S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 01.02.2026 um 10.30 UTC Zum Donnerstag im Osten und Nordosten teils kräftige Schneefälle. In der Nacht auf Freitag in den westlichen Mittelgebirgen und im Nordwesten Glatteisgefahr, in der Folge auch weiter nordostwärts ausgreifende milder Luftmasse. In der Folgewoche südliche Westlage mit Grenzwetterlage über Deutschland möglich. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 08.02.2026 Im gesamten Mittelfristzeitraum ist Deutschland zweigeteilt: In der Nordosthälfte des Landes wird kontinentale Kaltluft herangeführt, während sich mildere Luft vom Atlantik vor allem in den südwestlichen Landesteilen durchsetzen kann. Am Mittwoch liegen der Norden und Nordosten noch im Einflussbereich eines Feuchtebandes, das sich am Vortag dorthin geschoben hat. Es fallen noch ein paar Flocken oder gefrierender Sprühregen. Das Sättigungsniveau liegt in den Prognosesoundings häufig oberhalb von -10 °C, sodass Sprühregen in den Dauerfrostregionen nicht unwahrscheinlich ist. Vom Südwesten bis zur Mitte macht sich rückseitig schwaches Absinken bemerkbar, sodass sich zeitweise auch die Sonne zeigen kann und es meist trocken bleibt. In der Nacht auf Donnerstag zieht ein Tief von Österreich in Richtung Tschechien und Sachsen. Vorderseitiges Aufgleiten sorgt über dem Osten für aufkommende, länger andauernde Schneefälle. Vor allem östlich der Elbe bleibt es dauerfrostig, während am Niederrhein bis zu +11 °C erwartet werden. Am Donnerstag zieht das Tief über dem Osten weiter nordwärts. Der Schwerpunkt der Schneefälle verlagert sich damit im Tagesverlauf in den Nordosten und zieht in der Nacht auf Freitag ab. Im Südwesten macht sich bereits der nächste Tiefausläufer mit aufkommenden Niederschlägen in Form von Regen bemerkbar. Im höheren Bergland besteht aufgrund von Frost erneut Glatteisgefahr. Am Oberrhein werden bis zu +8 °C, im Nordosten bis -4 °C erwartet. Am Freitag schiebt sich das Feuchtefeld mit den milderen Luftmassen über die Mitte bis in den Nordosten, wo es vor allem in der Nacht auf Samstag aktiv ist. Bei positiven Werten in 850 hPa fällt zunächst überwiegend Regen, erst in der Nacht kann der Niederschlag wieder teilweise in Schnee übergehen (Abbau der warmen Nase). Mit dem Übergreifen des Regens in die Frostgebiete besteht erhöhte Glatteisgefahr. Am Wochenende bleibt das unbeständige Wetter mit vor allem in der Höhe milderen Luftmassen bestehen. Nur ganz im Norden verbleibt T850 im negativen Bereich. Demnach gibt es weitere Niederschläge, die meist in Form von Regen fallen, wobei die Mengen im ECMWF-Modell eher gering ausfallen. Vor allem in Richtung Norden bliebe es teils dauerfrostig, während am Oberrhein Maxima bis in den zweistelligen Bereich möglich sind. In der erweiterten Mittelfrist wird das Übergreifen neuer Tiefausläufer vorhergesagt. Dabei würde sich eine südliche Westlage einstellen, wobei die Teiltiefs vor allem über die Mitte des Landes ostwärts ziehen. Damit ergäbe sich erneut eine Zweiteilung mit einem dauerfrostigen Norden und einem milden Süden. Vorstellbar ist dabei eine Grenzwetterlage mit teils kräftigen Schneefällen an der Nordflanke sowie Regen nach Süden hin. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist zeigt sich eine gute Konsistenz hinsichtlich der grundsätzlichen Großwetterlage. Im Detail lassen sich jedoch bereits Unterschiede erkennen. Diese betreffen insbesondere die Entwicklung und Verlagerung des Bodentiefs in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstag, das dem Osten und Nordosten teils kräftige Schneefälle bringen soll. Im gestrigen 00-UTC-Lauf sollten die Feuchtefelder deutlich weiter nach Westen ausgreifen als im aktuellen Lauf, sodass auch die Schneefälle weiter westwärts vorankommen sollten. Dies führt in der Folge auch zu Differenzen in der Prognose des neuen Feuchtvorstoßes aus Südwesten. Dem gestrigen 00-UTC-Lauf folgend sollte dieser erst am Freitagvormittag erfolgen. Zudem sollten die Niederschläge nur bis etwa zur Mitte vorankommen, während im Norden die Kaltluft dagegenhält. Im neuesten Lauf erfolgt die Verlagerung hingegen deutlich schneller (Übergreifen bereits in der Nacht auf Freitag), und die milde Luft könnte sich bis in den Nordosten vorarbeiten. Auch im weiteren Verlauf des Wochenendes und zu Beginn der neuen Woche unterscheiden sich die Vorzeichen deutlich. Im gestrigen 00-UTC-Lauf dominierte noch eine östliche Strömung mit kalten Luftmassen (0 °C in 850 hPa bis zu den Alpen), was Schneefälle zur Folge gehabt hätte. Im neuen Lauf kann die milde Südwestströmung hingegen bis über die Mitte hinaus nordostwärts ausgreifen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die Mittelfrist startet zunächst mit einer guten Übereinstimmung der verschiedenen Globalmodelle. Mit der Tiefentwicklung in der Nacht auf Donnerstag nehmen die Unterschiede jedoch rasch zu. Das UKMO-Modell lässt die Feuchtefelder - ähnlich dem EZ-Lauf vom Vortag - weiter nach Westen ausgreifen. Demnach besteht im Grenzgebiet zu Polen und Tschechien ebenfalls Glatteisgefahr. Beim ICON-Modell verläuft das Tief mit seinen Niederschlägen dagegen noch weiter östlich und zieht schneller ab als im EZ-Modell. Damit können bei ICON bereits am Donnerstagnachmittag die Regenfälle von Südwesten her übergreifen. In der Folge kommen diese im Vergleich zum EZ-Modell am Samstag kaum noch bzw. nur schleppend bis in den Nord(ost)en vor, da sie von einem kontinentalen Kaltluftbollwerk ausgebremst werden. Das UKMO-Modell ist ähnlich wie das EZ-Modell rascher im Vorankommen der Warmluft bis in den Nordosten, jedoch etwas langsamer als EZ. Demgegenüber ist das GFS-Modell nochmals aggressiver als das EZ-Modell. Auch in der Folge zeigt sich das GFS zunächst etwas milder als das ECMWF. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen zeigen insgesamt einen recht gebündelten Verlauf. Zwar nimmt der Spread in der zweiten Wochenhälfte etwas zu, die Mehrzahl der Läufe ist sich jedoch recht einig, und der Hauptlauf verläuft meist im Bereich des Medians. Auffällig ist, dass der Spread nach Norden deutlich größer ist als nach Süden. Dies spricht dafür, dass die größten Unsicherheiten darin liegen, wie weit die Warmluftvorstöße nach Norden vorankommen können und wie stark die kontinentale Kaltluft dagegenhält. Der Hauptlauf liegt im Nordosten eher am unteren Rand des Medians. Das Clustering des ECMWF zeigt für den Zeitraum +120 h (Fr 00 UTC) bis +168 h (So 00 UTC) nur zwei unterschiedliche Lösungen, die etwa gleich stark besetzt sind. Unterschiede für Mitteleuropa lassen sich jedoch nur schwer herausarbeiten. Cluster 1 zeigt zum Ende hin ein etwas dominanteres Hoch, während Cluster 2 einen etwas stärkeren Tiefdruckeinfluss erkennen lässt. Im Zeitraum +192 bis +240 h wird sogar nur eine Lösung dargestellt, die - wie der Hauptlauf - eine südliche Westlage prognostiziert und damit eine Fortdauer der Zweiteilung über Deutschland. Das GFS-Ensemble verläuft insgesamt ebenfalls recht gebündelt. Wieder fällt auf, dass der Spread im Norden und Nordosten Deutschlands deutlich größer ist als weiter nach Süden. Im Verlauf der übernächsten Woche zeigt der deterministische Hauptlauf einen deutlichen Temperaturrückgang, vergleichbar mit dem ECMWF, allerdings bei sehr großem Spread. Fazit: Winterliche Wettererscheinungen lassen uns weiterhin nicht los. Ab der Nacht auf Donnerstag kann es vor allem im Osten und Nordosten zu länger andauernden und teils kräftigen Schneefällen kommen. Zum Freitag und am Wochenende deutet sich in den neuesten Läufen - anders als noch teilweise am Vortag - an, dass sich vor allem in der Höhe mildere Luft bis in den Norden vorarbeiten könnte. Im Übergangsbereich besteht erneut erhöhte Glatteisgefahr, während es nach Norden und Nordosten hin auch zu Schneefall kommen kann. Im Verlauf der darauffolgenden Woche deutet sich eine Umstellung auf eine südliche Westlage an, die in allen Ensembles zu finden ist. Zwar ist die Streubreite noch groß, das Clustering des EZ zeigt jedoch nur eine Lösung. Mit einer südlichen Westlage ist eine Grenzwetterlage mit kräftigen Schneefällen auf der kalten (Nord-)Seite sowie gefrierendem Regen im Übergangsbereich wahrscheinlich. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Die ganze Zeit über bleibt der Wind im norddeutschen Küstenumfeld lebhaft mit starken bis stürmischen Böen. Dies betrifft vor allem den Beginn der Mittelfrist, während zum Wochenende die Verbreitung und Häufigkeit stürmischer Böen eher abnimmt. Davon abgesehen prägen vor allem winterliche Parameter das Warnbild. So kommen in der Nacht auf Donnerstag über dem Osten und Nordosten länger andauernde Schneefälle auf, die teils bis in den Donnerstag hinein andauern. Es gibt Signale, dass insbesondere in kürzeren Zeiträumen regional die Schwelle zu markanten Schneefällen erreicht oder überschritten werden könnte. Abhängig von der Zugbahn ist vorübergehend gefrierender Regen an der Grenze zu Polen nicht ausgeschlossen. Ab Donnerstagnachmittag kommen von Südwesten her Regenfälle auf, die in der Nacht auf Freitag etwa bis zur Mitte vorankommen. Dabei besteht vor allem in höheren Mittelgebirgslagen die Gefahr von Glatteis durch gefrierenden Regen. Wie weit und wie schnell diese auch weiter nach Nord(ost)en vorankommen, ist noch unsicher. Zum Teil besteht dort jedoch ebenfalls eingangs des Wochenendes Glatteisgefahr. Wo und wie schnell nachfolgend ein Phasenübergang stattfindet, ist ebenso unsicher. Wenn sich in der erweiterten Mittelfrist die südliche Westwetterlage durchsetzt, könnte sich in der neuen Woche eine Grenzwetterlage mit kräftigen Schneefällen an der Nordflanke sowie gefrierendem Regen im Übergangsbereich entwickeln. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EZ-EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer