S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 28.05.2026 um 10.30 UTC Unbeständig mit wiederholten Gewittern und schauerartigem Regen, zurückgehende Temperaturen auf mäßig-warmes Niveau. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 04.06.2026 Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Sonntag befindet sich ein umfangreicher Langwellentrog über Osteuropa und auch über dem Nordatlantik liegt nördlich des Azorenhochs ein umfangreicher Tiefkomplex mit mehreren Drehzentren. Über Deutschland sind die Isohypsen in 500hPa zwar antizyklonal gekrümmt, dennoch gelangen wir allmählich auf die Vorderseite eines Trogs über Großbritannien. Des Weiteren liegt eine Luftmassengrenze über Deutschland mit trockenerer und kühlerer Luft im Norden, wo die Temperaturen trotz zeitweiligem Sonnenschein kaum noch über 25 Grad steigen dürften. Auf der Südseite liegt feuchtwarme Luft, in der sich im Tagesverlauf, auch unterstützt durch die zunehmende Trogvorderseite, Schauer und teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential bilden können. Zuvor wird es dort mit 25 bis 30 Grad nochmals sommerlich warm. Bis Montag stellt sich zunehmend eine westliche Strömung ein. Tiefs befinden sich über dem Nordatlantik, über der Norwegischen See sowie über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa. Demgegenüber steht das Azorenhoch und hoher Luftdruck über dem Mittelmeerraum. Ein Keil des Azorenhochs schiebt sich von Frankreich nach Deutschland herein. Eine Kaltfront verdrängt die schwülwarme Luft nach Osten. Daher werden die Schauer sowie der gewittrige Starkregen, der sich auch über die Nacht im Süden und der Mitte halten konnte, nach Osten abgedrängt. In der kühleren und deutlich trockeneren Luftmasse kommt es Dank des Hochkeils zu einer Wetterberuhigung. Sonne und Wolken wechseln sich ab; mit 20 Grad im Norden und 27 Grad am Oberrhein wird es nicht mehr so warm wie an den Tagen zuvor. In der Nacht zum und am Dienstag bleibt uns die zonale Strömungskonfiguration erhalten. Darin ist allerdings ein hochreichendes Tief eingebettet, das im Tagesverlauf von Schottland zur nördlichen Nordsee zieht. Deutschland gelangt in den Warmsektor des Tiefs, sodass wir wieder in den Einfluss wärmerer und feuchterer Luft gelangen. Am Abend erreicht die Kaltfront des Tiefs den Nordwesten des Landes. Zuvor können sich in der Warmluft von Westen her vermehrt Schauer und zum Teil schwere Gewitter bilden. Die Unwettergefahr durch Hagel und Starkregen ist dabei erhöht, wobei in der Nacht zum Mittwoch mit einer Verclusterung der Gewitter zu rechnen ist, sodass dann auch mehrstündiger Starkregen in den Fokus rückt. Auch am Mittwoch bleibt uns das von Tiefdruck geprägte Wetter erhalten, wobei die Prognoseunterschiede deutlich zunehmen. Nach IFS zieht das Tief von der Nordsee unter Auffüllung nordwärts und wird durch ein neues kräftiges Tief ersetzt, das nach Großbritannien ziehen soll. ICON hat diese Tiefdruckentwicklung nicht auf dem Programm, stattdessen bleibt nach dieser Lösung das Tief über der Nordsee bestehen. So oder so setzt sich das unbeständige Wetter in irgendeiner Form fort. Wann und wo die Schwerpunkte der Schauer- und Gewittertätigkeit liegen, ist aber noch nicht vorhersagbar. Auch am Donnerstag befindet sich Mitteleuropa im Einflussbereich tiefen Luftdrucks, wenngleich die Prognoseunterschiede weiterhin bestehen bleiben. Unbeständiges und mäßig warmes Wetter und gebietsweise Schauer und Gewitter werden uns also auch über den Feiertag begleiten. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bei der Konsistenz der IFS-Läufe ist festzustellen, dass es bereits am Montag signifikante Unterschiede gibt. Der Rücken respektive Zwischenhocheinfluss war im gestrigen 00UTC-Lauf deutlich kräftiger ausgeprägt als im 12UTC- und heutigen 00UTC-Lauf. Daher war auch die Schauer- und Gewittertätigkeit im gestrigen Lauf deutlich schwächer als dies in den nachfolgenden Läufen der Fall ist. Die Unsicherheiten nehmen im weiteren Verlauf noch zu. Relativ sicher ist, dass wir im Einfluss von Tiefs bleiben, die das Wetter generell unbeständig gestalten, bei mäßig warmen Temperaturen. Wann und wo sich Tiefs entwickeln, wird aber noch sehr unterschiedlich simuliert. Somit können Aussagen über Niederschlags- und Gewitterschwerpunkte noch nicht getroffen werden, ebenso wann vorübergehender Zwischenhocheinfluss für eine mögliche kurzzeitige Wetterberuhigung sorgen könnte. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch der Vergleich mit den anderen Globalmodellen bestätigt die Umstellung der Wetterlage hin zu mäßig-warmen und v.a. unbeständigem Wetter mit Schauern und Gewittern bis in den Unwetterbereich und generell wiederholten Niederschlägen. Die bei den IFS-Läufen beschriebenen Unsicherheiten lassen sich auch auf die anderen Globalmodelle übertragen. Der grobe Fahrplan steht zwar, wann und wo die Niederschlagsschwerpunkte liegen, bleibt aber noch abzuwarten. FAZIT: Die Großwetterlage stellt sich grundlegend um. Das ruhige Hochdruckwetter geht zu Ende, stattdessen erwartet uns eine unbeständige Wetterwoche mit wiederholten Schauern, Gewittern und schauerartigen Regenfällen. Auch in der Mitte und im Süden gehen die Temperaturen auf ein mäßig-warmes Temperaturniveau zurück. Zwar wird kurzfristiger Zwischenhocheinfluss auch mal für Regenpausen sorgen, wann diese sein werden, bleibt aber noch abzuwarten. Die Trockenheit und Waldbrandgefahr dürften sich aber deutlich entspannen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen stützen den beschrieben Wetterablauf. Nach dem Kaltfrontduchgang in der Nacht zum Montag steigen die Temperaturen in 850hPa zwar wieder an, bleiben aber im Vergleich zum Freitag und Samstag auf niedrigerem Niveau. Das Geopotential geht im Mittel zurück und über dem gesamten mittelfristigen Zeitraum gibt es zahlreiche Niederschlagspeaks, die das unbeständige Wetter mit Schauern und Gewittern untermauern. Der Spread nimmt v.a. ab Dienstag deutlich zu. Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h alle Member in ein einziges Cluster gruppiert mit dem Strömungsregime einer positive NAO, was das eher zonale Strömungsmuster bestätigt. In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden schließlich zumindest zwei Cluster angeboten, die weiter dem Regime der positiven NAO folgen. Der Kontrolllauf wird in Cluster 1 verortet (32 Member). Bei Cluster 2 (19 Member) greift ein Trog über West- und Mitteleuropa weiter nach Süden aus als bei Cluster 1. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Signifikante Wettererscheinungen sind im mittelfristigen Zeitraum auf starke, teils schwere Gewitter beschränkt. Diese werden uns den gesamten mittelfristigen Zeitraum begleiten, mit unterschiedlichen räumlichen Schwerpunkten. Dabei geht die höchste Gefahr von Starkregen bis 25 l/qm in kurzer Zeit, örtlich auch unwetterartigen Starkregen bis 40 l/qm, und Hagel bis 2 cm aus. Auch stürmische Böen oder Sturmböen sind möglich. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage ICON, IFS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel