S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 17.10.2026 um 10.30 UTC Meist ruhiges Herbstwetter, im Süden zur Wochenmitte länger anhaltender Regen, Ende der Woche im Nordwesten Sturmpotenzial. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 24.10.2026 Am Dienstag liegt sowohl am Boden als auch in der Höhe ein kräftiges Hoch über dem Nordwesten Russlands, ein Keil reicht jeweils zur Nordsee. Ein Kaltlufttropfen liegt über Sachsen und kommt tagsüber kaum noch westwärts voran, bevor er vorderseitig eines Troges über Westeuropa eine Nordostbewegung aufnimmt. Nördlich des Kaltlufttropfens sorgt Warmluftadvektion für leichte Niederschläge. Im Westen und Süden liegt trockene Luft; erst am Abend zieht frontale Bewölkung auf, und in der Nacht zum Mittwoch sorgt Warmluftadvektion für einsetzende Niederschläge. Tagsüber liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen 0 und 5 Grad im Osten und um 10 Grad im Süden und Westen. An der Südflanke des Hochs weht weiterhin ein frischer bis starker östlicher Wind an den Küsten. Am Mittwoch zieht der Kaltlufttropfen zum Baltikum. In der Höhe schwenkt zwar ein flacher Keil über Deutschland nordostwärts, am Boden verlagert sich allerdings eine Tiefdruckrinne mit feuchter und recht warmer Luft nach Nordosten. In dieser kommt es zu leichten bis mäßigen Regenfällen. Am Abend erreichen die Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee und ein Trog den Westen und Südwesten des Landes. Zuvor liegen die Temperaturen in 850 hPa zwischen 4 und 10 Grad. Am Donnerstag schwenkt der Trog nach Deutschland herein. Dieser ist aber weder mit besonders kalter Luft (-22 bis -25 Grad in 500 hPa vs. 0 Grad in 850 hPa) noch besonders scharf konturiert, zudem bildet sich am Boden ein Zwischenhoch. Summa summarum hält sich die Konvektion in Grenzen, nachdem sich die skaligen Niederschläge in den Osten zurückgezogen haben. Bemerkenswert ist die Entwicklung eines Tiefs auf seinem Weg vom Atlantik zu den Britischen Inseln. Trogvorderseitig und günstig am linken Jetausgang gelegen, vertieft es sich ab dem Mittag deutlich und erreicht in der Nacht zum Freitag seinen Höhepunkt als Sturmtief mit einem Kerndruck knapp unter 980 hPa. Am Freitag zieht das Tief unter Abschwächung zur zentralen Nordsee. Ein Zwischenhoch sorgt anfangs für trockenes Wetter in Deutschland, ehe die Okklusion des Sturmtiefs den Westen und Süden mit leichtem bis mäßigem Regen erreicht. In der Nacht zum Samstag schwenkt ein zum Abtropfen neigender Trog (bis zu -30 Grad in 500 hPa) nach Deutschland und sorgt bei Temperaturen knapp unter 0 Grad in 850 hPa für einige Schauer. Am Samstag schwenkt der Trog nach Osten und sorgt vor allem bis zum Nachmittag für reichlich Konvektion. Dann sorgt ein sich von Westen annähernder Keil für Wetterberuhigung. Eine Orkantiefentwicklung nordwestlich von Irland mit einem Kerndruck nahe 930 hPa hat erst in der Nacht zum Sonntag Auswirkungen auf Deutschland. Dann erreicht eine Warmfront mit auffrischendem Südwind die Westhälfte des Landes. In der erweiterten Mittelfrist schwenkt das Frontensystem des Orkantiefs am Sonntag über Deutschland hinweg. Nachfolgend nimmt das Tief über der Norwegischen See eine steuernde Rolle ein. Deutschland befindet sich im Bereich eines Langwellentroges in maritimer, erwärmter subpolarer Luft. Randtröge gestalten das Wetter wechselhaft und im Norden und Westen auch windig. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag gibt es bereits einen signifikanten Unterschied zum gestrigen 00-UTC-Lauf. Der Kaltlufttropfen aus Osten erreicht Deutschland südlicher und wird am Dienstag in die Mitte Deutschlands geführt, bevor er am Mittwoch vorderseitig eines von Westen hereinschwenkenden Troges zum Baltikum zieht. Der Nordosten Deutschlands gelangt so in den Bereich von Warmluftadvektion und Niederschlägen. Die Ausläufer aus Südwesten sind etwas langsamer als noch gestern simuliert. Der Mittwoch bleibt so im Nordosten noch lange trocken. Am Donnerstag sind sowohl der Trog in der Höhe als auch das Tief über der Nordsee weniger stark ausgeprägt als im gestrigen Morgenlauf. In der Folge schwenkt der Trog zwar ebenfalls nach Osten, zeigt aber weniger Tendenzen zum Abtropfen in Richtung Adria. Die Strömung über Mitteleuropa ist so zonaler. Das sich entwickelnde Sturmtief über Westeuropa am Donnerstag und Freitag zieht weiter nach Osten und liegt am Freitag über dem Westteil der Nordsee statt nördlich von Schottland. Das dazugehörige Frontensystem und ein nachfolgender Trog schwenken bereits am Freitag nach Deutschland herein. In der Folge ist die Wetterlage deutlich zonaler und zyklonaler als gestern noch simuliert. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Früh zeigen sich auch bei den anderen Modellen Unterschiede. Der Kaltlufttropfen am Dienstag liegt irgendwo zwischen dem Süden Tschechiens (UK10) und Vorpommern (GFS). Nach Abzug des Kaltlufttropfens nähern sich die Modelle vorübergehend an. Die Sturmtiefentwicklung am Donnerstag und Freitag wird naturgemäß unterschiedlich simuliert. GFS ist der gestrigen IFS-Lösung am nächsten. Die anderen Modelle zeigen eine südlichere Zugbahn; eine Sturmlage für die Nordseeküste scheint wahrscheinlich. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen EPS: Auffällig ist, dass am kommenden Wochenende im Norden die Unsicherheiten bezüglich der Windstärke groß sind und Sturm nicht ausgeschlossen werden kann. Die Windrichtung ist dann im Ensemble recht einheitlich Süd bis Südwest. RAUCHFAHNEN: In Wellen, die die beschriebenen Tröge und Keile abbilden, sinkt das Geopotenzial in 500 hPa. Die Unsicherheiten nehmen vor allem ab Freitag deutlich zu. Dann fällt auf, dass sich der Hauptlauf in der Mitte und im Süden vom Mittel entfernt und zu den Mitgliedern mit geringem Geopotenzial gehört. Die Temperatur in 850 hPa sinkt ebenfalls in Wellen bis Samstag und erreicht dann Werte um oder knapp über dem Gefrierpunkt. Auch wenn der grobe Verlauf gut erkennbar ist, streuen die einzelnen Mitglieder doch deutlich um das Mittel. Erkennbar sind ein Niederschlagsmaximum am Mittwoch und Donnerstag sowie langsam zunehmende Niederschlagssignale am Wochenende, wobei dann im Süden die Signale schwächer sind als im Norden. Das Ensemble von GFS zeigt ebenfalls diese Muster. CLUSTERUNG: Am Dienstag und Mittwoch gibt es zwei Cluster, die beide dem Regime "Blocking" zugeordnet sind. Leichte Unterschiede ergeben sich bezüglich der genauen Verortung des Kaltlufttropfens und der Konfiguration des Troges über Westeuropa. Für Donnerstag bis Samstag gibt es fünf Cluster (Hauptlauf in Cluster 3), die alle den Wechsel von "Blocking" zu "NAO positiv" zeigen. Bei allen Clustern wandert das blockierende Hoch nach Nordwest- bzw. Westrussland. Sowohl in der genauen Struktur des ersten Troges am Donnerstag als auch bezüglich des langwelligen Troges am Samstag über den Britischen Inseln und der Nordsee gibt es Unterschiede. Die grundlegende Konfiguration der Strömung ist aber überall gleich. Für den Zeitraum 192 bis 240 Stunden ergeben sich drei Cluster, die alle einen Trog über den Britischen Inseln und dem Ostatlantik zeigen und als Gegenspieler eine blockierende Struktur über Westrussland. Die Strömung über Deutschland ist mal mehr westlich, mal mehr südwestlich geprägt und grundsätzlich im Nordwesten zyklonaler als im Südosten des Landes. FAZIT: Meist ruhiges Herbstwetter. Am Mittwoch/Donnerstag im Süden anhaltender Regen bis in den Grenzbereich zu den Warnschwellen. Ende der Woche zunehmende Sturmgefahr an der Nordsee. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen EFI: Niederschlag: Am Mittwoch gibt es schwache Signale für ein Niederschlagsereignis vom Südschwarzwald bis zum westlichen Alpenrand. STURM: Am Freitag gibt es starke Signale über Westeuropa. Nordwest- und Westdeutschland haben schwache Signale für ein Sturmereignis. EPS: Niederschlag: Mittwoch/Donnerstag südlich der Donau und im Schwarzwald geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden. STURM: Am Freitag in der Westhälfte geringe Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen, auf den Nordseeinfeln mittlere Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen und geringe Wahrscheinlichkeiten für schwere Sturmböen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-MIX, IFS-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen