S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 07.06.2026 um 10.30 UTC Unbeständiger Wetterabschnitt mit wiederholten Niederschlägen. Zunächst kühl, im Verlauf peu-a-peu etwas wärmer. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 14.06.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Mittwoch befindet sich Deutschland im Einflussbereich eines Langwellentrogs. Am Alpenrand schleift eine wellende Front und sorgt dort für länger anhaltende und mitunter kräftige Regenfälle. Ansonsten ist zunächst ein Ableger des Azorenhochs aktiv. Dieser ist aber zu schwach, als dass er effektiv die durch die Höhenkaltluft bedingte Konvektion unterbinden könnte. So bilden sich im Tagesverlauf zahlreiche Schauer und kurze Gewitter der Marke "Kaltluftgewitter". Bei 850hPa-Temperaturen unter 5 Grad erwartet uns ein kühler Sommertag, an dem allenfalls im Osten die 20-Grad-Marke noch erreicht oder knapp überschritten wird. In der Nacht zum Donnerstag verabschiedet sich die Trogachse aus Deutschland und von Westen her steigt das Geopotential an. Dieser Zwischenhocheinfluss währt aber nur kurz, denn am Nachmittag zieht von Nordwesten her schon die Warmfront eines zu den Hebriden ziehenden Tiefs auf. Tagsüber bilden sich trotz Zwischenhoch noch einzelne Schauer, am Nachmittag setzt aus Westen der Regen der Front ein. Die Temperaturen sind weiterhin unterkühlt. Bis zum Freitag stellt sich in der Höhe vorübergehend eine zunehmend zonale Strömungskonfiguration ein mit tiefem Geopotential über dem nördlichen Nordatlantik bis nach Skandinavien und höherem Geopotential weiter süd- und südwestlich. Dabei befindet sich Deutschland im Einflussbereich eines umfangreichen Tiefkomplexes über dem Europäischen Nordmeer. Im Süden ist hingegen noch schwacher Hocheinfluss wetterwirksam. Nach IFS soll es daher im Süden meist trocken bleiben, während uns im Norden und in der Mitte ein verregneter Tag erwartet. Während die Temperaturen in 850 hPa wieder etwas ansteigen (v.a. im Süden), tun sich die Temperaturen aufgrund dichter Bewölkung und Regen am Boden weiterhin schwer und liegen meist nur um, im Nordwesten und Norden sogar verbreitet unter 20 Grad. Am Samstag wölbt sich über dem Atlantik allmählich ein Rücken auf, wodurch sich auch das Azorenhoch nach Norden verlagert und sich mit seinem Schwerpunkt am Abend ungefähr am westlichen Ausgang des Ärmelkanals befindet. So richtig kann sich das Hoch aber bei und in Deutschland nicht durchsetzen, da immer noch der Trog über Skandinavien und dem östlichen Mitteleuropa sowie der nach Skandinavien ziehende Tiefkomplex seine Finger mit im Spiel hat. So erwartet uns ein weiterer unbeständiger Wetterabschnitt mit zeit- und gebietsweisen Niederschlägen. Immerhin wird es ein wenig wärmer. An dieser Konstellation ändert sich auch am Sonntag wenig. Zwar zieht das Zentrum des Tiefs von Skandinavien zum Baltikum und der Rücken kann sich weiter bis nach Island ausdehnen. Deutschland liegt aber weiterhin zwischen den Stühlen, sodass das Wetter weder Fisch noch Fleisch ist. Immerhin soll es noch etwas wärmer werden, sodass die Temperaturen wieder regional über 25 Grad steigen könnten. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass die bisherigen Ausführungen sich weitgehend auf die IFS-Lösung beziehen und nur eine mögliche Variante der mittelfristigen Entwicklung darstellt. Die Modellkonsistenz ist heute ausgesprochen schlecht, sodass die Vorhersage in der Mittelfrist noch mit sehr großen Unsicherheiten behaftet ist. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der IFS-Läufe ist heute miserabel. Bereits am Donnerstag tun sich größere Unterschiede auf. Während sich in den beiden 00UTC-Läufen der Trog nach Osten verabschiedet und vorübergehend ein flacher Rücken zu uns hereinkommt, bleibt Deutschland im 12UTC-Lauf mitten unter dem Trog hängen, was deutlich unbeständigeres Wetter zur Folge hätte. Am Freitag laufen die Modellläufe dann komplett auseinander. Statt der Zonalisierung der beiden 00UTC-Läufe, kommt es beim 12UTC-Lauf zu einer Meridionalisierung, da sich einerseits der Trog bis zur Adria ausweitet und sich westlich davon ein Rücken nach Großbritannien und zur Nordsee aufwölbt. Folglich scheint noch völlig unklar zu sein, wohin die Reise zum Ende der Woche geht. Am Wochenende sind zwischen den drei letzten Läufen kaum noch Gemeinsamkeiten zu finden. Die Vorhersage für das kommende Wochenende ist also noch komplett offen. Einzig hochsommerlich warmes bis heißes und trockenes Wetter haben keine der Läufe im Angebot. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die beschriebene schlechte Modell-interne Konsistenz des IFS spiegelt sich auch in den anderen Globalmodellen wider. Bereits in der Nacht zum Donnerstag divergieren die Modelle deutlich. GFS bleibt wie gestern schon eisern bei der "Dauertroglage" über Mitteleuropa. ICON und IFS sind sich zwar ähnlicher, aber der hereinziehende flache Rücken und die nachfolgende Warmfront kommen beim ICON etwa 12 Stunden früher als beim IFS. Die Zonalisiserung vom IFS-Lauf macht das ICON auch nicht mit. Stattdessen wird ein Höhentief über Mitteleuropa simuliert und ein Rücken, dessen Achse westlich von Irland verläuft. Der Samstag sieht dann beim ICON aus wie der Freitag des 12UTC-IFS-Lauf mit einem Trog über dem östlichen Mitteleuropa bis zur Adria und einen Rücken westlich davon. Kurzum - wie die Vorhersage ab Donnerstag im Detail aussieht, ist noch sehr unsicher. FAZIT: Die Mittelfrist startet am Mittwoch mit kühlem Schauerwetter. Bereits ab Donnerstag driften sowohl die unterschiedlichen Globalmodelle als auch die Läufe des IFS auseinander, sodass der genaue Wetterablauf bis zum Ende der Woche noch sehr unsicher ist. Sicher ist lediglich, dass hochsommerlich warmes bis heißes und trockenes Wetter erst einmal nicht zu erwarten ist. Es geht unbeständig mit wiederholten Niederschlägen weiter. Ob diese - wie vom IFS favorisiert - hauptsächlich den Norden und die Mitte betreffen sein wird oder auch der Süden, ist noch völlig offen. Auch die Temperaturentwicklung ist noch unsicher. Der Trend geht zwar hin zu allmählich ansteigenden Temperaturen. Aber sollte sich die Troglage vom ICON durchsetzen, dann wären Temperaturen jenseits der 25-Grad-Marke erst einmal nicht zu erwarten. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die beschriebenen Unsicherheiten spiegeln sich auch in den Rauchfahnen wider. Diese laufen bereits ab Donnerstag sowohl beim Geopotential als auch bei den Temperaturen deutlich auseinander - ein Spread, wie man ihn zu so einem frühen Zeitpunkt nicht alle Tage sieht. Die Vorhersage ist also sehr unsicher. Allerdings zeigen sich über den gesamten Vorhersagezeitraum hinweg zahlreiche Niederschlagspeaks, was darauf hindeutet, dass uns ein längerer unbeständiger Witterungsabschnitt bevorsteht. Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h drei Cluster angeboten. Der Hauptlauf befindet sich im Cluster 1 (26 Member), der von einer positiven NAO ins Regime "Atlantic Ridge" wechselt, was an dem sich aufwölbenden Rücken liegt. Auch Cluster 2 (13 Member) simuliert diesen Rücken, wobei hier das Blocking-Regime angegeben wird. Cluster 3 (12 Member) hat den Rücken nicht im Angebot und verbleibt bei der positiven NAO. In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden fünf Cluster angeboten. Diese sind sehr unterschiedlich, was unterstreicht, dass die Vorhersage sehr unsicher ist. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen DAUERREGEN: Der Regen aus der Nacht heraus setzt sich am Alpenrand auch tagsüber fort, wenngleich sich der Schwerpunkt zu den östlichen bayerischen Alpen verlagert. Für den Alpenrand gibt es daher gewisse Wahrscheinlichkeiten für markanten Dauerregen. GEWITTER: Vor allem am Mittwoch, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch noch am Donnerstag, entwickeln sich zahlreiche Schauer und kurze Gewitter der Marke "Kaltluft". Als Begleiterscheinungen sind am ehesten Graupel, kleinkörniger Hagel und einzelne stürmische Böen möglich, Starkregen ist hingegen unwahrscheinlich. WIND: Ab Freitag muss vor allem an der Nordsee, am Wochenende möglicherweise auch an exponierten Küstenabschnitten der Ostsee mit zeitweise stürmischen Böen gerechnet werden. Auch im Bergland wird es zeitweise windig bis stürmisch. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage ICON, IFS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel