SXEU31 DWAV 201800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 20.06.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Anhaltende Hitze und einzelne starke oder unwetterartige Gewitter. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... bestimmt eine heiße und instabile Luftmasse das Wetter in Deutschland. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen 15°C an der Nordsee und bis >20°C über dem Süden. Entsprechend liegen die Maxima oft über 30°C, im Südwesten über 35°C. Dabei liegt ein starker Höhenkeil ausgehend vom Mittelmeer bis Deutschland. Ein Anteil reicht weiter bis Finnland, ein Weiterer folgt von Westen und stützt ein neues Hoch bei den Britischen Inseln, das zum Sonntag mit 1030 hPa in die Nordsee zieht. Eine vorangegangene Hochdruckzone liegt mit Schwerpunkt südlich und östlich von uns. Bei geringen Druckunterschieden am Boden flattert die Höhenströmung aus Südwest bis West nur sehr leicht. Die davon ausgelösten Antriebe sind schwach. Während die Luft im Süden etwas trockener ist, hat sich sonst viel Feuchte angereicht, 30 bis 40 mm PPW, Grenzschichtfeuchte bis 14 g/kg. Mangels Antriebe haben sich lediglich ausgehend vom Bergland örtlich, wenn dann aber teils heftige Gewitter gebildet, die mit Starkregen, Hagel und Sturmböen verbunden sein können. Vereinzelte Unwetter nicht ausgeschlossen. Nachts führt das neue Hoch zu frontogenetischen Verhältnissen im Nordwesten und dem Aufbau einer Kaltfront, die sich mit weniger warmer und stabilerer Luft im Gefolge, am Rand des Hochs in den Nordwesten vorschiebt. Ein großer dynamischer Trigger ist kaum zu sehen, am ehesten ein flacher Trog über der Nordsee und ein IPV Feld im Nordwesten. Die Modelle reagieren recht nachhaltig mit aufziehenden kräftigen Schauern und Gewittern, nach Mitternacht über Benelux nach NRW und in Teile Niedersachsen, wobei gerade die Zugbahn unsicher wird. Die Tageszeit spricht nicht für die größte Unwetteraktivität, aber gerade heftiger Starkregen ist möglich. Hagel und Sturmböen sind unwahrscheinlich, aber lokal nicht ausgeschlossen. Auf eine Ausgabe von Vorabinfos für diesen Bereich wird daher verzichtet. Auch sonst sind vereinzelte Gewitter nicht ganz ausgeschlossen, für die allermeisten geht die Nacht ruhig über die Bühne. Die Temperaturen liegen um 20°C, gebietsweise gibt es also eine Tropennacht. Sonntag ... entwickelt der Höhenrücken leicht retrograde Tendenzen und die Höhenströmung, schwach zwar, dreht auf Nordwest. Das Bodenhochdruckgebiet kräftigt sich über der Nordsee und bringt an seiner Ostflanke mit der Kaltfront über dem Norden eine Stabilisierung und leichte Abkühlung. Der Süden bleibt von der Luftmasse her nach wie vor trockener als die Mitte und der Norden, wo die PPW Werte 40 mm erreichen und MU Cape bis über 2000 J/kg aufgebaut werden. Dynamisch ergibt sich nicht viel, etwas Hebung kann aus leichter IPV - Advektion resultieren über dem Osten und der östlichen Mitte. Das ist verbunden mit einer leichten Zunahme der Scherung in diesem Bereich. Das Bodendruckfeld über der Mitte und dem Süden ist ausgesprochen schwachgradientig, kleinere Konvergenzen sind auch immer mal zu erkennen, aber nur vage und unsicher. Die Schauer und Gewitter von den Morgenstunden ziehen über die nördliche Mitte nach Osten und schwächen sich wahrscheinlich ab. Eventuell (in einigen gröbermaschigen Modellen) wird dieses Niederschlagsgebiet auch wieder aktiviert. Ab den Mittagsstunden bilden sich dann abseits davon, weiter südlich und östlich, erneut einzelne, teils heftige Gewitter, im Süden und Westen ausgehend vom Bergland. Vermutlich eher wieder mit lokaler Unwettergefahr. Ein Schwerpunkt scheint sich abzuzeichnen über der östlichen Mitte, ausgreifend bis Nordbayern und Südbrandenburg. Neben Starkregen und Hagel rücken, angesichts ausgeprägter inverted V-Struktur und D Cape bis 1000 J/kg Sturmböen, vereinzelt orkanartige Böen in den Focus. Postfrontal ist es gewitterfrei. Die Hitzebelastung dauert an. Nur im Norden liegen die Temperaturen am Nachmittag gebietsweise unter 30°C, im Süden und der Mitte gebietsweise über 35°C, bei Taupunkten die regional an die 20°C reichen, vielleicht auch mal etwas darüber. In der Nacht zum Montag zeigen einige Modelle ein Aktivierung an der KF mit Schauern und Gewittern über dem Nordosten. Der Norden bleibt gewitterfrei, in der heißen Luftmasse sind vereinzelte Gewitter nicht ausgeschlossen. Im Südwesten gibt es mit um 20°C eine Tropennacht, im Norden kühlt es gebietsweise auf um 15°C ab. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... bleibt es großen Landesteilen heiß mit lokalen starken Gewittern über der Mitte und dem Süden. Vereinzelt sind Unwetter auf der Karte. Etwas angenehmere Luft gibt es im Norden und auch keine Gewitter. Im Süden werden die 35°C wieder überschritten bei teils hoher Schwüle. Mehr Details sind in der Übersicht von heute früh zu finden. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren in großen Skalen ähnlich, im Detail unterschiedlich. Viel spekulieren darüber lohnt sich nicht. Auch für den Sonntag wird erstmal auf Vorabinformationen verzichtet. Auffällig ist dabei auch, dass trotz guter Zutaten (Feuchte, Labilität) die hochauflösenden Modelle teils sehr zaghaft Gewitter simulieren. Ein Grund ist die fehlende Hebung, zum anderen bedeuten PPW 30 bis 40 in sehr heißer Luft, immer noch zum Teil relativ trockene Luftschichten, die Konvektion unterbinden oder schnell wieder kaputtmachen können. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Bernd Zeuschner