kleinräumig auf Unwetter hochgestuft. Die konvektiven Starkniederschläge sowie generell die Gewitter werden zeitnah oder im Nowcast bewarnt. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm