S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 10.30 UTC Wechselhaft, zeitweise kühl, ab Montag windiges bis stürmisches Aprilwetter mit Graupelgewittern __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 31.03.2026 Am Freitag zu Beginn der Mittelfrist tropft ein Langwellentrog, der sich vom Europäischen Nordmeer über Skandinavien und die Ostsee bis in den Osten Deutschlands erstreckt, ins zentrale Mittelmeer ab. Im weiteren Verlauf zieht das abgetropfte, hochreichende Tief von Italien zur Balkanhalbinsel, das Trogresiduum schwächt sich auf dem Weg nach Westrussland allmählich ab. Flankiert wird der tiefe Luftdruck von einem Hoch mit Schwerpunkt über dem westlichen Russland sowie einem Azorenhoch. Im Verlauf wölbt sich vom Azorenhoch ein Rücken auf, der über den Ärmelkanal, Nordfrankreich und Norddeutschland bis nach Schweden reicht. Ein weiteres hochreichendes Tief zieht über Island hinweg. Am Boden ist über Deutschland zunächst Hochdruckeinfluss wirksam, nur die Alpen werden noch vom abgetropften Tief über Italien beeinflusst, bevor ab Freitagabend von Nordwesten der Ausläufer des Islandtiefs auf die Nordwesthälfte übergreift. Während die Temperatur in 850 hPa mit -3 bis -10 Grad Celsius zunächst noch recht kühl anmutet, steigt diese mit Übergreifen des Ausläufers in Deutschland etwas an auf +1 bis -6 Grad Celsius. Am Samstag zieht das Islandtief unter Abschwächung weiter in Richtung Skandinavien. Von Grönland zieht aber bereits das nächste Tief in Richtung Island. Das Azorenhoch und das Hoch über Westrussland bilden zunehmend eine Hochdruckbrücke, die anfangs auch über Deutschland liegt. Von den Britischen Inseln zieht im Tagesverlauf ein Trog auf, dessen Amplitude zunimmt und sich Sonntagfrüh von Skandinavien über Nordwestdeutschland bis nach Südwestfrankreich erstreckt. Von den Azoren wölbt sich gleichzeitig ein Rücken über die Britischen Inseln und die Färöer-Inseln hinweg auf. Am Boden verlagert sich der Tiefausläufer allmählich südostwärts, wenngleich er bis Sonntagfrüh den äußersten Südosten noch nicht erreicht. Bei einer 850 hPa-Temperatur um 0 Grad Celsius sind in den Mittelgebirgen tagsüber einige Zentimeter Neuschnee möglich. In der Nacht zum Sonntag nimmt der Einfluss eines Hochs nordöstlich der Azoren in Deutschland zu. Die 850 hPa-Temperatur sinkt dabei verbreitet auf Werte um -4 Grad Celsius. Entsprechend gehen die Niederschläge im Bereich des Ausläufers zunehmend auch in tieferen Lagen in Schnee über. Am Sonntag tropft der Trog rasch ab, womit sich ein Höhentief im westlichen Mittelmeer bildet. Das Trogresiduum zieht unter Abschwächung von Norddeutschland ins Baltikum. Gleichzeitig greift der Rücken des Azorenhochs auf Deutschland über und nimmt Verbindung zum weiterhin über Westrussland liegenden Hoch auf. Das Tief bei Island zieht im Verlauf knapp nördlich der Färöer-Inseln auf, dabei nimmt die Amplitude eines davon ausgehenden Troges zu, der sich bis Montagfrüh bis in den Nordosten Deutschlands erstreckt und mit höhenkalter Luft (500 hPa-Temperatur unter -30 Grad Celsius) gefüllt ist. Der Ausläufer über Deutschland beeinflusst tagsüber noch den Südosten, bevor auch dort die Niederschläge nachlassen. Ansonsten stellt sich vorübergehender Zwischenhocheinfluss ein, bevor in der Nacht zum Montag der Ausläufer des Tiefs mit Kern bei den Färöer-Inseln auf die Nordwesthälfte Deutschlands übergreift. Bei 850 hPa-Temperaturen fallen die Niederschläge dabei meist als Regen und gehen erst im Bereich der Mittelgebirge in Schnee über. Am Montag zieht das Tief bei den Färöer-Inseln nach Nordschweden und zum Bottnischen Meerbusen. Der davon ausgehende und mit kalter Höhenluft angereicherte Trog baut seine Amplitude weiter auf, streift dabei die östlichen Landesteile Deutschlands und erstreckt sich Dienstagfrüh von der Ostsee bis nach Griechenland. Ansonsten stellt sich zwischen dem Trog und dem Azorenhoch eine nordwestliche Strömung ein. In dieser deutet sich auf dem Nordostatlantik eine Störung an, die bis Dienstagfrüh die Britischen Inseln erreicht. Der Ausläufer über Deutschland erreicht im Tagesverlauf den Südosten, rückseitig stellt sich aufgrund der höhenkalten Luft typisches Aprilwetter mit Schauern sowie einzelnen Graupelgewittern ein - insbesondere nach Nordosten zu. Zudem verschärft sich der Gradient über Deutschland, was für windiges, teils stürmisches Wetter sorgt. Am Dienstag zieht ein weiteres Tief von Island in Richtung Skandinavien, wo sich mittlerweile mehrere Tiefkerne etabliert haben. Nach dem aktuellen IFS-Lauf soll sich der davon ausgehende Trog östlich von Deutschland befinden und in die Ägäis abtropfen. Bei uns herrscht eine nordwestliche Strömung vor, die in der Höhe leicht antizyklonal gekrümmt ist. Im Verlauf zieht die bereits angesprochene Störung von den Britischen Inseln in die Biskaya. Nach kurzem Zwischenhocheinfluss macht sich über Deutschland, ausgehend von einem Nordostatlantiktief Warmluftadvektion bemerkbar. Diese räumt die zu Beginn noch wirksame 850 hPa-Temperatur von -4 Grad Celsius aus, bis Mittwochfrüh herrschen dann meist positive Temperaturen vor. Einzig im Norden deutet sich ein weiterer Kaltluftvorstoß an. In der erweiterten Mittelfrist von Mittwoch bis Freitag deutet sich nach dem aktuellen IFS-Lauf ein weiterer Kaltluftstoß nach Deutschland an. Dabei zieht ein Tiefdrucksystem von Skandinavien nach Polen, womit Deutschland in eine nördliche Strömung gelangt, bei der sich wechselhaftes und kühles Wetter einstellt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn ist die Konsistenz des IFS-Modells gut. Ab der Nacht zum Sonntag ergeben sich aber kleinere Differenzen beim Abtropfprozess des Trogs über Mitteleuropa. Während der 12 UTC-Lauf vom Vortag noch gut mit dem aktuellen IFS-Lauf übereinstimmt, simuliert der gestrige 00 UTC-Lauf das nach Südwestfrankreich abtropfende Tief sowie die kalte Höhenluft über Deutschland deutlich schwächer. Gleichzeitig wurde das Balkantief stärker gerechnet. Am Boden korrespondiert dies mit einem Tief über Tschechien, was den Südosten Deutschlands noch beeinflusst. Dieses ist im aktuellen Lauf nicht mehr enthalten. Der nachfolgende Rücken wird von allen drei Läufen mit nur geringen Unterschieden gerechnet. Der erneute Trogvorstoß mit höhenkalter Luft in den Nordosten am Montag wird vom aktuellen Lauf am markantesten betont. In den beiden vergangenen Läufen fehlt in der Folge am Dienstag der Abtropfprozess in die Ägäis und auch die leichte Antizyklonalität über Deutschland. Somit erfolgt auch der Kaltluftvorstoß, der im aktuellen Lauf in der erweiterten Mittelfrist gerechnet wird, in den beiden vergangenen Läufen bereits am Dienstag. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Trotz des wechselhaften Wetters zeigen sich die Wettermodelle bis Montag recht konsistent. Der Trogvorstoß in Richtung Balkan-Halbinsel samt Abtropfprozess in die Ägäis am Montag wird dann zunehmend unterschiedlich simuliert. ICON und GEM sind dem IFS am ähnlichsten. Nach GFS erfolgt der Abtropfprozess ebenfalls östlich von Deutschland, wenngleich dabei ein umfangreicher Tiefdruckkomplex entsteht, der bis Mittwoch von Polen in Richtung Adria zieht. Dadurch kann sich in der erweiterten Mittelfrist hoher Luftdruck und mildere Luft über Deutschland halten. Das UK10-Modell simuliert den Abtropfprozess hingegen über Deutschland und der Schweiz. Das resultierende Tief zieht in der Folge nach Korsika und Sardinien, über ganz Deutschland wäre somit höhenkalte Luft wetterwirksam. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die IFS-Rauchfahnen sind sich im Norden und Osten recht einig, der Kaltluftvorstoß in der neuen Woche scheint dort recht wahrscheinlich. Die Läufe des ENS liegen bei der 850 hPa-Temperatur recht dicht zusammen, nur wenige Ausreißer zeigen mildere Lösungen. Auch was das Geopotenzial angeht zeigt sich am Montag ein Abfall, wenngleich dieser nicht ganz so eindeutig zu sein scheint. Die Verteilung läuft hier deutlich auseinander. Im Süden und Westen Deutschlands zeigt sich hingegen ab Montag bei der 850 hPa-Temperatur eine zunehmend bimodale Verteilung, beim Geopotenzial deutet sich sogar eine trimodale Verteilung an. Entsprechend ist milderes Wetter oder zumindest ein abgeschwächter Kaltluftvorstoß in diesen Regionen in der kommenden Woche keineswegs vom Tisch. Bei den Clusteranalysen zeigen sich fünf verschiedene Szenarien im Zeitschritt von +120 bis +168h (Sonntag bis Dienstag, 00 UTC). Die Cluster unterscheiden sich im Bereich Deutschlands hauptsächlich hinsichtlich der Ausprägung des Troges, der östlich von Deutschland abtropfen soll. Insbesondere die ersten 3 Cluster (18, 12 bzw. 9 Member) zeigen nur geringe Unterschiede. Haupt- und Kontrolllauf des IFS sind Cluster 3 zugeordnet. In den Clustern 4 (7 Member) und 5 (5 Member) fällt der Trog schwächer aus, wodurch der hohe Luftdruck von Südwesten her stärker ausgeprägt ist. Im nächsten Zeitschritt (+192 bis +240h) von Mittwoch bis Freitag zeigen sich erneut 5 Cluster, wobei Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 3 zu finden sind. Die Cluster 1 (15 Member), 2 (13 Member), 3 (11 Member) und 5 (4 Member) zeigen den oben bereits beschriebenen Kaltluftvorstoß mit geringen Unterschieden. In Cluster 4 (8 Member) erfolgt ein erneuter Abtropfprozess östlich von Deutschland, bei uns stellt sich somit hoher Luftdruck und milderes Wetter ein. FAZIT: Die Modelle zeigen bis zum Wochenende eine insgesamt recht konsistente Entwicklung, bevor zur neuen Woche die Unsicherheiten beim Abtropfprozess eines Troges über Mitteleuropa zunehmen. Der für Deutschland folgende Kaltluftvorstoß variiert noch modellabhängig bezüglich des Timings und der Intensität. Damit deutet sich für Deutschland überwiegend wechselhaftes und zeitweise kühleres Wetter an, insbesondere im Norden und Osten. Die Vorhersage bleibt jedoch unsicher, insbesondere in der erweiterten Mittelfrist, wobei auch mildere und stabilere Entwicklungen vor allem im Westen Südwesten durchaus noch möglich sind. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen WIND/STURM: In der Nacht zum Montag zunächst an der Nordseeküste stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9) aus West bis Nordwest, im Binnenland insbesondere Schleswig-Holsteins zeitweise stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8) wahrscheinlich. Am Montag tagsüber in der Nordhälfte stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8) aus Nordwest, in Schauernähe, im Bergland sowie an der Nordseeküste Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) wahrscheinlich. Bei Graupelgewittern, an exponierten Küstenabschnitten sowie in Gipfellagen vereinzelt bis 100 km/h (Bft 10) wenig wahrscheinlich. SCHNEE: Ab Montag an den Alpen markante Schneefälle bei einer von 1500 m bis in tiefste Lagen absinkenden Schneefallgrenze. Insbesondere in den östlichen Alpen 20 bis 30 cm in 24 Stunden wahrscheinlich. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / MSc.- Met. Sebastian Schappert