S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 21.09.2026 um 10.30 UTC Am Donnerstag Höhentiefpassage mit einzelnen markanten Gewittern im Südosten und stürmischen Böen an der Nordsee. Anschließend vorwiegend antiyzklonal geprägte und milde Witterung ohne markante Wettererscheinungen. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 28.09.2026 Am Donnerstag erstreckt sich ein stark amplifizierter Höhenrücken von der Iberischen Halbinsel bis zum Nordmeer. Deutschland liegt auf seiner Vorderseite in einer nördlichen Höhenströmung. Zünglein an der Waage für den Tag ist ein Höhentief, das in der nördlichen Strömung südostwärts über Deutschland hinweg läuft und sich dabei allmählich abschwächt. Im aktuellen Modelllauf läuft dieses von der Nordsee über den Osten Deutschlands bis nach Tschechien. WLA auf seiner Rückseite führt zu Aufgleitniederschlägen, die in der zweiten Tageshälfte südostwärts abziehen. Mit dem Höhentief kommt auch ein Schwall Höhenkaltluft mit, die in Verbindung mit Wolken und Regen einen eher kühlen Tag zur Folge hat. Kaum davon betroffen ist aller Voraussicht nach der Südwesten des Landes, wo bei längerem Sonnenschein Höchstwerte jenseits der 20-Grad-Marke erwartet werden. Am Freitag verlagert sich die Achse des Höhenrückens aufgrund eines kräftigen Höhentiefs (inkl. Orkantief am Boden) über Island. Die Höhenströmung bleibt über Deutschland weiter auf Nord. Am Boden ist die Strömung nur schwachgradientig. Gleichzeitig sorgt etwas WLA über dem Norden für weitere Stabilisierung. Während man nach Westen und Süden vom Höhenrücken profitiert und nach Auflösung nächtlicher Nebelfelder die Sonne häufig scheint, halten sich nach Norden und Osten gedeckelt feuchte Luftmassen und damit tiefer Stratus, aus dem auch ein wenig Regen fallen kann. Auch in höheren Schichten gibt es durch das Aufgleiten dichtere Wolken. Mit 16 Grad auf Rügen und bis 25 Grad im Breisgau gibt es eine ordentliche Temperaturspanne über Deutschland. Im Süden muss in der Nacht mit Bodenfrost gerechnet werden. Am Samstag flacht der Rücken durch die stromabwärtige Entwicklung des Höhentiefs bei Island deutlich ab, liegt dann aber mit seiner Achse über Deutschland und stützt ein Bodenhoch, das seinen Schwerpunkt über Osteuropa hat. Von Südwesten werden in der nun eher zonal orientierten Strömung warme Luftmassen advehiert, sodass die Maxima im Südwesten teils in den sommerlichen Bereich steigen. Nach Norden gibt es mit der Nähe zur Frontalzone mehr Feuchte und damit Wolkenfelder. Hin und wieder kann daraus auch mal etwas Sprühregen fallen. Die Maxima liegen entsprechend oft um oder unter 20 Grad. Direkt an der Küste sind Windböen um West zu erwarten. Am Sonntag und Montag setzt sich das ruhige, antizyklonal geprägte Wetter vielfach fort. Bei nur geringen Luftdruckgegensätzen haben es Nebelfelder mancherorts zunehmend schwer, sich aufzulösen. Ist dies geschehen, dominiert freundliches Wetter. Der Rücken beginnt sich wieder zu amplifizieren, wobei seine Achse über Osteuropa zu finden ist. Damit ergibt sich eine südwestliche Strömung und die 850-hPa-Temperatur steigt über die 15-Grad-Marke. Entsprechend sind, wenn die Sonne mitspielt, häufiger Sommertage zu erwarten. In der erweiterten Mittelfrist dominiert weiterhin Antizyklonalität. Zwar kann zu Beginn der neuen Woche mal eine Störung in Form eines sich abschwächenden Höhentrogs Teile Deutschlands beeinflussen. Vielerorts bleibt es aber weiterhin trocken. Anschließend kann sich der Rücken zur Mitte der Woche wieder deutlich kräftigen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Grundkonstellation zu Beginn der Mittelfrist wird recht konsistent simuliert. So lässt sich in allen Modelläufen der stark amplifizierte Rücken von der Iberischen Halbinsel bis zum Nordmeer erkennen. Im Detail ergeben sich aber dann doch Unterschiede, und die betreffen vor allem das Höhentief, das an der Ostflanke am Donnerstag Deutschland überqueren soll. Wie weit im Westen dies der Fall sein wird und wie stark ausgeprägt das Tief sein wird, schwankt noch von Lauf zu Lauf. Daran gekoppelt sind aber auch die wesentlichen Vorhersageparameter und ihre Regionalisierung (Niederschlag, Sonne, Wind und Temperatur). Im Anschluss zeigen die Modelle konsistent eine vorübergehende Zonalisierung am Wochenende, wobei die Strömung weiterhin antizyklonal geprägt bleibt. Die genaue Lage der Frontalzone ist dabei noch Schwankungen unterlegen, also konkret die Frage, ob es im Norden zeitweise Niederschläge geben wird oder diese weiter nördlich auftreten. Dies setzt sich auch in der weiteren Entwicklung fort. Alle Modelläufe zeigen konsistent die Entwicklung eines persistenten und stark amplifizierten Höhenrückens, der vom Mittelmeerraum bis nach Osteuropa liegt und auch Deutschland beeinflusst. Unsicher ist nur, inwiefern Störungen in einem Randbereich Deutschland beeinflussen können. Der gestrige 12-UTC-Lauf und der heutige 00-UTC-Lauf sind da insgesamt etwas störungsanfälliger als noch der gestrige 00-UTC-Lauf. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Wie auch IFS-intern gibt es die größte Unsicherheit zu Beginn der Mittelfrist im Modellvergleich bei der Zugbahn des Höhentiefs. ICON zeigt dieses weiter im Nordosten als das IFS und auch weniger intensiv. Das GFS und auch UK10 lassen dieses hingegen deutlich weiter südwestlich über Deutschland ziehen. Das Höhentief ist beim GFS deutlich schwächer als beim UK10. Nachfolgend entwickeln alle Modelle den stark amplifizierten Höhenrücken und lassen seine Achse nach Deutschland ausgreifen. Wie schnell dies geschieht, wird noch leicht unterschiedlich gezeigt. GFS lässt den Nordosten und Osten noch länger im Einflussbereich eines Tiefs über dem Baltikum. UK10, ICON und IFS sind gemeinschaftlich auch dort eher antizyklonal. Zum Wochenende steigern sich die Unsicherheiten. Die Mehrheit zeigt eine Zonalisierung mit antizyklonalem Einschlag, GFS behält hingegen einen stärker amplifizierten Keil. ICON zeigt einen flachen Randtrog, der am Samstag den Norden beeinflusst und bei IFS nicht so ausgeprägt ist. Auch in der weiteren Folge hat das ICON einen eher zyklonaleren Einschlag der westlichen Strömung als das IFS und andere Globalmodelle. Auch zur neuen Woche gibt es Unterschiede. Das IFS zeigt eine deutliche Aufsteilung und Drehung der Höhenströmung auf Südwesten, wobei das Höhenhoch nah ist. ICON hingegen hat eine deutlich strammere und weniger aufgesteilte Strömung. Das GFS hat, wie immer wieder, ganz andere Ideen und nähert sich erst zum Ende dem IFS an, wenn es um den Aufbau eines blockierenden Rückens geht. Dieser wird vom GFS aber weiter östlich gesetzt als beim IFS. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen zeigen zunächst einen ziemlich gebündelten Verlauf. Die Unsicherheit am Donnerstag ist anhand einer deutlichen Streubreite bei der T850 als auch beim Niederschlag klar auszumachen. Nachfolgend sieht man einen deutlichen Anstieg von Geopotential und Temperatur sowie eine Abnahme der Niederschlagssignale. Allerdings sieht man ebenso im Laufe des Wochenendes und darüber hinaus eine Zunahme der Streubreite, vor allem bei der 850-hPa-Temperatur. Die Mehrzahl der Member verläuft zwar weiterhin gebündelt und reiht sich dort ein, es bestehen aber doch Unsicherheiten, und diese sind nicht zuletzt auch daran gekoppelt, wie stark sich der neue blockierende Rücken amplifiziert und wo die Achse zum Liegen kommt. Das Clustering zeigt für den Zeitraum +120 h bis +168 h (Sa00 bis Mo00) zwei Cluster. Beide zeigen den Aufbau einer starken positiven Geopotentialanomalie über Europa und eine negative Anomalie über dem Atlantik bis zum Nordmeer. Unterschiede für Deutschland sind eigentlich nur in der tatsächlichen Ausprägung und Lage der Achse (und damit der resultierenden Höhenströmung) zu sehen. Im Zeitraum +192 h bis +240 h (Di00 bis Do00) gibt es weiterhin zwei Cluster. Bei beiden erstreckt sich eine enorme positive Geopotentialanomalie von Zentraleuropa bis weit nach (Zentral-)Russland, sodass sich die Blockierung fortsetzt. Es gibt aber einen Unterschied darin, wie sehr der umfangreiche atlantische Trog bis nach Europa ausgreifen kann und von Westen auch Störungen auf Deutschland übergreifen können. Durch die trogvorderseitige Lage in beiden Membern setzt sich aber der milde Witterungsabschnitt fort. Das Ensemble des GFS zeigt mit zunehmender Streubreite einen Anstieg von Temperatur und Geopotential im Mittelfristverlauf. Der Hauptlauf ist eher am Oberrand des Temperaturensembles zu finden. Von der Höhentiefstörung zu Beginn abgesehen, gibt es kaum Niederschlagssignale. Erst in Richtung Oktober nehmen die Zuckungen wieder etwas zu. FAZIT: Die Mittelfrist startet mit einem Höhentief mit noch unsicherer Zugbahn und Ausprägung am Donnerstag. Anschließend setzt sich das antizyklonal geprägte Wetter fort, wobei die Strömung zum Wochenende vorübergehend zonalisiert. Vor allem nach Norden liegt man nahe an der Frontalzone und ist (mit noch bestehenden Unsicherheiten) zeitweiligen Störungen ausgesetzt. In Richtung Süden gibt es nach Nebel oft Sonnenschein und teils sommerliche Höchstwerte. In der neuen Woche amplifiziert sich die Höhenströmung wieder und ein kräftiger Höhenkeil kann sich entwickeln. Fraglich ist die Achsenlage, die auch darüber entscheidet, ob wir den Einfluss des Atlantiktroges spüren oder die Antizyklonalität standhaft bleibt. Das alles bei einer südwestlichen Grundströmung und damit einem Fortsetzen der milden Witterung. Nach Süden und Südwesten sind weiterhin keine erwähnenswerten Signale für Niederschlag zu sehen. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Am Donnerstag kann es im Vorfeld des Höhentiefs im Südosten Deutschlands einzelne markante Gewitter geben, an der Nordsee sind stürmische Böen möglich. Wie oben beschrieben, gibt es aber noch Unsicherheiten mit der Zugbahn des Höhentiefs, die sich auch auf mögliche Warnparameter auswirken. Im weiteren Mittelfristverlauf bis weit in den Oktober hinein, gibt es kaum Signale für markante Wettergefahren. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EZMWF EPS, ICON EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer