SXEU31 DWAV 160800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 16.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Wa (West antizyklonal) mit Trend zu SWa (Südwest antizyklonal) Heute wechselhaft mit leicht perfidem Gewitterpotenzial. In den Folgetagen von Südwesten her Beginn einer fetten Hitzephase! Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Dienstag... wirft einige Fragen auf, was die Wetterentwicklung angeht. Dachte man gestern noch, dass heute vor allem in der Mitte einige kräftige, teils superzelluläre Überentwicklungen an den Start gehen, sind heute Morgen Zweifel angebracht. So hat die deutsche Modellkette einen merklichen Rückzieher gemacht und will gar nicht mehr so viel von Gewittern wissen. Ganz vorne das ICON-RUC (det.), das aufgrund seines limitierten Prognosehorizonts allerdings erst vergangene Nacht so richtig in die Vorhersage eingestiegen ist. Wenn´s nach diesem Modell geht, passiert heute so gut wie nix, wobei der neueste Lauf von 07 UTC schon wieder eine andere Meinung hat. Vorsicht ist ohnehin geboten, gibt es doch gerade seitens der externen Numerik noch genügend Interessenten, die heute auf Konvektion setzen, so dass man nicht den Fehler begehen sollte, die Warnlage- und Wetterberichte heute früh schon gänzlich auf links zu drehen. Was haben wir und woran könnte es scheitern - es folgt der Versuch, das komplexe Gleichungssystem zu lösen, zumindest halbwegs. Aktuell befindet sich Deutschland unterhalb einer ganz leicht flatternden west-nordwestlichen Höhenströmung, die von einem flachen Rücken knapp westlich und einem flachen Trog knapp östlich von uns induziert wird. Eingelagert ist ein nicht minder flacher Sekundärtrog, der in der Isohypsendarstellung durchaus mit dem bloßen Auge erkennbar ist, noch besser aber als IPV-Anomalie sichtbar wird. Dieser KW-Trog greift bereits in den Vormittagsstunden auf den Vorhersageraum über, den er vergleichsweise rasch - wichtig! - südostwärts überqueren soll. Möglicherweise etwas zu schnell, um günstig mit einer energetisch vernünftig aufbereiteten, potenziell instabilen Subtropikluft zu interagieren, die gerade dabei ist, bei uns Fuß zu fassen. Angeführt wird die Warmluft wie es sich gehört von einer Warmfront, die zu dem Frontensystem des Tiefs TARA gehört, welches heute als steuerndes, wenig bewegliches Zentraltief einige hundert Seemeilen west-nordwestlich von Irland thront. Liest sich im ersten Moment vergleichsweise einfach, ist es aber nicht, was u.a. an der diffizilen und gradientschwachen Druckverteilung liegt. So schiebt sich von Westen her eine diffuse, zonal exponierte Tiefdruckrinne in die Nordhälfte, der über der Nordsee Druckanstieg folgt. Diese Konstellation bewirkt im Norden einen auf Nordwest drehenden Wind, mit dem mitnichten Subtropikluft, sondern stabile und naturgemäß nicht überbordend warme Nordseeluft advehiert wird. Norddeutschland ist also raus, wenn es um konvektive Betrachtungen geht. Hier hat man vor allem nordöstlich von Elbe und Havel erst noch mit ´ner reichlichen Portion Schichtbewölkung zu kämpfen, die mit Hilfe des Tagesgangs aber perforiert wird. Die interessanteste Luftmasse strömt in die mittleren Landesteile ein. Nicht übermäßig labil (da sieht´s im Süden besser aus), dafür sehr feucht mit PPWs um 30 mm und einer spezifischen Grundschichtfeuchte um 10 g/kg. Auffällig ist, dass daraus vergleichsweise wenig CAPE gebildet wird und das, was gebildet wird, vielfach gedeckelt ist. Das meiste ML-CAPE (gebietsweise 500-750 J(kg) steht nach deutscher Modellkette am Nachmittag in den westlichen Landesteilen zur Verfügung, wo dann aber der KW-Trog schon durch ist und der nachfolgende Rücken erste Akzente setzt. Etwa oberhalb von 600 hPa beginnt es abzutrocknen respektive sich eine Sperrschicht herauszuschälen, die vertikale Auswüchse ins Unendliche erheblich erschwert. Weiter östlich steht weniger CAPE zur Verfügung, was Gründe hat: viel Bewölkung und ein unorganisiert anmutender schauerartiger Regenkuchen, der gerade von Benelux und Frankreich übergreift und ost-südostwärts durchgereicht wird. Möglich, dass vorlaufend (durchbrochene Linie mit Frühgewitter im Taunus) oder in den "Kuchen" eingelagert etwas Elektrik auftritt - abgehoben und angesichts der bevorstehenden vormittäglichen Depression nicht überbordend wahrscheinlich und insbesondere nicht verbreitet. Wichtiger aber ist die Aussage, dass Wolken und Regen die solare Einstrahlung hemmen und somit auch ganz allgemein die Bereitschaft, das große Feuerwerk zu zünden. Dabei wären auch sonst die Bedingungen nicht schlecht angesichts sehr solider Scherung (sowohl LLS als auch DLS) mit teils rechtdrehenden Hodographen im unteren Bereich, was organisierte Strukturen bis hin zu Superzellen forcieren könnte. Auch das T-Wort tauchte bereits in einigen synoptischen Berichten auf und kann auch jetzt nicht gänzlich ignoriert werden. (siehe auch "Modellvergleich"). Wir fassen zusammen: Auf den ersten Blick sieht das Setup in Sachsen Konvektion durchaus verheißungsvoll aus. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber, dass einige Dinge doch nicht so gut passen. Ein möglicherweise etwas zu forscher KW-Trog, dessen dynamischer Hebungsbreitrag die "falsche" Luftmasse trifft (Osten/Südosten noch nicht feucht genug). Vor allem aber die starke Bewölkung mit dem Regen, der zwar die nötige Anfeuchtung der Luftmasse bewirkt, die aber nicht genug Strahlung abbekommt. Trotzdem sollten wir die Flinte noch nicht vollends ins Korn werfen und die Füße zu schnell hochlegen. Gerade in einem Korridor von RP/Saarland + südliches NRW bis hinüber nach Franken bzw. Mitteldeutschland (Thüringen/Sachsen) kann es bei günstigerem Verlauf (z.B. Wolkenlücken mit etwas Einstrahlung) vielleicht doch die ein oder andere Überentwicklung geben. Ob als Unwetter, ist fraglich (aber keinesfalls ausgeschlossen), aber markant allemal (SR über 15 l/m², kleiner Hagel, Böen 8 (9) Bft). Auch im Süden können vereinzelte Gewitter spät am Tage nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die Luft trockener und der Deckel stärker ist als in der Mitte. Kurz noch die Temperaturen: Ganz im Norden keine 20°C, im Westen und Südwesten 25 bis 29, vielleicht am Oberrhein 30°C, sonst meist 20 bis 25°C. In der Nacht zum Mittwoch nähert sich von Westen besagter Rücken, der für Stabilisierung sorgt. Die schauerartigen Regenfälle und etwaige Gewitter ziehen südostwärts ab bzw. schwächen sich ab. Am Boden steigt der Luftdruck gering an, was sich in einem schwachen, von Frankreich vorschiebenden Keil bemerkbar macht (GORGIAS). Die Luftmasse bleibt bevorzugt in den mittleren Landesteilen feucht, so dass sich vielfach starke Bewölkung hält. Dort, wo sie sie das nicht so richtig tut, können sich ein paar Nebelfelder bilden. An den Rändern (Norden/Süden) lockert die tiefe Bewölkung nicht selten auf, allerdings sind dort hohe und/oder mittelhohe Wolkenfelder unterwegs, so dass es eigentlich nirgendwo so richtig klar wird. Trotzdem kühlt es im Norden und Nordosten auf einstellige Werte ab, während sonst verbreitet 16 bis 10°C auf der Karte stehen. Mittwoch... wandert der Höhenrücken langsam über den Vorhersageraum hinweg nach Osten. Dabei stützt er den zunächst etwas kränklich daherkommenden GORGIAS bzw. haucht ihm etwas Lebenselixier ein, was er mit einem Anstieg auf über 1020 hPa dankt. Die größten Interessen des Herrn GORGIAS liegen im Südwesten des Landes, wo er trotz einiger Wolken neben viel Sonnenschein auch mal ganz gepflegt die 30°C-Marke reißt. Gerade an Hoch- und Oberrhein geht´s fett nach oben, auch wenn das gemessen an dem, was in der Folge noch droht, nur die Ouvertüre zu einer Oper Wagnerschen Ausmaßes ist - wohlbemerkt, wir reden hier von 31, 32, lokal vielleicht 33°C. Nicht ausgeschlossen, dass es ganz im Süden des Ländles ebenso wie am bajuwarischen Alpenrand inkl. dem südlichen Vorland mal kracht. Labil genug ist die Luft, etwas CAPE wird auch geboten. Zwar spielt die Dynamik nicht mit (Rücken sind in der Regel alles andere als gewitterfreudig), dafür könnte die Orografie in die Presche springen. Im Fall der Fälle sollten wir von markanten Gewittern ausgehen. Je weiter wir in den Norden der Republik kommen, desto weniger klappt das mit GORGIAS und seinen antizyklonalen Ambitionen. Vor allem im Nordwesten nicht, wo schon bald die nächste Warmfront von Tief TARA vorstellig wird, welche den Norden ostwärts überquert. Dabei wird eine sehr feuchte (PPW teils deutlich über 30 mm), aber eben auch stabile Luft vom Atlantik eingesteuert, in der es zu zeitweiligem Regen oder Nieselregen kommt, der zum Abend hin die östliche Mitte erreicht. Der Nordosten (MV, nördliches BB/Berlin) dürfte vom regen verschont bleiben und sich sogar einiger Auflockerungen bzw. solarer Inputs erfreuen dürfen. Höchsttemperatur: Im Norden 18 bis 24°C, sonst 24 bis 30°C, Südwesten darüber (siehe oben). In der Nacht zum Donnerstag ändert sich gar nicht mal so viel an der Gesamtkonstellation. Der Rücken bleibt uns erhalten, weil er sich von Westen regeneriert. Und auch der mittlerweile eigenständig gewordene GORGIAS (kein Keil mehr, sondern abgeschlossenes Hoch) hat es nicht eilig, das Land zu verlasen. Während es im Süden weiter abtrocknet und die Wolken - so abends noch vorhanden - vielfach aufreißen oder sich auflösen, klappt das nach Norden hin nicht so gut. Kein Wunder, liegt man dort doch nur am Rande des Hochs, wo die Zufuhr feuchter und wolkenreicher Atlantikluft andauert. Mitunter regnet respektive nieselt es sogar, wobei IFS diesbezüglich deutlich forscher simuliert als ICON. Ob Norden oder Süden, es wird eine milde Nacht mit Tiefstwerten zwischen 19 und 12°C - übrigens auch nur die Ouvertüre zu einer Oper, die uns wer weiß wie viele warme Nächte ("Tropennächte" mit über 20° Minimum) beschert. Donnerstag... gibt es zum ersten Mal über eine größere Fläche eins auf die Glocke. Die Rede ist nicht von Boxen oder um im Genre zu bleiben Gewitter. Die Rede ist von Hitze und das nicht zu knapp. Der Rücken wird leicht retrograd und sorgt für Absinken (und damit Erwärmung von oben). Gleichzeitig verlagert sich der Schwerpunkt des Bodenhochs langsam nach Osten, was uns auf die warme bzw. heiße Flanke bringt. Heißt, auch advektiv wird nun ordentlich Warm-/Heißluft herantransportiert, in der T850 im Südwesten auf über 20°C ansteigt. Das bleibt - logisch - nicht ohne Folgen für die 2m-Temperatur, die in der Mitte und im Süden verbreitet auf über 30°C, lokal sogar auf über 35°C ansteigt. Prost Mahlzeit, liebe Leute, so schnell kann´s gehen. Gestern noch vielerorts unter 20°C, im Süden unter 25°C, übermorgen dann schon jenseits von 30 oder gar 35°C. Dazu scheint vor allem in der Südwesthälfte häufig die Sonne, im SW teils von einem wolkenlosen Himmel. Nach Norden und Nordosten zu geht es allgemein wolkiger zu, weil dort ein Frontenzug streifend wirksam ist. Die externen Modelle würdigen das sogar mit leichten Regenfällen oder Nieseln, während von deutscher Seite bei schwülen 25 bis 30°C (Küste weniger) wenig bis nichts kommt. Ob am Donnerstag im Süden und Westen irgendwo ein hitzebedingtes Gewitter aufsteigt, ist fraglich. Die Numerik sagt nein, was aufgrund des überlagerten Rückens auch nachvollziehbar ist. Die Orografie müsste schon sehr hart arbeiten, um eine adäquate Rampe zu gewährleisten. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Wie bereits erwähnt, sind die externen Modelle heute gewitterfreudiger als die deutsche Modellkette. Doch auch hier gibt es - wenn auch nur in Form weniger Einzelzellen - nicht zu negierende Hinweise auf rotierende Zellen mit Unwetterpotenzial. Prädestiniert scheint die westliche Mitte (nördliches RP, RMG), wo auch RUC-EPS kontinuierlich deutliche Signale u.a. in der Aufwind-Helicity anbietet. Klassischer Fall von Low Probability High Impact. Es muss alles passen. Wenn´s kracht - es werden nicht viele Zellen sein -, dann richtig, wobei wie gesagt sogar das Auftreten eines Tornados nicht ausgeschlossen werden kann. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann