SXEU31 DWAV 031800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 03.05.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Der lockere Gewitter-Aufgalopp zum Maibeginn! Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... Trog Westeuropa ist Trumpf! Am heutigen Sonntag spielt zwar in weiten Teilen Deutschlands noch eine antizyklonale Südwestströmung die Hauptgeige, doch über Nordwest-, West und Südwesteuropa hat der Trog schon den Taktstock übernommen. Denn bodennah korreliert der bis nach Marokko südwärts amplifizierte Trog mit einer ausgeprägten Tiefdruckzone, die schon von Skandinavien bis zur Iberischen Halbinsel reicht. In diese eingebettet schlängelt sich von Schweden über die westliche Ostsee, die südliche und südwestliche Nordsee, Nord- und Westfrankreich bis nach Spanien ein Frontenzug, der mehrere Tiefs verbindet und kühlere Meeresluft polaren Ursprungs von subtropischer Luft trennt. Am heutigen Montag liegt Deutschland dabei noch komplett in der subtropischen Luft, die jedoch von Südwesten und Westen zunehmend feuchter wird. Von der Diabatik ist aber nicht viel bezüglich Hebungsimpulse und Gewitter zu erwarten. Die größte Labilität ist in der Südosthälfte zu verzeichnen, wo aber die antizyklonalen Bedingungen sowie die sehr trockene Luft jegliche Impulse unterbindet. Im Westen und Nordwesten, wo die feuchte Luft schon eingedrungen ist, ist die Schichtung eher stabil. Bleibt der Südwesten übrig, wo leicht labile Bedingungen herrschen und von der Höhe her auch etwas PVA mitmischt. Mit Unterstützung der Orografie reichen die Hebungsimpulse aus, um konvektive Niederschläge auszulösen. Vereinzelt sind auch Gewitter möglich. Aufgrund der noch recht trockenen Luft, spielt sich dort der Wind in den Fokus. Diverse Soundings zeigen trockene Füße (Inverse-V Strukturen). Entsprechend könnten sich bei Gewittern Downbursts ausbilden, die Sturmstärke (Bft 9) erreichen. Aufgrund der langsamen Verlagerungsgeschwindigkeit kann aber auch der Starkregen nicht völlig ausgeschlossen werden und sollte zumindest mit einem Auge beobachtet werden. Trotz fehlender Labilität ist die Hauptgewitteraktivität am heutigen Nachmittag und Abend im Nordwesten des Landes zu finden. Dort können sich der nahende Trog sowie entsprechende kurzwellige Anteile sowie konvergente, bodennaher Windbedingungen die Hebung anheizen. Die Folge sind recht langsam ziehende und beachtliche hohe Gewitterpakete. Bei PPW von 27 bis 33 mm steht der Starkregen im Vordergrund. Sowohl in kurzer Zeit als auch mehrstündig wird die Farbe Okker gebraucht. Regional können auch rote Flecken hinzukommen. So z.B. an der Nordsee, wo auch der VII-Werte von 30 bis 45 mm größeren Hagel von 2-3 cm zulässt. Der Wind spielt zwar nur die zweite Geige, darf aber nicht vernachlässigt werden. Bei den höher reichenden Zellen sind durchaus Sturmböen (Bft 9) möglich. Dazu kommt, dass durch teils gute Scherungsbedingungen im Nordwesten des Landes auch die Organisation der Zellen mitspielt und zeitweise Bogenstrukturen zaubert. Ansonsten werden wohl steife bis stürmische Böen (Bft 7-8) Standard sein. Während also die Westhälfte langsam die Pauken und Trompeten des Frühlings bzw. Frühsommers spürt, konnte sich der Osten und Südosten bei viel Sonnenschein und Temperaturen bis rund 30 Grad über Biergartenwetter erfreuen. In der Nacht ziehen die schauerartigen, anfangs teils auch gewittrigen Niederschläge im Norden ab und fallen im Südwesten in sich zusammen. Da das Land weiter im Warmsektor liegt, sinken die Temperaturen selbst bei Aufklaren nicht mehr so weit ab und liegen überwiegend zwischen 14 und 8 Grad, beachtliche Werte für Anfang Mai. Montag ... Am Montag geht das Gewitterorchester in die zweite Runde. Die Wetterlage bleibt nahezu unverändert. Das hochreichende Tief über Skandinavien kann sich weiter aufplustern und somit das Hoch weiter südostwärts schieben. Resultierend kann sich auch der Trog über Westeuropa ostwärts ausbreiten und bodennah schon weite Teile Deutschlands für sich einnehmen. In der Höhe wird aber noch ein anderer Takt angeschlagen. Dort können sich die antizyklonalen Bedingungen behaupten und teilweise sogar noch stärken. Das kräftige Tief gewinnt aber am Boden so viel Macht, dass es mit einer nördlichen Grundströmung auf der Westflanke die Luftmassengrenze südwärts verfrachtet. Während in den Norden allmählich etwas kühlere und trockene Luft einfließt, sorgen frontogenetische Impulse mit etwas PVA trotz Rücken für ausreichend Hebung, dass sich etwa von NRW und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen sowie Thüringen hinweg bis nach Sachsen-Anhalt teils kräftige schauerartige, teils gewittrige Niederschläge ausbreiten und vorübergehend sogar nochmals einen nördlichen Touch bekommen. Den genannten Hebungsimpulsen steht wie ebenfalls erwähnt die antizyklonale Strömung in der Höhe entgegen, wobei NRW schon auf der Rückseite des Rückenachse gelangt. Die Gewitter werden daher wohl am warmen Rand der Luftmassengrenze die Musik spielen und tendenziell mit weniger Lautstärke daherkommen. Entsprechend drängt sich auch der mehrstündige starkregen in die erste Reihe. Während sich für den stündlichen Starkregen 10 bis 40% des ICON D2 EPS (Unwetter 5 bis 20%) aussprechend, zeigen über sechs Stunden schon 20 bis 80% Starkniederschläge im Okker- und 10 bis 40% im Unwetterbereich an. Aufgrund fehlender Scherung und nur geringen Höhenwinden, muss sich der Wind hinten anstellen und erreicht wohl nur steife, lokal stürmische Böen. Cape-Werte von 200 bis 800 J/kg lassen bei kräftigen Zellen zumindest mal kleineren Hagel zu. Zu mehr fehlt wohl der Antrieb. Anders sieht es im Südosten und dort vor allem am Alpenrand aus. Dort werden die stärksten Labilitäten erwarten, die aber natürlich gegen den Rücken ankämpfen müssen. Dennoch reicht die leichte Anfeuchtung aus, etwas Cape aufzubauen. Mit Unterstützung der Orografie kann es also für einzelne Gewitter klappen. Aufgrund geringer Verlagerungstendenzen ist dann ebenfalls der (mehrstündige) Starkregen ein Thema, durch die trockene Grundschicht (Inverse-V) sollten aber auch die Sturmböen im Fokus bleiben. Bei den Temperaturen macht sich im Norden bei Werten von 14 bis 19 Grad schon die kühlere Luft bemerkbar. Sonst lässt die subtropische Luft die Werte auf 19 bis 25 Grad, mit viel Sonnenschein im Südosten nochmals bis 29 Grad ansteigen. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC Dienstag ... kann das hochreichende Tief über Skandinavien mit der kräftigen Nordströmung auf der Westflanke die Luftmassengrenze wenn auch langsam weiter nach Süden schieben. Tagsüber ist bevorzugt ein streifen über die Mitte betroffen, wobei im Umfeld von Mosel und Main sowie südlich davon die Gewittergefahr am höchsten ist. Bei länger anhaltenden schauerartigen, teils gewittrigen Niederschlägen ist auch der mehrstündige Starkregen erneut ein Thema. Trotz aller Unsicherheiten bezüglich der genauen Lage der Luftmassengrenze und somit Verschmieren des EPS, werden dort (ICON D2 EPS) schon 5 bis 15, lokal bis 25% für Starkregen (Okker) und lokal bis 20% für Unwetter abgebildet. Der Süden soll stand heute weiter nur von einzelnen Gewittern getroffen werden. Der Norden liegt je nach Modell mehr oder weniger in der trockenen und stabilen Luft. Aufgrund des auflandigen Windes an der Nordsee sind dort aber einzelne steife Böen zu verzeichnen. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Bis Dienstagabend zeigen alle Modelle ein recht konsistentes Geopotential- und Luftdruckmuster sowie resultierend eine vergleichbare Niederschlagsverteilung. Bei den niederschlagsschwerpunkten gibt es allenfalls kleinere räumliche Verschiebungen. Bei der Einordnung der Intensität schlägt das hochaufgelöste und Gewitter auflösende ICON-D2 die anderen, schlechter aufgelösten Modelle. Das Kachelmann HD zeigt dagegen vergleichbare Ergebnisse. Ab der Nacht zum Mittwoch gibt es zunehmend Abweichung in der räumlichen Einordnung der Luftmassengrenze. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Lars Kirchhübel