S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 14.05.2026 um 10.30 UTC Bei stetiger Erwärmung zunächst noch wechselhaft, zum Ende der kommenden Woche dann Hochdruckeinfluss. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 21.05.2026 Von unterdurchschnittlich zu überdurchschnittlich, so könnte man die Reise des Wetters in den nächsten Tagen von der Kurz- in die Mittelfrist beschreiben. Während am heutigen Vatertag rund 5 Kelvin zu niedrige Temperaturen herrschen, steigen sie im Laufe der Mittelfrist auf 2 bis 3 Kelvin (in der erweiterten Mittelfrist sogar noch mehr?) über das übliche Niveau, womit es in Richtung sommerliche Höchstwerte geht. Zum Beginn der Mittelfrist am kommenden Sonntag findet sich ein noch schwacher Trog, der sich vom Nordmeer über Teile des südwestlichen Skandinaviens bis nach Deutschland und bis zum Balkan schlängelt und im Tagesverlauf mehr und mehr seine Form verliert (TrM). Vom Nordostatlantik nähert sich bereits ein weiterer Trog, der abends die Britischen Inseln erreicht. Dazwischen ist ein flacher Rücken auszumachen, der vorübergehend einen Keil des Azorenhochs über Deutschland bis in die östliche Ostsee ausgreifen lässt. Bodennah ist allerdings weiterhin feuchte und kühle Meeresluft unterwegs, sodass es trotz etwas ansteigendem Druck noch zu schwachen Schauern kommt. Die T850 hPa liegen bei 1 Grad im Norden bis 4 Grad im Süden. Am Montag schwenkt der neue Trog unter Verkürzung seiner Wellenlänge von den Britischen Inseln in die Nordsee. Es führt ein okkludierendes Frontensystem eines Tiefs bei Island nach Deutschland, das sich allerdings auf dem Weg nach Osten über der Mitte langsam auflöst. Das Frontensystem wird von zeitweilig schauerartigen Regenfällen, hier und da gewittrig, begleitet. Im Osten und Südosten gibt es jedoch nur vereinzelt Schauer. Am Dienstag wird der Trog zugeschüttet, während sich über den Britischen Inseln ein weiterer Randtrog einfindet. Dieser ist zwar nur schwach auf der Brust, lenkt aber ein weiteres Frontensystem eines Tiefs nordwestlich der Britischen Inseln nach Deutschland. Mit westlicher Strömung gelangt etwas mildere Atlantikluft mit T850 hPa zwischen 4 Grad im Norden bis 6 Grad im Süden zu uns. Am Mittwoch und Donnerstag wandert der Trog über die Nordsee bis ins nordöstliche Skandinavien, während sich über der Iberischen Halbinsel ein Rücken bis zu den Britischen Inseln bzw. im weiteren Verlauf bis nach Deutschland aufwölbt. Damit wird am Mittwoch ein Hochdruckgebiet über Frankreich und Deutschland induziert, das am Donnerstag seinen alleinigen Schwerpunkt über Deutschland hat (NEa/HM). Die Niederschlagssignale nehmen folglich ab, die T850 hPa steigen mit Zufuhr subtropischer Luftmassen aus Südwesten auf 6 Grad im Osten bis 12 Grad im Westen. In der erweiterten Mittelfrist ab Freitag kommender Woche neigt sich der Rücken in Richtung Baltikum, sodass sich das Bodenhoch nach Polen verlagert (Sa). Folglich wird der Weg frei für die sehr warme Subtropikluft aus dem Süden und Südwesten. Die T850 hPa steigen auf 11 bis 15 Grad, womit sommerliches Wetter einkehrt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Ein grober Blick auf die beiden jüngsten 0 UTC-Läufe des EZMWs suggeriert eine zufriedenstellende Konsistenz, weil die Muster beibehalten werden. Im Detail gibt es aber ein paar feine Unterschiede. Beispielsweise vor allem am Dienstag, wenn vom neuesten 0 UTC-Lauf ein weiteres Frontensystem nach Deutschland gebracht wird, weil der neue Trog nun etwas stärker berechnet wird. Im gestrigen 0 UTC-Lauf sollte es schwächer nur auf den Westen von Deutschland übergreifen. Die Erwärmung zum Ende der Woche bis in die erweiterte Mittelfrist hinein zeigen beide Modellläufe, der neueste 0 UTC-Lauf allerdings stärker, weil sich der Trog nach Südosten neigt, während sich im gestrigen 0 UTC-Lauf ein Höhenhoch bei den Britischen Inseln entwickeln sollte. Der gestrige 12 UTC-Lauf schert deutlicher von den beiden anderen Läufen aus. So werden die Tröge zum Teil ein wenig anders dargestellt, am Donnerstag sollte ein Trog dann noch über der Nordsee liegen und als Höhentief in der erweiterten Mittelfrist Deutschland und später Norditalien erfassen. Damit wäre das Temperaturniveau um etwa 6 bis 8 Kelvin niedriger und es wäre zum Teil unbeständiger. Dass die 12 UTC-Läufe stärker von den 0er-Läufen abweichen, kommt öfter vor, meistens ist aber der Grundtenor der 0er-Läufe die bessere Guidance. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen GFS zeigt im Prinzip die gestrige 12 UTC-Variante des EZMW mit dem Höhentief am Mittwoch, das anschließend von der Nordsee nach Norditalien wandert. ICON weicht ebenfalls deutlicher ab, vor allem ab Mittwoch durch ein Höhentief über dem zentralen Mittelmeer, das von Südosten feuchte Luft nach Deutschland lenkt. Nachfolgend soll sich ein Rücken mit einem Höhenhoch über Skandinavien verbinden, anfangs gestört durch einen schwachen Randtrog über der Nordsee. Damit wäre es etwas länger wechselhaft, die Temperaturen steigen aber auch. UK10 ist dem EZMW innerhalb seines Vorhersagehorizontes bis Donnerstagnacht sehr ähnlich. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles sind bis zum Ende hin sehr homogen mit nur allmählich sich vergrößernden Spreads. Der Kontrolllauf verbleibt stets im Median, zum Ende hin allerdings eher am oberen Rand davon. Insofern ist die massive Erwärmung noch nicht ganz sicher, die Erwärmung an sich aber schon. Niederschlagssignale sind bis zum Mittwoch/Donnerstag fast jeden Tag vorhanden, danach nehmen sie deutlich ab. Am stärksten sind die Ausschläge am Montag und Mittwoch. CLUSTER: Die in den Rauchfahnen gewonnenen Erkenntnisse der recht hohen Vorhersagesicherheit bestätigen sich auch in den Clustern. Im zweiten und dritten Zeitschritt gibt es jeweils nur einen Cluster (alle mit Blockierung). FAZIT: Das Wetter schwenkt in der Mittelfrist mehr und mehr auf die sommerliche Seite bei immer weiter steigenden Temperaturen. Allerdings verläuft dieser Prozess nicht ohne Umschweife bei zunehmendem Hochdruckeinfluss, vielmehr werden uns in der ersten Wochenhälfte noch Tröge, Frontensysteme und feuchte Luft mit schauerartigen Regenfällen und dem einen oder anderen Gewitter präsentiert. Zum Ende der Woche übernimmt der in sich sehr sicheren Vorhersage des EZMW zufolge Hochdruckeinfluss die Regie. Ein paar andere globale Modelle haben daran aber noch (?) Zweifel. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Anfang der Woche sind im wechselhaften Witterungsabschnitt einzelne Gewitter möglich. Am höchsten ist das Gewitterpotenzial am Mittwoch mit bis zu 1000 J/kg MU-Cape. Das könnte zwar lokal für ein markantes Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und kleinkörnigem Hagel reichen, meist bleibt es aber bei einer Stufe darunter. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler