S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 23.04.2026 um 10.30 UTC Ruhiges, zu Schönheitsfehlern neigendes Hochdruckwetter ohne markante Wettergefahren __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 30.04.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag zieht ein mit Kaltluft angereichertes, hochreichendes Teiltief vom Baltikum nach Westrussland. Gleichzeitig erstreckt sich ein breiter Höhenrücken von den Azoren ins Europäische Nordmeer, wobei eine Achse bis nach Island reicht. Eine zweite Achse erstreckt sich über Spanien und die Nordsee bis zu den Färöer-Inseln. Dazwischen zeigt ein schwacher Randtrog, der von einem Randtief nahe Island ausgeht und zu den Britischen Inseln zeigt. Über dem westlichen Mittelmeer findet sich ein Höhentief, das sehr langsam ostwärts zieht. Auch über der Biskaya liegt ein kleinräumiges Tief. Am Boden liegt Deutschland rückseitig einer nur wenig wetterwirksamen Kaltfront, die von einem Tief über Westrussland ausgeht. Dabei erstreckt sich eine Hochdruckbrücke von den Azoren über die Britischen Inseln und die Nordsee bis ins Europäische Nordmeer und hält jegliche Tiefausläufer auf dem Nordatlantik davon ab, auf Mitteleuropa überzugreifen. Während in der Südwesthälfte mildere Temperaturen um +5 Grad Celsius in 850 hPa wirksam sind, zieht über den Nordosten vorübergehend die -5 Grad Celsius-Isotherme, was in der Nacht zum Montag dort nochmals für leichten Frost sorgen kann. Am Montag dreht sich das hochreichende Tief über Westrussland ein. Der von den Azoren ausgehende Rücken wölbt sich weiter in Richtung Nordmeer auf. Die zweite Achse des Rückens schwenkt über Deutschland südwärts, womit sich von Norden her nach dem aktuellen IFS-Lauf das Randtief annähert und in der Nacht zum Dienstag das Seegebiet Humber erreicht. Neben ein paar dichteren Wolken und einer örtlich leicht ansteigenden Schauerneigung fällt dieses aber recht schwach aus. Bodennah befinden wir uns weiterhin unter Hochdruckeinfluss, der sich vorübergehend aber etwas abschwächt. Vorübergehend fließen in den Südwesten nochmals mildere Luftmassen bis +9 Grad Celsius in 850 hPa ein, im Norden und Nordosten wirkt kältere Luft mit Temperaturen knapp unter 0 Grad. Am Dienstag wölbt sich der Höhenrücken noch etwas weiter in Richtung Nordmeer. Das Randtief zieht von der Nordsee über den Ärmelkanal hinweg und tropft in der Nacht zum Mittwoch schließlich über Nordwestfrankreich ab. Gleichzeitig zieht ein weiteres Randtief vom Bottinschen Meerbusen nach Belarus. Am Boden liegen wir südöstlich einer Hochdruckbrücke, deren Schwerpunkt sich über die Britischen Inseln bis ins Europäische Nordmeer erstreckt. Dabei wird mit einer nördlichen Strömung kältere Luft nach Deutschland advehiert. Die 850 hPa-Temperatur liegt im Süden um +6 Grad Celsius, im äußersten Nordosten sinkt die Temperatur in der Nacht zum Mittwoch wieder auf -5 Grad ab. Am Mittwoch folgt von der Ostsee ein weiterer Randtrog, der schließlich über Polen abtropft. Das mittlerweile eigenständige Tief über Nordwestfrankreich zieht in die Biskaya. Gleichzeitig erstreckt sich ein Hoch vom Nordostatlantik über Schottland bis nach Südnorwegen. Der Schwerpunkt des Bodenhochs verlagert sich von den Britischen Inseln in die Nordsee sowie nach Südschweden. Entsprechend befinden wir uns zunehmend in einer nordöstlichen bis östlichen Strömung, wobei sich die kalte Luft in der Nordosthälfte ausbreitet - an der Temperaturspanne ändert sich jedoch nichts. Am Donnerstag zieht das Höhentief von Süd-Polen nach Slowenien, ist aber nur wenig wetterwirksam. Das Hoch verlagert seinen Schwerpunkt in der Höhe in Richtung Süd-Norwegen. Am Boden erstreckt sich das Hoch nun von Süd-Norwegen über Nordostdeutschland bis nach Polen. Damit fließt bei uns weiterhin trockene Kontinentalluft von Osten her ein. Die 850 hPa-Temperatur liegt zwischen +3 und -4 Grad Celsius. In der erweiterten Mittelfrist von Freitag bis Sonntag verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt ganz allmählich in die Ostsee bzw. nach Belarus. Damit wird die Kaltluft südostwärts abgedrängt, sodass bei uns wieder mildere Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich wirksam werden. Das trockene Wetter setzt sich aber weiterhin fort, nur anfangs könnte ein weiterer Randtrog im Nordosten für etwas wechselhafteres Wetter sorgen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Am Sonntag ist die Konsistenz zunächst noch recht gut. Unterschiede ergeben sich dann ab Montag mit dem Ausziehen des Randtiefs von Norden her. Beide Vorläufe zeigen zwei Randtröge, die südwärts durchschwenken und nicht abtropfen, wie das im aktuellen Lauf der Fall ist. Während der gestrige 00 UTC-Lauf in der Nacht zum Dienstag einen schwachen Randtrog zeigt, zieht ein weiterer Randtrog am Dienstag auf. Nach dem gestrigen 12 UTC-Lauf erreicht der erste Randtrog bereits am Montagabend den Norden, am Dienstag folgt ein zweiter, schwächer ausgeprägter Randtrog von Norden her. Die weiteren Randtröge, die Mittwoch und Donnerstag von der Ostsee über das nahe Osteuropa südwärts ziehen und abtropfen sollen, zeigen ebenfalls beide Vorläufe - mit etwas unterschiedlicher Ausprägung und Timing. Insbesondere nach dem gestrigen 12 UTC-Lauf scheint die Schauergefahr in der Südosthälfte Deutschlands erhöht zu sein. Die Konsistenz nimmt in der erweiterten Mittelfrist weiter ab. Während im gestrigen 00 UTC-Lauf das abgetropfte Tief nur sehr schwach ausgeprägt ist und ins zentrale Mittelmeer zieht, simuliert der gestrige 12 UTC-Lauf eine deutlich ausgeprägtere Höhenzyklone über den Alpen, die weiterhin den Süden Deutschlands beeinflusst. Nach Norden zu sind sich die Vorläufe jedoch einig: hoher Luftdruck sorgt für ruhiges Wetter. Den vom aktuellen Lauf simulierte Randtrog deuten die Modelle erst zum Samstag hin an. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Zu Beginn der Mittelfrist stimmen auch die weiteren Mittelfristmodelle mit der IFS-Variante gut überein. Aber wie schon bei den IFS-Vorläufen zeigen sich ab Montag dann bereits Unterschiede der von Norden her übergreifenden Randtröge. Insbesondere nach ICON und GFS befindet sich Deutschland am Dienstag im Einflussbereich des Troges, womit die Schauergefahr höher ausfallen sollte. Zudem wären dann einzelne kurze Kaltluftgewitter nicht ganz ausgeschlossen. UK10 liegt in etwa zwischen IFS und ICON bzw. GFS. Am Mittwoch und Donnerstag deuten alle Modelle die von der Ostsee ins nahe Osteuropa ziehenden Randtröge an, die aber im Detail alle unterschiedlich gerechnet werden. Die Frage wird sein, inwieweit diese die Ost-/Südosthälfte beeinflussen. GFS ist dabei am dominantesten. In der erweiterten Mittelfrist geht die Prognosesicherheit dann weiter zurück. Nach GFS bleibt der Höhentiefeinfluss vor allem in der Südosthälfte erhalten. Über Deutschland befindet sich deutlich kältere Höhenluft. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen zeigen zu Beginn am Sonntag schön die einfließende Kaltluft (negative 850 hPa-Temperaturen) - insbesondere nach Norden und Osten zu, wobei sich die Niederschlagssignale in Grenzen halten. Dies geht auch mit einem Rückgang des Geopotenzials einher - wie tief das Geopotenzial allerdings fällt, ist aktuell wohl noch mit einigen Unsicherheiten behaftet. In den Folgetagen schwankt die 850 hPa-Temperatur im Norden und Osten meist im negativen Bereich zwischen 0 und -6 Grad Celsius. Ab der Nacht zum Dienstag nehmen zudem die Niederschlagssignale etwas zu. Das Geopotenzial fällt nach einem kurzen Anstieg zum Montag hin stetig ab. Nach Süden und Westen zu verläuft das Einfließen von Kaltluft scheinbar nicht abrupt, sondern stetig, wenngleich auch im Westen am Sonntag noch ein leichter Abfall erahnt werden kann. Das Geopotenzial bleibt hingegen noch bis Montag auf erhöhtem Niveau und sinkt erst zum Dienstag allmählich ab. Niederschlagssignale zeigen sich im Westen vor allem von Montagabend bis Dienstagabend und fallen nachfolgend eher schwach aus. Im Süden zeigen sich ab Dienstag durchgängig einzelne Signale, was auf eine gewisse Schauerneigung hindeutet. Im Laufe des Donnerstags nimmt die Streuung allgemein noch einmal zu, was die Unsicherheiten in der erweiterten Mittelfrist verdeutlicht. Die Clusteranalysen zeigen von Dienstag bis Donnerstag (t+120 h bis t+168 h) lediglich ein Cluster, wobei tendenziell über Osteuropa tiefer Luftdruck wirkt und sich ein Höherücken von den Azoren über Nordwesteuropa erstreckt - klimatologisch ein Blocking-Szenario. Im Zeitschritt Freitag bis Sonntag (t+192 h bis t+240 h) sind es dann fünf Cluster. Diese unterscheiden sich hauptsächlich im Abtropfprozess über dem nahen Osteuropa und dessen Einfluss auf Deutschland. Haupt- und Kontrolllauf werden dabei dem Cluster 3 mit 11 Mitgliedern zugeordnet werden, das zusammen mit Cluster 2 mit 12 Mitgliedern weiterhin ein Blocking-Szenario zeigt. Cluster 5 mit nur 5 Mitgliedern zeigt einen Höhentrog hingegen genau über Deutschland und schwenkt um auf NAO-. Cluster 1 mit 15 Mitgliedern und Cluster 4 mit 8 Mitgliedern zeigen hingegen einen atlantischen Höhenrücken, der aber nur bedingt nach Deutschland reicht. FAZIT: Unterm Strich deutet sich eine recht stabile, leicht "blockierte" Lage an: Ein Höhenrücken über Nordwesteuropa hält die atlantischen Tiefs meist auf Abstand, während über Osteuropa eher tiefdruckgeprägte Strukturen rumdümpeln. Für Deutschland heißt das: oft ruhiges, eher trockenes Wetter, aber mit einer spürbaren Zweiteilung - in der Osthälfte kühler, nach Westen zu milder. Zwischendurch können ein paar Randtröge durchrutschen und etwas mehr Wolken oder einzelne Schauer bringen, das bleibt aber eher halbherzig. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen In der Mittelfrist zeigen sich aktuell keine markanten Wettergefahren. Allerdings könnte der leichte Frost insbesondere für die bereits fortgeschrittene Vegetation ein nicht zu vernachlässigendes Thema sein. Anfangs besteht auch in ungünstigen Lagen der westlichen Mittelgebirge eine gewisse Frostgefahr, im Wochenverlauf betrifft der örtlich leichte Frost meist nur noch ungünstige Lagen in der Osthälfte. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOS-MIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / MSc.-Met. Sebastian Schappert