S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 05.04.2026 um 10.30 UTC Zunächst trocken und teils warm, Donnerstag mit Gewittern Abkühlung, danach wieder viel Sonne, aber in den Nächten verbreitet Frost oder Bodenfrost. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 12.04.2026 Am Mittwoch liegt Deutschland an der Ostflanke eines Höhenkeils, der sich von Frankreich bis ins Nordmeer erstreckt. Durch diesen Keil wird ein Bodenhoch mit Schwerpunkt über Lappland gestützt. Ausgehend von diesem Hoch reicht ein Keil über den Nordosten Deutschlands hinweg bis zum Bosporus. Mit einer schwachen östlichen bodennahen Strömung fließt trockene gealterte Polarluft ein, die sich im Westen und Südwesten Deutschlands zusehends erwärmt. Am Donnerstag verlagert sich der Keil mit seiner Achse unter Verkürzung der Wellenlänge nach Deutschland. Ein nachfolgender Trog überquert bis zum Abend bereits die Britischen Inseln, wobei die vorgelagerte Tiefdruckrinne auf den Westen Deutschlands übergreift. Vorderseitig kann dank Einstrahlung und einfließender feuchterer Luft etwas CAPE generiert werden; zudem erreicht die niedertroposphärische Scherung signifikante Werte. Allerdings greift bis weit in die Tiefdruckrinne hinein Kaltluftadvektion über, was die Wetterwirksamkeit möglicher Entwicklungen dämpft. Dennoch können sich ab dem Abend im Westen und Südwesten Gewitter entwickeln, wobei Gefahr von Sturmböen besteht. Gegenüber dem gestrigen Modelllauf wird diese Entwicklung insgesamt verzögert simuliert. Die anderen Landesteile verbleiben noch unter Hochdruckeinfluss. In der Nacht zum Freitag tropft der Trog rasch nach Südwestdeutschland aus. Im Bereich des Cut-Off-Tiefs können zwar die Niederschläge, die anfangs im Süden noch von Gewittern durchsetzt sein können, etwas in Richtung Mitte ausweiten. Bedingt durch die gesamttroposphärische Abkühlung im Bereich dieses Höhentiefs gehen die Niederschläge oberhalb 600 bis 800 m in Schnee über. Wahrscheinlich bliebt es östlich der Weser und in den östlichen Mittelgebirgen noch weitgehend trocken. Am Freitag verlagert sich das Cut-Off-Tief über die Westalpen hinweg in den Golf von Genua. Damit wird der Weg frei für einen Höhenkeil, der sich von der Nordsee bis nach Nordwestrussland ausweitet und das dort liegende Bodenhoch stützt, das mit einem Keil bis nach Südengland reicht. An dessen Südflanke setzt sich von Norden her wieder antizyklonaler Einfluss durch. Die Niederschläge ziehen sich daher in den Süden Deutschlands zurück, wobei oberhalb von 800 m noch meist Schnee fällt. An den Alpen sind mehr als 10 cm Neuschnee vorstellbar. Zudem kann in den kamm- und Gipfellagen der östlichen Mittelgebirge und auf Alpengipfeln der Wind mit Böen bis Sturmstärke auffrischen. In der Nacht zum Samstag lässt der Schneefall auch an den Alpen alsbald nach. In der einfließenden kühleren Luft werden auch bei kräftiger Einstrahlung tagsüber nur wenig mehr als 15 Grad erreicht. In den Nächten ist dann verbreitet mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe zu rechnen. Am Samstag macht sich der Einfluss eines sich zur nördlichen Adria ziehenden Höhentiefs bemerkbar, was vor allem am östlichen Alpenrand weitere leichte Schneefälle zustande kommen lässt. Am Sonntag kommt ein weiteres Höhentief ins Spiel, das sich nach Tschechien verlagert und im äußersten Osten Deutschlands geringe Niederschläge aufkommen lässt. Ansonsten hält sich an der Südflanke einer Hochbrücke, die von einem Hoch nördlich der Azoren bis zu einem weiteren Hoch über Westrussland reicht, antizyklonaler Einfluss. Im Westen und Südwesten Deutschlands ist dann ein leichter Temperaturanstieg vorstellbar, ohne dass jedoch die 20 Grad-Marke erreicht wird. Im Nordosten sowie im Bergland sind kaum mehr als 10 Grad zu erwarten. In den Nächten besteht weiterhin Frostgefahr. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum spaltet sich die Frontalzone vor Westeuropa auf. Während der nördliche Ast in Richtung Nordmeer gerichtet ist, erstreckt sich der südlichere Ast in den Mittelmeerraum. Die über Fennoskandien, wie sie von den gestrigen Modellläufen gezeigt wurde, wird daher schwächer simuliert. Vielmehr stellt sich dann ein eher wechselhafter Wettercharakter ein, wobei die Temperaturen tagsüber aufgrund mangelnder Einstrahlung eher etwas zurückgehen. Bei längerem Aufklaren muss jedoch weiterhin mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe gerechnet werden. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis einschließlich Donnerstag wird die oben beschriebene Entwicklung auch von den gestrigen Modellläufen gestützt. Danach simulieren die aktuelleren Modellläufe den Cut-Off-Prozess des Troges über den Britischen Inseln etwas weiter westlich, wodurch die damit einhergehenden Niederschläge gegenüber dem gestrigen 00 UTC-Lauf nicht so weit nach Osten ausgreifen. Freitagmittag ergibt sich hinsichtlich der Lage des Höhentiefs bzgl. des 00 UTC-Laufes des Vortages bereits ein Phasenunterschied von knapp 1000 km. Demzufolge setzt sich danach auch wieder rascher antizyklonaler Einfluss durch. Von länger andauernden Schneefällen an den Alpen kann dann keine Rede mehr sein. Das betrifft auch die Blockierung über Fennoskandien, die vom aktuellsten Modelllauf nur noch in abgeschwächter Form gesehen wird. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Bis Donnerstagmittag wird die oben beschriebene Entwicklung von allen Modellen ähnlich simuliert. Danach wird der die Britischen Inseln überquerende Trog unterschiedlich behandelt. Während dieser nach EZMW rasch zum Golf von Genua austropft, erfolgt nach UK10 dieser Cut-Off-Prozess in Richtung Tirol und nach ICON noch weiter östlich etwa entlang der Oder. Hierdurch wird auch die Windentwicklung an der Rückseite der korrespondierenden Tiefdruckrinne unterschiedlich gezeigt. Nach ICON und UK10 wären demnach Sturmböen im östlichen Bergland die Folge. GFS hat wie am Vortag diesen Trog und auch dessen Austropfen nicht im Programm, das Modell des kanadischen Wetterdienstes zeigt den Trog schwächer und verlagert diesen über die Nordsee hinweg am Freitag bis nach Nordostdeutschland. Am Wochenende ergibt sich dann wieder bei allen Modellen ein ähnliches Bild, wobei EZMW noch am zyklonalsten geprägt ist. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum zeigt sich gegenüber der oben beschriebenen Version bei GFS und auch beim kanadischen Modell wieder eine ausgeprägte Blockierung mit einem kräftigen Hoch über Nordskandinavien (kanadisches Modell) oder einer Hochbrücke, die von den Britischen Inseln über Südschweden bis nach Westrussland reicht, wie bei GFS zu sehen ist. Beide Modelle setzen daher ab dem Wochenende auf Erhaltungsneigung. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Das EPS des GFS favorisiert eine Blockierung über Südskandinavien und dem Ostseeraum, die nicht so weit nach Westen reicht wie beim deterministischen Lauf. Von einem Austropfprozess wie oben beschrieben lassen sich auch beim EPS keine Indizien finden. Hierfür gab es lediglich bei weiter zurückliegenden Modellläufen schwache Signale. Der Spread ist insgesamt gering und wird erst ab dem zweiten Aprilwochenende etwas größer, wobei auch dann selbst für GFS Niederschlagssignale nur sehr spärlich ausgeprägt sind. Das EPS des EZMW zeigt gegenüber dem hauseigenen deterministischen Lauf bis weit über das zweite Aprilwochenende hinaus noch Signale für eine Blockierung über Fennoskandien und zudem bis nach Mitteleuropa hinein nur einen geringen Spread. Dies ergibt sich auch beim Clustering gemäß Großwetterlagen, wo Troglagen über Mitteleuropa nur bei Einzelmembern zu sehen sind. Nahezu durchweg wird eine östliche Strömung simuliert, die jedoch ab dem zweiten Aprilwochenende zusehends zyklonaler geprägt ist. Wie beim EPS des GFS divergieren die Einzellösungen auch hier erst ab dem zweiten Aprilwochenende merklich. Bemerkenswert ist im Westen und Süden Deutschlands der in der Nacht zum Freitag erfolgende Temperatursturz, der von nahezu allen EPS-Membern mitgetragen wird. Abgesehen von Donnerstagabend und Freitag bleiben nennenswerte Niederschläge aus, so dass die Trockenheit andauern dürfte. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Unter Hochdruckeinfluss sind zunächst keine markanten Wetterereignisse zu erwarten. Ab Donnerstagabend ziehen von Westen und nachfolgend von Südwesten her Gewitter auf, die mit Sturmböen einhergehen können. Nachfolgend erfolgt eine markante Abkühlung, wobei die Niederschläge oberhalb 600 bis 800 m in Schnee übergehen. Mehr als 10 cm Neuschnee sind jedoch selbst in Staulagen unwahrscheinlich. Am Freitag können sich die Niederschläge an den Alpen staubedingt verstärken, wobei dort oberhalb von etwa 800 m um 10 cm Neuschnee nicht auszuschließen sind. Zudem frischt im Osten der Wind auf, in den Kamm- und Gipfellagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge sowie auf Alpengipfeln und bedingt durch den Leitplankeneffekt in deren Vorland muss mit Sturmböen Bft 8/9 gerechnet werden. Diese Entwicklung ist jedoch noch nicht sicher. Da sich ab Freitag spürbar kühlere Luft durchsetzt, muss in den Nächten dann wieder nahezu deutschlandweit mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe gerechnet werden. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EPS, anfangs MOS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann