SXEU31 DWAV 170800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 17.06.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Übergang zu SWa Heute im Südosten einzelne markante Gewitter nicht ausgeschlossen und noch angenehm temperiert, lediglich im Südwesten um oder knapp über 30 Grad. Ab morgen von Südwesten heiß mit rasch zunehmender Wärmebelastung. Am Freitag zunächst im Nordwesten/Norden, später auch im Westen sowie im südwestdeutschen Bergland und an den Alpen vereinzelte Gewitter mit Unwetterpotenzial (v.a. wegen Hagel und Starkregen). Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Mittwoch... steht ein ruhiger Wettertag ins Haus. Verantwortlich dafür ist ein Höhenrücken, der, eingebettet zwischen umfangreichen Langwellentrögen über Nordost- bzw. Osteuropa und dem mittleren Nordatlantik (Drehzentrum südlich von Island) langsam über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts wandert. Im Bodenfeld stützt der Rücken eine von den Azoren über Frankreich und Mitteleuropa bis nach Südosteuropa reichende Hochdruckzone ("GORGIAS"), die sich vor allem über dem Süden Deutschlands noch ein wenig verstärken, aber lediglich im Südwesten auch ihre volle Wirkung entfalten kann. Dort beginnt der Tag bereits überwiegend sonnig und auch im Tagesverlauf zeigen sich nur lockere, meist mittelhohe Wolkenfelder. Ansonsten wird der Rücken überlaufen von WLA, die diesen aber wiederum stützt, wodurch er in weiterer Folge über Frankreich regeneriert. Klassischerweise geht die WLA im Bodenfeld mit der Passage einer Warmfront des Tiefs "TARA" südlich von Island einher, die bis zum Abend, abgesehen vom äußersten Osten, den gesamten Norden bzw. die Mitte des Landes überquert hat. Bereits im Vorfeld machen sich dichtere Wolkenfelder vor allem vom Nordwesten bis zur Mitte bemerkbar, hier und da, insbesondere im nördlichen Niedersachsen, regnet es dann im Warmsektor auch leicht (dort 1 bis 3 l/m² bis zum Abend, sonst sind es meist nur wenige Tropfen bis 0,5 l/m²). Die Kaltfront des Tiefs wird durch den sich wieder regenerierenden und aufwölbenden Rücken über der Nordsee blockiert, verwellt dort und wird uns bis auf Weiteres nicht tangieren. Somit kann sich landesweit warme, aber auch eine mit einem hohen Gehalt an niederschlagbarem Wasser ausgestattete Luftmasse aus dem Raum der Biskaya durchsetzen. Vor allem im Nordwesten zeigen die Prognose eine zeitweise bis 600 hPa hochreichend nahezu feuchtegesättigte Luftmasse, die PPWs steigen im Warmsektor im Nordwesten und in der Mitte auf 35 bis nahe 40 mm. Etwas weniger feucht ist die Luftmasse im Südwesten, wo das Absinken unterm Rücken dämpfend wirkt. Somit stehen heute fast im gesamten Land keine warnrelevanten Wetterereignisse auf der Agenda. Eine Ausnahme gibt es dennoch: Im äußersten Süden und Südosten ist die Luftmasse im Tagesverlauf hochreichend labil geschichtet, dabei kann mit der hoffentlich noch stattfindenden Einstrahlung (aktuell halten sich dort noch dichtere Wolkenfelder) im südlichen Alpenvorland, an den Alpen und auch im Bayerwald (dort scheint bereits die Sonne) mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden. Auch, wenn die Konvektion erlaubenden Modelle (I-D2, insbesondere aber auch die I-RUC-Läufe) dort aktuell sehr defensiv aufgestellt6 sind, können mit Hilfe der Orographie einzelne Gewitter mit Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen am Nachmittag und Abend nicht ausgeschlossen werden. Der sich verstärkende Rücken wirkt dem allerdings natürlich auch dort entgegen. Im Südwesten bekommt die Luftmasse bereits einen zunehmend subtropischen "Touch", die Temperatur in 850 hPa steigt dort bis zum Abend auf 16/17 Grad. Nach Nordosten zu werden es immer weniger, in Vorpommern und in Ostbrandenburg bleibt es noch unter 10 Grad. Entsprechend ergeben sich Maxima zwischen 21 und 24 Grad unter den dichteren Wolken im Norden und Osten (an den Küsten teils auch darunter), sonst zwischen 24 und 29 Grad, in Südbaden und im Oberrheingraben werden die 30 Grad dagegen bereits überschritten. In der Nacht zum Donnerstag setzt sich die Regenerierung des Rückens über Frankreich weiter fort, was auch über dem Vorhersagegebiet mit einem Geopotenzialgewinn einhergeht. Entsprechend kann sich die Hochdruckzone weiter verstärken und nach Norden ausweiten, über dem Alpenraum bildet "GORGIAS" vorübergehend eine eigenständige Hochdruckparzelle aus mit einer 1025 hPa-Isobare. Die Warmfront von Tief "TARA" überquert nun auch rasch die Osthälfte mit ein paar Regentropfen und nachdem spätestens am Abend auch die eventuellen Schauer/Gewitter im Südosten Geschichte sind, bleibt es in der zweiten Nachthälfte wohl landesweit trocken. Dennoch trocknet die Luftmasse durch das Absinken unter dem sich verstärkenden Rücken vor allem im Norden und Osten nur langsam ab, so dass es dort vielerorts wolkig bis stark bewölkt bleibt. Im Südwesten und Süden klart es hingegen zunehmend auf, im Übergangsbereich zur feuchteren Luft kann sich am ehesten in der Mitte auch gebietsweise Nebel bilden. Die Nacht fällt nochmals halbwegs angenehm temperiert aus. Bei klarem Himmel kühlt es im Südosten und Süden auf 15 bis 10 Grad ab. Sonst, auch an Hoch- und Oberrhein, liegen die Minima meist zwischen 19 und 14 Grad. Donnerstag... kommt der Höhenrücken nur wenig nach Osten voran und wölbt sich sogar noch etwas auf, so dass landesweit Absinken dominiert. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt langsam nach Ost- bzw. Südosteuropa und wird ein wenig abgebaut, so dass wir an dessen "heiße" Westflanke geraten. Somit wird der Weg frei für Subtropikluft aus Südwesteuropa. Bis zum Abend steigt die Temperatur in 850 hPa auf Werte zwischen 12 Grad über Rügen und 21 Grad ganz im Südwesten. Vor allem über der Südwesthälfte geht diese Erwärmung mit einer deutlichen Labilisierung der Luftmasse einher, dennoch ist sie unterm Rücken durch das Absinken so stark gedeckelt, dass es auch im Schwarzwald und an den Alpen kaum für Konvektion reichen dürfte. Falls (dann sehr überraschend aus aktueller Sicht) doch, gehen die Gewitter mit Starkregen und Hagel einher, sollten aber noch markanten Warnkriterien genügen. Während es im Norden und Nordosten durch die WLA noch gebietsweise bewölkt bleibt, scheint ansonsten häufig die Sonne, im Südwesten auch von einem wolkenlosen Himmel. Durch die Überhitzung etabliert sich über Frankreich bereits eine flache Tiefdruckrinne, die sich Richtung Ärmelkanal und Belgien ausweitet. I-D2 und auch das französische AROME simulieren dort am Nachmittag und Abend auch Auslöse, was durchaus wahrscheinlich ist, zumal eine hauptsächlich im IPV-Feld auszumachende flache Störung dort zum Abend hin auch für einen geringen dynamischen Hebungsinput sorgen dürfte. Bei durchaus günstigen Scherungsbedingungen, 500 bis über 1000 J/kg Cape und PPWs um 40 mm sind auch Superzellen nicht ausgeschlossen und in weiterer Folge die Organisation zu einem MCS. Dieses sollte bis zum Abend das Vorhersagegebiet aber noch nicht tangieren. Somit stehen die Temperaturen eindeutig im Fokus, die nun vor allem auch in der Mitte und im Norden einen deutlichen Sprung nach oben machen. 23 bis 28 Grad stehen in Norddeutschland wohl auf der Karte, an den wenigen Küstenabschnitten mit auflandigem Wind bleibt es etwas frischer. In der Mitte sind es 28 bis 32 Grad, in der großen Südhälfte heiße 30 bis 35 Grad, am Oberrhein auch knapp 36 Grad. In der Nacht zum Freitag umläuft die oben angesprochene schwache Störung bzw. das IPV-Maximum den Rücken und überquert den Nordwesten und Norden Deutschlands ostwärts. Der Druckfall über dem Vorhersagegebiet setzt sich abgeschwächt weiter fort, von Benelux her weitet sich die Bodenrinne noch ein wenig Richtung West- und Nordwestdeutschland aus. Somit kommen auch das MCS - sollte es denn eines geben - bzw. die Gewitter über Benelux nach Osten voran und dürften zumindest noch den Nordwesten Deutschlands erfassen. Genügend MU-Cape (um 500 J/kg) steht dort noch zur Verfügung, zudem dürfte ein MCS auch eine gewisse Eigendynamik entwickeln und bis weit in die Nacht bzw. bis in die Frühstunden überleben. AROME und SuperHD haben dieses Szenario tatsächlich auf der Agenda, I-D2 simuliert nur schwache Niederschlagssignale und lässt die Gewitteraktivität westlich von uns über Belgien und den südlichen Niederlanden. Wie auch immer - im Falle des Falles steht vor allem der Starkregen als Begleiterscheinung auf der Agenda, durchaus auch bis in den Unwetterbereich angesichts der PPWs von über 35 mm. Hagel kann natürlich auch mit von der Partie sein - für größeren Hagel fehlt es an Scherung und Cape. Angesichts der nächtlichen Stabilisierung der Grundschicht spielt der Wind wohl eine eher untergeordnete Rolle. Im Rest des Landes verläuft die Nacht dagegen ruhig. Generell bleibt es im Norden bewölkter als im Südwesten und Süden, wo der Himmel vielerorts klar ist. Die Luft wird unter dem starken Deckel insgesamt feuchter, was die Nacht unangenehmer gestaltet. Im Westen und Südwesten werden die 20 Grade vor allem in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen nicht mehr unterschritten, Minima von 22 Grad sind durchaus gebietsweiser möglich. Am angenehmsten wird es noch bei klarem Himmel im Osten und Südosten, wo nochmals die 15 Grad unterschritten werden, in höher gelegenen Mittelgebirgstälern geht es vielleicht auch auf nahe 10 Grad runter. Überall anders pendeln sich die Minima irgendwo dazwischen ein. Freitag... kann ein erster, etwas kompetenterer Randtrog auf das westliche Mitteleuropa übergreifen, wodurch die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ein wenig aufsteilt, die Rückenachse aber nach wie vor kaum nach Osten vorankommt und das Grundmuster somit antizyklonal bleibt. Im Bodenfeld verstärkt sich die Tiefdruckrinne über Frankreich und Benelux tagesgangbedingt und lässt sich nun auch in den Global- bzw. Regionalmodellen deutlich ausmachen. Im Tagesverlauf weitet sie sich bis ins Vorhersagegebiet aus, was vor allem im Westen und Nordwesten des Landes anhand einer Feuchteflusskonvergenz und deutlich steigender Cape (1000 bis über 2000 J/kg) bzw. PPWs (35 bis 40 mm) bemerkbar macht. Die großräumige Scherung bleibt in Achsennähe nur schwach, mit auf Südost rückdrehenden Bodenwinden kann lediglich erhöhte bodennahe Richtungsscherung generiert werden. Wie der Tag konvektionstechnisch nun im Detail abläuft, hängt natürlich auch von einem eventuellen nächtlichen/morgendlichen MCS und dessen Outflow-Boundaries ab. SuperHD lässt beispielsweise den morgendlichen MCS über Nordwestdeutschland im Tagesverlauf langsam um den Rücken herum ost-, später südostwärts ziehen, wobei er sich zunächst etwas abschwächt, nachmittags/abends aber über Brandenburg wieder verstärkt. An dessen nach Süden auslaufender Outflow Boundary kann dann eventuell mit Hilfe der Orographie neue Konvektion, am ehesten im Bereich der Mittelgebirge, getriggert werden, die aktuell noch nicht in den Modellen auftaucht. Unter der Tiefdruckrinne bleibt die Luftmasse zunächst noch stark gedeckelt, am späten Nachmittag und Abend könnten dann aber von Benelux her ein weiteres MCS bzw. neue Gewitter auf NRW und den Westen Niedersachsens übergreifen. Als Begleiterscheinungen steht in erster Linie der Starkregen im Fokus, da die Systeme zumeist nur langsam ziehen. Unwetter, selbst bis in den extremen Bereich (über 40 mm in kurzer Zeit) sind möglich. Auch Hagel kann angesichts der hohen Cape vor allem im Westen/Nordwesten Unwetterpotenzial erreichen. Sturmböen, auch schwere sind bei organisierten Systemen denkbar. Gewitter können sich mit Hilfe der Orographie auch im Schwarzwald und am Alpenrand entwickeln mit ähnlichen Begleiterscheinungen. Punktuell sind somit durchaus Unwetter zu erwarten, eine großräumigere Unwetterlage steht dagegen nicht auf der Agenda. Die meisten Regionen gehen eh leer aus. Die tropisch anmutende Luftmasse mit lokal hohen Taupunkten (in der Nordwesthälfte örtlich um oder knapp über 20 Grad) weitet sich nun landesweit aus mit 850 hPa-Temperaturen zwischen 16 Grad im Nordosten und 21 Grad im Süden/Südwesten. Während es im Norden eher bewölkt bleibt, scheint sonst häufig die Sonne und kann die Luftmasse auf verbreitet 30 bis 35 Grad, vom Südwesten bis in die Mitte örtlich bis auf 37 Grad erwärmen. Etwas angenehmer bleibt es lediglich an den Küsten sowie im Norden Schleswig-Holsteins. Über die Gewitteraktivität in der Nacht zum Samstag lässt sich - abhängig davon, was tagsüber geht - aktuell nur spekulieren. Die orographisch getriggerte Konvektion im Südwesten und an den Alpen sowie im Bereich einiger Mittelgebirge dürfte aber im Laufe der Nacht langsam zum Erliegen kommen. Anders dagegen im Westen und Nordwesten, die auf die Vorderseite des langsam über Frankreich und Benelux hinwegziehenden flachen Randtroges geraten, morgens erfasst er eventuell bereits den äußersten Westen des Landes. Somit ist davon auszugehen, dass die Gewitteraktivität dort nachts mehr oder weniger andauert und sich vielleicht auch noch etwas nach Osten, in die mittleren Landesteile ausweitet. Die Scherungsbedingungen verbessern sich nur wenig, allerdings entwickeln die konvektiven Systeme durchaus eine gewisse Eigendynamik und MU-Cape steht sowieso genügend zur Verfügung. Somit sind Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich nach wie vor denkbar, vor allem in punkto Starkregen, anfangs aber auch Hagel. Dennoch gehen die meisten Regionen erneut leer aus und somit bleibt die Nacht fast überall, abgesehen vielleicht vom Südosten, unangenehm warm. Vielerorts werden die 20 Grad nicht mehr unterschritten, vor allem nicht in den Ballungszentren und in mittleren Höhenlagen. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle fahren bis Freitag einen einheitlichen Kurs. Über den genauen Ablauf der konvektiven Erscheinungen, die punktuell am Freitag durchaus Unwetterpotenzial aufweisen, lässt sich derweil nur spekulieren. Eine großräumige Unwetterlage dürfte dennoch nicht ins Haus stehen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff