S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 09.04.2026 um 10.30 UTC Nicht störungsfrei, aber warnarm __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 16.04.2026 Das Fazit vorweg (erspart viel Leserei): Bis Sonntag ist die Lage klar. Ab Montag kann es so oder so ausgehen. Es ist weder ein Sturmtief noch ein Dauerhoch in Sicht. Markante Warnungen sind voraussichtlich nicht nötig. Die Mittelfrist startet am Sonntag mit einem Tief bei den Britischen Inseln und einem über dem Mittelmeer, sowie mit einem Hoch über Nordosteuropa und einem über dem Atlantik. Deutschland liegt dazwischen in schwacher Hochdruckbrücke und unter einem Keil, der von Libyen über die Alpen bis nach Südschweden reicht. Flankiert wird der Keil von tiefem Geopotential sowohl über West- als auch über Osteuropa. Ein zum Tief bei den Britischen Inseln gehörendes und zunehmend okkludierendes Frontensystem zieht schon in den sehr frühen Morgenstunden von Westen ins Land. Da es im Osten gegen den hohen Druck läuft, ist es a) sehr träge und wird b) ab der Mitte eher retrograd gen Südwesten geführt. In der Nacht zum Montag liegt die Front wahrscheinlich auf einer Höhe Kiel - Thüringer Wald und zieht dann nach Südwesten Richtung Vogesen. Im Süden macht sich das Tief über dem Mittelmeer bemerkbar, das sich über die Alpen hinweg ausdehnen möchte. Der Osten verleibt unter trocken-antizyklonaler Strömung, der Rest ist feucht-zyklonal. Die Luft ist im Süden recht warm mit 5 bis 8 Grad in 850 hPa. Sonst ist es mit +2 bis -1 Grad recht frisch. Am Montag schwächelt die Hochdruckbrücke, das Tief über dem Mittelmeer dehnt seinen Einfluss bis an den Main aus. Zwischen ihm und dem Tief bei den Britischen Inseln bildet sich eine schmale Rinne, die von einem Höhentrog gestützt wird. Die Frontalzone wird davon ebenfalls befeuert, was sie dazu veranlasst, es sich im Westen und Südwesten Deutschlands bequem zu machen. Unser Wetter ist also zweigeteilt: Während die Südwesthälfte unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten und feuchter Luft liegt, sorgt in der Nordosthälfte hoher Luftdruck und trockene Luft für ruhiges Wetter. Am Dienstag gerät der Keil zunehmend unter den Druck des Höhentiefs über Osteuropa. Der Trog über Westeuropa schnalzt nach dem Abtropfen eines Tiefs über dem westlichen Mittelmeer zunehmend nordwärts zurück, das Bodentief wird vom nächsten Tief auf dem Nordatlantik nordwärts geschoben. Übrig bleibt das Bodenhoch, das so langsam wieder Verbindung mit dem Hoch auf dem Atlantik aufzunehmen versucht. Dabei muss es über die Frontalzone hinweg, was diese ausquetscht und zur Auflösung anregt. Am Mittwoch liegen im Westen und Süden Deutschlands noch Feuchtereste der Okklusion beziehungsweise des Tiefs über dem Mittelmeer. Das Höhentief, das sich inzwischen von der Ukraine bis nach Polen vorgearbeitet hat, setzt sich allmählich am Boden durch und versorgt den Nordosten und Osten mit etwas Feuchtigkeit. Dazwischen herrscht trockene Luft vor. Das neue Tief über dem Nordatlantik startet einen Vorstoß feuchter und instabiler Luft, die aber erst Donnerstagfrüh bei uns ankommt. Derweil verlagert sich das Tief von Polen über die Ostsee Richtung Schweden. Am Donnerstag liegen wir unter feuchter und relativ kalter Luft in der Höhe. Ausgehend vom Höhentief über der Ostsee bildet sich ein Trog, dessen zunehmende Amplifizierung am Freitagmorgen für eine Ausdehnung von Südschweden über die Osthälfte Deutschlands bis nach Norditalien sorgt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Am Sonntag ist der aktuelle IFS-Lauf noch konsistent zu den Vorgängern. Ab Montag gewinnt im aktuellen Lauf (mal wieder) ein Höhentief über Osteuropa die Vorherrschaft, statt des gestern noch propagierten Troges über Westeuropa. Entsprechend trockener ist die Luft, der Einfluss des Hochs über Nordosteuropa größer. Ob es aber tatsächlich so kommt. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Guckt man sich nur einzelne Tage und Zeiten an, gibt es keine Einigkeit unter den verschiedenen Modellen. Betrachtet man den grundsätzlichen Verlauf, so steht es 50:50 beim Wetterregime. ICON und GFS simulieren einen Trog über Westeuropa, allerdings mit unterschiedlicher Amplitude und Stärke. Der Abtropfprozess eines Höhentiefs findet bei ICON auf Dienstag in den Löwengolf, bei GFS auf Mittwoch in den Golf von Genua statt. UK10 hat wie IFS das Höhentief über Osteuropa dominanter drin. Lage und Stärke sind aber unterschiedlich. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Cluster im ersten Zeitschritt liefern drei Lösungen. Dabei simulieren Lösung eins und drei (für Mitteleuropa sind die Unterschiede gering) durchweg Blocking. Lösung zwei schwenkt ab Sonntagnachmittag auf NAO+, allerdings ist der Grat schmal, denn der Keil noch ansatzweise vorhanden. Zeitschritt zwei liefert einen Mono-Cluster und durchweg Blocking. Der Trog im Westen hat fast keine Bedeutung, das Höhentief ist zwar erkennbar, aber etwas östlicher. Auch Zeitschritt drei liefert nur eine Lösung mit blockierendem Hoch. Allerdings ist hier ein Höhentief östlich von Deutschland deutlicher in der Simulation. So oder so scheint IFS eher auf der Hochdruckschiene zu liegen. Die Rauchfahnen haben einen gehörigen Spread. Der Hauptlauf ist dabei ziemlich mittig. Erst ab Wochenmitte liegt er unter der Mehrheit der Ensembles sowohl bei der Temperatur als auch beim Geopotential. Der Trend ist ebenfalls klar: Nach vergleichsweise warmem Samstag folgt am Sonntag ein deutlicher Rückgang im Süden und Westen, im Norden und Osten ist der Fall nicht ganz so tief, das Hoch aber auch nicht berauschend. Die Niederschläge sind im Norden und Osten nicht so aussagekräftig. Es gibt leichte Signale an jedem Tag. Nach Süden und Westen hin sind die Ausschläge deutlicher. Insgesamt ist der Hauptlauf des IFS aber trocken gen Osten und Norden. Die Ensembles anderer Modelle sehen nicht groß anders aus. Der Trend für Temperatur und Geopotential ist der gleiche. Beim Niederschlag spielt der Tiefdruckeinfluss von ICON und GFS allerdings eine deutliche Rolle - es gibt deutlich mehr Signale. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Die Mittelfrist bietet zwar kein störungsfreies Wetter, aber es sind voraussichtlich keine markanten Warnungen nötig. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn