SXEU31 DWAV 150800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 15.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: NW Übergang zu W a Heute im Nordosten windig, Ostsee stürmisch und vereinzelt Gewitter. In den Folgetagen kräftiger Temperaturanstieg. Dienstag über der Mitte teils kräftige Gewitter, lokal Unwetter möglich. Am Mittwoch an den Alpen Gewitterneigung. Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 24 UTC -------------------------------------------------------------- Montag... liegen wir in Mitteleuropa unter einer nordwestlichen Höhenströmung, zwischen einem hochreichenden Tief über der Ostsee und einem Keil über Frankreich und England. Dabei zieht der Tiefschwerpunkt zum Baltikum und der Höhenrücken kommt von Westen bis in die Nordsee voran, was die Bodenhochdruckzone in die Südwesthälfte Deutschlands voranbringt. Die Nordosthälfte sieht von der Höhenströmung zyklonaler aus, mit kurzwelligen Trögen. Die Zufuhr der leicht unterkühlten bis mäßig warmen Meeresluft setzt sich fort, allerdings kommt sie im Südwesten zur Ruhe und beginnt sich (etwas) zu erwärmen. Die Labilität und Feuchte nimmt auch im Nordosten ab, sodass die leichte Hebung meist nicht mehr viel ausrichtet. Es treten einzelne Schauer auf, für Gewitter reicht es höchstens vereinzelt an der Ostsee und in Vorpommern. So sie denn kommen, sind stürmische Böen möglich. Allerdings bleibt der Wind im Nordosten und Norden auch abseits der Konvektion ein Thema. Der Gradient und der Tagesgang bringen von den Küsten bis zur Lausitz wieder steife Böen aus West, an der See und auf Brocken und Fichtelberg 8 Bft. Im Südwesten, Süden scheint häufiger die Sonne und es bleibt trocken. Im Norden und Nordosten überwiegen dichtere Wolken, die sich unter einer Absinkinversion zunächst auch über die Mitte ausbreiten, nachmittags, bzw. dann wieder auflösen. Von Westen her nähern sich dann aber schon die Ausläufer eines Tiefs über dem Atlantik, die mit WLA und kurzwelligen Trögen den Rücken überlaufen. Tagsüber bleibt das noch westlich von uns. In der Nacht zum Dienstag überlaufen die Tiefausläufer, namentlich eine Warmfront, den flachen Höhenrücken und greifen auf Westdeutschland über. Sie leiten eine Wetterumstellung ein und führen feuchte und warme Luftmassen aus Westen zu uns. WLA und schwache Tröge liefern zusätzlichen Hebungsantrieb. Zunächst bringen sie ganz im Westen leichten Regen oder Schauer. Etwas abgehobene Labilität wirkt sich eher westlich von uns in vereinzelten Gewittern aus, ob diese im Laufe der Nacht auch Deutschland erreichen, ist fraglich. Der LPI springt sehr zaghaft an. Die vorlaufende Bewölkung kommt bis in den Osten voran. Da sich das Tief über der Ostsee abschwächt, wird die Druckverteilung flacher, das Bodenhoch liegt über dem Alpenraum, und der Wind lässt nach. Am längsten ist es noch an der Ostsee windig mit steifen, vereinzelt stürmischen Böen, die zum Dienstagmorgen aber auch dort vorbei sein dürften. Dienstag... regeneriert sich der Höhenrücken über Westeuropa, wird dabei aber weiterhin von WLA und kurzwelligen Troganteilen überlaufen, die bei uns Hebung auslösen. Hinzu kommt ein Bodentrog, der sich von Westen her nähert und übergreift und in den auch ein kleinräumiges und flaches Tief eingelagert sein kann. Mit der in der unteren Troposphäre auf West drehenden Strömung wird sehr feuchte, warme und leicht instabile Luft advehiert. Die Vordergrenze in Form einer Warmfront erreicht den Norden und Osten. Dahinter steigen die PPW Werte auf 30 mm, die Grenzschichtfeuchte auf ca. 10 g/kg. Dabei kann sich tagsüber, trotz des in wolkigen Wettercharakters MU Cape bis 1000 J/kg aufbauen. Nach dem gelegentlichen Regen, der sich über die Mitte nach Osten und Südosten ausbreitet, sind einzelne, teils kräftige Gewitter möglich, die angesichts des steigenden Wassergehalts mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen verbunden sein können. Labilität, Feuchte überlappen mit ausgeprägter Scherung bei gekurvten Hodographen (SRH), sodass organisierte Strukturen, eventuell Superzellen und unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind. Die Schwerpunkte sind unsicher. Die deutschen Lösungen sehen Gewitter eher über der Landesmitte, externe Lösungen lassen sie bis nach Bayern ausbreiten und weiter westlich ansetzen. Fraglich bleibt auch, inwieweit mehr Bewölkung die Labilisierung tagsüber dämpft. Mit der Zufuhr der warmen Luft (in 850 hPa im SW bis 15°C) steht im Westen und Südwesten gebietsweise ein Sommertag an, am Oberrhein wird vielleicht die 30°C angekratzt. Der äußersten Norden wird von der warmen Luft nicht erreicht und es bleibt dort bei unter 20°C. In der Nacht zum Mittwoch greift der Höhenrücken zwar auf Deutschland über, mit der niedertroposphärisch westlichen Strömung wird weiter sehr feuchte (PPW >35 mm) und wolkenreiche Luft vor allem in die Landesmitte geführt und die Strömung flattert noch leicht. Je weiter nach Süden es geht, desto mehr trocknet es ab und auch ganz im Norden bleibt die Luft trocken. Die Gewitter ziehen im Laufe der Nacht aber über die östliche Mitte nach Osten bis Südosten ab. Dahinter stabilisiert die Schichtung deutlich. Gerade über Süddeutschland stehen die Chancen auf Auflockerungen oder geringe Bewölkung besser. Warmluftadvektion am Rande von Tiefausläufern über der Nordsee bringt vom Nordwesten bis in die Mitte dichtere Bewölkung und ab und zu auch leichten Regen. Mittwoch... kräftigt sich der Höhenrücken bei uns und etwas steigender Bodendruck führt zur Ausbildung einer Hochdruckzone vom mittleren Nordatlantik bis Mitteleuropa und zum Alpenraum. In der nunmehr nur noch schwachen Strömung verstärkt sich niedertroposphärisch die Zufuhr sehr warmer, gleichzeitig feuchter Luft. Die Temperatur geht rauf auf 18°C in 850 hPa über dem Südwesten und die Feuchte steigt auf 30 bis 40 mm PPW. Allerdings bleibt die Schichtung ziemlich stabil, sodass die Wolken- und Feuchtezufuhr am Rande der Tiefausläufer über NW Europa lediglich zu Bewölkung führt, die über Benelux und die Nordsee in den Norden und die Mitte gesteuert wird, daraus kann etwas Regen fallen. Im Südwesten wird die Sonne spielbestimmend und auch ganz im Osten und Nordosten. Über der Mitte und dem Süden steht ein Sommertag an, im Südwesten geht es bis 32°C rauf. Im Norden wird die Temperatur durch die Bewölkung ausgebremst. Eine warntechnische Baustelle kann der Süden werden, wo die Schichtung instabiler ist und Cape aufgebaut wird. Mit Hilfe der Orografie, dynamisch ist keine Hebung zu erwarten, sind an/in den Alpen, eventuell ins Vorland ausbreitend einzelne starke Gewitter zumindest nicht ausgeschlossen. ICON simuliert nichts, in IFS, GFS, S-HD sind sie vorhanden. In der Nacht zum Donnerstag liegt der Norden im Übergangsbereich zur Frontalzone mit Tiefausläufern, während zur Mitte und im Süden die Hochdruckzone den Ton angibt. Die Schichtung im Norden bleibt stabil, entsprechend regnet es ab und zu, weitgehend skalig. Sonst überwiegt geringe Bewölkung. Die Nacht bleibt in relativ feuchter Luft mild bis warm, in einigen wärmeliebenden Regionen und Ballungsräumen sinkt die Temperatur nur wenig unter 20°C, meist auf 17 bis 13°C. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren großräumig ähnlich. Die Umstellung der Wetterlage ist eindeutig. Die Details werden unsicher. Gerade im Hinblick auf die morgige Konvektion ergeben sich größere Unsicherheiten. Die Bewölkungsverhältnisse nach der ersten Warmfront und deren Regen, also die Frage, wo und in welchem Maße es labilisiert, ist noch nicht raus. Auch die Verteilung der Konvektion danach, wird abweichend simuliert (siehe Text). Der Überlapp der Zutaten deutet auf mögliche starke Gewitter mit WU Potential, ohne die Gefahr einer "größeren" Unwetterlage. Von daher auch ohne Aktionsbedarf im Vorfeld. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Bernd Zeuschner