S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 27.09.2026 um 10.30 UTC Ab Donnerstag in der Westhälfte zeitweilige Regenfälle und einzelne Gewitter. Nach Osten hin voraussichtlich weiterhin trocken. Zurückgehende Temperaturen, aber nicht kalt. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 04.10.2026 Es sind nur noch wenige Tage, bis ein (wieder mal) zu warmer (gemessen an der Referenz 1991-2020) und vor allem trockener Monat zu Ende geht. Lediglich in Schleswig-Holstein und dem erweiterten Küstenraum sowie gebietsweise in der östlichen Mitte (u.a. Zittauer Gebirge, Erzgebirgsvorland) hat es im September durchschnittlich oder überdurchschnittlich viel geregnet. Dagegen gibt es im Südwesten Stationen, die noch nicht mal auf 5, geschweige denn auf 10 mm kommen. Oder anders ausgedrückt, dort hat es den ganzen Monat so gut wie nicht geregnet. Spaßvögel könnten jetzt einwenden, naja, es bleiben ja noch drei, mit heute vier Tage, um die Bilanz dort aufzupeppen. Forget it, nix is´, Blockierung und Trockenheit bleiben erhalten, wobei die Temperatur im Westen und Südwesten in den nächsten Tagen immer mal wieder an der 30°C kratzt oder sie sogar überschreitet, was an einzelnen Orten Dekadenrekorde zur Folge haben dürfte. Erst am Donnerstag, dem 1. Oktober und Tag 2 des offiziellen Mittelfristzeitraums, scheint sich was zu tun in der Atmosphäre. Zwar bleibt uns das bis dato blockierende Hoch mit dem zugehörigen umfangreichen Rücken über Nordost-, dem nahen Ost- bzw. dem östlichen Mitteleuropa erhalten (Zentrum mit 1040+x hPa und fast 590 gpdam über dem Baltikum und Karelien), jedoch hat sich auf dem Ostatlantik ein wuchtig aussehender Gegenspieler auf die Bühne gehievt. Die Rede ist von einem fetten Sturm- respektive Orkantief, das am Mittwoch seinen Kerndruck in die Nähe von 950 hPa bringt (man beachte den gewaltigen Gradienten zum Hoch) und auf der Wetterkarte dem klassischen Vergleich mit einer Vinylschallplatte standhält. Nun ist es aber keinesfalls so, dass ein solcher Kraftprotz mir nichts, dir nichts die Blockade auflöst und bei uns binnen kürzester Zeit das Wetter auf links dreht. Dazu mangelt es an Zonalität, denn trotz dieser zyklonalen Wuchtbrumme bleibt das großräumige Zirkulationsmuster stark gestört mit besagtem Rücken östlich und ausgeprägtem Potenzialtrog westlich von uns. Kurzum, bereits in der Nacht zum Donnerstag beginnend, vor allem dann aber am Donnerstag selbst greift die schleifende und zur Wellenbildung neigende, teilokkludierte Kaltfront des Sturmtiefs mit zugehörigen, teils schauerartig verstärkten und mit einzelnen Gewittern durchsetzten (oder vorgelagerten) Regenfällen auf die westlichen Landesteile über. Profiteure dürften das westliche NDS, NRW ohne Ostwestfalen, RP und Saarland sowie (vielleicht) der Oberrheingraben und der Schwarzwald sein. Wie viel Regen am Ende runterkommt, steht derzeit noch in den Sternen. Gerade bei Blockierungslagen gehen die Simulationen mit Näherrücken des Ereignisses gerne mal zurück und tatsächlich weist auch der heutige 00-UTC-Lauf Intensitätsverluste gegenüber seinen jüngsten Vorgängern auf. Bis Freitagfrüh sollen sich Front und Niederschlag noch etwas ostwärts voranquälen, weite Teile der Osthälfte dürften aber außen vor bleiben. Dort steht ein sonniger und warmer Oktoberstart mit punktuell um oder etwas über 25°C Höchsttemperatur ins Haus (T850 um 14°C ließe noch mehr zu, doch mangelt es an Durchmischung und auch der inzwischen niedrigere Sonnenstand macht sich bemerkbar). Kalt wird es trotz Wolken und Regen aber auch im Westen nicht, meist wird die 20°C-Marke noch überschritten. Am Freitag bekommt die Front zunehmend Schwierigkeiten, der Entwicklung ihren Stempel aufzudrücken. Vorne (als im Osten) die andauernde Blockade, von hinten (also von Westen) rasch einsetzender Druckanstieg und aus der Höhe kaum Support, weil der Trog nicht mitspielt (keinerlei Progression) und gerade in seinem Südteil allmählich aufgefüllt wird. Berücksichtigt man nun noch, dass das vormals so stolze Sturmtief über der Dänemarkstraße so gerade noch 1000 hPa auf die barische Waage bringt, versteht man recht schnell, warum das gesamte Strömungsmuster bereits wieder stark antizyklonal konturierte Züge annimmt. Okay, ganz tilgen lässt sich unsere Front dann aber trotz frontolytischer Zangentechnik doch nicht. Irgendwo über der Mitte (vielleicht von SH bis hinunter nach Oberschwaben, vielleicht etwas weiter östlich) wird sie mit meridionaler Ausrichtung weder richtig vor- noch zurückkommen und dabei ein paar Liter kostbaren Regens ablassen. Ob es auch noch für Gewitter reicht, ist zweifelhaft. Im Laufe des Wochenendes - der Tag der Deutschen Einheit fällt dieses Jahr auf einen Samstag - schlittern wir zunehmend in eine Hochrandlage. Ausgehend vom weiterhin im Großraum Baltikum positionierten Zentralhoch baut sich eine bis zum Ostatlantik reichende, brückenartige Hochdruckzone auf, an deren Südflanke wir in eine östliche Grundströmung gelangen. Während sich die Reste der Front am Samstag noch als widerborstig zu entpuppen scheinen - in der Westhälfte werden zeit- und gebietsweise meist leichte Regenfälle angeboten -, soll die Abtrocknung am Sonntag soweit greifen, dass keine Niederschläge mehr auftreten. Daran werden sehr wahrscheinlich weder die Reste des über dem nahen Atlantik weiterhin schlummernden Höhentrogs noch das ausladende, kaltlufttropfenähnliche Höhentief über dem Balkan was ändern. Was sich allerdings ändert, ist die Temperatur. So bringt es die von Osten einfließende Kontinentalluft nur noch auf rund 6°C auf 850 hPa (Sonntag 12 UTC), was sich freilich auch auf 2-m-Niveau niederschlägt. 25°C werden nicht mehr erreicht, je nach Sonne dürfte sich eine Spanne zwischen 18 und 22°C, im Südwesten lokal etwas darüber, Richtung Küsten eher etwas darunter, einstellen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Summa summarum kann dem IFS (ECMF) eine gute Konsistenz attestiert werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass innerhalb der jüngsten Modellläufe kleinere Diskrepanzen erkennbar sind. Am groben Fahrplan - und um den geht´s in der Mittelfrist vornehmlich - ändert sich kaum was. Heißt, nach einem antizyklonalen und warmen bis heißen Start versucht ab Donnerstag eine atlantische Störung die Blockierung aufzubrechen. Die Erfolge sind überschaubar und konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Westhälfte, vielleicht auch noch auf Teile der Mitte. Dort kommt es zu Regenfällen und einzelnen Gewitter, wobei die Regenmengen im neuesten Modelllauf von 00 UTC zurückgerechnet wurden. Im Laufe des Wochenendes deutet sich dann eine Hochrandlage mit Abtrocknung und östlicher Strömung auf nicht mehr so hohem Temperaturniveau wie in der ersten Wochenhälfte an. Da gab es vorher auch andere Szenarien, so dass hier die Konsistenz etwas schwächelt. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Gänzlich neue Ideen gegenüber den oben beschriebenen Abläufen haben auch die an dieser Stelle für gewöhnlich gescannten Globalmodelle (ICON, GFS, GEM, UK10) nicht zu bieten. Alle lassen zum Donnerstag hin die schleifende/wellende Kaltfront mit Regenfällen (+ einzelnen Gewittern) übergreifen und bei allen Modellen bekommt die Front danach existenzielle Schwierigkeiten. Bezogen auf den Freitag traut GFS (heutiger 00-UTC-Lauf) der Front noch am meisten zu, weil sie im Westen und Nordwesten von einer aktiven Welle animiert wird. Zwischen Elbmündung und Eifel werden in einem vergleichsweise schmalen Korridor 12-stündige RR-Mengen zwischen 10 und 30 l/m², stellenweise noch mehr angeboten - so viel, wie in keinem anderen Modell. Sagen wir so, schön und nötig wärs, allein der Glaube fehlt. Einigkeit herrscht dahingehend, dass weite Teile des Ostens, der östlichen Mitte und des Südostens sehr wahrscheinlich trocken bleiben. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen anfangs einen sehr eng gebündelten Verlauf mit ganz seicht steigender Tendenz (T850 und Pot500). Ab Donnerstag laufen dann vor allem die Temperatur-, bedingt aber auch die Potenzialkurven tendenziell nach unten bei gleichzeitig ganz allmählich zunehmender, aber geordneter (keine vogelwilden Ausschläge) Spreizung der Kurvenscharen. Auch treten nun Niederschlagssignale auf den Plan, die an westlich gelegenen Stationen (hier Essen, Offenbach, Freiburg) am Donnerstag ein Maximum ausweisen. Ansonsten hauen einen die apostrophierten Niederschlagspeaks nicht aus dem Sattel, weder von ihrer Anzahl noch von ihrer Intensität her. Vor allem im Osten sieht es diesbezüglich ziemlich düster aus. Von den Fahnen zu den Clustern, die am Mittwoch und Donnerstag (T+72...96h) zwar mit drei Angeboten aufwarten, welche aber alle drei sehr ähnlich sind (ausgeprägte Trog-Rücken-Struktur im Regime "Blockierung"). Von Freitag bis Sonntag (T+120...168h) erhöht sich Zahl der Cluster auf vier, wobei das Regime "Blockierung" aber unisono erhalten bleibt. Die ersten drei Cluster (insgesamt 42 Mitglieder + Kontrolllauf) simulieren dabei eine mehr oder weniger antizyklonal bestimmte Hochrandlage (die Achse der großräumigen Hochdruckzone liegt mal etwas nördlicher, mal etwas südlicher), ähnlich dem HRES. Einen gewissen Charme versprüht CL4 (9 Athleten), das von Osten her ein Höhentief respektive Kaltlufttropfen auf den Vorhersageraum übergreifen lässt - offensichtlich das Szenario, welches das leichte Grundrauschen des Niederschlags in den Rauchfahnen generiert. Bliebe noch das Zeitfenster T+192...240h (Montag bis Mittwoch), das ebenfalls vier Cluster feilbietet. Während CL1 (20 Mitglieder) alles beim Alten lässt (Südflanke Hochdruckzone knapp nördlich von uns), versuchen uns CL2 und CL3 (13+9+CTRL) jeweils ein Höhentief oder KLT aufs Auge zu drücken. CL4 (9) wiederum hat die Nase voll von Blockade und versucht´s mal mit "Atlantischer Rücken". Im Bodendruckfeld würde dabei eine zonal exponierte West-Nordwestströmung für den Vorhersageraum herausspringen. Unterstützung bekommt diese Variante von AIFS, das zumindest ein ähnliches Muster anbietet. FAZIT: Nach einem trockenen und (sehr) warmen, im Westen und Südwesten z.T. sogar heißen Anfang wird die Blockade am Donnerstag von Westen her "angeknabbert". Bedeutet bis einschließlich Freitag vornehmlich in der Westhälfte Regenfälle und einzelne Gewitter. Insgesamt scheinen die simulierten RR-Intensitäten aber schon wieder rückläufig und der Osten bekommt sehr wahrscheinlich ohnehin nichts davon ab. Zum Wochenende deutet sich eine Hochrandlage mit relativ trockener östlicher Grundströmung auf dann nicht mehr so hohem Temperaturniveau an. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Die mittelfristige Entwicklung bietet nicht allzu viele Flanken in Sachen "signifikante Wettererscheinungen". Im Grunde muss man sogar konstatieren, dass Regenarmut und andauernde Trockenheit das Hauptproblem sind. Dass es ab Donnerstag in der Westhälfte zu Regenfällen kommen soll, ist zwar sehr erfreulich, dürfte aber bei weitem nicht ausreichen, um irgendwelche Bilanzen auch nur ansatzweise auszugleichen. Und sollte in einem Gewitter oder Schauer irgendwo mal die formale! Starkregenschwelle überschritten werden (gestern war auch noch von potenziellem Dauerregen die Rede, was aber unwahrscheinlicher geworden ist), so what. Seien wir froh, dass es endlich mal wieder regnet. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix mit Modell-Mix und IFS-EPS. ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann