S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 04.07.2026 um 10.30 UTC Anfangs im Nordosten stürmisch, ab Donnerstag überwiegend Hochdruckeinfluss mit Temperaturzweiteilung: Heißer Südwesten und kühlerer Nordosten. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 11.07.2026 Mittelfristig haben wir derzeit immer noch eine gestörte Zirkulation. Einerseits liegt am Dienstag ein kräftiger Tiefdruckkomplex über Skandinavien, der einen Langwellentrog über Osteuropa beeinflusst. Andererseits hat sich über Westeuropa ein kräftiger Höhenkeil aufgewölbt, der von einem atlantischen Langwellentrog stabilisiert wird. Von diesem Langwellentrog ist ein Höhentief in Richtung Azoren abgetropft, das vorderseitig eine Warmluftblase mit 850-hPa-Temperaturen über 20 °C nordwärts bis in die Mitte Frankreichs schiebt. Der Südwesten Deutschlands befindet sich unter dem Einfluss des korrespondierenden Hochdruckgebietes am Rande des "Heat Domes" mit 850-hPa-Temperaturen um 17 °C. Der Nordosten wird derweil von einem für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftigen Sturmtief über Südschweden beeinflusst. Unter Trogeinfluss liegen die 850-hPa-Temperaturen dort nur bei etwa 7 °C. Dabei hat sich eine straffe nordwestliche Strömung eingestellt, in der es in Küstennähe zu Sturmböen und im Binnenland zu starken bis stürmischen Böen kommt. Die zugehörige Kaltfront des Tiefs kommt bis in die Mitte Deutschlands voran und gelangt dort ins Schleifen. Die heiße Luft im Südwesten wird im Tagesverlauf etwas zurückgedrängt. Bis Donnerstag zieht das Sturmtief Richtung Baltikum, wodurch der Keil von Westen her immer mehr an Einfluss gewinnt. Zum Ende der Woche verfestigt sich das Tief als Cut-Off über Osteuropa, während sich der vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs westlich der Iberischen Halbinsel einen Keil über West- nordwärts schiebt und zu einem korrespondierende Bodenhoch über dem Atlantik nach Schottland bis nach Skandinavien führt. Somit ergibt sich in der Höhe eine stabile Omega-Konfiguration der Strömung. Die Keilachse liegt dabei knapp westlich von uns. Dabei bleibt die Südwest-Nordost-Teilung bei den Temperaturen erhalten, wobei die Warmluft etwas weiter nach Nordosten vordringt. Laut IFS soll diese Konfiguration im Wesentlichen stabil bleiben. Auch in der erweiterten Mittelfrist ab dem Wochenende befinden wir uns an der Ostflanke des Keils. Über dem Nordosten können immer wieder, meist aber wenig wetterwirksame, Tröge ziehen, während es im Südwesten sonnig, trocken und heiß bleibt. Am Ende der Mittelfrist, im spekulativen Bereich gegen Ende nächster Woche, zeigt das IFS, dass der sich nach Skandinavien zurückziehende Block von einem Cut-Off-Tief unterlaufen wird, das nach Mitteleuropa zieht und für Schwergewitterlagen sorgen könnte. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Das wesentliche Muster, mit dem Hitzeblock über Westeuropa wurde schon länger im Wesentlichen gezeigt. Es gibt jedoch größere Unterschiede bezüglich der genauen Positionierung des Hochs, die im Wesentlichen vom Höhentief über der Iberischen Halbinsel und dem Verhalten des Cut-Offs über Osteuropa abhängen. Deren Position ist noch unsicher. So dringt die heiße Luft mal mehr, mal weniger weit nach Mitteleuropa vor. Das macht die Lage trotz Omegablock auch in der erweiterten Mittelfrist fragil. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch GFS und ICON bestätigen die Lage. GFS lässt dabei den Höhenkeil am Wochenende über die Mitte ziehen, sodass es im Süden teilweise über 20 °C und im Nordosten etwa 13 °C auf 850 hPa gibt. Zu Beginn der neuen Woche nimmt der zyklonale Einfluss ausgehend von einem Cut-Off über Westeuropa zu. Die ICON-Simulation zeigt bis zum Wochenende ein ähnliches Bild. AIFS rechnet bis zum Wochenende mit einem deutlich stärkeren Trogeinfluss und lässt die Hitze am Wochenende allenfalls den Südwesten erreichen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Ensembles bestätigen im Wesentlichen die Modelle und deren Unsicherheiten. Ein allgemeiner Aufwärtstrend bei Temperatur und Geopotenzial lässt sich erkennen, jedoch mit erheblichen Spread, der am Wochenende im Süden zwischen 12 und 24 °C auf 850 hPa zeigt. Der Hauptlauf befindet sich knapp unterhalb des Medians und zeigt nur eine moderate Hitzewelle im Südwesten. Die Niederschlagssignale nehmen ab Mittwoch allgemein deutlich ab. Als Fazit lässt sich festhalten, dass das Zirkulationsmuster im Wesentlichen feststeht. Ein Hitzeblock über Westeuropa, wobei Deutschland im immer stärker werdenden antizyklonalen Einfluss am Rand des "Heat-Domes" über Westeuropa liegt. Dies wird auch von den Clusteranalysen bestätigt, die nur zwei Cluster mit einem Block über Westeuropa zeigen. Im Nordosten gibt es anfangs noch einen deutlich kühleren Trogeinfluss, der allmählich zurückgedrängt wird, sodass die Warmluft nach Nordosten an Raum gewinnt. Allerdings gibt es vorher noch einmal einen für die Jahreszeit ungewöhnlichen Sturm an der Ostsee. Wie weit diese Warmluft vorankommt, ist unsicher und hängt von der Position eines Höhentiefs über der Iberischen Halbinsel und eines Cut-Off-Tiefs über Osteuropa ab. Für den Südwesten scheint eine neue Hitzewelle ab Ende der Woche relativ sicher. Allerdings wird diese wahrscheinlich moderater ausfallen. Zeigten vergangene Läufe noch ein erhöhtes Potenzial für eine außergewöhnliche Hitzewelle, so sind diese Läufe mittlerweile deutlich in der Minderheit. Für den Nordosten stehen die Zeichen derzeit eher auf moderate sommerliche Temperaturen ohne ausgeprägte Hitze. Relativ sicher ist, dass es ab Donnerstag weitestgehend trocken bleibt, abgesehen von einzelnen Gewittern am Wochenende. Die Clusteranalysen zeigen auch in der erweiterten Mittelfrist im spekulativen Bereich für die nächste Woche weiterhin eine starke positive Geopotenzialanomalie über der Nordsee bis ins Nordmeer. Für Mitteleuropa gibt es hingegen keine Anzeichen für eine Geopotenzialanomalie mit im Mittel glatter Westströmung. Es ist möglich, dass der Block dann von Cut-Off-Tiefs unterlaufen wird, die schwere Gewitter mit sich bringen können. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Ein Ostseesturmtief bringt am Dienstag für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Wind. Dabei sind im Nordosten auch stürmische Böen im Binnenland möglich, wenn der Wind auf 850 hPa bis zu 50 kt erreicht. Im Südwesten kommt es zum Ende der Woche zu einer stärkeren Hitzebelastung, deren Intensität noch unsicher ist. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, ICON, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold