S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 27.02.2026 um 10.30 UTC Meist ruhiges und mildes bis sehr mildes Frühlingswetter, sehr wahrscheinlich ohne markante Wettergefahren. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 06.03.2026 Am Montag greift ein Höhenkeil auf Deutschland über. Das korrespondierende Bodenhoch liegt mit seinem Schwerpunkt über dem südöstlichen Mitteleuropa und weist einen nach Lappland gerichteten Keil auf. Der Nordosten wird noch von Wolkenfeldern einer über Polen liegenden Warmfront gestreift, ansonsten stellen sich längere sonnige Abschnitte ein. Der nachfolgende Trog rückt zwar nach Schottland vor, tropft aber in Richtung Marokko aus. Die korrespondierende und ohnehin nur flache Tiefdruckrinne, die sich von den Britischen Inseln in die Biskaya erstreckt, wird zugeschüttet, so dass in der Nacht zum Dienstag der antizyklonale Einfluss bei geringen Luftdruckgegensätzen bestehen bleibt. Reste dieser Tiefdruckrinne arbeiten sich bis Dienstag in den Westen Deutschlands vor, wodurch sich dort vor allem über dem Bergland einzelne Schauer entwickeln können. Ansonsten bleibt es trocken. Kräftige, ins Nordmeer gerichtete Warmluftadvektion bewirkt in der Nacht zum Mittwoch über Westeuropa und der Nordsee Geopotentialgewinn, wodurch der mittlerweile über Polen liegende Höhenrücken auf eine breitere Basis gestellt wird. Das Trog-Residuum wird bis dahin vollends zugeschüttet, Reste davon machen sich am Mittwoch im Tagesverlauf nur noch in Form von Wolkenfeldern und über den mittleren Regionen einzelnen Schauern bemerkbar. Dabei verlagert sich der Rücken nach Mitteleuropa und weitet sich in der Nacht zum Donnerstag in Richtung Karelien aus. Am Donnerstag nähert sich ein weiterer Trog den Britischen Inseln, der sich wie der vorherige Trog in das Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel ausweitet. Die hierzu korrespondierende Tiefdruckrinne überquert zwar die Britischen Inseln, füllt sich aber über der Nordsee und Frankreich alsbald auf, so dass sich deren Wetterwirksamkeit auf Wolkenfelder beschränkt, die in der Nacht zum Freitag den Westen Deutschlands erfassen. Zwischen dieser Rinne und einem kräftigen Hoch über Westrussland und den Baltischen Staaten wird mit einer südöstlichen bodennahen Windkomponente trockene Luft herangeführt. Am Freitag setzt sich die Frontalzone über Nord- und Mittelskandinavien hinweg bis zum Ural durch. Der Höhenkeil wird hierdurch nach Westrussland gedrückt, wobei sich das Höhenhoch, von welchem dieser Keil ausgeht, über dem südöstlichen Mitteleuropa festsetzt. Hierdurch bleibt antizyklonaler Einfluss bestehen, wobei weiterhin die Luftdruckgegensätze gering sind. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum verlagert sich der Schwerpunkt des wetterbestimmenden Höhenhochs über Süddeutschland hinweg allmählich westwärts. Von diesem Hoch ausgehend wölbt sich erneut ein breiter Rücken bis nach Lappland auf. Frontale Prozesse werden hierdurch von Mitteleuropa ferngehalten. Da der Schwerpunkt des korrespondierenden Bodenhochs dann über dem Ostseeraum zu finden ist, dürfte mit einer, wenngleich auch schwachen nordöstlichen bodennahen Windkomponente etwas kältere Luft einsickern. Bei längerem Aufklaren wäre dann leichter Frost nicht nur auf die südlichen und südöstlichen Landesteile beschränkt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis einschließlich Donnerstag ist der aktuelle Modelllauf zu den gestrigen Simulationen konsistent. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin nicht ableiten. Am Freitag ließ der 00 UTC-Lauf des Vortages einen Trog auf Mitteleuropa übergreifen. Dieser ist bei der neuesten Modellrechnung nicht mehr zu finden. Auch wird der am Wochenende sich etablierende Höhenrücken vom heutigen 00 UTC-Lauf wesentlich kräftiger und auch breiter simuliert als dass dies bei den gestrigen Modellläufen der Fall war. Ein Ende des ruhigen Frühlingswetters ist daher nicht in Sicht. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Bis einschließlich Donnerstag wird die oben beschriebene Entwicklung von den verfügbaren Modellen gestützt. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis dahin nicht ableiten. Am Freitag ist dies bei ICON und bei Modell des kanadischen Wetterdienstes der Fall, GFS simuliert das wetterbestimmende Hoch etwas kräftiger und zudem nicht über Westrussland, sondern über dem südlichen Ostseeraum. Von Frankreich auf Süddeutschland übergreifender Druckfall bewirkt bei GFS eine Gradientzunahme und somit zumindest im Bergland ein Auffrischen des Windes bis in den warnrelevanten Bereich hinein. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum bleibt der antizyklonale Einfluss über dem Vorhersagegebiet bestehen. Während EZMW über Westeuropa dann erneut ein Bodenhoch positioniert, zeigt GFS dort eine straffe südwestliche Strömung. Nach dem kanadischen Modell dürfte dann auf Westeuropa ein schwacher, aber relativ breiter Trog übergreifen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Das EPS des GFS zeigt deutliche Signale für eine Blockierung mit Schwerpunkt über dem südlichen Ostseeraum, was dem hauseigenen deterministischen Modell nahekommt. Dabei ist der Spread relativ gering. Gegenüber weiter zurückliegenden Modellläufen wurde nach der aktuellsten Modellrechnung die Anzahl der "Ausreißer" hin zur kalten Seite der Verteilung reduziert. Niederschlagssignale in schwacher Ausprägung sind nur bei Einzellösungen zu finden. Der deterministische Lauf tendiert vor allem im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum eher hin zur warmen Seite der Verteilung der Einzellösungen bzw. zu hohem Geopotential oder hohen Luftdruck. Das EPS des EZMW zeigt ebenfalls im Bereich des über Mitteleuropa liegenden Höhenrückens einen geringen Spread. Die Einzellösungen werden in 5 Cluster untergliedert, wobei bei dreien hiervon keine signifikanten Unterschiede erkennbar sind. Als wahrscheinlichste Lösung dürfte die Frontalzone weiterhin über Mittel- und Nordskandinavien zu finden sein. Allerdings zeigen im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum 2 Cluster (mit 16 Einzellösungen) ein Austropfen von Nordosten oder Osten her, was zu einem signifikanten Temperaturrückgang führen würde. In diese Richtung tendiert auch der Kontrolllauf des AIFS. Dieser stellt jedoch selbst beim EPS des AIFS eine Außenseiterlösung dar. Beim Clustering gemäß Großwetterlagen wird diese Version jedoch nur durch Einzellösungen (Hoch (Nordmeer) Fennoskandien) abgedeckt. Als wahrscheinlichstes Szenario dürfte sich hier eine antizyklonale Südostlage einstellen, gefolgt von einem Hoch bzw. einer Brücke über Mitteleuropa. Für einen erneuten Wintereinbruch ergeben sich keine belastbaren Signale. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Signifikante Wettererscheinungen sind aufgrund der ruhigen Hochdruckrandlage nicht zu erwarten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EPS, anfangs MOS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann