SXEU31 DWAV 030800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 03.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Heute Ende Ww (Winkelwest), danach Mittelding zwischen TrW und TrM (Trog West- bzw. Mitteleuropa) Heute Troglage mit vergleichsweise schwacher Konvektion, im Nordosten allmählicher Abzug der Kaltfront. Am Donnerstag "Low CAPE, High SHEAR" mit einigen interessanten Schikanen. Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Mittwoch... verläuft bei uns in Deutschland unter dem Motto "unten a, oben z". Wie meinen? - Nun, ganz einfach. Während sich im Bodendruckfeld ein wenn auch schmaler Azorenhochkeil bis zu den Alpen und nach Süddeutschland vorgeschoben hat (a wie antizyklonal), bestimmt in der Höhe ein negativ geneigter Trog das heutige Geschehen (z wie zyklonal). Unter dem Strich ergibt das einen leicht wechselhaften Mittwoch mit einzelnen Zwischenhochschauern- und gewittern aus dem unteren Regal konvektiver Umlagerungen. Insgesamt präsentiert sich die Lage vergleichsweise statisch, was vor allen der geringen Progression des Troges geschuldet ist. Der wird nämlich durch einen über dem nahen Osteuropa positionierten Rücken geblockt, so dass er nur ganz langsam nach Nordosten schwenkt. Heute Mittag reicht seine Achse von der Deutschen Bucht über Tirol bis nach Mittelitalien, heute Abend von den Dänischen Inseln über Böhmen bis zur Adria. Adria, gutes Stichwort. Was tut man, wenn´s nicht richtig vorangeht, man weicht zur Seite aus. So auch der Trog, der seine ohnehin schon lang gezogene Amplitude noch etwas nach Südosten ausweitet, was ihm in der kommenden Nacht einen Cut-Off beschert - voraussichtlich genau über der Adria. Und sonst so? Nordöstlich der Elbe ist inzwischen die Kaltfront angekommen, die weite Teile des Landes gestern und in der vergangenen Nacht von Westen her überquert hat. Sie markiert den westlichen Rand eines unmittelbar vorgelagerten, sehr gut definierten Bodentrogs, der aber drauf und dran ist, uns in Richtung Polen und Ostsee zu verlassen. Damit dreht der Wind auch im äußersten O/NO von Südost auf West, so dass bis Mittag das ganze Land mit einer gemäßigten Atlantikluft (mPs; T850 um 7°C) versorgt ist. Diese Luftmasse ist im Achsbereich des Troges am labilsten, wenn auch nicht besonders stark. Feuchte ist auch eher mäßig mit rund 20 mm PPW (im Nordwesten etwas mehr). Kurzum, es kann nur relativ wenig ML-CAPE generiert werden (etwa 200 bis 400 J/kg), die für konvektive Umlagerungen zur Verfügung steht. Das deutet neben Schauern auf einzelne, kurze "gelbe" Gewitter hin, zumal auch organisationstechnisch nicht viel läuft. Scherung ist dort vorhanden, wo es nicht labil genug ist, nämlich an den Flanken des schmalen Troges. Nichtsdestotrotz, ganz ausschließen kann man auch eine markante Überentwicklung mit Starkregen, kleinem Hagel und Böen bis 8 Bft nicht, insbesondere nach Nordwesten hin. Außen vor in Sachen Gewitter bleiben voraussichtlich der ganze Osten und Nordosten, wo erst noch das frontale Regenband (Anafront) ostwärts weggedrückt werden muss, was bis zum frühen Nachmittag dauern kann. Und auch nach Westen/Südwesten hin setzt allmählich Stabilisierung ein, die von einem ganz flachen, von Frankreich und Benelux übergreifenden Rücken ausgeht. Leichtes Absinken erzeugt um 700 hPa herum eine Sperrschicht. Außerdem setzt WLA ein, die den Rücken ohne rot zu werden überläuft und uns die Annäherung des nächsten Frontensystems signalisiert. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der westliche, am Nachmittag auf Südwest bis Süd rückdrehende Wind vor allem in höheren Lagen mitunter etwas stärker auffrischt (Böen bis 7 Bft). Für eine Warnung wird das aber zu wenig sein. Die Temperatur pendelt sich um die 20°C ein, mal etwas drüber, mal etwas drunter. In der Nacht zum Donnerstag fällt der Luftdruck, wodurch und das nächste Tief angekündigt wird. Die Rede ist von PEGGY, einem flotten 985-hPa-Sommerwirbel, der mit einem kompletten Frontensystem ausgestattet ist und von den Hebriden nach Schottland zieht. Korrespondierend dazu befindet sich über Westeuropa und dem nahen Atlantik ein breiter LW-Trog, der sich eindeutig gen Osten orientiert und somit dem Vorhersageraum annähert. Die Reste des hiesigen Troges docken an den neuen Trog an und wir gelangen unter eine diffluente, leicht zyklonal konturierte südwestliche Höhenströmung. Bereits in den Abendstunden erreichen schwache Regenfälle der Warmfront den Westen und Nordwesten, bevor zur zweiten Nachthälfte die nach Südwesten zurückhängende Kaltfront auf den Westen übergreift. Gebietsweise fällt schauerartiger Regen, insbesondere in Frontnähe, aber auch präfrontal sind gerade im Südwesten einzelne Schauer drin. Gewitter können nicht ganz ausgeschlossen werden, drängen sich zunächst aber nicht auf. Erst wenn im Nordwesten der erste Schluck Höhenkaltluft einsickert, können sich gerade über und an der Nordsee einige teils gewittrige Schauer entwickeln. Ansonsten bliebe noch festzuhalten, dass der Süden und Osten weitgehend trocken bei vielfach aufgelockerter Bewölkung über die Nacht kommen. In den Hochlagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge inkl. Harz sowie über der Nordsee frischt der auf Süd rückdrehende Wind mitunter stark böig auf mit Spitzen 7, exponiert 8 Bft. Tiefsttemperatur um 15°C in der Westhälfte, bis zu 7°C in Niederbayern. Donnerstag... (Fronleichnam) übernimmt PEGGY komplett das Heft des Handelns in die Hand. Und die Lady hat es durchaus in sich und wird uns Meteorologen morgen einiges an Beschäftigung bescheren. Dabei können heute Vormittag bei weitem noch nicht alle Detailfragen geklärt werden. Low CAPE, High SHEAR lautet die Devise, die spannende und synoptisch anspruchsvolle Abläufe erwarten lassen. Zunächst die Fakten: PEGGY schwenkt nur sehr langsam über Schottland hinweg in Richtung nordwestliche Nordsee, wobei sie sehr lange ihren Kerndruck von etwas unter 985 hPa beibehält. Die zugehörige Kaltfront kommt in ihrem Nordteil ein Stück ostwärts voran, während sich nach Süden zurückhängt, ausgebremst durch eine flache Zyklogenese über Spanien. Zur Mittagszeit reicht sie etwa vom Darß/Rügen bis hinunter zum Bodensee/Hochrhein. Dabei trennt sie zwei Luftmassen: präfrontale, nicht übermäßig labil geschichtete Warmluft im Osten und Süden, die bis zum Abend aber immer mehr der postfrontalen, moderat labil geschichteten subpolaren Meeresluft weichen muss. In der Höhe macht der Trog nach Osten hin Boden gut, wobei er seine Amplitude vergrößert und gleichzeitig eine zunehmend negativ geneigte Achsstellung einnimmt. Wir bleiben auf der diffluenten Vorderseite, auf der sich von Frankreich her ein wunderschöner Jetstreak zunächst in den Westen und später bis in den Norden zu uns reinbohrt. Damit liegt ein für sommerliche Verhältnisse durchaus bemerkenswertes Strömungssetup vor, bei dem vor allem die hohen Scherwerte auffallen. Die LLS geht bis auf 15 m/s hoch, lokal sogar noch etwas darüber, DLS erreicht strichweise Werte über 30 m/s. Übrigens nicht nur reine Geschwindigkeits-, sondern auch Richtungsscherung gerade im unteren Bereich (gekurvte Hodographen), was erhöhte Helizität zur Folge hat. Was haben wir also: Trogvorderseite mit Jetstreak, mordmäßige Scherung mit erhöhter Helizität, mal mehr, mal weniger labile Luftmassen auf relativ niedrigem Energielevel (nur wenige hundert Joule pro Kilogramm CAPE), dazu eine leicht wellende, nur langsam ostwärts vorankommende Kaltfront. Die Frage ist nun, wie sich die ganzen Features überlappen. Wo ziehen sie an einem Strang, wo arbeiten sie gegeneinander. Die Antworten bleiben zunächst noch vage bzw. allgemein, weil jedes Modell und scheinbar auch jeder Modelllauf andere Vorstellungen von der Verteilung hat. Gehen wir aber davon aus, dass sich im Tagesverlauf (schwerpunktmäßig 2. Tageshälfte) auf der kalten Seite der Front zunächst im Norden und Westen, später ostwärts ausweitend staffelartig Schauer und Gewitter entwickeln. Diese organisieren sich z.T. in Linien- oder Bogensegmenten und/oder rotieren (flache Superzellen). Zugrichtung ist von Südwest nach Nordost, wobei Böen 8 bis 9 Bft den primären Begleitparameter darstellen. Bei sehr guter Organisation kann auch ´ne 10er- oder 11er-Böe nicht ganz ausgeschlossen werden. Und on topp - Helizität und niedriges HKN - könnte auch ein Tornado an den Start gehen, auch wenn wir den Teufel hier und heute noch nicht an die Wand malen wollen. Hagel und Starkregen gibt es freilich auch, allerdings sollten hier die Bäume aufgrund der Tatsache, dass die Gewitter ziehen und CAPE sehr limitiert ist, nicht in den Himmel wachsen. Im Süden ist die Wahrscheinlichkeit konvektiver Umlagerungen insgesamt geringer. Dafür greifen im Tagesverlauf mit Annäherung der Trogspitze stratiforme Regenfälle von Ostfrankreich und der Schweiz auf der kalten Seite der Front über (Anacharakter), die sich bis zum Abend über Süddeutschland ost-nordostwärts ausbreiten. Möglich, wenn auch nicht überbordend wahrscheinlich, dass sich am Alpenrand unter Berücksichtigung weiterer Regenfälle in der Nacht eine mehrstündige Stark- oder 12-stündige Dauerregenlage einstellt. Kurz noch ein Satz zum Wind, der aus Süd-Südwest kommend vornehmlich in der Westhälfte zeitweise böig auffrischt. Hauptimpulsgeber sind Labilität und Konvektion, aber auch der Gradient leistet einen bescheidenden Beitrag. Kurzum, es empfiehlt sich die Ausgabe einer kleinen Windwarnung "7 Haken 8" mit dem Hinweis "vor allem in Schauernähe und in exponierten Lagen". Im höheren Bergland wird´s zum Teil etwas mehr (8 bis 9, vereinzelt (Brocken) 10 Bft). Temperatur: Während sich die Luft in der Lausitz und in Südostbayern auf 25 oder 26°C erwärmt, wird man zwischen Eifel und Nordsee unter 20°C bleiben. In der Nacht zum Freitag rückt der Höhentrog noch etwas nach Osten vor und erreicht die Westhälfte. Auf der Vorderseite wird die schleifende Kaltfront Stück für Stück nach Osten abgedrängt. Gleiches gilt für das Regenband, das sich zunehmend auf der kalten Seite formiert. Einzig im Süden hängt das Ganze weiterhin zurück, so dass in Südostbayern sowie am Alpenrand bis in die Morgenstunden mit anhaltenden Regenfällen gerechnet werden muss. Die apostrophierten Mengen liegen dort zwischen 10 und 25 l/m² innert 12 Stunden. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die Gewitterei bereits in der ersten Nachthälfte spürbar in die Knie geht, was einige Nachzügler freilich nicht ausschließt. Auf der Nordsee legt der SW-Wind nach einer abendlichen Pause wieder etwas zu (Böen 7 Bft). Bei unterschiedlicher Bewölkung kühlt es auf 14 bis 8°C ab. Freitag... ähnliches Spiel wie heute: Troglage mit gemäßigter Atlantikluft, im Süden schmaler Azorenhochkeil => wechselnde Bewölkung mit Schauern und einzelnen Gewittern der Kategorie "einfach bis markant", Schwerpunkt im Nordwesten. Dazu schwacher bis mäßiger, mitunter leicht böig auflebender westlicher Wind bei Tageshöchsttemperaturen um 20°C, an der Nordsee und im Bergland darunter. Nacht zum Samstag Zwischenhocheinfluss mit rasch nachlassender Konvektion und größeren Auflockerungen, teils auch klar. Frisch mit verbreitet einstelligen Tiefstwerten oder gerade mal um 10°C. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Was die Basisfelder betrifft, liegen die Modelle nicht weit auseinander. Was die Abläufe gerade am morgigen Donnerstag betrifft, gibt es schon noch Unschärfen. Lassen wir´s auf uns zukommen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann