S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 06.07.2026 um 10.30 UTC Überwiegend Hochdruckeinfluss mit Temperaturzweiteilung: Heißer bis sehr heißer Südwesten und kühlerer Nordosten. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 13.07.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Donnerstag liegt Deutschland am Ostrand eines kräftigen Höhenrückens mit Schwerpunkt über West- und Südwesteuropa. Dieser wird von einem Trog über dem Ostatlantik sowie einem Höhentief über Osteuropa flankiert und bildet damit eine blockierende Omega-Lage. Am Boden dominiert Hochdruckeinfluss. Da sich das Hochzentrum jedoch westlich von Deutschland befindet, stellt sich eine nördliche bis nordöstliche Strömung ein. Dadurch gelangt insbesondere in den Nordosten nur mäßig warme Luft, während sich die heiße Luft auf den Südwesten des Landes beschränkt. Im Osten sorgt die etwas feuchtere Luftmasse für zeitweise stärkere Bewölkung. Aufgrund einer ausgeprägten Absinkinversion bleibt die Konvektion jedoch meist unterdrückt. Lediglich im Alpenraum sind am Nachmittag vereinzelt Gewitter möglich, die Wahrscheinlichkeit hierfür bleibt jedoch gering. Am Freitag schwächt sich der Höhenrücken vorübergehend etwas ab, da ein flacher Randtrog über seine Nordflanke hinwegzieht. Gleichzeitig verstärkt sich das Höhentief über Osteuropa. Am Boden nimmt der Hochdruckeinfluss leicht ab, während sich die feuchtwarme Luft über der Südhälfte bis etwa zur Mainlinie ausdehnt. Da die großräumige Hebung weiterhin fehlt, bleibt die Gewittertätigkeit weitgehend auf die Alpen und das süddeutsche Bergland beschränkt. Die 30-Grad-Isotherme breitet sich weiter nach Norden aus. Im Südwesten werden verbreitet Höchstwerte über 35 Grad erreicht, sodass die Wärmebelastung dort deutlich zunimmt. Am Samstag verbleibt der Höhenrücken knapp westlich von Deutschland, während der Osten weiterhin unter dem Einfluss des osteuropäischen Höhentiefs steht. Dort ist die Bewölkung dichter und einzelne Schauer sind nicht ausgeschlossen. Im Süden und insbesondere im Alpenraum entwickeln sich im Tagesverlauf erneut einzelne Gewitter. Aufgrund der hohen Feuchte sind lokal unwetterartige Entwicklungen durch heftigen Starkregen möglich. Auch am Sonntag bleibt die blockierende Großwetterlage bestehen. Der Höhenrücken über Westeuropa gewinnt wieder etwas an Stärke, während das Höhentief über Osteuropa und der Trog über dem Ostatlantik die Omega-Struktur weiterhin stützen. Die 30-Grad-Marke greift bis in die nördliche Mitte Deutschlands aus. Gleichzeitig steigt der Feuchtegehalt der Luftmasse leicht an, wodurch vor allem in der Südwesthälfte eine zunehmende Wärmebelastung entsteht. Über den Mittelgebirgen und insbesondere im Alpenraum sind orografisch ausgelöste Hitzegewitter möglich, die lokal erneut mit unwetterartigem Starkregen einhergehen können. Zu Beginn der neuen Woche ändert sich an der großräumigen Wetterlage nach derzeitigem Stand wenig. Deutschland verbleibt an der Ostflanke des Höhenrückens, sodass die extrem heiße Luft über Südwesteuropa weiterhin westlich des Vorhersagegebietes gehalten wird. Dennoch bleibt es vor allem im Südwesten heiß bis sehr heiß, ohne dass sich nach aktuellem Stand eine ausgeprägte Hitzewelle einstellt. Abgesehen von einzelnen Schauern und Gewittern, bevorzugt im Osten, im Bergland und im Alpenraum, sind keine nennenswerten Niederschläge in Sicht. Damit setzt sich die Trockenheit fort, und sowohl die Waldbrandgefahr als auch die Belastung durch anhaltende Niederschlagsdefizite bleiben ein wichtiges Thema. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Der aktuelle IFS-Lauf zeigt zu Beginn der Mittelfrist eine gute Konsistenz zu den Vorläufen. Ab der neuen Woche nehmen die Unterschiede zwischen den Modellläufen jedoch spürbar zu. Großräumig etabliert sich über Südwest- und Westeuropa erneut ein ausgeprägter Höhenrücken beziehungsweise eine sogenannte Heat Dome-Struktur. Flankiert wird diese zum einen von einem stationären Höhentief über Osteuropa und zum anderen von einem Trog über dem Ostatlantik. Deutschland liegt dabei im Übergangsbereich zwischen diesen Systemen. Dadurch kann die sehr heiße Luft über Südwesteuropa zunächst nicht nach Deutschland vordringen. Stattdessen gelangt insbesondere in den Osten des Landes mit einer nordöstlichen Strömung nur mäßig warme Luft. Der Höhenrücken erweist sich allerdings als wenig stabil. Bereits am kommenden Wochenende wird er von einem Randtrog überlaufen. Im weiteren Verlauf greifen zudem wiederholt kurzwellige Tröge ausgehend vom stationären Höhentief auf Mitteleuropa über und schwächen den Hochdruckeinfluss zeitweise ab. Dadurch wird einerseits der Zustrom der heißesten Luftmassen nach Deutschland unterbunden, andererseits bleibt die Atmosphäre vor allem im Osten und im Alpenraum leicht störungsanfällig. Dort sind trotz überwiegenden Hochdruckeinflusses wiederholt Schauer und einzelne Gewitter möglich. Größere oder flächendeckende Niederschlagsereignisse sind nach derzeitigem Stand jedoch nicht in Sicht. Erst falls sich das osteuropäische Höhentief in der erweiterten Mittelfrist weiter nach Westen ausdehnen und über Mitteleuropa etablieren sollte, könnten auch länger anhaltende und ergiebigere Niederschläge in den Fokus rücken. Diese Entwicklung ist derzeit jedoch noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Insgesamt deutet das aktuelle IFS somit auf eine Fortdauer der Trockenheit hin. Zwar sind regional einzelne Schauer und Gewitter möglich, eine nachhaltige Entspannung der Niederschlagssituation zeichnet sich nach heutigem Stand jedoch nicht ab. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch die übrigen Globalmodelle (ICON, GFS und UK10) zeigen die großräumige Wetterlage grundsätzlich ähnlich. Die blockierende Omega-Lage bleibt bis weit in die neue Woche bestehen. Unterschiede ergeben sich vor allem hinsichtlich der Stärke und Zugbahn einzelner Randtröge, die an den Flanken des Höhenrückens umlaufen. Diese werden von den Modellen unterschiedlich simuliert, haben für Deutschland nach derzeitigem Stand jedoch nur einen begrenzten Einfluss auf die Wetterentwicklung. Da Deutschland weiterhin an der Ostflanke des Höhenrückens verbleibt, wird die sehr heiße Luft über Südwesteuropa auf Abstand gehalten. Eine ausgeprägte Hitzewelle wie Ende Juni zeichnet sich daher nach aktuellem Stand nicht ab. Gleichzeitig bleibt die Niederschlagsneigung gering, sodass sich die Trockenheit voraussichtlich weiter verschärft. Entsprechend bleibt auch die Waldbrandgefahr insbesondere in den ohnehin trockenen Regionen auf hohem Niveau. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen verschiedener Städte zeigen bis zum kommenden Wochenende eine recht enge Bündelung. In der neuen Woche nimmt der Spread zwar etwas zu, die grundlegende Tendenz bleibt jedoch relativ klar. Dies stützt die Annahme einer stabilen Omega-Lage. Während der Südwesten über den gesamten Zeitraum unter 850-hPa-Temperaturen zwischen etwa 18 und 20 Grad liegt, verbleibt der Nordosten eher im Bereich um 12 Grad. Das Geopotenzial steigt vor allem im Nordosten an, während es im Südwesten durchweg auf hohem Niveau bleibt. Die wenigen Niederschlagssignale im Nordosten nehmen in der neuen Woche weiter ab. Im Westen und Südwesten sind sie nahezu nicht vorhanden. Einzelne Signale zeigen sich ab der neuen Woche im Süden und deuten dort auf lokale Gewitter hin. Flächige oder hydrologisch relevante Niederschläge sind insgesamt nicht in Sicht. In der gesamten Mittelfrist werden für die Zeiträume t+72 bis t+168 h sechs beziehungsweise drei Cluster berechnet. Der Kontrolllauf ist jeweils Cluster 2 zugeordnet. Alle Cluster zeigen ein Blocking-Regime mit einer ausgeprägten positiven Geopotenzialanomalie über der Nordsee und Westeuropa. Auch in der erweiterten Mittelfrist von t+192 bis t+240 h bleibt dieses Bild bestehen. Dort werden vier Cluster angeboten, wobei sich der Kontrolllauf erneut in Cluster 2 befindet. Sämtliche Cluster zeigen weiterhin ein Blocking-Regime mit einer starken positiven Geopotenzialanomalie über Westeuropa, der Nordsee und Skandinavien. Fazit: Deutschland liegt an der Nordostflanke eines sich aufbauenden Heat Domes über Südwest- und Westeuropa. Damit bleibt die große Hitze nach aktuellem Stand noch westlich beziehungsweise südwestlich von Deutschland. Der Südwesten verbleibt zwar in heißer Luft, extreme Hitze wird jedoch nicht gestützt. Größere Niederschläge sind nicht in Sicht. Lediglich im Süden, insbesondere in Alpennähe, sind ab Freitag einzelne Gewitter möglich. Die Trockenheit setzt sich fort, und die Waldbrandgefahr nimmt weiter zu. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Markante Wettererscheinungen sind zunächst nicht in Sicht. Ab Freitag nimmt die Gewitterneigung im Alpenraum und in Alpennähe zu. Dabei besteht örtlich Unwettergefahr durch heftigen Starkregen. Im Südwesten steigt ab Donnerstag zudem die Wärmebelastung allmählich an. Die anhaltende Trockenheit verschärft sich weiter. Entsprechend nimmt auch die Waldbrandgefahr, insbesondere in den bereits trockenen Regionen, weiter zu. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, ICON, GFS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta