S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 26.06.2026 um 10.30 UTC Anfangs im Südosten heiß, sonst meist jahreszeitlich typisches Temperaturniveau. Vor allem in der Südosthälfte zunächst deutlich erhöhtes Gewitterpotenzial. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 03.07.2026 Die Mittelfrist startet nicht nur mit einer neuen Woche, auch die Wetterlage bringt Änderungen mit sich. Am Montag liegt der "Heat Dome" über dem östlichen Mitteleuropa. Deutschland gelangt auf die Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Die Kaltfront eines Tiefs über der Norwegischen See schwenkt langsam über den Osten und Süden des Landes nach Osten. Anfangs liegt im Südosten noch extrem heiße und feuchte Luftmassen von zum Teil mehr als 20 Grad in 850 hPa und PPWs über 40 mm. Vor und im Umfeld der Kaltfront sind teils schwere Gewitter wahrscheinlich, wobei alle Begleiterscheinungen das Unwetterkriterium erreichen können. Im Laufe des Tages und der Nacht wird die heißeste Luft nach Osten verdrängt. Dienstagfrüh liegt die Temperatur in 850 hPa von Nordwest nach Südost zwischen 8 und 14 Grad. Am Dienstag verbleibt Deutschland auf der Vorderseite eines Troges über den Britischen Inseln. Im Norden ist gemäßigtere Meeresluft eingeflossen. Im Süden hält sich im Bereich einer Tiefdruckrinne eine Mischluft, die wärmer (15 Grad in 850 hPa) und vor allem deutlich feuchter (25 bis 40 mm PPW) ist. Dort kommt es verbreitet zur Auslöse, wobei bei fehlender Verlagerung vor allem der Starkregen ein Thema ist. Auch im Nordwesten und Westen kommt es an der Trogvorderseite zur Auslösung, die Luftmasse bietet dort aber deutlich weniger Energie. Am Mittwoch schwenkt der Trog unter Amplifizierung nach Deutschland. Vor allem im Osten und Südosten kommt es in Resten der feuchten Warmluft zu zahlreichen Schauern und Gewittern, die teils zu größeren Niederschlagsgebieten zusammenwachsen und bei nördlichem Wind am östlichen Alpenrand zu länger andauerndem Regen führen können. Weniger Konvektion gibt es im Nordwesten, wo trockenere Luft einfließt, die zudem unter den Einfluss eines Bodenhochs gerät. Bei Temperaturen um 10 Grad in 850 hPa ist Hitze kein Thema mehr. Am Donnerstag ist ein kleiner Teil des Troges nach Italien abgetropft, der Rest nach Osten geschwenkt und Deutschland gerät unter einen flachen Azorenhochkeil. Von Nordwesten nähert sich aber rasch ein Trog mit einem okkludierten Frontensystem an, das bis Freitagfrüh den Osten und Süden Deutschlands erreicht. An den Alpen fällt anfangs noch Regen, sonst herrscht recht freundliches Wetter ehe von Nordwesten der Regen der Okklusion einsetzt, nachfolgend gibt es örtlich Schauer. Vor der Okklusion werden 10 bis 14 Grad in 850 hPa erreicht, nachfolgend fließt vor allem in den Norden kühle Meeresluft mit Werten um 5 Grad in 850 hPa ein. Am Freitag sowie am Wochenende setzt sich der Wechsel aus okkludierenden Frontensystemen aus Nordwesten und Zwischenhocheinfluss fort. Grundsätzlich ist der zyklonale Einfluss im Nordosten größer als im Südwesten und die Temperaturen im Süden sind etwas höher als im Norden. Im Norden werden meist keine 25 Grad erreicht, im Süden dagegen häufig 25 bis 30 Grad. So oder so ist Hitze kein Thema, reicht es doch allenfalls am Oberrhein lokal für einen knappen Hitzetag. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Woche liegt das kräftige Höhenhoch ("Heat Dome") über dem östlichen Mitteleuropa. Über Deutschland etabliert sich in der Höhe eine südwestliche Strömung. Am Boden strömt am Rande eines Hochs über der Biskaya kühlere Luft nach Deutschland. Eine Kaltfront liegt über dem Osten und Südosten und schwenkt ostwärts, in ihrem Umfeld ist mit teils schweren Gewittern zu rechnen. Die Konsistenz zu den Vorläufen ist gut. Im Laufe der Woche wandert das Höhenhoch weiter ostwärts. Zum Mittwoch erreicht uns von Westen ein Trog, der in den 00-UTC-Läufen Tendenzen zum Abtropfen über Mitteleuropa zeigt. Die Konsistenz zum gestrigen 00-UTC-Lauf ist mäßig gut, zum gestrigen 12-UTC-Lauf eher schlecht zu Wochenmitte. Das Temperaturniveau sinkt auf ein Normalmaß für diese Jahreszeit. In der zweiten Wochenhälfte etabliert sich eine West- bis Nordwestströmung mit der an der Ostflanke eines Hochs westlich der Britischen Inseln Fronten nach Mitteleuropa vorstoßen. Dieses Muster zeigen auch die Vorläufe, allerdings gibt es größere Unterschiede im genauen Ablauf der Fronten und Zwischenhochphasen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen ICON, GFS und UK10 zeigen grundsätzlich eine ähnliche Entwicklung. Hinsichtlich der Konvektion ist übereinstimmend der Montag und Dienstag von besonderem Interesse, wenn noch Reste der Heißluft mit im Spiel sind. Der Trog am Mittwoch wird in seiner Stärke und Kontur unterschiedlich simuliert. Übereinstimmend wird danach eine im Temperaturniveau und bezüglich markanter Wettererscheinungen deutlich gemäßigtere West- bis Nordwestströmung simuliert. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Deutschlandweit zeigt sich für die Temperatur von Montag bis Samstag ein mehr oder weniger kontinuierliches Sinken. Ein erneutes "Aufflammen" der Hitze wird im Norden von keinem und im Süden von nur sehr wenigen Membern gezeigt. Für das Geopotenzial in 500 hPa zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Norden sinkt das Geopotenzial kontinuierlich ab, im Süden wird am Mittwoch ein Minimum erreicht, bevor eine leichte Erholung einsetzt. CLUSTER: Für Montag und Dienstag ergeben sich fünf Cluster, wobei der Hauptlauf im mit Abstand größten Cluster 1 sich befindet. Für Deutschland sind die sich ergebenden Unterschiede gering. Alle Cluster zeigen das Wandern des extrem hohen Geopotenzials nach Osten und von Westen eine allmählich nach Mitteleuropa vorankommende Frontalzone. Zur Wochenmitte gibt es weiterhin fünf Cluster, die fast alle dem Regime "Blocking" zugeordnet werden. Für Deutschland ergeben sich dahingehend Unterschiede wie zyklonal oder antizyklonal die westliche Strömung ausgeprägt ist. Der Hauptlauf gehört dem Cluster 1 an, das diesbezüglich eine mittlere Variante zeigt. Zum Ende der Woche gibt es vier Cluster, wobei der Hauptlauf dem Cluster 1 angehört und dem Regime "Atlantischer Rücken" zugeordnet wird. Alle Cluster zeigen hohes Geopotenzial südwestlich der Britischen Inseln und eine West- bis Nordwestströmung über Deutschland. Unterschiede ergeben sich in der Stärke und der zyklonalen Prägung dieser Strömung. FAZIT: Die Hitzewelle endet für die meisten mit Ende des Sonntags, im Süden und Südosten hält sich auch am Montag und abgeschwächt am Dienstag ein Rest der feuchtheißen Luftmasse inklusive des Potenzials für schwere Gewitter. Im Laufe der kommenden Woche gehen die Temperaturen auf ein jahreszeitlich übliches Niveau zurück. Dabei ist es vor allem in der Nordosthälfte wechselhaft. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen EFI: Niederschlag: Besonders am Mittwoch gibt es für den Alpenrand und das Alpenvorland geringe Signale vom EFI. Temperatur: Am Montag gibt es im Osten und Südosten deutliche Signale für überdurchschnittliche Temperaturen, diese Signale nehmen am Dienstag ab und sind ab Mittwoch verschwunden. CAPE und Cape shear: Beide Parameter zeigen deutliche Signale am Montag im Osten und für CAPE am Dienstag im Süden. EPS vom ECMWF: Niederschlag: Montag und Dienstag "versprenkelte" geringe Wahrscheinlichkeiten. Nachvollziehbar durch die Konvektion. Mittwoch niedrige bis mittlere Wahrscheinlichkeiten am Alpenrand für mehr als 30 mm in 24 Stunden. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix, IFS, IFS-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen