S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 07.11.2026 um 10.30 UTC Schlagzeile: Ende der Hochdrucklage, wechselhaft und vergleichsweise mild, ende der Woche Troglage mit Polarluft und Schnee im Bergland möglich Entwicklung der Großwetterlage: Zunächst SWa dann unsicher wahrscheinlich vorübergehend TRM Synoptische Entwicklung und Warnkriterien bis Samstag, den 14.11.2026 --------------------------------------------------------- 3. Folgetag (Dienstag, den 10.11.2026) Synoptische Entwicklung: Am Dienstag herrschte ein ausgeprägtes Grönlandblocking. Dem gegenüber steht ein größerer Cut-off über dem Ostatlantik sowie tiefes Geopotenzial über dem Nordmeer und Fennoskandien. Von dort aus verläuft ein Kurzwellentrog mit seiner Achse über Polen und zieht ostwärts. Über Westeuropa wölbt sich ein Höhenkeil auf, der eine Brücke über Großbritannien zum Grönlandblock schlägt. Der Nordosten Deutschlands befindet sich somit unter dem Einfluss des Kurzwellentroges über Polen, wo erwärmte maritime Polarluft (T850 ~ 0 °C) wirksam ist. Im Südwesten wird ausgehend vom Atlantik maritime Subtropikluft mit 850-hPa-Temperaturen bis 7 °C advektiert. Die Luftmassen werden durch eine nur langsam nach Norden vorankommende Warmfront getrennt. In ihrem Einflussbereich fällt im Süden länger andauernder Regen. Währenddessen setzt im Nordosten rückseitig des abziehenden Troges Absinken unter einem Bodenhoch mit Schwerpunkt über Tschechien ein. Dadurch wird der Trog inaktiviert und die Wolken lockern teils auf, teils hält sich jedoch länger Hochnebel. Potentielle Warnelemente: Abgesehen von Frost und Nebel gibt es keine warnwürdigen Ereignisse. Modellvergleich: Abgesehen von der Hochnebelbedeckung gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Modellen. Konsistenz: Es besteht eine gute Konsistenz zu den Vorläufen. Entwicklung von Mittwoch, 11.11.2026 bis Samstag,14.11.2026 ________________________________________________________ Synoptische Entwicklung: Am Mittwoch kommt die Warmfront bis etwa zur nördlichen Mitte voran. Die Temperatur in 850 hPa steigt am Alpenrand auf bis zu 10 °C an. In der subtropischen Luftmasse kommt es im Warmsektor dabei wiederholt zu Regen. Am Donnerstag beginnt sich der Grönlandblock in Richtung Island zu bewegen. Stromabwärts entwickelt sich ein Trog über Westeuropa, der rasch nach Deutschland hereinzieht. Mit ihm verbunden ist ein Tief über Skandinavien. Die Kaltfront dieses Tiefs überquert Deutschland je nach Modell in der Nacht zum Freitag oder am Freitag. Rückseitig fließt maritime Polarluft mit 850-hPa-Temperaturen um -4 °C ein. Dabei könnte es bei Kaltfrontdurchgang in den Mittelgebirgen je nach Modelllösung den ersten Schnee geben. Allerdings hält ein Cut-Off über dem Atlantik, dessen Drehzentrum sich voraussichtlich nordwestlich der Iberischen Halbinsel befindet, dagegen. Dadurch ergibt sich in Bezug auf die Trogentwicklung und das Vorankommen der Kaltfront eine unsichere Situation für Mitteleuropa. Im weiteren Verlauf schwenkt der Trog nach den meisten Lösungen nach Osten durch, wobei von Westen rasch ein Hochdruckkeil nachrückt, der zu dem Hoch über Großbritannien gehört. Dieses hat sich letztendlich von Island dorthin verlagert. Zum Wochenende soll sich das Hoch dann über Mitteleuropa legen und die eingeflossene Kaltluft dort konservieren. Zu Beginn der neuen Woche könnten wir dann wieder auf die Vorderseite eines neuen, mächtigen Atlantiktroges gelangen. Potentielle Warnelemente: Abgesehen von Frost, Nebel und zum Wochenende auch Glätte, sowie potenziellen leichten Schneefall am Freitag in den Mittegebirgen, sowie einzelnen Sturmböen in exponierten Lagen, bietet diese Wetterlage kaum Potenzial für signifikantes Wetter. Modellvergleich: Im Wesentlichen wird die Situation von allen Globalmodellen ähnlich berechnet. Unsicherheiten ergeben sich ab Donnerstag im Zusammenspiel mit dem Atlantik-Cut-Off und dem sich stromabwärts entwickelnden Trog. So bleibt noch unsicher wie weit und wie schnell die Kaltfront nach Süden durchzieht. Obwohl alle neueren Modell den Kaltfrontdurchgang berechnen. Konsistenz: Selbiges wie oben gilt auch für die Konsistenz. Clusteranalyse: Die IFS-Ensembles zeigen bis Donnerstag nur geringe Streuung. Danach simuliert im Norden die deutliche Mehrheit einen Rückgang von Geopotenzial und Temperatur. Im Süden ist dieser allerdings nicht so eindeutig zu sehen. Mittlerweile ist die Mehrheit der Ensemblemitglieder auch dort auf den kalten Zweig umgesprungen, es gibt aber immer noch einige warme Lösungen. Der Spread ist somit ab Freitag dort erheblich. Zum Wochenende hin nimmt der Spread dann überall zu. Dennoch lässt sich ein Trend zu einem Anstieg des Geopotenzials mit im Mittel steigenden 850-hPa-Temperaturen erkennen. Ähnlich sehen die GFS- und AIFS-ENS aus. Die Clusteranalysen zeigen in der erweiterten Mittelfrist im Wesentlichen die Fortsetzung des Trog-Keil-Musters. Ein Cluster mit nur acht Mitgliedern sieht hingegen eine größere Blockade über Mitteleuropa. _________________________________________________________ Fazit: Der Verlauf bis Donnerstag mit einer unbeständigen Südhälfte und einer deutlichen Erwärmung auf 850 hPa, vor allem im Süden, scheint sicher. Die genaue Position der Warmfront ist hingegen unsicher. Zum Ende der Woche hin scheint ein Trogdurchgang sehr wahrscheinlich. Inwieweit die Kaltluft dabei nach Süden voran kommt, hängt entscheidend von der Interaktion des Troges mit dem Cut-Off über dem Atlantik zusammen und somit noch unsicher. Ein rasches Durchschwenken der Kaltfront nach Süden mit etwas Schnee im Mittelgebirgsraum ist nach den neuesten Läufen jedoch wahrscheinlicher geworden. Zum Wochenende hin scheint sich dann wieder rasch Hochdruck durchzusetzen, wobei die potenzielle bodennahe Kaltluft zunächst konserviert werden würde. Eine erneute Vorderseite deutet sich dann zur neuen Woche hin an. Basis für Mittelfristvorhersage: IFS, ICON-MOSMIX ab Freitag ENS-Mittel VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold