SXEU31 DWAV 151800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 15.05.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Kühl und wechselhaft mit einigen Lichtblicken. Am Sonntag im Osten und Süden sonnig oder nur locker bewölkt und etwas wärmer. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland nach wie vor unter einem extrem langgestreckten, mit reichlich Höhenkaltluft angefüllten Potenzialtrog. Er reicht vom Nordpolarmeer bis hinunter zum westlichen Mittelmeer respektive der Iberischen Halbinsel, wo er vom weit nach Süden verschobenen, über den gesamten Mittelmeerraum verlaufenden Polarjet begrenzt wird. Das leicht elliptisch konfigurierte, quasistationäre Drehzentrum (532 gpdam auf 500 hPa) befindet sich unweit der Südspitze Norwegens (wahrscheinlich knapp offshore), wo es mit DOREEN zusammenarbeitet. DOREEN markiert das korrespondierende Bodentief, das auf seiner Rückseite instabil geschichtete maritime Polarluft mP (bei uns T500 -24 bis -29°C über T850 -1 bis +3°C) südwärts und mithin auch in den Vorhersageraum steuert. Kein Wunder also, dass auch heute wieder eine der Jahreszeit entsprechend rege konvektive Aktivität mit zahlreichen Schauern und einzelnen Gewittern zu verzeichnen war. Auffällig dabei ein relativ schmaler, bogenförmiger Streifen, der sich am frühen Nachmittag (auch heute Abend in Teilen noch erkennbar) vom Seegebiet zwischen Schweden und Dänemark über Nord- und Westdeutschland bis in die südliche Bretagne erstreckte. Während es "links und rechts" davon ordentlich geblubbert hat, gab es in dem Streifen deutlich weniger Quellbewölkung und kaum Schauer. Ursächlich dafür könnte ein schmales NVA-Maximum in Verbindung mit einem sehr flachen, rückseitig des Troges sehr langsam südwärts wandernden Höhenkeils gewesen sein, der vermehrt Absinken sowie das Runtermischen trockener Stratosphärenluft induziert haben könnte. Aus der Remote-Sensing-Perspektive jedenfalls ein bizarres und nicht alltägliches Bild. Widmen wir uns nun der kommenden Nacht zum Samstag, in der sich DOREEN geringfügig auffüllt von etwas unter auf etwas über 995 hPa. Dadurch weicht der Gradient über der Nordsee ein wenig auf, was dort eine Abnahme des westlichen Winds zur Folge hat. Allerdings ist diese nur von kurzer Dauer, weil Druckanstieg über dem deutschen Festland den Druckanstieg im Tief überkompensiert und dadurch dem Gradienten eine baldige Frischzellenkur verpasst. Kurzum, bis zum Morgen legt der Westwind auf und an der Nordsee wieder zu mit Spitzen Stärke 7 Bft. Darüber hinaus muss rund um die Nordsee auch mit weiteren Schauern gerechnet werden. Zwar ist das Meerwasser alles andere als warm, doch es genügt, um in der kalten und labil geschichteten Luft des Nachts einen ausreichenden diabatischen Input zu leisten. Ganz anders hingegen die Situation im Binnenland, wo sich verbreitet die klassische nächtliche Stabilisierung durchsetzt, welche die Schauer/Gewitter mehr und mehr in die Knie zwingt. Lediglich über einigen Mittelgebirgen treten in der zweiten Nachthälfte staubedingt noch ein paar wenige Schauer auf. Ansonsten verläuft die Nacht vielerorts wolkig, gebietsweise auch gering bewölkt oder klar Die Wahrscheinlichkeit für Luftfrost ist ziemlich gering, für leichten Bodenfrost in den Aufklarungsgebieten aber durchaus gegeben. Blieben abschließend noch der Alpenrand und das südliche Alpenvorland zu erwähnen, die zwar auch unter dem in seinem Südteil langsam ostwärts schwenkenden Trog liegen, dafür aber von einem anderen Bodentief gemanagt werden. Die Rede ist von GISELA, einem Tief südlich der Alpen, aus dem eine klassische van-Bebbersche Vb-Zyklone hätte werden können. Wird es aber nicht, weil das Tief nicht unter die steuernde süd-südwestliche Höhenströmung der Trogvorderseite gelangt. Stattdessen tropft der Trog spätestens zum Sonntag hin ab und macht mit GISELA gemeinsame Sache, indem beide in Richtung Schwarzes Meer tendieren und somit nach van Bebber eher auf Vc/d-Route unterwegs sind. So viel zum akademischen Part, nun zum Impact. Der generiert sich aus Hebungsprozessen, die ausgehend vom Tief über den Alpenhauptkamm nordwärts bis in den südlichsten Süden Süddeutschlands ausgreifen. Gegenstrom (unten West bis Nordwest, oberhalb rund 600 hPa auf südliche Richtungen drehend) und etwas Stau bedingen teils länger andauernde Niederschläge, derer 12h-Raten zwischen 5 und 15, in einigen Staulagen bis zu 25 l/qm liegen. Die Schneefallgrenze sinkt auf unter 1500 m, bei entsprechender Intensität stellenweise sogar gegen 1000 m. Oberhalb etwa 1500 m kommen bis zum Morgen 5 bis 10, im Hochgebirge bis zu 20 cm Neuschnee zusammen. Und damit herzlich Willkommen im Frühling 2026! Samstag ... bleibt uns die Troglage erhalten. Zwar macht der Trog in seinem Südteil weiter Boden nach Osten hin gut, wo er sich auf den anstehenden Cut-Off vorbereitet. Gleichzeitig wird er aber von einem von Nordwesten hereinlaufenden KW-Anteil am Leben gehalten. Allerdings ist die darin enthaltene Polarluft nicht mehr ganz so höhenkalt wie zuvor, so dass auch die Labilität schwächer wird. Das wiederum hat zur Folge, dass die Schauer- und Gewitterneigung abnimmt, wenn auch regional unterschiedlich. Am wenigsten Konvektion dürfte es morgen von der Mitte bis in die östlichen und nordöstlichen Landesteile geben, wo zudem die größten und längsten Sonnenfenster erwartet werden. Hier macht sich ein Stück weit auch YGGLEV bemerkbar, seines Zeichens keilförmiger Abgesandter des berühmten Azorenhochs, der sich von Frankreich her bis in unsere Gefilde vorwagt. Wenn man so will treibt YGGLEV im wahrsten Sinne des Wortes einen Keil zwischen DOREEN, die weiterhin ihre Kreise um Südnorwegen herumzieht und GISELA, die sich allerdings zusehends in Richtung Balkan verabschiedet. Erstere hetzt vor allem dem Norden und Nordwesten noch ein paar Huschen auf den Hals, während Letztere in ihrem Schlepptau den Süden mit Schauern versorgt. Auch an den Alpen nehmen die Niederschläge zunehmend konvektiven Charakter an, wobei die Schneefallgrenze wieder auf etwa 1500 m ansteigt. Da die polare Luftmasse weiterhin recht trocken ist, gleichzeitig aber an Labilität einbüßt, nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit gegenüber heute ab. Für wesentlich mehr als vereinzelte gewittrige Schauer oder "gelbe" Kurzzeitgewitter (Graupel, max. Böen 7 Bft) im Süden und Nordwesten dürfte es nicht mehr reichen. Reichen dürfte es auch nicht, den Wind bei uns nennenswert anzukurbeln. Einzig am Nordrand des Hockeils bleibt der Gradient leidlich aufgestellt, was von der Nordsee über den Norden von SH bis hinüber nach Fehmarn Böen 7 Bft, an der nordfriesischen Küste auch mal 8 Bft aus westlichen Richtungen zur Folge hat. An der Küste MVs werden wohl u.a. auch wegen der Windrichtung (eher Südwest) kaum steife Böen 7 Bft auftreten. Thermisch wird weiterhin gekleckert statt geklotzt. Meint, mehr als 12 bis 17, ganz im Süden, im Bergland sowie an Küstenabschnitten mit auflandigem Wind 8 bis 12°C, stehen nicht auf dem Zettel. In der Nacht zum Sonntag zieht der Trog bzw. der Rest, der davon noch übrig ist (wir erinnern uns, über der Adria oder knapp östlich davon kommt es zum Cut-Off) ostwärts ab. Es folgt ein flacher Rücken, der aber von WLA überlaufen wird, welche bereits den nächsten Trog vom nahen Atlantik ankündigt. Dieser wird angeführt von der nur schwach ausgeprägten teilokkludierten Kaltfront des Tiefs HENRIETTE, das sich rinnenartig von der Irminger See in Richtung Schottland ausweitet. Bevor die Tentakeln von HENRIETTE hier anfangen zu greifen, geht es erst einmal in die andere Richtung. Heißt, abnehmende Schauertätigkeit und teilweise Aufklaren, vor allem nach Osten und Süden hin. Dort ist dann punktuell auch nochmal leichter Luft- und gebietsweise Bodenfrost drin. Im Westen hingegen verdichten sich die Wolken in der zweiten Nachthälfte bereits wieder und nachfolgend setzt zum Morgen hin gebietsweise leichter Regen ein. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC Sonntag ... zeigt der neue Lauf von 12 UTC kaum Abweichungen gegenüber den Vorläufen. Vielleicht 1-2 Millimeter mehr Regen im Westen im Vergleich zur 00-UTC-Version, was den Kohl aber nicht wirklich fett macht. Von daher gelten die Ausführungen der heutigen Frühübersicht und in nicht mal 18 Stunden folgt schon die nächste - wie immer fundiert und kostenlos. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Abgesehen von den genauen Niederschlagsmengen an und in den Alpen halten sich die Modellunterschiede sehr in Grenzen. Auch an den Alpen besitzen sie keine Warnrelevanz, weil es für markanten Dauerregen nicht reicht und vor Schneefall ausreichend gewarnt wurde. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann