S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 03.08.2026 um 10.30 UTC Im Norden kühler, im Süden wärmer, teils heiß. Vor allem an den Alpen anfangs teils stärkere Gewitter, zum Wochenende hin aber Wetterberuhigung. Wetterentwicklung der kommenden Woche noch relativ unsicher. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 10.08.2026 Nach einem markanterem Luftmassenwechsel, der bereits am Mittwoch einsetzt, stellt sich mittelfristig wohl wieder eine eher antizyklonal geprägte Großwetterlage ein. Wie diese am Ende aussieht, da ist sich die Numerik allerdings noch nicht so ganz einig. Völlig störungsfrei scheint die Angelegenheit nicht über die Bühne zu gehen. Hier und da pfuschen wohl kleinskalige zyklonale Höhenstrukturen ins Handwerk. Dadurch wird selbiges für den Vorhersagemeteorologen einmal mehr schwer gemacht. Fakt ist aber: Mit der ganz großen Hitze und den Unwettern, die uns in der Kurzfrist noch reichlich beschäftigen werden, ist bald erstmal wieder Schluss. Am Donnerstag trennt eine Luftmassengrenze die Nordwest- und die Südosthälfte des Landes voneinander. Sie entstammt einem Frontdurchgang, der es zunächst nur bis in die Landesmitte schafft. Dabei wird diese Luftmassengrenze auch von Westen her bereits durch atlantischen Hochdruck überlaufen. Die Wetteraktivität hält sich somit in Grenzen. Vor allem auf der warmen Seite der Luftmassengrenze bleibt es noch unbeständig. Hier ist das Potential für Gewitterentwicklungen weiterhin noch hoch. In meist nur schwach gescherter Umgebung handelt es sich aber eher um die typischen Hitzegewitter, die sich mit orografischer und lokaler Unterstützung (z.B. Alpines Pumpen) vor allem entlang und innerhalb der Berge bilden. Starkregen und Hagel bilden das Hauptrisiko. Im kühleren Nordwesten bleibt es bei einem Sonne-Wolken-Mix. An der Nordsee deutet sich dabei der Durchzug einer sekundären Bodentrogachse an, an die Schauer und anfangs einige Gewitter gekoppelt sind. Voraussichtlich findet das meiste davon aber über See statt und nur noch einzelne Restschauer erreichen gegen Abend die Inseln und die Küste. Die Zweiteilung wurde schon erwähnt: Während in den südlichen Landesteilen nochmals die 30°C-Marke erreicht oder überschritten wird, bleibt es in der Nordwesthälfte bei Werten zwischen 21 und 26°C kühler. Bei recht straffer Nordwestströmung sind einzelne stürmische Böen vor allem in Schauernähe an der Küste nicht ausgeschlossen. In der Nacht setzt sich der erste Hoch-Ableger über Deutschland fest. Damit kommt die Schauertätigkeit zum Erliegen und es klart weitgehend auf. Die Temperaturen sinken meist auf 16 bis 10°C. Am Freitag hat sich der Hochdruck endgültig etabliert. Es stellt sich zunächst eine antizyklonale Nordwestlage ein. Dabei bleibt es vor allem bei einem Wechsel aus Sonne und Wolken, wobei der Süden mehr Sonne, der Norden mehr Wolken abbekommt. Mit dem Tagesgang kann sich, unterstützt von feuchterer Nordseeluft, dichtere Cu- oder Sc-Bewölkung etablieren. Einige dieser Wolkenfelder neigen auch noch dazu, ein paar wenige Regentropfen zu produzieren. Insgesamt aber hält sich das Schauerrisiko doch sehr in Grenzen. Gleiches gilt auch für das Gewitterrisiko an den Alpen. Die Luftmasse taugt zwar noch dazu, einige Gewitter innerhalb der Berge zu produzieren, viel mehr dürfte aber nicht zu erwarten sein. Dafür ist es insgesamt am Ende doch bereits zu trocken. Zudem fehlt es an Forcing. Hier muss das Gelände bereits kräftig mithelfen. Die kühlere Luftmasse macht sich dabei auch bis in den Süden bemerkbar, wenngleich in der Höhe schon wieder WLA einsetzt. Die Temperaturen erreichen jedenfalls "nur" noch Werte um 25°C, die 30er-Marke ist erst einmal passé. Auch die Nächte werden wieder etwas frischer bei meist 13 bis 10°C. Am Samstag und Sonntag verlagert sich der Hochdruckeinfluss etwas ostwärts. Dabei kommt nun auch bodennah wieder WLA in Gang. Wie stark diese ausfällt, wird von den Modellen noch sehr unterschiedlich gehandhabt. Dementsprechend gibt es hier bereits größere Unsicherheiten, was die Temperaturprognose für den Süden betrifft. Abseits davon steht viel Sonnenschein bei nur geringer Bewölkung ins Haus. Nur im Bergland reicht es für ein paar Quellwolken, an der Nordsee sind aus etwas dichterer Bewölkung nochmals ein paar wenige Regentropfen möglich. Meist bleibt es bei Maximalwerten um 25°C, an Rhein und Main geht es tendenziell bis auf 29°C hoch. Am Sonntag sind dort auch wieder erste Werte von knapp über 30°C zu erwarten. Das wird vor allem dadurch gestützt, dass der Potentialrücken am Sonntag abgebaut wird und die Höhenströmung auf Südwest dreht und sich verstärkt. Dabei baut sich eine neue Trogvorderseite auf, die zunächst für Warmluftzufuhr sorgt. In der Nacht zum Montag erreicht anschließend die Trogachse das Küstenumfeld, und damit auch ein neues Frontensystem. Dieses sorgt zunächst im Nordwesten für etwas Regen und kommt bis Montagmittag weiter bis in die Mitte voran. Allerdings deutet sich an, dass auch diese Luftmassengrenze wieder rasch von nachfolgendem Druckanstieg überlaufen wird und sich die Niederschlagsmengen erneut in Grenzen halten. Allerdings gibt es diesbezüglich noch deutliche Unschärfen in den Modellen. Da Stand jetzt im Süden kein Frontdurchgang erfolgt, erwartet uns auch am Montag in der gesamten Südwesthälfte möglicherweise ein weiterer heißer Tag mit Temperaturen über 30°C. Im weiteren Verlauf sieht es so aus, als bliebe der Temperaturkontrast Nord-Süd weiter bestehen. Tendenziell zeichnet sich dabei auch ein Umschwung hin zu eher zyklonaler geprägten Wetterlagen ab. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der letzten IFS-Läufe ist schlecht. Die Zyklogenese über NW-Europa wird von der ECMWF-Kette uneinheitlich gehandhabt, mit Folgen für die Temperatur-, Niederschlags- und Konvektionsprognose. Entscheidend ist vor allem ein Warmluftvorstoß über die Alpen am Wochenende. Dieser ist noch mit vielen Fragezeichen versehen und sorgt für große Unsicherheiten insbesondere bezüglich der Temperaturprognosen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch die anderen globalen Modelle kommen mit der Entwicklung nach dem Durchgang der Luftmassengrenze bereits ab Freitag nicht gut zurecht. Die Etablierung eines neuen Langwellentroges über NW-Europa bereitet noch ordentlich Probleme. Aufgrund dessen sind die Prognosen spätestens ab dem Wochenende noch mit Vorsicht zu genießen. Alternativ bleibt vor allem im Süden deutlich kühler als prognostiziert. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die ENS bilden das bereits oben beschriebene ebenfalls ab. Bereits ab Freitag steigt die Streubreite der Rauchfahnen deutlich an. Ab Sonntag nimmt dann die Unsicherheit Temperaturprognose enorm zu. Teilweise umspannen die beiden zentralen Quartile der Verteilung (25-75%) alleine schon bis zu 10K. Sichere Aussagen sind so nicht möglich. Die Cluster bilden die Unsicherheiten ebenfalls exemplarisch ab, insbesondere im Bereich bis t+196h. Es gibt hier nur zwei verschiedene, die beide auf die Zyklogenese NW-/N-Europa eingehen. Variante 1 zeigt einen scharfen Langwellentrog über den Britischen Inseln mit entsprechender Vorderseite bei uns. Variante 2 simuliert einen umfangreichen Komplex über Nordskandinavien mit Randtiefentwicklung etwa über Südschweden. Darüber hinaus wird generell ein blockierendes Muster noch unklarer Ausprägung gezeigt. Dabei gibt es auch Optionen für eine zyklonal geprägte GWL in unseren Breiten. Das GEFS zeigt ein ähnliches Verhalten wie das IFS-ENS mit zunehmendem Rauschen ab Tag 4 (Freitag) und keinem klar erkennbaren Verlauf. Fazit: Die aktuelle Hitzeperiode findet spätestens zum Freitag ihr Ende, in den meisten Regionen auch schon eher. Es stellt sich eine Zweiteilung zwischen warmem bis heißem Süd(west)en und kühlerem Norden ein. Südlich der Donau, vor allem in Alpennähe, sind anfangs noch einige kräftige Gewitter zu erwarten. Zum Wochenende lässt die Konvektionstätigkeit aber nach. Im Rest des Landes erwartet uns relativ viel Sonne. Signifikante Niederschlagsmengen sind nicht in Sicht. Gleichzeitig ist die Entwicklung in der kommenden Woche noch relativ unsicher und kennzeichnet sich unter anderem durch sehr hohe Spannbreiten in der Temperaturprognose. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Am Donnerstag und mit Abstrichen am Freitag einige stärkere Gewitterentwicklung vom Südschwarzwald über den Alpenrand hinweg bis nach Niederbayern. Hauptgefahr vor allem Starkregen (bis in den Unwetterbereich) und Hagel, einzelne Sturmböen nicht ausgeschlossen. Am Donnerstag zudem einzelne stürmische Böen Bft 8 an Nord- und Ostsee gering wahrscheinlich und am ehesten an Schauer gebunden. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage Hauptsächlich IFS in Kompromissfindung mit GFS, ICON. ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Felix Dietzsch