S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 05.10.2026 um 10.30 UTC Unbeständig mit wiederholten Niederschlägen. Anfangs recht kühl, ab dem Wochenende langsam etwas ansteigende Temperaturen. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 12.10.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Donnerstag befindet sich über dem Atlantik sowohl in der Höhe als auch am Boden ein umfangreiches Hochdruckgebiet, das am Boden auch einen Keil bis ins Europäische Nordmeer aufweist. Über Mitteleuropa und Südschweden liegt hingegen ein rinnenförmiges Tief, welches von einem Kurzwellentrog über der Nordsee und Frankreich gestützt wird. Die dazugehörige Kaltfront hat bereits die Nordwesthälfte mit recht kräftigen Regenfällen erfasst. Im Tagesverlauf verlagert sich das Tief nordostwärts zur mittleren Ostsee, die Kaltfront zieht ostwärts über Deutschland hinweg und kommt nur an den Alpen etwas ins Schleifen. Rückseitig kommt es mit Unterstützung des Trogs, der am Abend mit seiner Achse über der Nordwesthälfte Deutschlands liegt, zu Schauern und einzelnen Gewittern an der Küste (Rückseitenwetter). Die Kaltfront bringt deutlich kühlere Luft nach Deutschland, sodass die Höchstwerte nur noch bei 10 bis 15 Grad liegen. In der Nacht zum Freitag tropft ein Teil des Kurzwellentrogs über Norditalien ab, während der nördliche Teil nach Polen abzieht. Ein Ableger des Hochs sorgt kurzzeitig für Wetterberuhigung. Doch schon am Mittag erreicht eine neue Front, die zu einem Tief östlich von Island gehört, den Nordwesten mit Niederschlägen. Am Abend und in der Nacht zum Samstag erfasst die Front große Teile Deutschlands mit Regenfällen. Am Samstag bleibt uns das unbeständige Wetter erhalten, wenngleich die Temperaturen geringfügig ansteigen. Das Tief zieht zur nördlichen Nordsee; auch in der Höhe macht sich ein flacher Trog bemerkbar. Die Front liegt noch über Deutschland, wenngleich die Modellunterschiede zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich zunehmen, was Einfluss auf die Verteilung der Niederschlagsschwerpunkte hat. Am Sonntag kommt Deutschland zwar allmählich auf die Rückseite des Höhentrogs und am Boden macht sich schwacher Hochdruckeinfluss bemerkbar. Wirklich störungsfrei wird sich das Wetter aber nicht gestalten, da ein Tief über Südskandinavien Deutschland noch beeinflusst. Die Temperaturen steigen vor allem im Südwesten wieder etwas an und kratzen dort wieder an der 20-Grad-Marke. Am Montag wölbt sich ein flacher Rücken über Mitteleuropa auf und auch am Boden ist schwacher Hochdruckeinfluss zu erkennen. Dies scheint aber nicht von Dauer zu sein, denn ein umfangreicher Tiefdruckkomplex befindet sich über dem nördlichen Nordatlantik. Schon am Abend oder in der Nacht zum Dienstag greift ein neuer Tiefausläufer auf den Nordwesten über. Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt uns eine eher zonal geprägte Strömung erhalten, mit der immer wieder Tiefs und ihre dazugehörigen Frontensysteme auf Mitteleuropa übergreifen. Tendenziell scheint aber der Süden Deutschlands häufiger von Zwischenhocheinflüssen zu profitieren als dies im Norden der Fall ist. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Prognose-Unsicherheiten nehmen schon recht frühzeitig zu. Der Kurzwellentrog tropfte in den beiden Vorläufen in der Nacht zum Freitag nicht ab. Das hat zur Folge, dass nun das Trog-Residuum schneller ostwärts abzieht als der Trog in den Vorläufen. Auch das neue Frontensystem am Freitag kommt daher früher rein. Am Wochenende gleichen sich die grundlegenden Strömungskonfigurationen vorübergehend wieder an, wobei die Tiefdrucktätigkeit über dem nördlichen Nordatlantik noch von Lauf zu Lauf unterschiedlich simuliert werden. Am anfangs nassen und kühlen und später leicht unbeständigem und wieder geringfügig milderem Wetter hegen die letzten Modellläufe aber wenige Zweifel. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch ICON und GFS haben den Abtropfvorgang des Kurzwellentrogs in der Nacht zum Freitag nicht auf der Agenda, sodass dies eher als Einzellösung des heutigen IFS-Laufs angesehen werden kann. Das nachfolgende Frontensystem am Freitag / Nacht zum Samstag weist noch Timing-Unterschiede auf. Grundlegend wird die großräumige Strömungskonfiguration von den Modellen aber einheitlich simuliert, wenngleich bei den Details Unsicherheiten bestehen, die ab dem Wochenende weiter zunehmen. FAZIT: Eine markante Kaltfront leitet mit kräftigen Niederschlägen am Donnerstag einen kühleren Wetterabschnitt ein. Meist werden nur noch herbstliche 10 bis 16 Grad erreicht. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag folgt schon der nächste Tiefausläufer mit Regenfällen. Auch am Wochenende setzt sich das unbeständige Wetter fort, wenngleich die Niederschlagsneigung etwas abnimmt und die Temperaturen wieder geringfügig ansteigen. Ruhiges Hochsommerwetter ist auch in der kommenden Woche eher nicht zu erwarten. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Bei den Rauchfahnen sind die zwei Trogdurchgänge am Donnerstag (KWT) und Samstag (flacher LWT) zu erkennen, wobei die Unsicherheiten bei letzterem schon deutlich größer werden. Danach geht das Geopotential zwar im Mittel wieder nach oben, jedoch mit einem großen Spread. Letzterer ist auch bei den Temperaturen erkennbar, wobei auch da die meisten Member nach oben gehen. Zuvor ist die markante Kaltfront am Donnerstag gut erkennbar sowie eine zweite "Delle" am Sonntag. Die Kaltfront- und Trogdurchgänge sind auch bei den Niederschlagspeaks (Donnerstag, Samstag) zu erkennen. Nachfolgend bleiben aber auch einige Regenausschläge vorhanden, wenn auch mit vergleichsweise geringen Mengen. Durchgreifend ruhiges Hochdruckwetter ist also eher nicht zu erwarten. Bei den Clusteranalysen werden im Zeitraum t_120h-168h stolze sechs Cluster angeboten, die aber alle entweder einer positiven NAO oder einem Atlantic-Ridge zugeordnet werden. Letztere zeigen bei den Rossby-Wellen stärkere Amplituden, während bei denen mit positiver NAO eher zonale Bedingungen dominieren. Auf den allgemein unbeständigen Wettercharakter über Mitteleuropa hat dies aber keinen allzu großen Effekt. In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden nur noch drei Cluster angeboten, wobei Cluster 1 (29 Member) und 3 (9 Member) weiterhin bei einer positiven NAO bleiben, während Cluster 2 (13 Member) zu einem Blocking übergeht. Dies liegt an einem Keil, der sich von den Azoren über Westeuropa bis zum Europäischen Nordmeer erstreckt. Dieser wird in den beiden anderen Clustern nicht oder nicht so intensiv simuliert. Nach einem dauerhaften Blocking sieht das aber nicht aus. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen WIND: Vor allem an den Küsten und auf exponierten Bergen ist es windig, zeitweise mit stürmischen Böen. DAUERREGEN: Am Donnerstag regnet es gebietsweise kräftig. Vor allem in Staulagen des Schwarzwalds und an den Alpen werden voraussichtlich Warnschwellen überschritten. Auch in den westlichen Mittelgebirgen gibt es geringe Signale für markanten Dauerregen. Aufgrund der niedrigen Pegelstände ist der Regen allerdings eher ein Segen als dass negative Auswirkungen zu erwarten wären. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag greift voraussichtlich ein neues Frontensystem mit Regenfällen über. Ob dann erneut Warnschwellen erreicht werden, ist noch sehr unsicher. Es gilt aber weiterhin, dass die Auswirkungen auf die Natur eher positiv wären und Gefahren für die Infrastruktur nicht zu erwarten sind. GEWITTER: Am Donnerstag kann es rückseitig der Front in Küstennähe einzelne kurze Gewitter mit stürmischen Böen geben. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, ICON, ICON-EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel