S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 18.05.2026 um 10.30 UTC Zunehmend sommerlich. Am Sonntag im Westen und Südwesten geringes Gewitterpotenzial. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 25.05.2026 Es gibt nur noch eine Richtung: Aufwärts! Gemeint sind die Temperaturen, die in den vergangenen Tagen als Eisheilige verkleidet ziemlich unterkühlt daherkamen, in der Mittelfrist aber wie der Bundesligaufsteiger Elversberg aus dem kleinen Saarland deutlich in die erste Klasse nach oben schießen und sommerliche Gefilde anstreben. Möglicherweise endet das gar in Hitze, was für manch einen Zeitgenossen dann natürlich auch schon wieder zu viel des Guten ist. Wie dem auch sei beginnt die Mittelfrist am kommenden Donnerstag mit einem sich von Nordwestafrika in Richtung Frankreich und Benelux aufwölbenden, positiv geneigten Rücken. Ein schmückendes Beiwerk in Form eines kleinen Trogs über Skandinavien ist für heimische Regionen nur noch Staffage. Bodennah mündet der Rücken in einem Hoch mit Zentrum über Deutschland und einem Kerndruck knapp über 1025 hPa. Die T850 hPa steigen mit Zufuhr subtropischer Luftmassen (mT/teils cT) aus dem Süden auf 5 Grad im Norden bis 10 Grad im Süden, im Südwesten dürfte örtlich bereits an der 25-Grad-Marke, also einem meteorologischen Sommertag, gekratzt werden. Von Freitag bis Samstag verlagert sich die Achse des Rückens allmählich auf eine Linie Balearen - Löwengolf - Alpen - Polen, womit Deutschland mehr und mehr auf die Rückseite gerät. Am Samstag tropft zudem über Frankreich ein kleines Höhentief aus einem schmalen Trog ab, es hat aber vorerst keinen Einfluss auf unser Wetter. Am Boden verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt derweil nach Polen. Mit der südlichen Strömung steigt die T850 hPa auf 10 bis 15 Grad, wobei die Luftmasse eher trocken ist. In 2 Metern zeigen die Vorhersagen gebietsweise über 30 Grad an. Am Sonntag dreht sich das Höhentief über Frankreich ein. In der Nähe dazu ist im Westen und Südwesten Konvektion möglich. Ansonsten überwiegt weiter der Hochdruckeinfluss. Am Montag wandert das Höhentief in die Biskaya ab und ist nicht mehr relevant für uns. Der Rücken über uns flacht dagegen ab, sodass sich in der Folge auch das Hoch über Polen abschwächt. Gleichzeitig zieht aber westlich der Britischen Inseln ein neuer Rücken heran, der ein neues Hoch über den Britischen Inseln und der Nordsee generiert. Die T850 hPa liegen weiterhin nahezu unverändert zwischen 11 und 15 Grad, ein Luftmassenaustausch findet nicht statt. In der erweiterten Mittelfrist ändert sich nichts Wesentliches. Der Rücken bleibt dominant, das Höhentief steuert die Britischen Inseln an. Eventuell gelangt im Zuge dessen etwas feuchtere Luft in den Westen Deutschlands, was das Gewitterrisiko ein wenig erhöhen könnte. Mit T850 hPa von 12 bis 17 Grad wird es sogar noch ein kleines bisschen wärmer. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Im Prinzip ist die Konsistenz der jüngsten drei Läufe des EZMW hoch, weil an den Grundmustern festgehalten wird. Wie so oft liegt der Teufel aber im Detail, und das heißt hier Höhentief. Im gestrigen 0 UTC-Lauf sollte sich aus dem nun nach Skandinavien abziehenden Randtrog ein Höhentief abspalten, das in der Folge nach Tschechien und Österreich wandern sollte. Dieses ist mit dem heutigen 0 UTC-Lauf ganz vom Tisch, auch der gestrige 12 UTC-Lauf zeigte es schon nicht mehr. Das neue Höhentief über Frankreich und der Biskaya war im gestrigen 0 UTC-Lauf weiter westlich unterwegs und sollte uns nicht tangieren. Mit dem heutigen 0 UTC-Lauf könnte es den Westen und Südwesten am Sonntag mit Schauern oder Gewittern streifen. Zwischen dem gestrigen 12 UTC- und dem heutigen 0 UTC-Lauf besteht auch in den Details eine hohe Konsistenz. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen ICON, GFS und UK10 ziehen mit dem EZMW an einem Strang und servieren, etwas überraschend angesichts des kleinen Höhentiefs, sehr ähnliche Lösungen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen bestätigen den deterministischen Lauf durch einen gut im engen Median eingebetteten Kontrolllauf. Ab Sonntag öffnen wenige Ausreißer nach unten die Kurven, sodass die Option für ein Höhentief näher bei oder über uns nicht ganz abgehakt ist. Zudem läuft der Kontrolllauf bei T850 hPa und 500 hPa Geopotenzial jeweils an den oberen Rand der Streuung, sodass das Temperaturniveau vielleicht ein wenig zu hoch angesetzt ist. Niederschlagsignale gibt es bis Mittwoch, im Osten und Norden bis Donnerstag. Am Samstag, hauptsächlich aber am Sonntag ist ein geringes Rauschen zu verzeichnen. CLUSTER: Im zweiten Zeitschritt zwischen Samstag 0 UTC und Montag 0 UTC gibt es 3 Cluster (alle mit Blockierung). In C1 ist das Höhentief kaum ausgeprägt und verschwindet bald, in C2 und C3 wird es fast an gleicher Stelle wie beim Hauptlauf simuliert. Im dritten Zeitschritt zwischen Dienstag 0 UTC und Donnerstag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) werden 2 Cluster benötigt (weiterhin Blockierung). C1 (27 Mitglieder) entspricht dem deterministischen Lauf. Bei C2 (24 Mitglieder mit Kontrolllauf) flacht der Rücken über uns ab, sodass der Nordosten etwas zyklonaler aufgestellt wäre. FAZIT: Pack die Badehose aus! Das schaurige Wetter des Eisheiligen zieht ab und die Temperaturen steigen deutlich. Es drohen gebietsweise sogar die ersten Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad. Ob am Sonntag im Westen und Südwesten vereinzelt markante Gewitter stören, ist noch nicht sicher. Zudem könnte sich durch eine leicht veränderte Zugbahn des Höhentiefs am Wochenende das Gewitterpotenzial mit MU-CAPE zum Teil über 2000 J/kg bei uns erhöhen, die Modelle wollen davon aber noch nicht viel wissen. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Dem heutigen 0 UTC-Lauf zufolge besteht am Sonntag im Westen und Südwesten ein geringes Gewitterrisiko. EFI hat keine Signale, MU-CAPE ist mit bis zu 2000 J/kg aber beachtlich. Die Hebung ist dagegen aufgrund der Entfernung zum Höhentief nur mau. Dennoch sind starke Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und kleinem Hagel nicht auszuschließen. Für Unwetter spricht aktuell nur wenig. Allerdings könnte sich je nach Lage des Höhentiefs in den nächsten Läufen das Gewitterpotenzial deutlich erhöhen und/oder auf andere Tage oder Gebiete ausdehnen/ausbreiten. TEMPERATUREN: Ab Samstag zeigt EFI deutliche Signale für überdurchschnittlich hohe Temperaturen. Da die Feuchtigkeit aber zunächst gering ist und es in den Nächten noch ausreichend abkühlt, sollte die Wärmebelastung noch nicht zu stark sein. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EZMW, EZMW-EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler