S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 04.06.2026 um 10.30 UTC Weiter wechselhaft und mäßig-warm, dabei nur lokal kräftige Gewitter. Zum Ende der Mittelfrist im Süden Sommercomeback möglich. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 11.06.2026 Der sommerlich-warme bis heiß endende Mai hat mit Beginn der meteorologischen Sommers am 1. Juni eine Kehrtwende eingelegt zu wechselhaftem Wetter bei für die Jahreszeit angemessenen Temperaturen im mäßig-warmen Bereich. Das "Freibadwetter" macht also Pause, dafür bereiten Schauer und Gewitter den Meteorologen einige Arbeit. Bleibt das so oder gibt es einen neuen Sommerwetteranlauf? Für die Antwort liefert der erste Tag der Mittelfrist am Sonntag eine Trogvorderseite für Deutschland, in dem ein Sekundärtrog nach Osten abläuft und noch für Konvektion und etwas Wind sorgt. Der Langwellentrog selber befindet sich zwischen Grönland und dem Seegebiet nordwestlich der Britischen Inseln, was ihn zunächst nicht ausreichend für die Großwetterlage TrW qualifiziert. Vielmehr ist BM der Auftragsgeber, wobei die Brücke mit einem flachen, dem Sekundärtrog folgenden Rücken gebaut wird. Von Südwesten kündigt sich daher auch Zwischenhocheinfluss an, wobei die auf Südwest rückdrehende Strömung die T850 hPa auf 5 bis 10 Grad steigen lässt. Am Montag dringt der Trog bis zu den Britischen Inseln vor und treibt die Ausläufer eines steuernden Tiefs bei Island Richtung europäischen Kontinent und Deutschland. Gegen Abend werden sie den Südwesten mit schauerartigen und teils gewittrigen Niederschlägen erreichen und die Brücke schon wieder abbauen. Damit übernimmt TrW die Großwetterlage BM. Zuvor werden bei auf Süd drehender Strömung warme Luftmassen subtropischer Natur mit T850 hPa von 10 bis 15 Grad zu uns verfrachtet. Am Dienstag läuft aus dem Trog ein Randtrog in die Nordsee und nach Norddeutschland. Folglich überqueren die Ausläufer des Islandtiefs mit Randtief vor Norwegen Deutschland von West nach Ost mit schauerartigen und teils gewittrigen Regenfällen. Die T850 hPa sinken postfrontal mit westlicher Strömung unter Zufuhr kühlerer Atlantikluft auf 3 bis 8 Grad. Am Mittwoch weitet sich der Trog bis in die Ostsee und nach Südskandinavien aus, während er durch einen neuen Randtrog bei den Britischen Inseln regeneriert wird. Mit postfrontal etwas steigendem Druck am Boden kehrt erneut schwacher Hochdruckeinfluss ein, sodass nur geringe Konvektion zu erwarten ist. Am Donnerstag schwenkt der Randtrog über Teilen Deutschlands hinweg von den Britischen Inseln in die Nordsee und weiter nach Südskandinavien, gleichzeitig wird ein sich auflösendes Bodentief dorthin geführt. Dessen Ausläufer überqueren von Nordwesten her mit neuen, aber eher nur schwachen Niederschlägen Deutschland. Die T850 hPa steigen bei postfrontal auf Südwest drehender Strömung auf 5 bis 10 Grad. In der erweiterten Mittelfrist ab kommender Woche Freitag zonalisiert die Strömung allmählich, womit der Norden Deutschlands leicht zyklonal, der Süden dagegen mit einer neuen Hochdruckbrücke (BM) eher leicht antizyklonal geprägt wird. Dabei stellt sich ein thermischer Gradient ein: Im Norden T850 hPa von 4 bis 9 Grad (kühlere Meeresluft), im Süden T850 hPa von 10 bis 16 Grad (Anzapfen subtropischer Luftmassen). Die eingangs gestellte Frage kann also mit "Weiter so!" beantwortet werden. In der erweiterten Mittelfrist gibt es für Süddeutschland aber zusätzlich diese Antwort: "Sommerwetter zum Ende der nächsten Woche in Reichweite!". __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz des EZMW-Modells ist in den letzten 3 Läufen bis zum Dienstag hoch, danach aber auch noch gut. Die wesentlichen Muster werden beibehalten, im Detail fällt allerdings ein kräftigerer Trog am Mittwoch auf (mehr Niederschläge), der darüber hinaus zusammen mit einem weiteren Trog über den Britischen Inseln am Freitag kommender Woche die Zonalisierung um rund 36 Stunden verzögert. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen UK10 präsentiert bis zum Ende seines Vorhersagehorizonts am Mittwoch eine dem EZMW stark gleichende Lösung. Das gilt zunächst auch für ICON, am Donnerstag (letzter Vorhersagetag) ist das Modell allerdings rund 12 Stunden schneller mit dem Abzug des Troges über uns (schneller trocken). Beim GFS treten ab Dienstag größere Abweichungen auf: am Dienstag rascherer Trogabzug, am Mittwoch vorübergehende Zonalisierung, am Donnerstag ähnlich dem EZMW erneute Trogvorderseite. Das Temperaturniveau wäre dabei früher höher, im Süden wären am Donnerstag sogar 20 Grad in T850 hPa möglich. AIFS ist dem IFS in weiten Teilen sehr nahe, zum Ende hin ist die Zonalisierung aber auch im Süden tiefdrucklastiger. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles zeigen bis Dienstag einen engen Verlauf, was die Vorhersagesicherheit untermauert. Am Mittwoch öffnen sich die Kurven, obwohl dann immer noch ein recht guter Median mit integriertem Hauptlauf zu erkennen ist. Das Muster des Hauptlaufs (Tröge/Keile im Wechsel) findet somit Anklang bei der Mehrheit der Member. Niederschlagssignale gibt es vornehmlich am Sonntag, Dienstag und Donnerstag, in der erweiterten Mittelfrist werden sie bei steigendem Geopotenzial seltener. CLUSTER: Im zweiten Zeitschritt zwischen Dienstag 0 UTC und Donnerstag 0 UTC sind 2 Cluster vorhanden, wobei sich der Hauptlauf in C1 mit 29 Mitgliedern befindet. In diesem wird der Trog etwas stärker betont als in C2, der eine raschere Zonalisierung bevorzugt (im Süden früher Hochdruckeinfluss). Im dritten Zeitschritt zwischen Freitag 0 UTC und Sonntag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) werden 3 Cluster analysiert, wobei der Hauptlauf erneut in C1 mit 29 Membern landet. Dort wird die Zonalisierung gezeigt, die aber von einem kleinen Sekundartrog über der Nordsee am Sonntag begleitet wird. Das bestätigt die Zyklonalität im Norden. In C3 (6 Mitglieder) ist dieser Trog viel deutlicher und schwingt bis zu den Alpen aus, womit es überall zyklonal wäre. C2 (16 Mitglieder) dagegen favorisiert eine sehr warme bis heiße Trogvorderseite. FAZIT: "Nichts Neues von der Front!" könnte das Motto beim heutigen Mittelfrist-Wetter lauten. So geben sich weiterhin Tröge, Tiefs und Zwischenhocheinfluss bei meist mäßig-warmen Temperaturen die Klinke in die Hand. Gewitterpotenzial ist zwar vorhanden, meist reicht es aber nur für maximal markante Exemplare. In der erweiterten Mittelfrist zum Ende der kommenden Woche gibt es zumindest für den Süden Optionen für eine Sommerwetter-Rückkehr. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: EFI CAPE, EFI CAPESHEAR, EFI Wind und EFI Precipitation zeigen keine Signale für die Mittelfrist. Bei ML-CAPE-Werten von teilweise bis rund 800 J/kg sind aber dennoch lokal zumindest markante Gewitter denkbar, vornehmlich am Montag im äußersten Süden und Südwesten und am Dienstag im Osten und Südosten. Vereinzelte Unwetter insbesondere bezüglich lokalem Starkregen sind bei langsam ziehenden Zellen zwar immer einzukalkulieren, eine Schwergewitterlage zeichnet sich derzeit allerdings nicht ab. WIND: Am Dienstag mit geringer Wahrscheinlichkeit an den Küsten stürmische Böen Bft 8 aus westlichen Richtungen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler