S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 08.05.2026 um 10.30 UTC Turbulenter Montag, insgesamt meist kühl und unbeständig __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 15.05.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Montag liegt der Süden Deutschlands anfangs noch auf der Vorderseite eines Höhentiefs über der Biskaya. Entscheidend wird aber Ein Trog über Norwegen, der bis zum Südteil der Nordsee reicht und bis Dienstagfrüh unter Abtropfung nach Westpolen schwenkt (in 500 hPa bis -32 Grad). Ein Tief über der östlichen Mitte zieht in dieser Zeit zum Baltikum, in der Nacht zum Dienstag weitet sich der Keil eines Atlantikhochs nach Süddeutschland aus. Eine markante Kaltfront reicht Montagfrüh von NRW nach Mecklenburg-Vorpommern und überquert bis Montagnacht ganz Deutschland südostwärts. Vor der Kaltfront werden im Südosten noch +8 Grad in 850 hPa erreicht, nachfolgend strömt polare Meeresluft ein mit Werten zwischen -3 und -6 Grad. In der feuchtwarmen Luft entstehen im Süden und Südosten tagsüber teils kräftige Gewitter. Der Südwest- bis Westwind frischt im Süden präfontal kräftig auf mit Böen Bft 7 (exp. Bft 8), im Alpenvorland treten Bft 8 bis 9 wahrscheinlich gehäuft auf. Schauer/Gewitter und die Kaltfront bringen gebietsweise größere Regenmengen, die besonders im Schwarzwald die Warnschwellen überschreiten könnten. Rückseitig kann in der Nacht zum Dienstag bis in mittlere Lagen Schauern die feste Phase auftreten. Zudem besteht in ungünstigen Lagen in der Mitte Luftfrostgefahr. Am Dienstag zieht das Höhentief über Westpolen südostwärts. Es folgt ein flacher Keil von Nordwesten nach, ehe sich in der Nacht zum Mittwoch sich der nächste Trog von der Nordsee annähert. Am Boden macht sich vorübergehend Zwischenhocheinfluss bemerkbar, der im Süden stärker als im Norden ausgeprägt ist. Dennoch kommt es vor allem im Südosten und Osten zu Schauern. Die Luftmasse in 850 hPa erwärmt sich allmählich auf Werte um 0 Grad. Die Nacht zum Mittwoch verläuft im Süden oft gering bewölkt, in Senken und Tallagen besteht örtlich Luftfrostgefahr. Im Norden zieht eine Okklusion mit dichter Bewölkung und Regen auf. Am Mittwoch weitet sich der Trog über der Nordsee langsam südostwärts aus. Donnerstagfrüh liegt seine Achse über Westdeutschland (im Nordwesten um -30 Grad in 500 hPa). Eine Okklusion schwenkt über Deutschland hinweg, nachfolgend erreicht erneut ein Schwall polarer Meeresluft Deutschland mit Werten um 0 Grad in 850 hPa. Am Donnerstag verbleibt der Trog unter leichter Abschwächung über Deutschland. An der Westflanke des Troges über Westeuropa kommt es zu einem Kaltluftvorstoß. Ein Tief, eingebettet in die Frontalzone zieht von Nordwesten nach Frankreich und verstärkt sich dabei bis Freitag auf unter 990 hPa. Das Windfeld des Tiefs befindet sich auf dessen Westseite und tangiert Deutschland nicht, Aufgleitniederschläge ziehen im Südwesten des Landes auf. Tagsüber kommt es in der hochreichenden Kaltluft zu zahlreichen Schauern und örtlichen Gewittern, teils mit Graupel. Nachts lässt die Schauertätigkeit weitgehend nach. Am Freitag stößt der Trog über Westeuropa bis zum nordwestlichen Mittelmeer vor und zeigt Abtropfungstendenzen. Deutschland liegt knapp östlich der Trogachse. Das Tief über Frankreich füllt sich auf, über Oberitalien kommt es zu einer Zyklogenese. Über den Alpen kommt vorübergehend Südföhn auf. Die Temperatur in 850 hPa liegt zwischen +1 Grad im Westen und +6 Grad im Osten, an den Alpen vorübergehend bei bis zu +10 Grad. Im Westen und Süden (eher nachts) kommt es durch die beiden angesprochenen Tiefs gebietsweise zu länger anhaltenden Regenfällen. In der erweiterten Mittelfrist tropft der Trog über Oberitlaien endgültig ab und das Höhentief zieht nach Südosteuropa. Das Tief über Oberitalien zieht ostwärts. Zwischen einer beginnenden Austrogung über dem Ostatlantik steigen Geopotenzial und Luftdruck allmählich. Die Luftmasse kann sich erwärmen. Anfangs kommt es vor allem an den Alpen noch zu länger anhaltenden Niederschlägen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist am Montag ist die Konsistenz von IFS zu den Vorläufen gut. Eine Kaltfront liegt über Deutschland und schwenkt rasch südostwärts. Nachfolgend strömt polare Meeresluft ein, die am Dienstag im Süden unter Hochdruckeinfluss gerät. In den Nächten zum Montag und Dienstag besteht in der Mitte bzw. im Süden örtlich Nachtfrostgefahr. Am Mittwoch greift ein Trog von Nordwesten schneller als in den Vorläufen auf Deutschland über. Am Donnerstag erreicht ein kräftiges und umfangreiches Tief Frankreich. Die Entwicklung weicht nun zunehmend von den Vorläufen ab. Grundsätzlich verläuft die zweite Wochenhälfte unter Tiefdruckeinfluss unbeständig und eher kühl. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen Modelle zeigen die Entwicklung ähnlich, wobei ab Donnerstag größere Unterschiede hinsichtlich der Tiefdruckentwicklungen über West- und Mitteleuropa entstehen. Unbeständig und eher kühl ist aber die einheitliche Tendenz. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Das Geopotenzial in 500 hPa zeigt deutschlandweit ein Minimum am Montag/Dienstag bevor eine vorübergehende Erholung einsetzt. Übereinstimmend wird dann ein erneuter Rückgang gezeigt, der insbesondere im Süden zu tieferen Werten führt als beim ersten Trog. Zum Wochenende gibt es Hinweise auf eine Erholung des Geopotenzials. Die grundlegende Wellenbewegung wird vom gesamten Ensemble gezeigt. Die Stärke der Erholung bzw. des zweiten Minimums weichen teils stark voneinander ab. Die Temperatur in 850 hPa zeigt ebenfalls ein Minimum am Montag/Dienstag im Bereich von -3 bis -6 Grad bevor eine Erholung auf Werte knapp über 0 Grad einsetzt. Anders als im Geopotenzial findet kein erneuter Rückgang, zumindest im Mittel, mit dem zweiten Trogvorstoß statt. Über die gesamte Mittelfrist zeigen sich deutliche Niederschlagssignale mit einem Minimum im Süden am Mittwoch. CLUSTERUNG: Für Montag und Dienstag zeigen sich drei Cluster des Regimes "Mittelatlantischer Rücken". Der Hauptlauf liegt im größten Cluster mit etwa 50% der Member. Die Unterschiede für Deutschland sind minimal. Für Mittwoch bis Freitag gibt es vier Cluster, ebenfalls alle des Typs "Mittelatlantischer Rücken". Unterschiede ergeben sich in der Struktur des Troges über Mittel- und Westeuropa. Übereinstimmend wird der neue Trogvorstoß über Westeuropa gezeigt und Deutschland östlich der Haupttrogachse liegt. Für das Wochenende gibt es drei Cluster. Von anfänglich "Mittelatlantischer Rücken" findet ein Übergang zu "NAO-" oder "Blocking" statt. Unterschiede ergeben sich bei der Behandlung des Troges über Westeuropa. Das Cluster des Hauptlaufs zeigt eher eine Vorderseite, die anderen Cluster sind diesbezüglich indifferent. Fazit: Turbulenter Wochenstart mit markantem Kaltfrontdurchgang. Kräftige Gewitter im Süden, diesmal mit Dynamik, Dauerregen im Schwarzwald und im Allgäu wahrscheinlich sowie Sturm im Alpenvorland und an der Nordsee. Nachfolgend kühles Rückseitenwetter mit Nachtfrostgefahr. Nach kurzem Zwischenhocheinfluss zur Wochenmitte folgt von Nordwesten ein neuer Trogvorstoß nach West- und Mitteleuropa. Die Regionen mit Trockenheit werden kleiner werden. Sommertage sind erstmal nicht in Sicht. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen NIEDERSCHLAG: Im Süden und insbesondere im Südwesten gibt es Signale für ein ungewöhnliches Niederschlagsereignis. Das EPS zeigt gebietsweise im Südwesten, besonders für den Schwarzwald, geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeiten für mehr als 30 mm in 24 Stunden. STURM: Es finden sich deutliche Hinweise im EFI auf ein ungewöhnliches Sturmereignis im Alpenvorland und im Umfeld des Bodensees. Das EPS reagiert eher verhalten. Es zeigt geringe bis mittlere (westliches Alpenvorland) Wahrscheinlichkeiten für Bft 8, unter 10% für Bft 9. Ähnlich hohe Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 bzw. 9 werden für die nordfriesische Küste simuliert. TEMPERATUR: Es gibt Hinweise auf deutlich unterdurchschnittliche Temperaturen im Nordwesten (Montag) und Osten (Dienstag). ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOSMIX, IFS, IFS-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Thore Hansen