S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 12.09.2026 um 10.30 UTC Zur Wochenmitte zunehmende Starkregengefahr, einzelne kräftige Gewitter, lokale Unwetter nicht ausgeschlossen. Im Anschluss wieder spürbar kühler, an den Küsten teils stürmisch. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 19.09.2026 Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Dienstag liegt Deutschland unter einem Rücken, der sich vorderseitig eines kurz vor den Britischen Inseln liegenden Troges aufwölbt und von der Iberischen Halbinsel bis in den Süden Skandinaviens reicht. Im Tagesverlauf wird dieser Rücken ostwärts abgedrängt und der Trog rückt uns mehr und mehr auf die Pelle. Am Boden greift zum Abend die Kaltfront eines Tiefs westlich von Norwegen auf den Nordwesten Deutschlands über, die bis Mittwochfrüh die Nordwesthälfte überquert hat. An ihr scheint sich eine Welle zu entwickeln, die nordostwärts über uns hinweg zieht. In der Folge kommt es in der Nordwesthälfte gebietsweise zu teils kräftigen und mitunter gewittrigen Regenfällen mit (mehrstündigem) Starkregenpotenzial, wobei vereinzelt unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind - bei PPW-Werten um 40 mm wenig verwunderlich. Nun ist die vor der Front einfließende Subtropikluft nicht nur sehr feucht, sondern mit rund 14 Grad in 850 hPa im Südwesten auch recht warm, sodass am Oberrhein nochmals die 30-Grad-Marke erreicht werden kann. Ein Sommertag dürfte mit Ausnahme des Nordens und Nordwestens (aufziehende Bewölkung) aber verbreitet eingeheimst werden. Am Mittwoch zieht die Kaltfront ost-/südostwärts ab und der nachfolgende Trog legt sich über uns. Besonders in der Südosthälfte kommt es dabei zu schauerartigen Regenfällen mit einzelnen kräftigen Gewittern. Lokal besteht auch hier Starkregengefahr, vereinzelt mit Unwetterpotenzial. An den Alpen ist staubedingt mit Dauer- und/oder mehrstündigem Starkregen zu rechnen. Hinter der Front gelangt deutlich trockenere und kühlere Meeresluft ins Land, sodass T850 auf 4 Grad an der Nordsee und 10 Grad im äußersten Südosten absinkt. Für einen Sommertag wird es also wahrscheinlich nirgendwo mehr reichen und selbst die 20-Grad-Marke wird mancherorts unerreicht bleiben. Am Donnerstag macht sich in weiten Teilen des Landes Zwischenhocheinfluss bemerkbar, wohingegen es der Nordwesten bereits mit dem nächsten atlantischen Frontensystem zu tun bekommt, das ab der Nacht zum Freitag zumindest auch der Mitte einen Besuch abstatten wird. Und so oder so ähnlich geht es auch bis Samstag weiter: Klassische Westwetterlage, heißt: Während es vor allem im Norden/in der Nordhälfte bei überwiegendem Tiefdruckeinfluss unbeständig bleibt und zeitweise auch windig wird, sorgt ein Azorenhochkeil im Süden für ruhigeres, trockeneres und sonnenscheinreicheres Wetter. Am Temperaturniveau ändert sich bei kaum etwas. In der erweiterten Mittelfrist stehen die Zeichen auf zunehmend ruhiges Spätsommerwetter. Erneut legt sich ein Rücken über uns, der sich vorderseitig einer kräftigen atlantischen Austrogung aufwölbt. Dazu gelangt in die Südwesthälfte wieder deutlich wärmere Luft. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz des 00-UTC-Laufs des IFS vom heutigen Samstag kann als sehr gut bezeichnet werden. Demnach greift am Dienstag eine Kaltfront von Nordwesten her auf Deutschland über, die am Mittwoch ost-/südostwärts über uns hinweg zieht. Daran gekoppelt sind kräftige Regenfälle mit Starkregenpotenzial und einzelne kräftige Gewitter. An den Alpen kann es staubedingt zu Dauer- und/oder mehrstündigem Starkregen kommen. Im Anschluss bleibt es unbeständig, dazu wird es spürbar kühler und zeitweise windig, auf den Bergen und an der Nordsee mit teils stürmischen Böen. Richtung Wochenende nehmen die Unterschiede/Unsicherheiten dann zwar zu, letztlich geht es aber nur um die Frage, wann, wo und in welcher Ausprägung Randtröge in die über uns befindliche sehr straffe westliche Höhenströmung eingebettet sind. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen an dieser Stelle betrachteten, deterministischen Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) zeigen eine sehr ähnliche Entwicklung wie der IFS-Hauptlauf. Im Detail bestehen (natürlich) Unterschiede bei der Intensität und der Schwerpunkte der frontalen Regenfälle am Dienstag/Mittwoch, was nicht zuletzt auch auf den in Teilen konvektiven Charakter der Niederschläge und die mögliche Wellenbildung an der Front zurückzuführen ist. ICON und GFS zeigen dabei vor allem in der Nordwesthälfte gebietsweise 6-h-Regenmengen im deutlich markanten Bereich, wohingegen UK10 wie auch IFs knapp unter der Warnschwelle bleiben. An den Alpen liefern dagegen alle Modelle markante Dauer-/Starkregenmengen. In der zweiten Wochenhälfte nehmen die Unsicherheiten zwar zu, was jedoch hauptsächlich den Unterschieden beim Timing und der Intensität/Ausprägung der auf uns übergreifenden Frontensysteme geschuldet ist. Eine über uns verlaufende, sehr lebhafte westliche Höhenströmung haben dagegen alle auf dem Plan. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die IFS-Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen den Hauptlauf: Kaltfrontdurchgang von Nordwest nach Südost zwischen Dienstag- und Mittwochabend (je nach Region) mit teils kräftigen Regenfällen und "Temperatursturz" auf mittlere, im Süden hohe einstellige T850er-Werte. Im Anschluss ändert sich am Temperaturniveau kaum etwas, der Spread bleibt recht gering und nimmt erst ab dem Wochenende deutlich zu. Niederschlagssignale sind zudem durchweg vertreten, fallen im Süden aber geringer und "lückenhafter" aus, als im Norden. Beim Clustering ergeben sich für den Zeitraum von Donnerstag bis Samstag 0 UTC gerade einmal zwei, recht gleichverteilte Cluster, die beide dem Regime NAO+ zuzuordnen sind und sich letztlich nur im Timing übergreifende Tröge unterscheiden. Im Zeitraum von Sonntag bis Dienstag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) stehen vier Gruppierungen zur Verfügung. Hervorzuheben sind hier Cluster 2 und 4 (16 und 8 Member), die eine völlig andere Schiene als der Hauptlauf fahren. Während Cluster 2 eine Blockade über dem nahen Osteuropa aufbaut mit anhaltendem Trogeinfluss bei uns, arbeitet Cluster 4 an einer Blockade über dem nahen Atlantik, mit ebenfalls zyklonalen Folgeerscheinungen für uns. FAZIT: Der Fahrplan für nächste Woche scheint weitgehend zu stehen: Auf einen sommerlich warmen (am Oberrhein eventuell noch einmal heißen) Dienstag folgt ab der Nacht zum Mittwoch ein teils gewittriger Kaltfrontdurchgang mit potentieller Wellenbildung und gebietsweise erhöhtem (mehrstündigem) Starkregenpotenzial. An den Alpen ist am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag mit einem Mix aus Stark- und Dauerregen zu rechnen. Im Anschluss wird es spürbar kühler, aber immer noch mäßig warm, zeitweise windig und es bleibt insgesamt unbeständig. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch muss in der Nordwesthälfte, am Mittwoch mit etwas geringerer Wahrscheinlichkeit dann in der Südosthälfte gebietsweise mit (mehrstündigem) Starkregen und einzelnen kräftigen Gewittern (Dienstagabend und Mittwoch tagsüber dabei aufgrund guter Scherung lokal Sturmböen nicht ausgeschlossen). Selbiges gilt am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag auch für die Alpen, wobei hier ein Mix aus Stark- und Dauerregen auftreten dürfte. Lokal besteht dabei durchaus ein gewisses Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen. Ab Donnerstag liefern die EPSe zudem geringe Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen bzw. einzelne Sturmböen an der Nordsee und exponierten Küstenabschnitten der Ostsee. Eine ähnliche Böenstärke ist ebenfalls für den Brocken zu erwarten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS(-EPS), ICON(-EPS), COSMO-LEPS, GFS, UK10, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz