SXEU31 DWAV 061800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Montag, den 06.07.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: WIND/STURM: Heute an der See frischer West- bis Nordwestwind, exponiert Bft 8 (bis 70 km/h). Nach vorübergehender Windabschwächung ab Dienstagfrüh vor allem an der Nordsee stürmische Böen (Bft 8). Auf dem Brocken Sturmböen (Bft 9). Dienstag tagsüber besonders entlang und südlich des Mains auffrischender Westwind, exponiert mit einzelnen stürmischen Böen. An der See und im Bergland Sturmböen Bft 8/9, auf dem Brocken schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10) aus West. Im Nordosten am späten Nachmittag und Abend mit Kaltfrontpassage an der See vermehrt Sturmböen Bft 8/9. Dann auch auf Rügen einzelne schwere Sturmböen bis 95 km/h (Bft 10) aus West bis Nordwest nicht ausgeschlossen. In der Nacht an der Ostseeküste sowie das östliche Bergland weiterhin Sturmböen Bft 8/9 aus West bis Nordwest. Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt Deutschland am Rande eines Langwellentroges, der sich vom Nordmeer bis in den Schwarzmeerraum erstreckt. Über dem nahen Nordatlantik ist ein breiter Höhenrücken zu finden, der sich infolge Warmluftadvektion noch etwas aufwölbt. Somit ergibt sich eine nordwestliche Strömung mit einer ausgeprägten wetter- und temperaturtechnischen Staffelung zwischen dem Südwesten und dem Norden und Nordosten Deutschlands, wobei letzterer noch von den Resten einer schwachen Warmfront gestreift wird, was in diesen Gebieten etwas Regen zur Folge hat. Bedingt durch die Nähe zur Frontalzone gibt es an der Küste Windböen Bft 7, exponiert sind einzelne stürmische Böen nicht auszuschließen. Im Westen und Süden macht sich der Keil eines Azorenhochs mit Absinken bemerkbar, was dort zu größeren Auflockerungen führt. Leicht labile Luft hält sich nur im Südosten Deutschlands, für Gewitter hat es jedoch bisher nicht gereicht. In der Nacht zum Dienstag wird mit der Ostverlagerung der Warmfront der Gradient etwas auseinandergezogen, so dass auch an der Küste der Wind weitgehend abflaut und nur noch einzelne Windböen Bft 7 auftreten. Ausgangs der Nacht gelangt jedoch der Norden Deutschlands an die Südflanke einer Warmfrontwelle, aus der sich über dem Oslofjord ein Tief zu entwickeln beginnt. Hierdurch zieht der Gradient erneut an, wodurch an der See dann vermehrt Wind- und auch einzelne stürmische Böen aufkommen. Zudem greifen auf den Norden und Nordosten auch wieder Niederschläge über, die jedoch fernab von jeglicher Warnrelevanz sind. In den anderen Gebieten hält sich antizyklonaler Einfluss. Warmluftadvektion lässt auch dort mehrschichtige Bewölkung aufziehen, ohne dass jedoch Niederschlag fällt. Dienstag ... schwenkt von der Norwegischen See kommend ein markanter Trog über Südnorwegen hinweg nach Südschweden. Durch diesen gelangt das Tief über dem Oslofjord in entwicklungsgünstige Position und intensiviert sich rasch bis zu einem Kerndruck unter 990 hPa und verlagert sich bis zum Abend nach Gotland. An dessen Südflanke erfolgt in stabil geschichteter Warmluft eine erneute Windzunahme, wobei Windböen Bft 7 bis weit ins nördliche und nordöstliche Binnenland ausgreifen können. Aufgrund mehrschichtiger Bewölkung, die in diesen Gebieten weitere skalige Niederschläge bringt, greift der Tagesgang nicht so recht, so dass stürmische Böen Bft 8 und exponiert einzelne Sturmböen Bft 9 auf die Küste und das Brockenplateau beschränkt sind. Im Westen und Süden sorgt Hochdruckeinfluss für größere Auflockerungen, wobei dort ebenfalls eine Gradientzunahme erfolgt. Südlich der Mainlinie bis etwa zu den Alpen dürfte auch in diesen Gebieten der Wind auffrischen, wobei tagesgangsbedingt Böen Bft 7, in freien Lagen sowie bei Anfälligkeit für Westwind auch einzelne stürmische Böen vorstellbar sind. Auf exponierten Berggipfeln sind Sturmböen Bft 8/9 nicht auszuschließen. Am frühen Abend erreicht die Kaltfront des nach Gotland ziehenden Tiefs die Küste. Sturmböen Bft 8/9 sind mit Frontpassage an der Küste wahrscheinlicher als zuvor, an der Ostseeküste Vorpommerns sind einzelne schwere Sturmböen nicht auszuschließen. In Frontnähe sind bis weit ins nördliche und nordöstliche Binnenland hinein Wind- und stürmische Böen Bft 7/8 vorstellbar. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen im Norden 18 bis 24, in der Mitte 25 bis 30 und im Westen und Süden 29 bis 34 Grad, wobei es entlang vom Oberrhein am wärmsten wird. In der Nacht zum Mittwoch erreicht das zu dem nachfolgenden Trog weiterhin günstig liegende Tief den Höhepunkt seiner Entwicklung und hat mit einem Kerndruck von ca. 985 hPa (!) in der Region Kaliningrad seinen Landgang. Danach beginnt sich dieses Tief rasch aufzufüllen. Vom Sturmfeld dieses Tiefs bleibt das Vorhersagegebiet weitgehend verschont. Im Binnenland ist, abgesehen vielleicht von exponierten Kamm- und Gipfellagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge, der Wind bereits ab Mitternacht nicht mehr warnrelevant. An der Nordsee reicht es dann nur noch für Windböen Bft 7, auf Sylt vielleicht für die eine oder andere stürmischer Böe. An der Ostsee sind jedoch weiterhin Sturmböen Bft 8/9 zu erwarten, wobei bis Mittwochfrüh auch dort der Wind schwächer wird und nur noch einzelne Wind- und an der Vorpommerschen Küste stürmische Böen auftreten. An der Nordsee ist dann, abgesehen von der Nordfriesischen Küste, der Wind nicht mehr warnrelevant. Mit dem Vordringen der Kaltfront in Richtung der Mittelgebirgsschwelle wird diese zusehends von Kaltluftadvektion überlaufen, so dass mit Frontpassage keine nennenswerten Niederschläge mehr zu erwarten sind. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC Mittwoch ... greift der Höhenrücken unter weiterer Aufwölbung auf Westeuropa über und wandelt sich dabei in einen breiten Höhenkeil um. Trogtief und Sturmtief weisen dann über den Baltischen Staaten zusehends eine achsensenkrechte Lage auf, wodurch sich das dortige Sturmtief rasch auffüllt. Hierdurch weicht auch an der Küste der Gradient auf. Zwar kann tagesgangsbedingt der Wind vor allem an der Ostsee noch einmal aus Nordwest mit Böen Bft 7 und exponiert mit einzelnen Böen einer unteren Bft 8 auffrischen. Selbiges gilt für exponierte Höhenlagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge. Zum Abend hin flaut der Wind jedoch merklich ab. Von Südwesten und Süden her verstärkt sich der Hochdruckeinfluss. Auch postfrontal, d.h. in den östlichen Landesteilen, erfolgt Absinken. Größere Auflockerungen, im Südwesten dann auch längere sonnige Abschnitte, sind dann die Folge. Während im Norden und in der Mitte Deutschlands 19 bis 24 Grad zu erwarten sind, erwärmt sich die Luft im Westen und südlich der Mittelgebirgsschwelle auf 25 bis 30, am südlichen Oberrhein bis 32 Grad. In der Nacht zum Donnerstag rückt das Zirkulationsmuster unter leichter Verkürzung der Wellenlänge noch etwas nach Osten vor. Hierdurch weicht der Gradient auch im Nordosten Deutschlands vollends auf, so dass selbst an der Vorpommerschen Ostseeküste der Wind nicht mehr warnrelevant ist. Im Nordosten und Osten Deutschlands setzt Warmluftadvektion ein, die in Verbindung mit der schwachen Warmfront eines Islandtiefs steht und die schleifend in der steilen nordwestlichen Strömung liegt. Meist beschränkt sich deren Wetterwirksamkeit auf mehrschichtige Wolkenfelder, geringe Niederschläge zeichnen sich allenfalls im Erzgebirgsstau und am östlichen Alpenrand ab. Ansonsten bleibt es niederschlagsfrei. Im Westen und Süden Deutschlands klart es dann längere Zeit auf. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die vorliegenden Modelle stützen die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Thomas Schumann