SXEU31 DWAV 121800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 12.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Wechselhafter Wochenstart zwischen den Stühlen (frontolytisches Viererdruckfeld). Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland zwischen einem Potenzialtrog über Westeuropa respektive dem nahen Atlantik und einem Rücken, der vom zentralen Mittelmeer bis zum östlichen Mitteleuropa reicht. Bedingt durch die Amplifizierung des Troges steilt die südwestliche Höhenströmung in den nächsten Stunden auf und verstärkt sich etwas, was an den Alpen eine leicht föhnige Komponente zur Folge hat. Auf der Nordseite setzt Druckfall ein, der den Beginn einer Leezyklogenese markiert. Dabei mithelfen tut auch ULLA, ihres Zeichens "algerisches" Tiefdruckgebiet, das im Laufe der Nacht Sardinien ansteuert. Bei uns wird dadurch die tagsüber mühsam aufgebaute Hochdruckbrücke (Verbindung Azorenhoch-Nordosteuropahoch) wieder eingerissen und durch eine breite Rinne ersetzt, die ULLA mit TAMINA, einem alternden Sturmtief knapp nördlich von Schottland verbindet. Die Rinne ist aber nicht die einzige Konnexion zwischen den Tiefs. Hinzu kommt eine bogenförmig sich über tausende Kilometer erstreckende Front, bestehend aus Okklusion (Nordteil) und Kalt- bzw. Warmfront, die auch durch den Vorhersageraum läuft und nun in der Nacht zum Montag als diffuse Warmfront (die Baroklinität ist alles andere als ausgeprägt, aber wann ist sie das bei Warmfronten schon mal) wieder ein Stück nach Nordwesten gedrückt wird. Wettertechnisch hat das zur Folge, dass sich der tagsüber vom Oberrhein bis zur östlichen Mitte verlaufende Regenkorridor ebenfalls langsam nordwestwärts verlagert, wobei die Intensität leichter Natur bleibt. In Summe werden nur ganz vereinzelt rund 5 l/m² erzielt, meist liegt die Ausbeute darunter. Marginaler oder überhaupt kein Niederschlag kommt im Nordwesten von NRW über NDS bis hoch nach SH und Mecklenburg an und auch im zunehmend föhnig beeinflussten Süden und Südosten (große Teile Bayerns, westliches BaWü) bleibt es weitgehend trocken. Allgemein erhalten bleibt uns viel Bewölkung, abseits der Front häufig im hohen oder mittelhohen Stockwerk. Entsprechend bleibt die Nacht auch frostfrei. Im Südosten, wo es tatsächlich auch mal aufreißen kann, bildet sich stellenweise Nebel. Zu guter Letzt noch ein Satz zum Wind, der in den Kammlagen des Erzgebirges aus Osten kommend zulegt und dort die ersten Böen 7 Bft produziert. Montag ... bleibt das großräumige Strömungsmuster - wenn man so will, haben wir eine frontolytische Viererdruckkonstellation bestehend aus dem Azorenhoch und Tief ULLA im Süden sowie Tief TAMINA und Hoch QUIRIN im Norden - erhalten. Das Azorenhoch bekommt dabei noch etwas Verstärkung durch STEFAN, der es als gen Frankreich gerichteter Keil auf die Anzeigetafel schafft. Für uns allerdings gewinnt zunehmend das Leetief nördlich der Alpen an Bedeutung, das sich nicht wirklich vom Alpenrand löst, sondern sich stattdessen rinnenartig über die Osthälfte hinweg nach Norden bohrt. Auf seiner Ost-Nordostflanke verschärft sich der Gradient zum stationären Hoch über NO-Europa, wodurch der östliche Wind in den östlichen Landesteilen zulegt. Ob er dabei die untere Warnschwelle überschreitet, lässt sich noch nicht final beantworten. Am ehesten kommen das Erzgebirge und das Zittauer Gebirge in die Lostrommel mit Böen 7, in exponierten Hochlagen vereinzelt 8 Bft. Ansonsten scheint noch die deutsch-polnische Grenze prädestiniert, aber ob das am Ende für eine Warnung reicht, ist äußerst fraglich. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass die weiterhin diffus daherkommende Warmfront der von Sardinien nach Korsika übersiedelnden ULLA noch etwas nach Westen unter die Vorderseite des über SO-Spanien abtropfenden Troges vorankommt und damit den westlichen und nordwestlichen Landesteilen neben geschlossener Bewölkung zeitweise leichten Regen bringt. Auf der warmen Seite im Osten und Südosten lässt sich hingegen zeitweise die Sonne blicken. Erwähnenswert ist die föhnbedingte Labilisierung der Luftmasse insbesondere im Südosten Bayerns, die mit einer für föhnige Verhältnisse moderaten Anfeuchtung einhergeht. Folgerichtig wird mit Hilfe zeitweiliger Einstrahlung etwas CAPE generiert, das aber gedeckelt ist, so dass eine Umsetzung in konvektive Umlagerungen fraglich ist. Dynamisch bzw. synoptisch-skalig ist jedenfalls nicht mit Support zu rechnen. Und ob das konfluente Windfeld sowie die Orografie ausreichen, wird man sehen. Wenn´s irgendwo kracht, kann es aufgrund des inversen V-Profils in der unteren Troposphäre Böen 7, worst case 8 Bft geben. Nachdem in der letzten Woche häufiger ein Südwest-Nordost-Gefälle bei der Temperatur zu beobachten war, sieht es zu Wochenbeginn etwas anders aus. Diesmal werden die Maxima von Südostbayern bis hoch ins sächsische Elbtal erwartet, wo häufiger die 20°C-Marke erreicht oder knapp überschritten wird. Dagegen kommt die Temperatur im regnerischen westlichen Bergland kaum oder gar nicht über 10°C hinaus. In der Nacht zum Dienstag rückt das Residuum des abgetropften Troges bis zur Nordsee vor, wodurch Bodenfront und Rinne wieder etwas nach Osten geschoben werden. Selbiges gilt freilich auch für den zugehörigen, anfangs recht diffusen Regen, der sich gerade zur zweiten Nachthälfte wieder etwas besser, sprich frontaler organisiert. Gebietsweise können 5 bis 10 l/m² innert 12 Stunden zusammenkommen, wobei die Modelle hinsichtlich der genauen Regionalisierung aber noch Spielraum haben. Das gilt auch für potenzielle Gewitter oder konvektive Verstärkungen am warmen Rand des Regengebiets, die abgehoben von der stabileren Grundschicht aber durchaus auftreten können. Weitgehend trocken bleibt es im äußersten Osten und auch im Westen beginnt es zusehends abzutrocknen. Gut möglich, dass sich dort in der angefeuchteten Grundschicht bei Aufklaren das ein oder andere Nebelfeld ausbreitet. Darüber hinaus bleibe nur noch festzuhalten, dass sich das Leetief nun doch vom Alpenrand löst, sich auf dem Weg in Richtung Erzgebirge aber auffüllt. Der Wind dreht in weiten Landesteilen auf West bis Nordwest, einzig im Osten und Nordosten weht er noch bis zum Frühstück aus östlichen Richtungen. Die Warnung für das sächsische Bergland kann voraussichtlich in den frühen Morgenstunden auslaufen. Die Nacht bleibt abermals frostfrei, sieht man mal von ein paar lokalen Minus-Zehnteln am schönen Eifelboden ab. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC Dienstag ... wird auf die Frühübersicht von heute verwiesen. Oder noch besser auf die von morgen, wenn hoffentlich die in der heutigen Übersicht beschriebenen Modellunterschiede kleiner geworden sind. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- In Bezug auf den Wind am Montag im Osten lässt sich festhalten, dass die Numerik tendenziell etwas zurückgerudert ist. Eine Warnung wird zunächst nur für das höhere Erzgebirge ausgegeben. Unsicherheiten gibt es auch noch hinsichtlich möglicher Gewitter am Montag bzw. in der Nacht zum Dienstag, was grundsätzlich aber nicht überrascht, wenn man sich ein wenig mit numerischer Wettervorhersage auskennt. Zum Schluss noch der Hinweis, dass über Deutschland weiterhin Saharastaub schwebt, der von Süden her immer mal wieder Nachschub bekommt, teilweise aber auch ausgewaschen wird (Nassdeposition). Erst im Laufe des Dienstags deutet sich von Westen her eine Abnahme an. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann