SXEU31 DWAV 181800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 18.07.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Kommende Nacht bis Sonntagmittag im Nordwesten teils gewittriger Starkregen, Unwetter nicht ausgeschlossen. Im Süden und Südosten einzelne Gewitter mit Starkregen. Am Sonntag im Norden und Osten sowie im äußersten Südosten nochmals einzelne markante Gewitter. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland an der Südflanke eines Höhentroges über Skandinavien. Im Lee des Norwegischen Küstengebirges hat sich inzwischen in etwa über dem Oslo-Fjord ein kleines Höhentief abgespalten, an dessen Südwestflanke ein recht markanter kurzwelliger Randtrog im Laufe der Nacht von der Nordsee und Benelux her auf den Westen und Nordwesten Deutschlands übergreift. Trogvorderseitig steilt die zunehmend diffluente westsüdwestliche Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet vorübergehend auf, wobei der durch markante PVA getriggerte dynamische Hebungsantrieb nur teilweise durch die zunehmende Kaltluftadvektion kompensiert wird. Mit Trogpassage dreht sie dann morgens im Westen auf West bis Nordwest. Das vorderseitig des kleinen Höhentiefs platzierte Bodentief "CERRY" kann sich im laufe der Nacht noch etwas verstärken, auf etwa 997 hPa, und kommt über dem Süden Finnlands zögernd nordwärts voran. Von ihm ausgehend reicht ein Lee-Trog über Südschweden bis nach Jütland und darin eingebettet auch ein kleinräumiges Tiefdruckgebiet über Gotland. Im Laufe der Nacht kommt der Trog langsam südostwärts voran und erreicht morgens Schleswig-Holstein bzw. die Deutsche Bucht. Vorderseitig weht noch lebhafter West- bis Nordwestwind, wobei im Binnenland nachts keine warnrelevanten Böen mehr auftreten und lediglich an den Küsten noch steife Böen Bft 7 mit von der Partie sind. Mit Annäherung des Bodentroges nimmt der Wind auch an den Küsten vorübergehend ab, nur an dessen Westflanke, im Bereich der Emsmündung/Borkum, kann es - abhängig von der genauen Geometrie des Troges - eventuell noch steife Böen aus Nordnordwest geben. Wesentlich interessanter ist die Niederschlagsentwicklung im Bereich des Troges. In ihm eingebettet, befindet sich eine Okklusion mit um den Tiefkern geführte, abgehobene und instabil geschichtete Warmluft. Die PPWs steigen entsprechend in einem Streifen von der Deutschen Bucht bis an die Westküste Schleswig-Holsteins, vor allem aber auch im Bereich der Elbe- und Wesermündung bis weit ins Binnenland Niedersaschens hinein auf über 25 mm, dazu stehen mehrere 100 bis 500 J/kg MU-Cape zur Verfügung. Zusätzlich wird an der scharf konturierten Trogspitze über der Region noch ein kleinräumiger, aber recht markanter Hebungsinput generiert. Die Folge sind schauerartige, teils gewittrige Regenfälle in dieser Region, die sich von der Nordsee aus ausgangs der Nacht auch ins Binnenland, bis ins östliche Ostfriesland, in den Bremer Raum und zur Elbmündung ausweiten, teils von Gewittern begleitet werden und bis weit in den Sonntag hinein andauern. Dabei werden die Warnschwellen für mehrstündigen Starkregen (um 30 l/m² in 3 bis 6 Stunden sicherlich mehrfach überschritten, auch unwetterartige Mengen (über 40 l/m²) sind kleinräumig nicht ausgeschlossen. Mit dem nach wie vor böigen Nordwestwind bedeutet das eine durchaus ungemütliche Mischung für die vielen Camper in der Region morgen Früh und am Vormittag. Die Kaltfront von "Cerry" befindet sich aktuell in etwa über der südlichen Mitte des Landes und kommt mit dem Aufsteilen der Strömung mangels Schubkomponente im Laufe der Nacht zunächst kaum nach Südosten voran; im Gegenteil: Vor allem über dem Vogtland, Böhmen und Sachsen wird sie sogar ein wenig retrograd nach Norden gedrückt. Präfontal hat die überwiegend ungedeckelte Luftmasse über Süddeutschland durch das Entrainment trockenerer Luft von Norden her gegenüber gestern zwar deutlich an Wassergehalt und Energie verloren, ist aber nach wie vor potenziell instabil geschichtet mit PPWs über 25 mm und gebietsweise über 500 J/kg ML-Cape. Somit haben sich im Tagesverlauf vom Oberrhein bis ins nördliche Alpenvorland und weiter südlich erneut zahlreiche Gewitter entwickelt, deren Begleiterscheinungen aber überwiegend mit markant zu bewarnen waren. Nur vereinzelt wurden die Unwetterschwellen mal kleinräumig überschritten. Mit Annäherung der Trogachse wird in den kommenden Stunden nun auch die Kaltfront selbst wieder ein wenig aktiviert mit einzelnen Schauern und Gewittern, gebietsweise treten auch mal etwas flächiger schauerartige Regenfälle auf. Betroffen sind die Regionen von Rheinland-Pfalz und vom Saarland über Südhessen, Nordbaden und Franken und im Laufe der zweiten Nachthälfte dann auch nach Süden und Osten bis zum Schwarzwald, zur Schwäbischen Alb, nach Mittelfranken sowie nach Thüringen, Sachsen und das südliche Brandenburg ausweitend. Vereinzelt werden die Gewitter von Starkregen begleitet, gebietsweise ist auch mehrstündiger Starkregen nicht ganz ausgeschlossen. Weiter südlich klingen die Schauer und Gewitter im Laufe der Nacht dagegen ab, dann bleibt es dort meist trocken. Auch zwischen Kaltfront und den Niederschlägen im Norden, also in weiten Teilen Westdeutschlands, der Mitte und dem Nordosten verläuft die Nacht wettertechnisch ruhig und aufgelockert, teils auch gering bewölkt. Die Tiefsttemperaturen erreichen allgemein Werte zwischen 17 und 10 Grad. Sonntag ... verlagert sich das kleine Höhentief allmählich zur Südspitze Schwedens. Der kurzwellige Randtrog an dessen Südflanke schwenkt rasch über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts, gefolgt von einem weiteren, flacheren Kurzwellentrog, der abends den Westen/Nordwesten des Landes erfasst. Mit einer deutlichen Schubkomponente ausgestattet, nimmt die Kaltfront rasch an Fahrt auf und erreicht am späten Nachmittag die Alpen. Präfrontal kann es dabei vormittags und mittags im Süden und Osten Bayerns sowie in der Lausitz noch einzelne Schauer oder Gewitter geben, danach höchstens an den Alpen und im südlichen Vorland, wobei Starkregen und kleinkörniger Hagel als Begleiterscheinung nicht ausgeschlossen sind. Der Bodentrog kommt über Norddeutschland langsam südostwärts voran, das kleinräumige Tief nistet sich dabei unterhalb des Höhentiefzentrums über Südschweden ein, wobei es sich aber kaum auffüllt. An dessen Südwestflanke verschärft sich der Gradient über dem Norden und Osten Deutschlands noch ein wenig und vor allem in freien Lagen bzw. in Schauernähe gibt es steife, auf dem Brocken stürmische Böen oder vereinzelte Sturmböen. Nachmittags legt dann auch an der Ostsee der Wind weiter zu mit verbreiteten steifen Böen aus Nordwest. Die Okklusion mit den schauerartigen Regenfällen dringt mit dem Bodentrog weiter landeinwärts vor, allerdings verlieren die Regenfälle an Intensität und sind spätestens ab dem frühen Nachmittag auch im nordwestlichen Niedersachsen nicht mehr warnrelevant. Mit dem Trog und der diabatischen Erwärmung labilisiert die Luftmasse aber über der Nordosthälfte rasch und es entwickeln sich Schauer, die sich vom Nordwesten rasch auf die nördliche Mitte und die Osthälfte ausweiten. Bei mehreren 100 J/kg Vape kann es auch kurze Gewitter mit Graupel oder kleinkörnigem Hagel geben, Starkregen ist bei PPWs über 20 mm ebenfalls ab und zu mit von der Partie. Gebietsweise liegt durch den recht hohen Spread in der Grundschicht eine erhöhte D-Cape vor, so dass auch stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen in Gewitternähe auftreten können. Zwischen der Kaltfront im Süden und dem Trog im Norden herrscht kompensatorisches Absinken und nach West- und Südwestdeutschland schiebt sich ein recht kräftiger Bodenhochkeil. Die PPWs sinken in der Region sogar auf unter 15 mm. Entsprechend scheint vor allem dort bis in die mittleren Landesteile häufig die Sonne und es bleibt trocken. In 850 hPa schwanken die Temperaturen zwischen 4 Grad an der Nordsee und 10 Grad an den Alpen. Somit reicht es maximal am Oberrhein und in Südbaden knapp für einen Sommertag. Ansonsten liegen die Maxima zwischen 18 und 23 Grad. In der Nacht zum Montag interagiert der über Polen hinweg ostwärts schwenkende scharfe Kurzwellentrog an der Südflanke unseres Höhentiefs mit einem weiteren Bodentief über Ostpolen bzw. Weißrussland, welches sich wiederum deutlich verstärkt und morgens als kleinräumiges Sturmtief über Litauen aufschlägt. Dadurch wird aus dem Höhentief ein Dipol mit Drehzentren (morgens um 06 UTC) über dem Oderhaff und über Nordostpolen. Das kleine Bodentief über Südschweden kommt derweil bis zur Odermündung voran und füllt sich kaum auf. An dessen Westflanke nimmt der Wind im Ostseeumfeld noch etwas zu und es gibt dort auch einzelne stürmische Böen aus Nordwest bis Nord. Auch an der Nordsee, vor allem über dem Westteil der Deutschen Bucht, kann es steife Böen geben, ansonsten spielt der Wind warntechnisch aber wohl keine Rolle mehr. In der Peripherie des Höhentiefs bleibt die Luftmasse im Nordosten labil geschichtet und es gibt dort weitere Schauer sowie einzelne Gewitter, insbesondere an der Ostseeküste im Bereich eines quasistationären Bodentroges bzw. einer Art Küstenkonvergenz gebietsweise auch schauerartige Regenfälle. Kleinräumig können eventuell auch die Warnschwellen für Starkregen erreicht werden. Nach Westen und Süden zu nimmt die Schauertätigkeit bei beginnender Stabilisierung ab, lediglich vom Westteil der Deutschen Bucht über die Elbmündung bis ins mittlere Niedersachsen wird ebenfalls eine Schauerstraße simuliert, vereinzelt sind dort Gewitter möglich, die Wahrscheinlichkeit für Starkregen ist aber eher gering. Im großen Rest des Landes wird zunehmend der Hochkeil wetterwirksam. An den Alpen und im Vorland halten sich noch gebietsweise dichtere Wolken, sonst klart der Himmel vor allem im Südwesten, Westen sowie in den mittleren Landesteilen vielerorts auf. Dort steht eine durchaus herbstlich frische Nacht ins Haus mit Minima zwischen 12 und 7 Grad, in einigen Mittelgebirgstälern auch darunter. Im Norden und Osten bleibt es mit 14 bis 9 Grad, an der See auch ein wenig darüber, etwas milder. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... gibt es gegenüber den Ausführungen in der Frühübersicht keine substanziellen Änderungen. Im Nordosten gibt es nahe des nur langsam abziehenden Höhentiefs weitere schauerartige Regenfälle, vereinzelt sind auch kurze Gewitzter dabei, für Warnschwellen reicht es aber voraussichtlich nicht. Allerdings bleibt es windig mit Bft 7 bis 8 an der Ostseeküste und einzelne Böen Bft 7 im Binnenland. Für einzelne Schauer, zumindest auch für etwas dichtere Wolken reicht es auch bis in die mittleren Landesteile. Im Südwesten und Süden, im äußersten Westen sowie im Nordwesten scheint dagegen neben wenigen Wolkenfeldern überwiegend die Sonne. An den Höchstwerten ändert sich gegenüber dem Vortag kaum etwas. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Bzgl. der Geometrie der kleinräumigen Bodentröge in der kommenden Nacht und auch in der Nacht zum Montag gibt es noch Modelldifferenzen, was Einfluss auf die Windprognosen im Detail hat. Die genaue räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge im Nordwesten in der kommende Nacht ist ebenfalls noch nicht klar. Entsprechend wurde erst einmal mit einer recht großräumigen Warnung vor Starkregen darauf reagiert. Anpassungen sind eventuell noch vonnöten, auszuschließen ist eine Hochstufung zu Unwetter kleinräumig ebenfalls nicht. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff