S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 20.03.2026 um 10.30 UTC Anfangs Hochdruckeinfluss, ab Wochenmitte von Nordwesten markanter Kaltluftvorstoß, zeitweise windig mit Graupelgewittern, am Alpenrand markanter Schnee möglich. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 27.03.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Montag erstreckt sich im 500-hPa-Niveau ein zonal ausgerichteter Keil vom Nordatlantik nach Mitteleuropa. Ein markanter Trog über Skandinavien schwenkt rasch ostwärts. Ausgehend von einem Tief über der Norwegischen See läuft eine sich auflösende Kaltfront nach Norddeutschland hinein. Diese bringt aber kein signifikantes Wetter. Ansonsten liegt Deutschland am Westrand und im Einflussbereich eines Hochs südwestlich von Irland. Die Temperaturen in 850 hPa liegen um 0 Grad und sinken nach Kaltfrontpassage im äußersten Norden auf bis zu -3 Grad ab. In der Nacht zum Dienstag macht sich im Norden Warmluftadvektion durch ein Sturmtief bei Island durch dichtere Wolkenfelder bemerkbar. Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Atlantikkeil zunehmend südwärts. Ein breiter Trog mit Temperaturen bis zu -37 Grad in 500 hPa stößt aus dem isländischen Raum bis Mittwochfrüh zu den Britischen Inseln vor. Ein umfangreiches Sturmtief östlich von Island zieht vor die Küste Norwegens, seine Kaltfront erreicht Mittwochfrüh die deutsch-niederländische Grenze. Zuvor sind die Temperaturen in 850 hPa auf +3 bis +6 Grad gestiegen. Am Mittwoch stößt der Trog rasch weiter nach Süden und immer langsamer nach Osten vor. Seine Achse reicht Donnerstagfrüh von Norwegen zu den Pyrenäen. Das Sturmtief über der Norwegischen See zieht nach Norwegen. Über Südnorwegen bildet sich im Lee des Norwegischen Gebirges ein neues Zentrum aus. Die Kaltfront überquert Deutschland weitgehend und wird im Zuge einer Zyklogenese über Italien über dem Alpenraum stationär. Postfrontal sinkt die Temperatur in 850 hPa auf -3 bis -5 Grad. Gleichzeitig sinkt die Temperatur in 500 hPa im Westen auf bis zu -35 Grad. Die 30-Kelvin-Differenz bedeuten genug Labilität für zahlreiche Schauer und örtliche Graupelgewitter. Am Donnerstag tropft der Trog zum westlichen Mittelmeer hin ab. Der Resttrog kommt mit seiner Achse kaum nach Osten voran und reicht von Skandinavien nach Westdeutschland. Ein breiter Keil in der Höhe reicht anfangs nach Island und schwenkt unter Abschwächung zu den Britischen Inseln. Ihm folgt ein Trog nach, der Richtung Britische Inseln beginnt abzutropfen. Während das Tief über Norwegen sich abschwächt, verstärkt sich das Tief über Oberitalien und in der Höhe setzt über Südostdeutschland Warmluftadvektion ein. Niedertroposphärisch bleibt die Kaltluftzufuhr noch erhalten und die Temperatur in 850 hPa liegt zwischen -6 Grad im Norden und -3 Grad im Südosten Deutschlands. Nach Lesart von IFS gäbe es etwa südlich der Donau anhaltende Niederschläge, die je nach Intensität oberhalb von etwa 600 bis 800 Metern als Schnee fallen. Am Freitag finden wir in 500 hPa zum einen den Trog über Skandinavien, den ehemals abgetropften Trog, jetzt ein Höhentief über Norditalien und das über die Britische Inseln zum westlichen Mittelmeer ziehende Höhentief. Nach Mitteleuropa schiebt ausgehend von hohem Geopotenzials über Russland ein Keil. Relevant für das Wetter in Deutschland ist das Tief über Norditalien, das auf einer Vb-ähnlichen Zugbahn Richtung Tschechien zieht, wobei sich über Südbayern ein neuer Tiefkern ausbildet und die Entwicklung recht komplex werden lässt. Um den Tiefdruckkomplex herum wird massiv Warmluft nach Norden und über Mitteleuropa dann nach Westen geführt. In 850 hPa liegen die Temperaturen Samstagfrüh zwischen -6 Grad im Emsland und +5 Grad an der Oder. Diese Entwicklung würde im Südosten, später aber auch in Baden-Württemberg zu anhaltenden und teils kräftigen Niederschlägen führen, die im Süden oberhalb etwa von 600 m als kräftiger Nassschneefall niedergehen würden. Der Verfasser verwendet hier den Konjunktiv, da die anderen Modelle (wenig überraschend bei Blick auf den Zeitraum) anders simulieren, siehe entsprechende Passage dazu. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Anfänglich ist die Konsistenz noch gut. Das Übergreifen des Troges von Westen wird von Lauf zu Lauf verzögert simuliert und führt im aktuellen Lauf zu einem westlicheren Abtropfen als in den Vorläufen. Dies wiederum hat eine westlichere Zugbahn des Oberitalientiefs zur Folge mitsamt den potenziellen Auswirkungen in Form kräftiger Nassschneefälle im Südosten Deutschlands. Diese Entwicklung war in den Vorläufen deutlich schwächer oder gab es aufgrund östlicher Zugbahn gar nicht. Die Konsistenz ab Wochenmitte ist somit bestenfalls mäßig. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Andere Modelle deuten die Bandbreite für das Übergreifen des Troges an: GFS ist schneller, UK10 und ICON sind langsamer als IFS. IFS zeigt das westlichste Abtropfen und die westlichste Zugbahn des Oberitalientiefs. Bei ICON wären die Auswirkungen des Tiefs auf Deutschland minimal und damit ähnlich dem gestrigen Morgenlauf des IFS. Die markante Entwicklung des IFS stellt somit erstmal eine nicht bestätigte Extremlösung dar. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse für das 500-hPa-Geopotenzial zeigt ausgangs der Kurz- bzw. eingangs der Mittelfrist (72 bis 96 Stunden) drei Cluster, die sich für Montag für Mitteleuropa noch kaum unterscheiden (Potenzialbrücke bzw. Hochdruckzone, Randtrog über Skandinavien). Für den Dienstag nehmen die Unterschiede im Hinblick auf den vorstoßenden Trog über dem Nordostatlantik und inwieweit vorher die Strömung über Mitteleuropa nochmal aufsteilt. Fast ausschließlich werden die Ensembles dem Regime NAO+ zugeordnet. Für den Zeitraum 120 bis 168 Stunden gibt es fünf Cluster. Wobei sie fast ausschließlich den Regimen NAO+ oder "Mittelatlantischer Rücken" zugeordnet werden. Für Deutschland ergeben sich vor allem Unterschiede im Verhalten des Troges. In der Mehrheit, aber nicht in aller Lösungen tropft dieser ab und auch der Verbleib des dann entstehenden Höhentiefs wird unterschiedlich simuliert. Für den Zeitraum 192 bis 240 Stunden werden die vorhandenen 4 Cluster meist einem Blocking Regime und weniger häufig dem des Mittelatlantischen Rückens zugeordnet. Die Tendenz geht zu einem Brückenschluss zwischen dem Azorenhoch und dem Russlandhoch, wobei die Stärke dieser Brücke sehr unterschiedlich simuliert wird und es auch Lösungen gibt diesen Schluss nicht zulassen. In jedem Fall findet sich tiefes Geopotenzial über dem Mittelmeerraum. Die Rauchfahne des Geopotenzials in 500 hPa zeigt auf hohem Niveau und bei enger Bündelung eine leichte Zunahme bis Dienstag, bevor dann bei zunehmender Streuung ein starker Abfall einsetzt, der am Mittwoch Donnerstag bzw. Donnerstag meist sein Minimum erreicht Anschließend setzt eine zögerliche Zunahme ein, allerdings bei großer Streuung. Der Hauptlauf zeigt sich gut eingebettet im Ensemble. Die Temperatur in 850 hPa zeigt bei enger Bündelung einen Anstieg bis zum Dienstag oder Mittwoch (Osten und Süden) auf Werte um +5 Grad. Anschließend zeigen so gut wie alle Mitglieder ein starkes Sinken der Temperatur auf -3 bis -6 Grad am Donnerstag. Danach gibt es bei großer Streuung eine leichte Tendenz zu einer Erwärmung. Auch hier zeigt sich der Hauptlauf unauffällig. Anders beim Niederschlag. Dort nimmt der Hauptlauf ab Donnerstag (Süden) bzw. Freitag (Osten) eine nasse Ausreißerposition ein. Grundsätzlich gibt es ab Mittwoch deutliche Signale für wiederholte Niederschläge. Extreme Lösungen gibt es nicht bzw. kaum. Kurzfazit: Anfang nächster Woche nachlassender Hochdruckeinfluss. Von Nordwesten zunehmend unbeständig mit markanter Abkühlung. Gegenüber gestern allerdings nochmal etwas verzögert. Mittwoch windig, im Bergland auch stürmisch. Im Westen Graupelgewitter. Weit nach Süden vorstoßender und letztlich abtropfender Trog mit Zyklogenese über Oberitalien. Aktueller IFS Lauf mit recht extremer Nasschneefall-Lösung für Südbayern, in der Form unwahrscheinlich. Vb-Wetterlage aber durchaus zu beachten. Dienstag vorerst Wärmehöhepunkt mit bis zu 19 Grad, danach deutlich kühler. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Das EFI zeigt am Mittwoch vor allem im Westen Signale für ein Windereignis. Bezüglich des Niederschlags gibt es für den Donnerstag schwache Signale für den Alpenrand. Gleiches gilt für den Niederschlag als Schnee, ein verwaschenes Signal für den äußersten Süden am Donnerstag bzw. für den Südosten Deutschlands für die Folgetage. Das EPS des IFS zeigt für den Mittwoch im Tiefland geringe und im Bergland teils mittlere Wahrscheinlichkeiten für Böen bis Sturmstärke (Bft 9). Für den Gesamtniederschlag gibt es geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 l/qm in 24 Stunden am Donnerstag für den Alpenrand. Deutlicher sind die Signale für markanten Schnee am Alpenrand. Ab Donnerstag gibt es mittelhohe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 15 l/qm als Schnee in 24 Stunden am Alpenrand. Ab Samstag nehmen die Wahrscheinlichkeiten wieder ab, gehen aber nicht auf Null. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen