S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 02.10.2026 um 10.30 UTC Zunächst meist ruhiges Wetter und sehr mild bis warm. Ab Mittwoch Tiefdruckeinfluss und ab Donnerstag deutlich kälter, an den Küsten dann stürmisch. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.10.2026 Zu Beginn der Woche und zu Beginn der Mittelfrist zieht ein Höhentief über Polen zur Slowakei (Hinweis: Zugbahn sehr unsicher, siehe Modellbetrachtung anderer Modelle). Über Westeuropa wölbt sich ein breiter Höhenkeil auf, der allmählich ostwärts schwenkt. Am Boden erstreckt sich ein umfangreiches Hochdruckgebiet zonal von West- nach Osteuropa. Norddeutschland liegt knapp nördlich davon am Rande der weiter nördlich verlaufenden Frontalzone. Schwache Niederschläge sind dort im Zuge von WLA die Folge. Im Südosten gibt es am Rande des Höhentiefs ebenfalls gebietsweise Regen. Die erwärmte Meeresluft hat in 850 hPa von Nordost nach Südwest 7 bis 12 Grad. Am Dienstag wandert das Zentrum des Höhenhochs nach Mitteleuropa. Ein noch schwach amplifizierter Trog erreicht den Nordteil der Britischen Inseln. Am Boden herrscht über Mitteleuropa Hochdruckeinfluss. Ein flaches Tief über der Biskaya zieht nach Frankreich. Der Norden Deutschlands liegt weiterhin unter WLA in Nähe der Frontalzone. Dort fällt gebietsweise etwas Regen, sonst wird es meist freundlich. In 850 hPa liegen die Temperaturen zwischen 7 Grad in Schleswig-Holstein und 13 Grad südlich der Donau. Am Mittwoch intensiviert sich der Trog über den Britischen Inseln und stößt bis zum Abend zum Ärmelkanal vor. Das Höhenhoch wandert nach Osteuropa. Mitteleuropa gelangt auf die Vorderseite des Westeuropatroges. Am Boden wandert das Hoch ebenfalls nach Osteuropa. Das Tief über Frankreich verstärkt sich allmählich und zieht an die westdeutsche Grenze. Die Warmluftzufuhr verstärkt sich vorübergehend. In 850 hPa werden von Nord nach Süd 7 bis 14 Grad erreicht. Konvektion wird kaum simuliert; an der Nordsee wird eine quasistationäre Front aktiviert. In der Nacht zum Donnerstag zieht das Tief, entwicklungsgünstig gelegen, unter Vertiefung zur westlichen Ostsee. Seine Kaltfront kommt bis Donnerstagfrüh in die Mitte des Landes voran. Am Donnerstag stößt der markante Trog mit Temperaturen um -28 Grad in 500 hPa nach Deutschland vor. Das Tief über der westlichen Ostsee zieht unter weiterer Vertiefung auf nahezu 995 hPa nach Südschweden. Seine Kaltfront erreicht am Abend die Alpen. Postfrontal strömt subpolare Meeresluft ein. In Westdeutschland sinkt die Temperatur in 850 hPa auf Werte um 0 Grad. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die unter dem Trog zunehmend einen konvektiven Charakter annehmen. Örtlich sind Kaltluftgewitter wahrscheinlich. In der straffen Nordwestströmung kommt es vor allem bei Konvektion sowie im Bergland und an den Küsten zu Böen Bft 7 bis 8. In der Nacht zum Freitag liegt Deutschland rückseitig des Troges in einer kräftigen nordwestlichen Strömung, die an den Küsten für Sturmböen gut ist. Vor allem im Umfeld der warmen Meere hält die Konvektion an. Am Freitag schwenkt der Trog nach Polen, von Westen folgt ein flacher Keil nach. Das bestimmende Tief erreicht über der zentralen Ostsee mit etwa 990 hPa seinen Höhepunkt. Vor allem im Norden und der Mitte des Landes lebt über Land die Konvektion wieder auf. Im Süden sind Schauer dank des Keils des Azorenhochs deutlich seltener. Bei 0 bis +3 Grad in 850 hPa liegen die Höchstwerte landesweit unter der 20-Grad-Marke. Der an den Küsten anfangs in Böen noch stürmische Nordwestwind lässt von Westen her nach und dreht auf West. Das Wochenende gestaltet sich in einer zyklonalen Westströmung vor allem im Norden und der Mitte unbeständig und teils windig bei einem der Jahreszeit entsprechenden Temperaturniveau. FAZIT: Ein Höhentief sorgt Montag für Unsicherheiten, meist dominiert aber zunächst bei sehr mildem bis warmem Wetter Hochdruckeinfluss. Ab Wochenmitte nimmt ein kräftiges Tief von Westen her das Zepter in die Hand. Rückseitig fließt in einer kräftigen Nordwestströmung ab Donnerstag deutlich kältere Luft nach Deutschland. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist am Montag zieht ein Höhentief über Polen und Tschechien südwärts und erreicht am Mittwoch die Adria. Die Vorläufe simulierten die Zugbahn weiter nach Südosten. Die Auswirkungen auf Deutschland sind aber marginal. Über Deutschland wölbt sich, wie auch in den Vorläufen, ein Höhenrücken. Der Norden Deutschlands liegt am Rande der Frontalzone und wird zeitweise von schwachen Fronten gestreift. Die Konsistenz ist gut. Am Mittwoch und Donnerstag schwenkt ein Trog unter Amplifizierung von West- nach Mitteleuropa. Ein Tief zieht unter deutlicher Intensivierung von Frankreich nach Schweden. Sein Frontensystem überquert Deutschland, und rückseitig fließt am Donnerstag deutlich kältere subpolare Meeresluft ein. Diese Entwicklung ist ähnlich dem gestrigen 12-UTC-Lauf; der gestrige Morgenlauf zeigte sowohl den Trog als auch die Tiefentwicklung weniger ausgeprägt. Die Konsistenz ist noch mäßig gut. Trog und Tief schwenken bzw. ziehen am Freitag nach Osten, Deutschland liegt in der Folge im Bereich der Frontalzone. Von Westen greifen Frontensysteme auf Mitteleuropa über. Im Vergleich zum 12-UTC-Lauf ist die Konsistenz gut, im Vergleich zum gestrigen 00-UTC-Lauf weniger gut. Dieser zeigte die Entwicklung weniger zyklonal __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen ICON und GFS simulieren das Höhentief deutlich weiter westlich als IFS. Beide belassen es über Frankreich, bevor es am Mittwoch von der Frontalzone "eingefangen wird". Den markanten Trog und die starke Tiefdruckentwicklung zur Wochenmitte zeigen alle Modelle, wobei der Trog bei ICON im Gegensatz zu den anderen Modellen zum Mittelmeer abtropft. Die markante Rückseite am Donnerstag und Freitag wird recht einheitlich simuliert. Am Wochenende ist GFS weniger zyklonal aufgestellt als IFS. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt deutschlandweit einen sich beschleunigenden Abwärtstrend bis zu einem Minimum am Donnerstag bzw. in der Nacht zum Freitag. Danach zeigt sich eine vorübergehende Erholung, bevor zum Samstag ein erneutes Sinken zu erkennen ist. Die Streuung der Member ist zunächst gering, nimmt aber bis Donnerstag deutlich zu. Member ohne einen markanten Trog am Donnerstag gibt es kaum. Die Temperatur in 850 hPa zeigt zunächst ein hohes Niveau um 10 Grad, bevor zum Donnerstag ein Sinken auf Werte nahe 0 Grad zu erkennen ist. Danach gibt es bei den meisten Membern eine Erwärmung auf Werte um 7 Grad. Die Streuung nimmt am Mittwoch vorübergehend deutlich zu (Zeitpunkt der Abkühlung), ist am Donnerstag dann aber wieder geringer (deutliche Abkühlung ist sehr sicher). Das Ensemble von GFS sieht dem von IFS sehr ähnlich. CLUSTERUNG: Für Montag und Dienstag gibt es drei Cluster, die alle den Wechsel von "Blocking" zu "NAO positiv" zeigen. Der Hauptlauf gehört dem mitgliederstarken Cluster 1 an, das mehr Mitglieder hat als Cluster 2 und 3 zusammen. Cluster 2 zeigt eine westlichere Zugbahn des Höhentiefs. Für Mittwoch bis Freitag gibt es erneut drei Cluster, wobei die Cluster 1 und 2 (inkl. Hauptlauf) sich sehr ähnlich sind. Cluster 3 zeigt einen deutlich schwächeren und zum Abtropfen neigenden Trog über Mitteleuropa. Für das Wochenende gibt es sechs Cluster, wobei sich der Hauptlauf in Cluster 5 mit sechs Mitgliedern befindet. Alle Cluster zeigen eine westliche Strömung, wobei sie sich in der Phase von Trögen und Keilen teils stark unterscheiden. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Niederschlag: Der EFI für den 24-stündigen Niederschlag zeigt für den Donnerstag geringe Signale für ein ungewöhnliches Ereignis am Alpenrand. WIND: Keine Signale vom EFI bis einschließlich Freitag. Geringe Wahrscheinlichkeiten für Bft 8/9 im EPS für Donnerstag und Freitag. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen