S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 19.07.2026 um 10.30 UTC In der Osthälfte zeitweise Gewitter, im Westen und Südwesten Fortbestand der Trockenheit, am Wochenende deutlich wärmer. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 26.07.2026 Mit Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland am Westrand eines Langwellentroges über Mittel- und Osteuropa. Ein flacher Höhenkeil läuft über Deutschland nach Südosten ab. Von Nordwesten stößt ein neuer Troganteil nach Südosten vor und erreicht Norddeutschland. Ein Tief im Lee des Skandinavischen Gebirges zieht zur südlichen Ostsee. An den Küsten kommt es zu einer deutlichen Windauffrischung. Der West- bis Nordwestwind erreicht in Böen Windstärke 8, im norddeutschen Binnenland gebietsweise Bft 7. Sein Ausläufer erreicht den Norden Deutschlands und führt dort zu Niederschlägen, die im Nordosten teils gewittrig sind. Die eingeflossene Meeresluft kann sich im Süden unter dem Keil auf bis zu 13 Grad in 850 hPa erwärmen, im Norden liegen die Temperaturen auf diesem Niveau zwischen 5 und 8 Grad. Am Donnerstag schwenkt der Trog nach Südosten, von Nordwesten erreicht in der Nacht ein Keil Deutschland. Das Tief über der südlichen Ostsee zieht unter Abschwächung ostwärts. Vor allem im Osten kommt es unter der höhenkältesten Luft (bis zu -20 Grad in 500 hPa) zu Schauern und Gewittern, sonst überwiegt unter Hochdruckeinfluss freundliches Wetter. Am Freitag liegt Deutschland unter einem Höhenkeil. Am Boden herrscht ebenfalls Hochdruckeinfluss, die Druckgegensätze sind gering. Im Nordosten können sich flache Schauer entwickeln. Sonst bleibt es trocken und vor allem im Südwesten ist es sonnig. Die Einstrahlung sorgt für eine Erwärmung der eingeflossenen Meeresluft - im Süden auf bis zu 16 Grad, im Norden auf 6 bis 10 Grad in 850 hPa. Am Samstag stößt die Frontalzone wieder nach Mitteleuropa vor. Unter allmählichem Abbau des Geopotenzials nähert sich von Nordwesteuropa ein Trog. Noch verbleibt Deutschland auf dessen Vorderseite in einer südwestlichen bis westlichen Höhenströmung. Randtröge gestalten das Wetter im Nordseeumfeld zunehmend unbeständig. Sonst herrscht noch Hochdruckeinfluss. Statt eines Nordost-Südwest-Gradienten der Temperatur stellt sich ein Nordwest-Südost-Gefälle ein: um 8 Grad in 850 hPa an der Nordsee und bis zu 19 Grad am Alpenrand. Über den Alpen wird die Luft feuchter und damit instabiler. Örtlich sind dort kräftige Gewitter wahrscheinlich. Ein Höhentief nordwestlich von Portugal zieht zum Nordwestteil der Iberischen Halbinsel und wird vorerst nicht vom Trog über Nordwesteuropa eingefangen. Am Sonntag amplifiziert der Trog über Westeuropa. Die Höhenströmung über Mitteleuropa steilt auf. Ein Kurzwellentrog schwenkt über den Nordwesten Deutschlands nordostwärts. Die Temperaturunterschiede über Deutschland sind groß. In 850 hPa liegt die Temperatur zwischen 9 Grad an der Nordsee und 20 Grad am östlichen Alpenrand. Der Trog über Westeuropa stellt eine Verbindung zum Höhentief über Spanien her; es wird allmählich eingegliedert. Am Montag und Dienstag schwenkt der Trog langsam nach Deutschland. Von Westen kommt es zu einem markanten Luftmassenwechsel. Am Dienstag strömt mäßig warme Meeresluft nach Deutschland. Das Ganze geschieht nicht ohne kräftige Konvektion. Sich Details anzuschauen, ergibt angesichts der zeitlichen Entfernung keinen Sinn. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch ist die Konsistenz zu den Vorläufen gut. Einheitlich wird ein Trog über Mitteleuropa und ein flacher Keil über Deutschland simuliert. Ein Tief liegt über Westrussland, ein umfangreiches Hoch über dem Ostatlantik. Ein Randtrog schwenkt von der Norwegischen See südostwärts und löst eine Zyklogenese im Lee des Skandinavisches Gebirges aus. Das Tief zieht bis Donnerstag nach Nordpolen. Der Trog über Mitteleuropa verstärkt sich. Die Konsistenz ist weiterhin gut. An den Folgetagen schwenkt der Trog nach Osteuropa, von Westen folgt ein Keil des Atlantikhochs nach. Dies geschieht etwas schneller als im gestrigen Morgenlauf. Am Wochenende nehmen die Unterschiede zu. Nach den beiden neuesten Modellläufen greift das Frontensystem eines Skandinavientiefs auf Deutschland über. Ein Tief bei Portugal wird anders als in den Vorläufen nicht nach Frankreich geführt und nimmt so keinen Einfluss auf das Wetter in Deutschland. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung zunächst sehr ähnlich. Größere Unterschiede ergeben sich ab Samstag: Zum einen in der Frage, inwieweit von Nordwesten Frontensysteme auf Deutschland übergreifen - ICON ist da deutlich schneller und kräftiger in der Entwicklung - zum anderen wird bei GFS und UKMO das Tief bei Portugal eingefangen und nach Frankreich geführt, bei ICON und IFS nicht. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen CLUSTERUNG: Für Mittwoch und Donnerstag gibt es vier Cluster, die alle dem Regime "Atlantic Ridge" angehören. Die Unterschiede für Deutschland sind gering. Für Freitag bis Sonntag gibt es drei Cluster. Das Regime wechselt bei allen von "Atlantic Ridge" auf "NAO positiv". Die Unterschiede nehmen ab Samstag deutlich zu. Die Ausweitung des Troges über Nordwesteuropa nach Süden wird unterschiedlich simuliert, ebenso wird das Höhentief bei Portugal unterschiedlich schnell eingefangen. Für Deutschland steht aber in jedem Cluster eine zyklonale Vorderseite am Wochenende an. Für den Wochenanfang gibt es weiterhin drei Cluster, die weiterhin fast ausschließlich dem Regime "NAO positiv" zugeordnet. Deutliche Unterschiede ergeben sich in der Struktur des Westeuropatroges und in der Verlagerungsgeschwindigkeit nach Osten. Auch eine anhaltende Trogvorderseite wird gezeigt. RAUCHFAHNEN: Für das Geopotenzial in 500 hPa zeigt sich zu Beginn am Mittwoch und Donnerstag ein Minimum mit dem Trogdurchgang. Nachfolgend ergibt sich ein Anstieg, der deutschlandweit vom Ensemble gezeigt wird. Ab Freitag sinkt das Geopotenzial, die Unsicherheit in Stärke und Geschwindigkeit der Abnahme ist jedoch groß. Die Temperatur in 850 hPa steigt von relativ niedrigem Niveau bis zum Wochenende deutlich an, wobei der Anstieg im Süden stärker ist. Das erreichte Niveau ist deutlich höher als im Norden. Ab dem Wochenwechsel sinkt das Ensemblemittel deutschlandweit wieder. Die Streuung nimmt ab dem Wochenende zu und ist Anfang kommender Woche groß. Niederschläge sind im Südwesten und Westen weiter Mangelware, erst ab Sonntag nehmen dort die Signale zu. FAZIT: Zur Wochenmitte erreicht ein neuer Schwall kühler Meeresluft den Norden und Osten, an den Küsten gibt es das nächste Windereignis, im Osten Kaltluftgewitter. Der Südwesten wartet dagegen weiter auf Regen. Zum Wochenende gelangt Deutschland auf die Trogvorderseite, sodass in den Süden und Osten sehr warme bis heiße Luftmasssen geführt werden. Ab Sonntag sorgt der sich nähernde Trog zunehmend für Schauer und Gewitter. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen EFI: WIND: Am Mittwoch gibt es für den im Norden, vor allem Schleswig-Holstein, Hinweise auf ein Ereignis am oberen Ende des Modellklimas. EPS: Am Mittwoch geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 an der Nordsee, abschnittsweise geringe Wahrscheinlichkeiten an der Ostsee. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix, EZMW-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen