SXEU31 DWAV 161800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 16.07.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Im Südwesten und Süden anfangs lokal schwere Gewitter, nachts abschwächend. Am Freitag bis auf Teile des Nordwestens und Westens deutschlandweite Unwetterlage mit teils schweren Gewittern. Nachfolgend aus Nordwesten Abkühlung und Wetterberuhigung. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... ist die nachhaltige Umstellung der Großwetterlage bereits in vollem Gange und der Hochdruckeinfluss hat sich komplett aus Deutschland zurückgezogen, was natürlich nicht bedeutet, dass in allen Regionen nun der langersehnte Regen kommt. Aber dazu gleich mehr. So hat sich das einst kräftige Höhenhoch gesplittet mit einem Teil retrograd gen Westen süd-südwestlich von Island und mit dem andern Part ostwärts zur Ostsee und dem Baltikum. Über Mitteleuropa ist am Boden derzeit Sumpf Trumpf, sprich die Verteilung äußerst amorph und flach unweit der 1015 hPa wabernd. Spannender ist da die Höhe, in der schon seit mehreren Tagen ein teils elliptisch gestaltetes Tief ins Auge sticht, das inzwischen über dem Emsland angelangt ist und sich weiter Richtung Westteil der Deutschen Bucht bewegt. Die Konstellation erlangt nun immer mehr Struktur, da zum Einen der Cut-Off dicht westlich der Biskaya mit einbezogen wird und zum Anderen der für das Hochsplitting verantwortliche Trogvorstoß von der Ostgrönlandsee Richtung nördliche Nordsee das Gebilde einfängt und ostwärts führt. Lange Rede, kurzer Sinn: In den kommenden Stunden heißt es natürlich die Gewitterschwerpunkte weiter zu verfolgen. Bis dato (Stand: 18 Uhr MESZ) verhält es sich mit der "Brodelei" noch vergleichsweise "beschaulich". Klar, die Luftmasse ist nahezu überall ausreichend feucht und labil für lokale Entwicklungen. Selbst über den mittleren Landesteilen, bei den die Trockeneinschübe noch am signifikantesten sind, hat es mithilfe der Orographie für das ein oder andere Gewitter gereicht. Der Fokus liegt in den kommenden Stunden aber weiterhin klar im Süden und Südwesten des Landes, wo hohe ML CAPE Werte jenseits von 1000 J/kg am besten mit moderater bis lokal teils starker Scherung 20-25, loc bis 30 m/s 0-6 km überlappen und auch die Hodographen nicht nur gradlinig sondern teils anständig gekrümmt sind, gerade im orographisch gegliederten Gelände (z.B. Schwarzwald, Odenwald, Alb). Aus diesem Grund wurde ja bereits am Vormittag auch eine Vorabinformation ausgegeben. Die neuesten ICON-RUC Läufe simulieren in der Tat noch mehrheitlich das Übergreifen/Entstehung mehrerer Superzellen, die allerdings in den Abendstunden auch rasch verclustern sollen. Ganz "wilde" Lösungen waren zuletzt nicht mehr dabei. Kurzum: Die Vorabinfo kann so erstmal stehen bleiben und wird zumindest gebietsweise auch noch zum Tragen kommen. Gerade über BaWü ist im Anfangsstadium großer Hagel und Böen bis Orkanstärke zu erwarten. Bis Mitternacht erreichen die Zellen dann unter Abschwächung ostwärts auch weite Teile Bayerns, wobei sich der Fokus dann immer mehr zum teils heftigen Starkregen mit > 30 l/qm binnen kurzer Zeit verschiebt. Zwar ist die Grundschicht im Osten Bayerns noch sehr trocken (DCAPE um 800 J/kg), allerdings auch schon die Entkopplung der Grundschicht bei Eintreffen der Gewitter gegen Mitternacht ein Stück weit vorangeschritten, dass Böen bis Orkanstärke nur im Worst Case bei knackigen Bow-Echos/MCS zu erwarten wären. Böen bis Sturmstärke sind wahrscheinlicher. Im großen Rest des Landes ist es häufig locker bewölkt und meist trocken. Punktuell werden durch kurzwellige, flache Randtröge in der Höhe, der aber räumlich und zeitlich kaum zu greifen sind, einzelne (abgehobene) Schauer oder Gewitter ausgelöst, die zumeist mit "gelb" abgehandelt werden können. Es kühlt auf 20 bis 13 Grad ab. Freitag ... zieht das Höhentief weiter nordwärts zur Südspitze Norwegens und wird von dort in den Langwellentrog eingebunden, so dass ganz Deutschland unter einer stark amplifizierten zyklonalen, südwestlichen Höhenströmung liegt. Diese induziert auch eine Bodenzyklogenese, die aber aufgrund fehlender Höhendivergenz vergleichsweise human ausfällt. Das Bodentief CERRY bildet sich mit etwas unter 1010 hPa etwa im Großraum Hamburg und zieht bis zum Abend weiter ostwärts zum Oderhaff. Dabei bildet es im Verlauf auch frontale Strukturen aus, wobei vor allem die Kaltfront interessant ist, die zur um 12 UTC etwa entlang der Weser bis hinüber zur Eifel reicht. Weite Teile NRW's und Niedersachsens liegen damit schon postfrontal und die Luft trocknet bereits ab und stabilisiert bodennah mit Winddrehung auf Nordwest (T850 dennoch beachtlich bei > 10 Grad), so dass auch kaum noch CAPE generiert wird. Einzig Richtung Ostfriesland und Wesermarsch könnte die rumgeholte Warmluftschleppe ("Okkl.stummel") mitsamt Küstenkonvergenz ebenfalls einzelne Schauer und Gewitter produzieren. Ein geringes Potential besteht dort sogar für Typ II Tornados aufgrund niedriger Wolkenbasis und konvergenter Windstruktur, was sich am Nachmittag und Abend auch für die Ostseeküste abzeichnet. Für den großen Rest des Landes gilt allgemeinhin, dass die Luftmasse deutlich feuchter als am Vortag ist mit PPW-Werten zwischen 35 und 40 mm. Damit rückt der Starkregen klar stärker in den Fokus. Die Luftmasse ist nahezu ungedeckelt. Schon aus der Nacht heraus gibt es im Südwesten als auch im Osten voraussichtlich erste Starkniederschläge, die sich im Verlauf des Tages weiter nordostwärts verlagern und in ihrer Häufigkeit zunehmen. Aufgrund des fehlenden Deckels ist mit einer raschen Verclusterung zu rechnen, so dass neben den stündlichen Mengen auch die mehrstündigen Summen im Auge behalten werden müssen. Die EPS zeigen klare Signale für unwetterartige Niederschlagssummen und auch für extreme Unwetter sind die Signale deutlich erhöht, wobei vor allem der Osten und Nordosten betont werden. Dort finden sich im ICON-D2 EPS stellenweise 50-60% für mehr als 35 mm/6h, teils 20% für mehr als 60 mm/6h. Im Süden gibt es weiterhin gute Scherwerte mit einer 0-6-km-Scherung von teils über 20 m/s und LLS im zweistelligen Bereich. Dort besteht entsprechend erneut hohes Organisationspotenzial bei gleichzeitig hohen CAPE-Werten (um 1500 J/kg) muss mit lokal großen Hagelkörnern gerechnet werden. Daneben besteht erhöhtes Sturmpotenzial mit Windgeschwindigkeiten örtlich bis in den Orkanbereich. Letzteres gilt bei expliziten Superzellen oder der Entwicklung eines größeren Clusters. So deuten hochauflösende Modelle auch die Entwicklung eines Bogenechos an. Weiter nach Nordosten ist die Scherung deutlich verringert, dennoch werden vom ICON-D2-EPS teils schwere Sturmböen angedeutet. Das erscheint etwas überzogen und wird von externen Modellen (z.B. SuperHD) auch nicht gestützt. Dennoch können thermodynamisch (Cold Pool) getriggert durchaus Sturmböen auftreten, einerseits durch die hohe Niederschlagslast und andererseits durch einen zumindest im Anfangsstadium (relativ gesehen) trockenen Fuß. Letzteres zeigt sich auch anhand der trockenadiabatischen Temperaturabnahme bis 800 hPa hinauf. Dazu wird es nahezu landesweit extrem schwül mit 25 bis nahe 30 Grad. In den Gewittern und später von der Nordsee gehen die Temperaturen auf Werte um 20 Grad zurück. In der Nacht auf Samstag schwenkt der im Zusammenhang mit der Hauptgewitteraktivität stehende Randtrog, der sich in der Höhe immer besser herausschält, ostwärts ab. Ihm folgt von der Nordsee ein deutlich schwächerer nach, der den im Südwestteil noch leicht positiv zurückhängenden Trog regeneriert und mit seichter fortschreitender KLA auch ein Stück nach Süden ausweitet. Das Gewittertief verlagert sich unterdessen unter Vertiefung weiter zur südlichen Ostsee, im Südwesten macht sich der Keil des fetten Hochs südlich von Island bemerkbar, was in Küstennähe einen beachtlichen Gradienten zur Folge hat. Dieser bringt zunächst an der Nordsee, im weiteren Verlauf auch an einigen Abschnitten der Ostseeküste zunehmend steife Böen bis 60 km/h (Bft 7) aus Nordwest bis West. Mithin macht auch die niedertroposphärisch einfließende kühlere Luftmasse aus Nordwesten weiter Boden landeinwärts gut und erreicht auch die zentralen Mittelgebirge und den Osten Deutschlands. Diese ist unterhalb einer flachen Absinkinversion bei rund 850 hPa auch sehr feucht, so dass sich von der Nordsee kompakte SC-Bewölkung landeinwärts ausbreitet. Somit lässt die Gewitteraktivität rasch nach und sie ziehen ostwärts ab. Lediglich - grob gesprochen - südlich des Mains verbleibt eine potentiell instabile Luftmasse, in der es mit Annäherung der Front präfrontal nochmals örtlich neu zünden könnte. überquert die Kaltfront Deutschland und die Gewitteraktivität zieht ostwärts aus Deutschland ab, sodass sich nachfolgend die Unwettergefahr rasch abschwächt. Die Luft kühlt auf 20 bis 16 Grad im Osten und Südosten, sonst auf angenehme 17 bis 13 Grad. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Samstag ... wird auf der Trogrückseite ein weiterer Randtrog von Schottland Richtung Themsemündung gesteuert, womit der Trog über Deutschland eine sehr breite und vorübergehend zonale Ausrichtung annimmt. Damit ist klar, dass ein abrupter Luftmassenwechsel im äußersten Süden und Südosten nicht nur verzögert wird, sondern teilweise gar nicht richtig oder nur sehr schleichend stattfindet. Damit bleibt etwa südlich des Mains ein gewisses Schauer- und Gewitterrisiko bestehen, bei nicht allzu hoher Scherung und etwas weniger Gehalt an Energie und Feuchte aber meist markant, vereinzelt unwetterartig. Sonst gibt es bei zunächst oft kompakter SC-Bewölkung, die sich im Tagesverlauf zu CU med/con Bewölkung umwandelt nur vereinzelt mal einen schlappen Schauer. Vor allem an den Südosträndern der Mittelgebirge kommt auch länger die Sonne zum Vorschein. Der Gradient bleibt in Küstennähe recht bissig mit Böen der Stärke 7, exponiert Bft 8 aus Nordwest bis West, die tagsüber auch ins angrenzende Binnenland ausgreifen. Wie gesagt, die Abkühlung fällt schubweise und damit zunächst moderat aus bei noch immer sommerlichen 24 bis 28 Grad, in Küstennähe 18 bis 23 Grad. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Basisfelder sind wie gehabt recht übereinstimmend simuliert, was aber aufgrund der zahlreichen mesoskaligen Prozesse auch nicht viel bringt. Vieles bleibt Nowcasting in den kommenden 24-36 Stunden. Die aktuellen Lösungen des ICON-RUC mit Verclusterung im Süden und auch den Schwerpunkten morgen schauen plausibel aus. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Robert Hausen