SXEU31 DWAV 191800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 19.02.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Anfangs noch winterlich: Im Süden markante Neuschneemengen, im Nordosten strenger Frost. In der Nacht zum Samstag in der Osthälfte vorübergehend Glatteisgefahr. Am Wochenende deutliche Milderung und Tauwetter. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... kämpft der Winter hartnäckig gegen seinen unumstößlichen (vorläufigen oder endgültigen?) Abschied und der Fokus für die kommenden Stunden liegt ganz klar auf dem Süden Deutschlands. Am Rande eines hochreichend und mit reichlich Kaltluft angereicherten Tiefs (T500 < -35°C) über dem Baltikum erstreckt sich an dessen Südwestflanke ein die Frontalzone weit nach Süden ausdellender Trog. Dieser reicht von Mitteleuropa über den westlichen Mittelmeerraum hinweg bis nach Tunesien und ist in der Höhe vergleichsweise "warm" mit T500 > -30°C ausgestattet. In dessen Randbereichen ist die Baroklinität allerdings ungleich höher als bei seinem Pendant über dem Baltikum und bei zugleich diffluenter Vorderseite besitzt ein kräftiges Tief über der nördlichen Adria beste Randbedingungen. Gerade in der 1. Nachthälfte sorgt ein profundes Zusammenspiel von PVA und WLA, die von Oberitalien nordwärts über die Alpen bis nach Südbayern ausgreift für die Aufrechterhaltung starker Hebungsimpulse, was zu länger anhaltenden und teils kräftigen Niederschlägen führt. Wirkliche Kaltluft ist bei T850 um oder nur knapp unter 0°C nicht vorhanden, weshalb die Schneefallgrenze sehr stark von der Niederschlagsintensität abhängt. Bei hohen Raten jenseits von 1 l/qm/h fällt bis in tiefen Lagen Schnee. Ein Rest niedertroposphärische Warmluft zwischen Mosel, Oberrhein und Bodensee wird mit Winddrehung von Süd auf Nordost mit Auffüllung des Bodentiefs über Frankreich und Hebung sukzessive getilgt. Bei knapp +10°C Ausgangsniveau und insgesamt im Laufe der Nacht nachlassenden Niederschlägen wird es aber trotzdem eng mit winterlichen Erscheinungen im Bereich des Oberrheingrabens. Weiter östlich lohnt es sich da schon mehr, wo verbreitet 5 bis 10, im Alpenvorland 10 bis 20 cm Neuschnee bis Freitagfrüh zu erwarten sind. Entsprechende Warnungen laufen. Der große Rest des Landes liegt am Randbereich eines schwachen Zwischenhochs, das sich vor allem niedertroposphärisch abbildet und von Südschweden bis zum Morgen nach Polen verlagert. Das beschert weiten Teilen im Norden und Osten des Landes eine klare Nacht und die Tiefstwerte liegen verbreitet im mäßigen, über Schnee im strengen Frostbereich. In der vergangenen Nacht lag das Mos dabei über Schnee teils um 3-5 K zu hoch, örtlich wurden Temperaturen unter -15°C gemessen (-16,6°C Dörnick (SH), -15,4°C Goldberg (MV), -15,2°C Lenzen/Elbe (BB). Ähnliche Tiefstwerte sind auch kommende Nacht zu erwarten, weshalb strenger Frost etwas offensiver bewarnt wurde. Auch über der Landesmitte klart es bis zum Morgen zunehmend auf. In den Frühstunden kündigt sich im äußersten Westen die vorlaufende Warmfront eines neuen Atlantiktiefs an, es bleibt aber noch weitgehend trocken. Freitag ... wird bereits erwähntes Hoch nebst flachem Höhenkeil zügig ostwärts gesteuert und erreicht zum Abend das Grenzgebiet Belarus/Ukraine. Von Westen beginnt die Strömung stromaufwärts zu zonalisieren, womit eine nachhaltige Umstellung der Großwetterlage eingeleitet wird. Ein erster Randtrog, in den die bereits erwähnte Warmfront eingelagert ist, erreicht den Westen Deutschlands und schwenkt unter Abschwächung ostwärts über Deutschland hinweg. Es folgt ein flacher Rücken nach, bevor sich zum Abend die Haupttrogachse von den Britischen Inseln her nähert. Für die Osthälfte bedeutet das nochmals einen vielfach freundlichen Tag mit reichlich Sonnenschein vor allem in Sachsen und angrenzenden Umgebung. Hier hilft der Erzgebirgsföhn ein Stück weit mit bei Höchstwerten von -1 bis +4°C, wobei sich der Dauerfrost am ehesten Richtung Vorpommern hält. Ansonsten macht sich aus Nordwesten allmählich schon mehrschichtige Bewölkung infolge der WLA der langsam ostwärts vorankommenden Warmfront bemerkbar. Die Schneefälle an den Alpen sind mit weiterem Abzug des Balkantiefs bald vorbei, jedenfalls dürfte sich nachmittags kaum noch was akkumulieren. Der Fokus geht aber nun eindeutig nach Westen, wo die Warmfront ab den Vormittagsstunden erste schwache Niederschläge produziert, die weitestgehend als Regen fallen bei dann mehrheitlich positiven Temperaturen und damit unkritisch. Je weiter das Niederschlagsgebiet nach Osten vorankommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass am Vorderrand auch etwas Schnee mit dabei ist. Isothermieschneefall funktioniert dabei allerdings bei Raten von nur 0,5-1 l/qm binnen 3h nicht wirklich und auch ein Trockeneinschub zwischen -10 und -20°C (600-700 hPa) unterbindet eher die feste Phase mangels hochreichender Sättigung. Der auffrischende und postfrontal auf Südwest drehend Wind tut sein Übriges, so dass die Höchstwerte im Westen und Südwesten 4 bis 9°C erreichen. Zum Abend hin verstärken sich die Regenfälle mit Trogannäherung samt eingelagerter Okklusion im äußersten Nordwesten. Auf einigen Inseln kommt es vorübergehend zu Böen der Stärke 7 Bft, auf Sylt auch zu teils stürmischen Böen Bft 8. Das Ausräumen der Kaltluft funktioniert freilich nicht im Hau-Ruck Verfahren und auch nicht ohne Störgeräusche, denn in der Nacht zum Samstag schiebt sich die mildere Luft zunächst über die bodennahe Kaltluft im Osten und mit Erreichen der Niederschläge (die verkümmernde vorlaufende Warmfront wird von der heranrauschenden Okklusion geschluckt) im Osten beginnen diese teilweise als Schnee, zum Teil aber auch als gefrierender Regen mit Glatteis. Die Modelle sind sich mittlerweile dahingehend einig, dass bis zum Samstagmorgen auch der äußerste Osten und Südosten von den Niederschlägen erfasst wird. Die Schneephase wird insgesamt nur schwach und sehr kurz simuliert. Was das Glatteis angeht, sind zwar unwetterartige Entwicklungen etwa östlich einer Linie Ostholstein-Harz-Schwäbische Alb aufgrund der vielfach gefrorenen Böden und teilweise fehlender oder nur sehr dünner Schneedecke nicht ausgeschlossen. Trotzdem erfolgt die Milderung mit auffrischendem Wind aus Süd bis Südwest ziemlich brachial, weshalb sich die Glatteisgefahr voraussichtlich nur auf wenige Stunden beschränkt. Flächendeckende markante Warnungen wird man aber mit ziemlicher Sicherheit brauchen. Zuvor gehen die Temperaturen eingangs der Nacht im Osten auf 0 bis -5°C zurück und steigen dann im Laufe der Nacht an. Um 06 UTC liegen die 2m Temperaturen nahezu landesweit schon im positiven Bereich, was natürlich auf den Belägen etwas verzögert durchschlägt. In der Westhälfte bleibt die Nacht mit +1 bis +7 Grad ohnehin frostfrei. Postfrontale Schauer, die teils bis in die Kammlagen als Regen fallen, sind mengen- und glättetechnisch als unkritisch einzustufen - eventuell allerdings der Auftakt zu einer sich wieder verschärfenden Hochwassersituation in der Folge - auch bedingt durch die Schneeschmelze. Direkt an der See sind einzelne Böen 7, vereinzelt 8 Bft wahrscheinlich, gleiches gilt für das höhere Bergland, vor allem exponiert sind dort 9 Bft, Brocken 10 Bft möglich. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Samstag ... keine wesentlichen Änderungen gegenüber der Frühübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Prognoserelevante Unterschiede sind kaum auszumachen. Alles weitere wurde bereits im Text erwähnt. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Robert Hausen