SXEU31 DWAV 051800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 05.08.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Von Westen und Nordwesten allmählich etwas kühler und stabiler. Sich nach Südosten zurückziehende Gewitter mit Unwettergefahr. Am Freitag überwiegend Hochdruckeinfluss. Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges bei den Britischen Inseln, in den ein Drehzentrum östlich Schottlands eingebettet ist. Ein flacher und sehr breiter Höhenrücken, unter dem sich sehr heiße Luft befindet, liegt über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa. Bodennah korrespondiert das erwähnte Drehzentrum mit Tief Justine, während das bisher wetterbestimmende Hoch Pythagoras über Russland angekommen ist. Von Westen schiebt das Atlantikhoch Quiriakus einen Keil gen Frankreich vor. Bei uns resultiert daraus in den meisten Niveaus eine Südwestströmung, bodennah kommt der Wind um West. Über dem Südosten Deutschlands liegt nach wie vor eine sehr heiße Luftmasse mit über 20°C in 850 hPa (xT), während von Westen allmählich eine etwas weniger warme Luftmasse (im Nordwesten nur noch 12°C in 850 hPa; mS) einsickert, die aber wegen der südwestlichen Strömung, die die Isothermen unter sehr spitzem Winkel schneidet, nur sehr langsam vorankommt. In den Analysen haben findige Meteorologen zwei Kaltfronten entdeckt, dies dürfte aber von Analyse zu Analyse immer wieder zu neuen Herausforderungen führen. Tatsächlich lassen sich markante Kaltfronten kaum finden, es gibt keine Windsprünge oder Gewitterlinien, die eine Front markieren könnten. Allenfalls sickert die weniger warme und trockenere Luft staffelartig herein, so dass man daran die Kaltfronten legen kann. Für das Wetter ist in erster Linie die im Osten und Südosten liegende feuchte Luftmasse verantwortlich, in der sich heute meist zwischen 500 und 1000 J/kg CAPE aufgebaut haben. Die ppw's liegen in dieser Luftmasse meist um 40 l/qm. Großflächige Auslösung von Gewittern ist aufgrund fehlender flächendeckender Auslösemechanismen ausgeblieben, lediglich die Orographie und der ein oder andere sehr schwach ausgeprägte Kurzwellentrog haben unterstützt. Dabei konnte es bei den Gewittern aufgrund von meist 10 bis 15 m/s hochreichender Scherung, im Nordosten auch mehr, durchaus stärkere Entwicklungen geben. Dies und das mäßige CAPE lassen Hagel bis 3 cm zu, vorhandenes DCAPE Böen bis Stärke 9 oder 10 und die feuchte Luftmasse Starkregen bis 30 l/qm in kurzer Zeit. Dabei wird die Starkregengefahr durch wenigstens 20 bis 30 km/h schnell ziehende Zellen etwas limitiert, zu vereinzeltem Unwetter reicht es aber allemal. In der Nacht zum Donnerstag zieht der Kern des hochreichenden Tiefs bis nach Südnorwegen. Die Achse des Troges hängt aber noch stark zurück bis nach Südengland, so dass wir weiter vorderseitig verbleiben und nennenswerte Hebungsantriebe in den Nachtstunden ausbleiben. Ganz im Gegenteil, es greift nämlich immer stärkere Kaltluftadvektion auf unser Land über und stabilisiert die Schichtung von Westen her deutlich. Wo dann in den Nachtstunden evtl. eine Kaltfront verortet werden kann, dürfen die Nachtdienste herausfinden. An der Südflanke von Tief Justine nimmt im Nordseebereich der Westsüdwestwind deutlich zu, so dass in Dithmarschen und Nordfriesland gegen Morgen erste steife Böen auftreten werden. Nach Süden hin bleibt der meist westliche Wind deutlich schwächer. In der Warmluft kommt es auch in der Nacht zu weiteren konvektiven Umlagerungen, wobei sich folgende Schwerpunkte abzeichnen: Ausgehend von den Alpen nordwärts verlagernd nach Schwaben und ins westliche Oberbayern. Dort sorgt auch ein in die südwestliche Strömung eingebetteter Kurzwellentrog für etwas Antrieb. Im Nordosten, von der Altmark Richtung Vorpommern ziehend. In diesen Regionen muss vor allem anfangs auch noch mit Unwettern wegen Starkregens und Hagel gerechnet werden, auch Böen bis Stärke 10 sind noch vorstellbar. In der zweiten Nachthälfte sollten die Gewitter aber weniger und schwächer werden. Mit dem sich annähernden Trog, dem die zweite Kaltfront vorausläuft, gelangt in den Morgenstunden wieder etwa labiler geschichtete Luft in den Nordseebereich, so dass dort einzelne Schauer ausgelöst werden sollen. Allzu verbreitet sollte es aber wegen des dämpfenden Einflusses der Kaltluftadvektion nicht regnen. In den Regionen dazwischen kann es gebietsweise auch klar sein. In den Nordwesten gelangt schon spürbar kühlere Luft, so dass es dort bis auf 14°C abkühlen kann, in der Eifel bis 12°C. Im Süden und Osten liegen die Tiefstwerte dagegen weiterhin teils noch um 20°C. Am Donnerstag ... zieht das Bodentief Justine weiter nordostwärts zum Bottnischen Meerbusen. Der Höhentrog erreicht bis zum Abend eine Linie von Nordskandinavien über Benelux bis Zentralfrankreich. Die diesem vorauslaufende Kaltfront kommt über Deutschland südostwärts voran und erreicht am Abend in etwa eine Linie Oberpfälzer Wald-Bodensee. Südöstlich davon hält sich noch die feuchtwarme mS-Luft mit 16°C in 850 hPa, während es im Nordwesten auf 6°C (mPs-Luft) runtergeht. Rückseitig der Kaltfront kann in der weiter anhaltenden Kaltluftadvektion der Druck deutlich ansteigen und Hoch Quiriakus, das bis zum Westausgang des Ärmelkanals wandert, bildet schon einen kräftigen Keil zu uns aus. Dementsprechend weht der westliche, zunehmend nordwestliche Wind im Süden nur schwach bis mäßig. Im Norden nimmt dagegen zwischen Hochkeil und Tief Justine der Gradient noch etwas zu, so dass der Wind zeitweise frisch aus westlichen Richtungen weht, auch hier zunehmend Richtung Nordwest drehend. Dabei muss von Ostfriesland bis zur westlichen Ostsee mit steifen Böen gerechnet werden, vor allem an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins auch mit stürmischen Böen. Im Südosten, von Oberschwaben bis zur Oberpfalz, kann es auch in der ersten Tageshälfte weiter Gewitter geben. Am Nachmittag kann sich dann je nach Sonne noch einmal CAPE aufbauen, allerdings meist deutlich unter 1000 J/kg. Die Luftmasse ist aber mit ppw's über 35 l/qm immer noch sehr feucht. Bei den nachmittäglichen Gewittern sollte dann der Hagel im Vergleich zu heute nicht mehr so groß werden können, auch die Böengefahr ist bei jetzt sehr feuchten Temps reduziert, so dass wir wohl meist in der Größenordnung bis Stärke 8 verbleiben sollten. Bezüglich des Starkregens ändert sich aber nichts zu heute, insbesondere im Alpenbereich herrscht dann weiter Unwettergefahr. Zur Front hin sind auch die Scherungswerte erhöht, so dass es dort eventuell auch etwas besser organsierten Gewittern kommen könnte, darauf springen aber die konvektionserlaubenden Modelle derzeit nicht an. Rückseitig der Kaltfront gibt es eine größere Auflockerungszone mit meist sonnigem Wetter, während von Nordwesten auf der Trogvorderseite wieder stärkere Wolkenfelder aufziehen. Meist bleibt es trocken. Erst im Trogbereich leben dann gegen Abend rund um die Nordsee wieder Schauer auf. Diese erreichen aber meist nur etwa 700 bis 650 hPa und damit nur um -5°C, so dass sie nur schwach ausfallen und Gewitter dort nicht zu erwarten sind. Die Temperaturen gehen im Vergleich zu heute deutlich zurück: In der Südosthälfte werden es meist noch 28 bis 31°C, bei stärkerer Quellbewölkung im Alpenvorland nur noch um 26°C. In der Nordwesthälfte werden es 23 bis 28°C, in der Eifel und an der Nordsee nur um 21°C. In der Nacht zum Freitag schwenkt der Trog recht rasch über den Norden Deutschlands hinweg, rückseitig macht sich dagegen schon ein Rücken über Benelux bemerkbar. Südlich von diesem nähert sich ein flacher Trog von Frankreich her den Alpen. Bodennah steigt der Druck und wir gelangen immer mehr in den Bereich des Hochkeils von Quiriakus. Das hat im Süden und in der Mitte allgemein recht schwachwindige Verhältnisse zur Folge. Im Norden nimmt der Gradient ebenso langsam ab, der stärkste Gradient verlagert sich aber ostwärts zur Ostsee, so dass dort der Wind zunächst noch etwas zunimmt. An den westexponierten Küstenabschnitten der Ostsee kann es dann einzelne steife Böen aus West geben. An der Nordsee nimmt dagegen der Wind schon eingangs der Nacht deutlich ab, an der Ostsee dann in der zweiten Nachthälfte. Die Kaltfront kommt noch etwas südostwärts voran, nur der Alpenrand und Südostbayern verbleiben noch in der feuchtwarmen Luft. In weiten Teilen des Landes, nördlich von Main und Erzgebirge sinkt die 850-hPa-Temperatur auf 8 bis 3°C. In der Warmluft kann es ganz im Süden weiter Gewitter oder schauerartige Regenfälle geben, dabei kann es auch weiterhin zu lokalem Starkregen kommen. Unwetter sollten aber kein Thema mehr sein, auch Sturm und Hagel sollten sich verabschieden. Auch über den warmen Meeren kann es in den Nachtstunden flache, meist bis etwas 700 hPa hochreichende Konvektion geben, was für einige schwache Schauer ausreichen sollte. Dabei sollen sich dichte Wolken in der Nacht in der Norddeutschen Tiefebene südwärts ausweiten. Dies allerdings vor allem nach ICON, die externen Modelle sind etwas zurückhaltender. Dazwischen soll der Himmel länger klar sein. Dort sinkt die Temperatur dann meist auf 14 bis 7°C, vereinzelt im Bergland bis 5°C. In Seenähe und unter Wolken im Norden sind es meist um 15°C, ganz im Südosten noch 16 oder 17°C. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC Der Freitag ... wurde in der Frühübersicht hinreichend beschrieben. Neue Erkenntnisse bezüglich des Warnmanagements liegen nicht vor. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die vorliegenden Modelle beschreiben die synoptische Entwicklung in den kommenden Tagen ähnlich. Der oben beschriebene kurzwellige Trog, der zum Freitag nach Süddeutschland ziehen soll, wird in den Modellen aber noch etwas unterschiedlich behandelt. Letztendlich haben aber alle Modelle die Konvektion am Freitag im Süden im Angebot. Der Wind soll morgen nach ICON etwas rascher an den deutschen Küsten warnwürdig werden als nach den externen Modellen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl.-Met. Peter Hartmann