SXEU31 DWAV 010800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 01.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Ww (Winkelwest) CORNELIUS der Ruhige - geschmeidiger Sommerstart bei leichtem Zwischenhocheinfluss. Am Dienstag von Westen her wieder konvektive Bambule (NESRIN + KW-Trog). Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC -------------------------------------------------------------- Montag... 1. Juni, Start in den Sommer 2026, rein meteorologisch versteht sich und damit anthropogen festgelegt. Atmosphärisch steigen wir - nachdem bereits in der zurückliegenden Maiwoche ordentlich geklotzt und am gestrigen Sonntag vielerorts randaliert wurde - vergleichsweise gemütlich in die warme Jahreszeit ein. Die eingeflossene gemäßigte Atlantikluft (mPs; T850 um 7°C) gelangt unter Zwischenhocheinfluss - Mahlzeit CORNELIUS -, wobei sie sich diabatisch erwärmen kann. Am besten gelingt das in den westlichen und südwestlichen Landesteilen, wo dem guten CORNELIUS, übrigens ein keilförmiger Ableger des berühmtesten aller Hochdruckgebiete dem Azorenhoch, durch einen von Westen übergreifenden flachen Höhenrücken unter die Arme gegriffen wird (in der Anatomie greifen in der Regel die Arme/Hände und nicht der Rücken, aber in der Meteorologie geht nun mal fast alles). Zwar bilden sich nach vielfach sonnigem Beginn einige Quellwolken, trotzdem dürfte der Energieinput ausreichend hoch sein, um die Temperatur in Richtung 25/26°C ansteigen zu lassen, was standesgemäß wäre: ein Sommertag zum Sommeranfang. Die einsetzende Subsidenz fixiert die Inversion im Westen und Südwesten irgendwo zwischen 800 und 700 hPa, was die Wahrscheinlichkeit für Schauer auf ein Minimum reduziert. Gleiches gilt übrigens für den gesamten Norden plus nördlicher Mitte, wo das mixtum compositum aus Sonne und Wolken allerdings nur 20 bis 24°C, an der See bei auflandiger Windkomponente etwas weniger zulässt. Das meiste Wetter gibt es heute zur östliche Mitte und nach Süden hin, wo der Stratege CORNELIUS Schwierigkeiten, Zugriff auf die atmosphärischen Geschicke zu bekommen. Zunächst mal gilt es noch die Regen- und Gewitterreste aus der vergangen Nacht abzuwickeln, was im Laufe des Vormittags gelingen sollte. Die Luftmasse bleibt durch die vorherigen Niederschläge aber recht feucht und auch leidlich labil, so dass sich tagesgangbedingte Schauer entwickeln. Nicht ausgeschlossen, dass sich vom zentralen bis in den ostbayerischen Mittelgebirgsraum sowie an den Alpen nebst südlichem Vorland ein oder zwei Gewitter auftürmen. Wenn dem so sein sollte, dürfte es sich meist um sogenannte gelbe Gewitter (unterste Liga) handeln, auch wenn ein pomadiges markantes Drittliga-Gewitter mit Starkregen von etwas über 15 l/m² innert kurzer Zeit nicht gänzlich negiert werden kann. Thermisch passen sich der Süden und Südosten dem Norden an, 19 bis 24°C maximal. In der Nacht zum Dienstag wandert der Rücken langsam über den Vorhersageraum hinweg ostwärts. Gleichzeitig beginnt der Luftdruck bereits wieder zu fallen, womit das baldige Ende unseres Freundes CORNELIUS eingeleitet wird. Er verabschiedet sich ins östliche Mitteleuropa, was uns unweigerlich dazu zwingt, unseren Blick nach Westen zu richten. Dort, genauer im Bereich UK/Irland, braut sich nämlich was zusammen. Nicht nur dass knapp nordwestlich das nächste Tief (NESRIN) nebst Frontensystem Platz genommen hat. Auf der Bühne erscheint zudem ein knackiger und recht scharf geschnittener KW-Trog, der um Mitternacht herum die Grüne Insel passiert. So weit, so gut, für uns ist das alles noch zu weit weg, um hier einen nennenswerten Impact zu erzeugen. Erst zum Morgen hin nimmt die Bewölkung im äußersten Westen allmählich zu, wahrscheinlich bleibt es aber noch trocken. Im großen Rest der Republik bildet sich die Tagesbewölkung zurück oder löst sich ganz auf. Abendliche Restschauer im Süden und Südosten fallen zusammen, so dass eigentlich das ganze Land weitgehend trocken über die Nacht kommt. Hier und da bilden sich ein paar flache Nebelfelder und die Temperatur geht auf 16 bis 8°C zurück (SO-Hälfte kühler als NW-Hälfte). Dienstag... wird ein synoptisch hochinteressanter Tag, der mit einigen Finessen aufwartet und noch ein paar Unbekannte in seinem Gleichungssystem hat. Es folgt der Versuch einer Chronologie, wie es laufen könnte. Fangen wir mit den Fakten an. Da wäre zunächst das Bodentief, das mit etwas unter 1000 hPa im Kern Schottland überquert, um danach die nordwestliche Nordsee anzusteuern. Etwas komplizierter verhält es sich mit dem Trog, dessen gymnastische Ausrichtung offensichtlich eher auf Stretchen und Dehnen, weniger auf Bewegung ausgelegt ist. Meint konkret, dass der Trog mehr Energie in die Ausweitung seiner Amplitude als in seine Progression steckt. Nichtsdestotrotz kommt er etwas nach Osten voran, was uns langsam aber sicher unter seine diffluente Vorderseite bringt. Das PVA-Maximum, etwas gedämpft durch KLA, erreicht den äußersten Westen und Südwesten aber erst am Spätnachmittag/Abend. Allerdings schwenkt zuvor schon ein ganz flacher Sekundärtrog über den Westen nord-nordostwärts, dessen Rolle noch nicht ganz klar ist. Löst er bereits am Vormittag erste Konvektion aus oder bringt er gar nur Bewölkung, die der energetischen Aufbereitung der präfrontalen Luftmasse hinderlich ist? Tatsache ist, dass die Kaltfront des Tiefs auf Deutschland zusteuert und auf der Vorderseite spätestens am Nachmittag ihre Funktion als "Zündkerze" wahrnimmt. Dann nämlich hat sich in der Westhälfte eine Feuchtflusskonvergenz bemerkbar gemacht, die das PPW auf 25 bis 30 mm und die spezifische Grundschichtfeuchte auf rund 10 g/kg ansteigen lässt. Labilität ist in der präfrontal einfließenden Subtropikluft (xS/mS; T850 10 bis 14°C) auch vorhanden, so dass wir durchaus mit ordentlich Radau rechnen können. Unsicher ist derzeit noch, wie viel CAPE tatsächlich aufgebaut werden kann (die meisten Angebote liegen unter 1000 J/kg). Unsicher auch, wie sich die Scherung entwickelt und wie diese mit den anderen konvektiven Zutaten überlappt. Zunächst zeichnen sich tagsüber limitierte Scherwerte ab, die zum Abend mit Annäherung des Haupttrogs aber zunehmen. Bei aller noch gebotenen Unsicherheit könnte der morgige Dienstag etwa wie folgt ablaufen: Im Osten und Nordosten passiert bis zum Abend so gut wie gar nichts. Heißt, nach sonnigem Start bilden sich Quellwolken, die aber nur in Einzelfällen einen Schauer absondern. Dazu sommerliche Temperaturen bis zu 27°C. Auch im Rest der Nation geht´s eher beschaulich los mit von Westen langsam zunehmender Bewölkung und ersten schauerartigen Regenfällen am Vormittag im Grenzbereich zu Frankreich und Benelux. Möglich, dass an der ein oder anderen Stelle auch schon die elektrische Komponente dabei ist. Die nimmt dann ganz sicher aber in der zweiten Tageshälfte zu, wenn sich von Westen her teils organisierte Gewitter ostwärts vorarbeiten. Rotierende Zellen sind ebenso möglich wie kleinere Linien- oder Bogensegmente. Neben Starkregen und Hagel muss auch mit Sturmböen 9 Bft, mit geringer Wahrscheinlichkeit sogar schweren Sturmböen 10 Bft gerechnet werden (anfangs trockene Grundschicht mit inversem V), wobei die Wahrscheinlichkeit dafür nach Süden hin höher ist als im Nordwesten. Unwetterpotenzial ist auch gegeben, zum einen durch Starkregen (25 l/m² innert kurzer Zeit sind trotz ziehender Gewitter schnell erreicht respektive überschritten), zum anderen durch Hagel bis zu 3 cm Korngröße (zu mehr dürfte es angesichts limitierter CAPE-Werte nicht reichen). Sonderfall Alpenrand, hier deuten die meisten Modelle bereits am Vormittag aus der NO-Schweiz sowie dem Vorarlberg und Tirol das Übergreifen eines kleinen schauerartigen Regengebiets mit evtl. eingelagerten Gewittern auf das südliche Alpenvorland an. Temperaturen im Westen und Süden 22 bis 26°C, im Bereich der Eifel sowie an den Küsten um 20°C. In der Nacht zum Mittwoch greift der zunehmend negativ geneigte Höhentrog auf Deutschland über. Dabei treibt er die Kaltfront vor sich her in Richtung Nordosten, wobei der Begriff "treiben" sehr euphemistisch anmutet. Schließlich gerät die Front ins Schlingern bzw. Wellen, was gemeinhin die Progression und deren Geschwindigkeit hemmt. Wie auch immer, Gewitter und schauerartige Regenfälle verlagern sich ost-nordostwärts, wobei vor allem in der ersten Nachthälfte noch ordentlich Schmackes dabei sein kann. Danach nehmen sowohl die Gewitter- als auch die Starkregenwahrscheinlichkeit ab. Rückseitig der Front strömt mit leicht auflebendem westlichen Wind ein Schwall subpolarer Meeresluft (mPs; T850um 6°C) zunächst in die Südwesthälfte, wobei es überwiegend wolkig bleibt, vereinzelte Schauer nicht ausgeschlossen. Tiefstwerte zwischen 16°C im Nordosten und 8°C in den west-südwestlichen Mittelgebirgen. Mittwoch... wird der gesamte Vorhersageraum von subpolarer Atlantikluft geflutet. Folgerichtig pendeln sich die Temperaturen im mäßig warmen Bereich zwischen 18 und 23°C ein, im Bergland entsprechend kühler. Bodennah schiebt sich der nächste Azorenhochkeil bis nach Süddeutschland rein, der den nächsten Zwischenhocheinfluss impliziert. Dieser ist aber eher trügerisch und mehr als brüchig, da sich weiter oben dick-bräsig der o.e. Trog genau über den Vorhersageraum legt. Der hat mittlerweile noch mehr an Amplitude zugelegt, dafür aber an Wellenlänge eingebüßt. Kurzum, dat Dingen steht kurz vorm Abtropfen (wahrscheinlich über der Adria), was seiner Wirkung bei uns aber keinerlei Abbruch tut. Zumal auf seiner unmittelbaren Vorderseite weiterhin die teilokkludierte Kaltfront über dem Nordosten und der der östlichen Mitte liegt, die von dort in bester Winkelwest-Manier nicht richtig wegkommt. Was können wir also erwarten von diesem dritten Tag des meteorologischen Sommers? Nun, auf alle Fälle ´ne Menge Gewölk. Vielfach in wechselnder Manier mit einigen Lücken ergo Sonnenabteilen, nach Osten und Nordosten hin tendenziell aber eher ziemlich dicht. Dort, also grob von MV bis nach Sachsen, kommt es auch zu teils länger andauernden frontalen Regenfällen, die gebietsweise (Ostsachsen/Süd-BB) durchaus 10 bis 25 l/m² innert 12 h ausspucken können. Ob es auch nochmal für Gewitter reicht, hängt stark von der genauen Position der Front ab. Sollte sich im Grenzbereich zu Polen etwas Warmluft halten, könnte es punktuell vielleicht rumsen - unsicher! Im großen Rest des Landes deutet sich zwar die Bildung einer zaghaften Sperrschicht zwischen 700 und 600 hPa an, die aber nicht verhindern kann, dass sich einzelne Schauer entwickeln. Im Süden und im Nordwesten können auch einzelne Gewitter an den Start gehen. Der westliche Wind lebt mitunter leicht böig auf. In höheren Lagen sowie im südlichen Alpenvorland (das ja auch höher liegt) könnte es gar mal für in paar steife Böen 7 Bft reichen. Die Nacht zum Donnerstag bringt nur in Teilen Ruhe, weil im Westen bereits das nächste Tief (voraussichtlich PEGGY), der nächste Trog, das nächste Frontensystem ante portas stehen. Zwar erfolgt der Übergriff erst tagsüber, aber bereits in den Morgenstunden könnten im Westen und Nordwesten die ersten Vorboten in Form schauerartiger, vereinzelt gewittriger Regenfälle mit auflebenden südlichen Winden vorstellig werden. Im Osten dagegen ziehen die Reste der Front mit dem zugehörigen Regen nach Polen ab und die Wolkendecke lockert von Westen her auf. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Im Prinzip ist alles gesagt respektive geschrieben. Jetzt muss es nur noch so kommen, was aber Formsache sein dürfte. Nee, Quatsch, gerade die Detailabläufe am morgigen Dienstag werden zur Zeit noch unscharf abgebildet, was morgen früh, besser noch heute Abend hoffentlich anders aussieht. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann