S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 06.10.2026 um 10.30 UTC Unbeständig, im Küstenumfeld teils starke Gewitter, windig, im höheren Bergland und an der See stürmisch. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 13.10.2026 Der Blick auf das IFS-EPS lässt zumindest von Freitag bis Sonntag bei einer dominierenden Wetterlage West zyklonal nichts anderes als eine wechselhafte Witterungsperiode zu. Nur wenige Member geben dem EPS mit Wetterlagen wie Brücke Mitteleuropa oder West antizyklonal einen ruhigeren Touch. Der deterministische Lauf des IFS stützt die Mehrheit der Member im EPS, indem er einen breiten Langwellentrog über Nordwest, Nord-, West- und Mitteleuropa zeigt, dessen Achse langsam ostwärts über Deutschland hinwegschwenkt. Gleichzeitig verlagert sich das korrelierende Bodentief vom Seegebiet südlich von Island, an Schottland vorbei in die Nordsee, um dann nach Südschweden weiterzuziehen. Auf seinem Weg hat es zudem ein Frontensystem im Schlepptau, welches am Samstag auf den Norden Deutschlands übergreift. Vor allem am Freitag und Samstag ist zusätzlich Randtiefs mit von der Partie, die sich über der Ostsee und Skandinavien tummeln und ebenfalls einen Frontenzug bis nach Deutschland schieben. Am Freitag sind demnach die Niederschläge vor allem im Norden sowie im Verlauf im Umfeld der Front zu verzeichnen. Aufgrund fehlender Unterstützung aus der Höhe sind diese überwiegend skaliger Natur. Am Samstag verlagert sich der Frontenzug über die Mitte zu den Alpen. Gleichzeitig sorgt PVA zusammen mit frontogenetischen Prozessen ausgehend vom Nordseeumfeld erneut für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge. Am Sonntag sorgen de Reste der Kaltfront an den Alpen und im Südosten noch für etwas Niederschlag. Ansonsten sind auf der Trogrückseite mit nordwestlichen Winden Schauer und Gewitter im Nordseeumfeld bis ins angrenzende Binnenland möglich. Am Montag und Dienstag nehmen im IFS-EPS die antizyklonalen Wetterlagen wieder deutlich zu. Vor allem die Wetterlagen Brücke Mitteleuropa und Südwest antizyklonal können rund zweidrittel der Member unter sich vereinen. Die zuvor dominierende Wetterlage West zyklonal wird zu einer Minderheit zusammengestutzt. Der det. IFS-Lauf weist über die beiden Tage hinweg einen kräftigen Rücken auf, dessen Achse sich von Südwesteuropa bis nach Norwegen erstreckt und im Verlauf langsam ostwärts über Deutschland hinweg schwenkt. Bodennah korreliert der Rücken mit einem Hoch, welches am Montag weite Teile Deutschland überdeckt und am Dienstag seinen Schwerpunkt in den Alpenraum bzw. Polen verlagert. An beiden Tagen verbleibt allenfalls das Küstenumfeld im Bereich der Frontalzone. Am Dienstag sind im Westen, Nordwesten und Norden auf der Trogvorderseite zusammen mit frontogenetischen Prozessen einer teils okkludierten Kaltfront erneut schauerartige, teils gewittrige Niederschläge möglich. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden von den vergangenen Läufen recht konsistent wiedergegeben. Vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf besteht eine gute Konsistenz. Größere Abweichungen sind dagegen zeitweise zum gestrigen 00 UTC-Lauf zu verzeichnen. Am Freitag zum Start in den mittelfristigen Zeitraum gibt es kleine Unterschiede bei der räumlichen Einordnung des Cut-Off-Tiefs über Italien sowie bei der ostwärtigen Verlagerung eines Kurzwellentroges über Mitteleuropa. Während der gestrige 00 UTC-Lauf den Kurzwellentrog etwas langsamer abziehen ließ und somit hierzulande noch stärker zyklonale Bedingungen produzierte, weist vor allem der neuste Lauf recht zonale Strömungsverhältnisse auf. Entsprechend kann ein neues System von Westen geringfügig schneller auf Deutschland übergreifen. Am Samstag besteht die offene Frage, inwieweit der Cut-Off wieder an die Höhenströmung andocken kann. Dies sah der gestrige 00 UTC-Lauf nicht, während der gestrige 12 UTC-Lauf das Einfangen zuließ. Der aktuelle Lauf zeigt einen Mittelweg. Dieser Prozess hat aber Einfluss auf die Strömungsbedingungen von Mitteleuropa ostwärts. Die neusten Läufe weisen diesbezüglich über Osteuropa eine Trogvorderseite mit südwestlichen Winde auf, während der gestrige 00 UTC-Lauf dort eher flacheren Westwinde bevorzugte. Insgesamt ist demnach die genaue räumliche Einordnung potentieller Niederschläge über der Südhälfte Deutschlands noch verhältnismäßig unsicher. Am Sonntag liegen weite Teile Europa im Bereich eines Langwellentroges. Das Cut-Off-Tief wurde bei allen Läufen eingefangen und ist bei gestrigen 12 UTC-Lauf überhaupt nicht mehr vorhanden. Die 00 UTC-Laufe weisen das Randtief über Südosteuropa auf. Über Mitteleuropa gibt es im Trogbereich allenfalls Unterschiede bei der Phase und Verlagerungsgeschwindigkeit von Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Entsprechend werden die Niederschläge zwischen den betrachteten Läufen räumlich, zeitlich und in deren Intensität leicht abweichend simuliert. Am Montag kann sich konsistent von Südwesteuropa bis nach Norwegen ein Rücken aufbäumen. Unterschiede sind dabei vor allem bei der Phase und somit der Verlagerungsgeschwindigkeit der Achse sowie vor allem bezüglich des gestrigen 00 UTC-Laufes bei der Amplitude zu verzeichnen. Bei den neusten beiden Läufen wird der nachfolgende Trog markanter gerechnet, sodass die größere WLA eine etwas stärkere Amplifizierung stützt. Je nach Stärke des Rückens, kommt die übergreifende Warmfront schwächer oder eben etwas stärker daher. Auch am Dienstag weisen die neusten Berechnungen größere Amplituden der Strukturen auf. Der gestrige 00 UTC-Lauf konnte entsprechend der flacheren Strukturen Frontensysteme und resultierende Niederschläge rascher ostwärts schieben. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch andere Globalmodelle (ICON, UK10, GFS) zeigen eine zum IFS vergleichbare Geopotential- und Luftdruckentwicklung. Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums bis einschließlich Samstag weisen die Modelle vor allem zum gestrigen 12 UTC-Lauf des IFS eine recht gute Konsistenz auf. Ab Sonntag weichen alle Modelle von den Vorgaben des IFS mehr oder weniger ab, haben aber auch untereinander wenig Konsistenz. Das IFS zeigt im Vergleich die geringsten Amplitude und somit die größte Verlagerungsgeschwindigkeit der Systeme. Am ehesten liegt das UK10 noch nahe an den Berechnungen des IFS, wenngleich es etwas langsamer verlagert. Beim GFS kann sich ein Höhentief über Ostpolen und Weißrussland festsetzen und die Verlagerung somit ausbremsen. Das ICON beschreibt insgesamt die langsamste ostwärtige Verlagerung der Trog-Rücken-Trog Struktur. Resultierend ergeben sich teils deutliche Unterschiede bei der zeitlichen und räumliche Einordnung der potentiellen Niederschläge. Entsprechend kann man bezüglich des Modellvergleichs bis Sonntag noch von einer recht guten Vorhersagegüte sprechen, ab Montag sind zwar die großskaligen Entwicklungen vergleichbar, der genaue Wetterablauf jedoch unsicher. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen bezüglich der Temperatur in 850 hPa bis einschließlich Sonntag bei einem geringen Spread eine hohe Vorhersagegüte des IFS-EPS auf. Beim Geopotential in 500 hPa zeugen geringe Abweichungen im IFS-EPS bis einschließlich Samstag sowie am Montag von einer hohen Güte. Am Sonntag spannen die Unsicherheiten der Intensität des Troges das EPS des Geopotentials auf. Ab Dienstag beim Geopotentiel schließlich ein markantes und stetiges Aufspannen des EPS zu verzeichnen, sodass die Prognosegüte deutlich abnimmt. Bei der Temperatur sind die Prognosen ab Montag schon sehr unsicher. Bei einem Spread von rund 15 Grad und nur einem schwach definierten Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeiten ist eine seriöse Vorhersage kaum möglich. Bei der Einordnung der EPS-Member in Grundmuster werden für den Zeitraum von +72h bis +96h vier Lösungen nötig, um alle Unsicherheiten ausreichend zu beschreiben. Alle Lösungen werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben. Der Kontrolllauf befindet sich zusammenmit 18 anderen Mitgliedern im ersten Cluster. Die wesentlichen Unterschiede betreffen das Cut-Off-Tief über Südeuropa sowie dessen Entwicklung. Je nach Stärke und Lage nimmt es Einfluss auf den Langwellentrog über Nordwest und Mitteleuropa. Resultierend kommt es zu Phasenverschiebungen zwischen den ablaufenden Kurzwellentrögen bzw. kurzwelligen Anteilen. Das zweite Cluster zeigt dabei die zonalsten Strukturen, die letzten beiden Lösungen weisen dagegen die größten Amplituden auf. Im Zeitraum von erklären sechs Cluster die Unsicherheiten innerhalb des IFS-EPS. Die ersten vier Lösungen starten im Schema eines atlantischen Rückens. Die ersten beiden Cluster wechseln in der Folge früher oder später wieder zur pos. NAO, das dritte Cluster wechselt zum Blocking und die vierte Lösung nimmt den Umweg über die pos. NAO zum Blocking. Die letzten beiden Lösungen verbleiben komplett im Schema einer pos. NAO. Der Kontrolllauf befindet sich erneut im ersten Cluster. Abgesehen von den letzten beiden Lösungen mit stark zonalen Verhältnissen weist auch das erste Cluster noch recht flache Strukturen auf. Die Cluster 2 bis 4 dämpfen oder blockieren dagegen bei großen Amplituden die Verlagerung. Bei diesen Lösungen würde über weite Teile Deutschlands hoher Luftdruck dominieren. Ansonsten sind durchziehende Frontensysteme Trumpf. Insgesamt stützt demnach ein kleine Mehrheit im IFS-EPS erneut eher ruhigere Wetterbedingungen. In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h werden fünf Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten im EPS ausreichend zu beschreiben. Alle Cluster starten im Schema einer pos. NAO, die erste und die vierte Lösung wechseln im weiteren verlauf zum Blocking. Der Kontrolllauf wird nun der dritten Lösung zugeordnet. Dieses Cluster zeichnet große Amplituden aus, wobei ein Trog auf Mitteleuropa übergreift. Die zweite Lösung zeigt dagegen recht zonale Bedingungen mit einer recht weit nach Norden geschobenen Frontalzone und somit hohem Gepotential über weiten Teilen Mitteleuropas. Beim ersten Cluster wird ein Trog nur ansatzweise gezeigt. Ansonsten dominiert hohes Geopotential, wobei die Störung auch Einfluss auf das Wetter in Deutschland haben kann. Cluster 4 präsentiert einen kräftigen Rücken über Deutschland und Cluster 5 einen mächtigen Trog über Westeuropa mit Trogvorderseite hierzulande. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen WIND/STURM: Über den gesamten mittelfristigen Zeitraum weisen die EPS-Verfahren mehr oder weniger windige Verhältnisse aus. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem in der Nordhälfte und ist zeitlich am Freitag und Samstag eingeordnet. Vor allem im Küstenumfeld und im höheren Bergland stützen Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 80% stürmische Böen oder Sturmböen. Am Samstag sind mit Werten von 5 bis 15% auch im Nordwesten und der nördlichen Mitte stürmische Böen gering wahrscheinlich. Der EFI des ECMWF stützt über beide Tage lokal leicht überdurchschnittliche Windspitzen in den genannten Regionen. Von Sonntag bis Dienstag sind bei Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40% vor allem an der See und in einzelne Hochlagen weitere stürmische Böen oder Sturmböen möglich. GEWITTER/STARKREGEN/DAUERREGEN: Am Freitag sind vor allem auf Basis der Deterministik verschiedener Modelle in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge Dauerregenmengen über 30 l/qm in 24 Stunden nicht auszuschließen. Am Samstag und Sonntag ist im Küstenumfeld und dort vor allem im Nordseebereich eine rege Gewitteraktivität wahrscheinlich. Neben Sturmböen ist gebietsweise auch mehrstündiger Starkregen möglich. Dieser wird von einzelnen prob. Verfahren mit Wahrscheinlichkeiten (RR6h) von rund 10% gestützt. Akkumuliert über 24 Stunden ist gebietsweise auch das Überschreiten der Dauerregenschwelle von 30 l/qm möglich. Dies weisen vor allem die det. Modelle mit Werten von 20 bis 40 l/qm aus. Aber auch der EFI zeigt an beiden Tagen vor allem im Nordseeumfeld bezüglich des Modellklimas leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Am Montag sind im Küstenumfeld, teils bis weit ins Binnenland ausgreifend weitere Gewitter mit stürmischen Böen möglich, mehrstündiger Starkregen ist aber nur noch gering wahrscheinlich. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS-EPS, ICON-EPS, bis Samstag auch det. IFS/ICON, für TT auch MosMix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel