SXEU31 DWAV 021800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 02.06.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Bis in die Nacht zum Mittwoch hinein teils starke Gewitter, lokal Unwetter. Mittwoch Gewitterminimum, Donnerstag erneut markante Gewitterlage mit Unwetterpotenzial. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... steuert ein markanter, leicht negativ geneigter Kurzwellentrog von Westeuropa auf Deutschland zu. Er wird dabei allerdings durch einen vom Balkan über das östliche Mitteleuropa bis nach Skandinavien reichenden Rücken blockiert und eingebremst. Er erreicht mit seiner Achse in der Nacht zum Mittwoch Benelux und Südwestdeutschland und weitet sich gleichzeitig bis zum westlichen Mittelmeer aus. Der Höhentrog stützt einen Bodentrog, der von einem Tief über der nördlichen Nordsee (NESRIN) südostwärts bis nach Mitteleuropa reicht und über Deutschland nordostwärts geführt wird. Er erreicht in den Morgenstunden die Oder und Neiße. Darin eingebettet lässt sich eine Kaltfront analysieren, die Subtropikluft (T850 8-12 °C) von maritim erwärmter Subpolarluft (T850 4-7 °C) trennt. Rückseitig stößt im Nachtverlauf ein Azorenhochkeil von Westeuropa bis nach Süddeutschland vor. Auf der durch eine leicht diffluente süd-südwestliche Höhenströmung gekennzeichneten Trogvorderseite, setzte bereits im Tagesverlauf PVA ein, die durch KLA aber zunehmend teil-kompensiert wird. Dennoch reichte die Hebung zunächst aus, um in der moderat instabilen und zunehmend feuchten Subtropikluft verbreitet Schauer und Gewitter zu bilden, die staffelweise von Südwesten auf Deutschland übergriffen. Den Zellen steht 500-800 J/kg ML-CAPE zur Verfügung. Die hochreichende Scherung zieht mit Trogannäherung leicht an auf Werte von 15-20, örtlich bis 25 m/s. Darüber hinaus weist die Luft einen recht üppigen Feuchtegehalt auf (PPWs von 30-35 mm). Da weder bezüglich Labilität, noch im Hinblick auf die Scherung ins "obere Regal" gegriffen wird, handelt es sich in der Fläche um markante Gewitter, die neben Starkregen und kleinem Hagel vor allem Sturmböen bringen. Diese treten im Süden im Zuge einer Cold-Pool getriebenen Druckwelle durchaus auch überregional auf. Die Unwettergefahr war und ist eher gering, wenngleich gerade die Starkregen- und Hagelschwelle schnell mal gerissen wird. In der Nacht verlagern sich die Niederschläge langsam nordostwärts. Mit abnehmender Hebung und durch den Tagesgang werden die Gewitter aber immer seltener. Im Nachtverlauf bleibt dann nur noch schmales, frontales Regenband auf der kalten Seite der Frontalzone (Anafront) über, das morgens in etwa die Elbe erreicht, aber bis nach Südostbayern zurückhängt. Vor allem beim Übergang der Gewitter in den nicht-gewittrigen Regen muss anfangs auf Starkregen (vor allem mehrstündig) geachtet werden. Die Hinweise seitens der numerischen Vorhersagemodelle und probabilistischen Verfahren sind aber vage und schwammig, sodass nur im Nowcast agiert werden kann. Einzelne Schauer oder ein kurzes Gewitter gibt es auch im Trogbereich im Südwesten und Westen, wo etwas Höhenkaltluft einsickert und die maritime Subpolarluft labilisiert wird. Dabei sollte es sich aber um abgehobene Konvektion handeln, die bei deutlich zurückgehendem Feuchtegehalt der Luft mit gelb abgewarnt werden kann. Noch überwiegend trocken bleibt es ganz im Osten und im Nordosten. Die Temperaturen sinken auf Tiefstwerte zwischen 16 Grad an der Oder und 8 Grad in der Eifel. Mittwoch ... wird der Kurzwellentrog durch den blockierenden Rücken über Osteuropa weiter eingebremst. Er erreicht bis zum Abend mit seiner Achse in etwa die Elbe und neigt über der Adria abzutropfen. Der vorgelagerte Bodentrog nebst eingebetteter Kaltfront zieht schon am Vormittag nach Polen ab, sodass sich auch im äußersten Nordosten und Osten mit Winddrehung auf West die maritim erwärmte Subpolarluft durchsetzt. Dabei regnet es dort noch zeitweise, anfangs auch noch mit schauerartigen (wahrscheinlich nicht-gewittrigen) Verstärkungen. Bis späten Nachmittag dürften die Regenfälle aber nach Osten abgezogen sein. Im Trogbereich folgen in schwach, aber anfangs durchaus hochreichend labiler Subpolarluft von Südwesten Schauer und einzelne, kurze Gewitter. Die üblichen Gewitter-Marker wie ML-CAPE (200-400 J/kg) und PPW (um 20 mm, im Nordwesten bis 25 mm) sprechen nicht unbedingt für starke Entwicklungen. Die Scherung ist nur an den Flanken des Troges erhöht, womit kein optimaler Überlapp mit der Labilität gewährleistet wird. In der Fläche dürften es also eher "gelbe Gewitter" mit Windböen sein, wenngleich ein lokales Starkregenereignis (vor allem im Nordwesten), eine stürmische Böe oder kleiner Hagel kleinräumig nicht ausgeschlossen sind. Zwischen dem Trog und einem umfangreichen Langwellentrog über Nordwesteuropa kann sich ein flacher Rücken von Westen nach Deutschland schieben. Den Rücken überlaufende WLA sorgt für zögerliche Stabilisierung und nachlassende Schauertätigkeit. Gleichzeitig zieht aber im Vorfeld des nahenden Frontensystem des mit dem Langwellentrog korrespondierenden Tiefs knapp westlicher der Britischen Inseln (PEGGY) mehrschichtige Bewölkung auf, aus der es an der Grenze zu Benelux am Abend schon wieder leicht zu regnen beginnt. Dabei setzt auch wieder Druckfall ein, sodass der Wind von West auf Südwest rückdreht. Er kommt durchaus böig daher, vor allem in höheren Lagen West- und Südwestdeutschlands sowie im höheren Alpenvorland sind einzelne steife, exponiert stürmische Böen möglich. Für eine Warnung reicht das aber vermutlich nicht. Die Höchstwerte erreichen recht einheitliche Werte um oder knapp über 20 Grad. In der Nacht zum Donnerstag greift der Langwellentrog mit hochreichendem Drehzentrum bei den Britischen Inseln auf Frankreich und die Nordsee über und nähert sich damit dem Vorhersagegebiet langsam an. Der Kurzwellentrog über dem Nordosten wird integriert und als Randtrog nach Polen geführt. Der dazwischen liegende Rücken verliert an Kontur und zieht nach Südosten ab, womit Deutschland in eine leicht zyklonale konturierte Südwestströmung gelangt. Das teil-okkludierte Frontensystem von Tief PEGGY greift auf die Westhälfte über und sorgt gebietsweise für Niederschläge. In den Südwesten schiebt sich ein schmaler Warmsektor mit leicht labiler Subtropikluft, sodass auch Schauer, eventuell auch einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen sind. Auch im Nordseeumfeld sind später einzelne gewittrige Schauer nicht ausgeschlossen, dort allerdings als Folge langsam einsickernder Höhenkaltluft. Im Süden und Osten bleibt es überwiegend trocken bei teils geringer Bewölkung. Von Nordwesten verschärft sich der Gradient vorübergehend, vornehmlich im Bergland und an der Nordsee sind steife exponiert stürmische Böen möglich. Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 15 Grad am Niederrhein und 7 Grad im Bayerwald und Erzgebirge. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... haben die Ausführungen aus der Frühübersicht weiterhin Gültigkeit. Es steht eine klassische "Low-CAPE-High-SHEAR"-Lage bevor. So geht moderate Labilität (vielleicht mit Ausnahme des Südens und Südosten) verbreitet mit mäßiger bis starker hochreichender Scherung einher. Auffällig ist auch eine ungewöhnlich starke niedertroposphärische Scherung, inklusive erhöhter Helizität. Folglich muss mit flacher, aber organsierter Konvektion gerechnet werden (Superzellen, Linien mit Bogensegmenten etc.), womit insbesondere die Gewitterböen im Fokus des Warnmanagements stehen. Sturm- und schwere Sturmböen scheinen durchaus wahrscheinlich, eventuell auch darüber hinaus. Zudem ist das Tornadopotenzial bei recht niedrigen Hebungskondensationsniveaus leicht erhöht. Für Detailfragen ist es aber noch zu früh. In der Nacht zum Freitag ist am Alpenrand und in Südostbayern mit einem schleifenden Frontensystem markanter Stark- bzw. Dauerregen möglich. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle rechnen insgesamt recht übereinstimmend. Bezüglich der markanten Gewitterlage am Donnerstag gibt es selbstverständlich noch einige Detailfragen zu klären, hier müssen Berechnungen der hochauflösenden Modelle abgewartet werden. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Adrian Leyser Sturm