S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 23.10.2026 um 10.30 UTC Anfangs stürmische Böen an den Küsten und auf den Mittelgebirgen, ab Mittwoch ruhiges Herbstwetter __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 30.10.2026 Fazit vorweg: In der neuen Woche setzt sich das dynamische Wetter zunächst fort, wobei der Süden eher unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten liegt, während der Norden überwiegend Tiefdruckeinfluss ausgesetzt ist. Nach Wochenmitte dehnt sich hoher Luftdruck aus, der seinen Einfluss bis zum Wochenende behält. Dabei ist es für Ende Oktober sehr mild. Die neue Woche startet am Montag mit einem rasch ostwärts abziehenden Trog und dem nachfolgenden Aufbau eines Keils von Westen, dessen Achse in der zweiten Hälfte der Nacht zum Dienstag von Südwest nach Nord über Deutschland liegt. Im Bodenfeld zeigt sich der Süden Deutschlands am Montag unter Hochdruckeinfluss (>1020 hPa), während der Norden unter dem Einfluss von Tiefdruckgebieten über Nord- und Nordwesteuropa liegt. Am Abend zieht die Warmfront eines Tiefs mit Zentrum nordwestlich der Britischen Inseln in den Westen und Nordwesten Deutschlands, von wo aus sie sich in der Nacht ost-nordostwärts schiebt. Dabei fließt nicht nur feuchte, sondern in 850 hPa auch deutlich mildere Luft ins Land - bis 12 Grad in 850 hPa im Westen, wohingegen im Osten zunächst um 5 Grad liegen bleiben. Am Dienstag wird die Keilachse von einem Trog ostwärts verschoben. Die milde Luft flutet das ganze Land, was in Maxima von bis zu 21 Grad im Südwesten resultiert. In der Nacht zum Mittwoch erreicht die Achse des Troges über Nordwesteuropa den Nordwesten Deutschlands. Die eingelagerte Kaltfront bringt neben kühlerer Luft auch wieder Regen. Zunehmender Druckgradient sorgt für vorübergehend auffrischenden Süd- bis Südwestwind. Die sind an den Küsten und im Bergland erneut stürmische Böen wahrscheinlich. In den Niederungen im Binnenland ist der Wind mäßig bis frisch unterwegs. In der Nacht zum Mittwoch zieht der Bodentrog von Nordwest nach Ost über Deutschland hinweg, der Höhentrog folgt langsam hinterher. Hinter der Kaltfront fließen nur noch 1 bis 5 Grad in 850 hPa zu uns. Am Mittwochvormittag zieht auch der Höhentrog ostwärts aus Deutschland ab. Die Strömung dahinter ist zonal mit einer leichten Tendenz zu zyklonal. Am Boden dehnt sich aus Südwesten hoher Luftdruck aus, der die Luft rasch abtrocknen lässt. Im Norden schwenkt jedoch im Tagesverlauf ein schwacher Bodentrog durch, der mit etwas Hebung nochmal für dichte Wolken und Regen sorgt. Der Wind lässt insgesamt nach, es sind aber weiterhin stürmische Böen an den Küsten möglich. In der Nacht zum Donnerstag schwenkt ein kleiner Randtrog in der Höhe über den Norden und Nordosten Deutschlands, was abermals mit feuchter Luft und etwas Regen einhergeht. Nach Süden hin dominiert unter hohem Luftdruck Absinken, was gebietsweise zu dichtem Nebel führt. Aus dem Randtrog in der Nacht entwickelt sich am Donnerstag ein amplifizierender Trog östlich von uns. Bis in die Nacht zum Freitag reicht der Trog von Finnland über das Baltikum und Polen bis nach Rumänien. Der Osten Deutschlands liegt auf der Rückseite, mit der Tendenz zu mehr Wolken und gelegentlichem leichten Regen im Grenzgebiet. Sonst wird es unter Einfluss eines Bodenhochs und der zunehmenden Unterstützung durch einen Keil in der Höhe deutlich freundlicher. Mit auffächerndem Druckgradienten nimmt der Wind endgültig ab. Die Luft wird aus Südwesten wieder milder. Am Freitag und Samstag sorgen Hochdruckeinfluss und milde Luft für ruhiges und nach Auflösung von Nebel und Hochnebel (was durchaus bis mittags dauern kann) auch oft sonniges Wetter. Das Hochzentrum verlagert sich gen Südskandinavien. Mit zunehmend östlicher Strömung wird die milde Luft (>10 Grad in 850 hPa) über Frankreich aufgehalten. Bei 5 bis 10 Grad in 850 hPa erreichen die Tageshöchstwerte 12 bis 17 Grad. Ein kleines Fragezeichen ergibt sich noch in der Prognose des Troges über Osteuropa. Aus ihm soll sich am späten Freitag ein umfangreiches Höhentief entwickeln, dessen Verlagerung am Samstag zwar gen Süden geht, aber mit der Tendenz der Doppelkernstruktur und damit dem Potenzial des umeinander Drehens, was für den äußersten Osten und Südosten noch Überraschungen liefern könnte (dichte Wolken, Regen, Schauer). __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Der aktuelle IFS-Lauf weist für die Mitte Europas eine hohe Konsistenz zu seinen Vorgängern auf. Die neue Woche startet wechselhaft und windig mit wiederholtem Frontendurchgang. Ab Donnerstag baut sich hoher Luftdruck auf, der sich bis zum Wochenende halten kann und auch von einem Keil gestützt wird. Dann fließt auch wieder deutlich mildere Luft ins Land. Für den Norden und Osteuropas divergieren die Modellläufe ab Wochenmitte stark. Der Tiefdruckeinfluss am Boden und in der Höhe wird von Lauf zu Lauf unterschiedlich simuliert. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen Mittelfristmodelle sind der IFS-Vorhersage sehr ähnlich. Unterschiede ergeben sich im zeitlichen Ablauf (+/- 3 Stunden) der Tröge, sowie im Aufbau des Keils/Rückens am Donnerstag. Da hängt IFS etwas hinterher. Prinzipiell gibt es aber keinen Ausreißer. Die unterschiedliche Prognose für Osteuropa bildet sich auch zwischen den Modellen ab. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse ist wenig überraschend. Sie bietet für den ersten Zeitschritt (Montag/Dienstag) zwar 6 Lösungen (das Maximum) aber nur ein Regime: NAO positive. Die Unterschiede beschränken sich bei uns auf die Amplitude des Troges, deren Abzug mit sofortigem Aufbau des Keils ist aber in allen Lösungen vorhanden. In Zeitschritt zwei (Mittwoch bis Freitag) wechselt das Regime zu Blocking und das bleibt auch in der erweiterten Mittelfrist am Wochenende erhalten. Die Rauchfahnen sind bis Dienstag eng und weisen eine Berg- und Talfahrt auf, wie es nur dynamische Lagen können. Ab Mittwoch werden die Ensembles ruhiger und der Spread geht auf. Es gibt einen leichten Aufwärtstrend bei der Temperatur in 850 und auch beim Geopotential auf 500 hPa, der erst zum Ende der Ensembles (Sonntag) wieder leicht rückläufig wird. Die Niederschlagssignale sind in dem Zeitraum gering. Auch im Osten gibt es nur vereinzelte Ausreißer. Die deterministische IFS-Prognose ist damit gestützt, nicht, dass ich sie angezweifelt hätte. Die Ensembles der andere Mittelfristmodelle sehen sehr ähnlich aus. Nach der wilden Maus wechselt das Wetter zum Kettenkarussel. Beständig und ohne große Überraschungen, aber auf sehr hohem (mildem) Niveau. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Im Mittelfristzeitraum gibt es keine signifikanten Wettererscheinungen. Der in Böen anfangs stürmische südwestliche Wind an den Küsten (Bft 8) und die einzelnen Sturmböen (Bft 9) auf wenigen Mittelgebirgsgipfeln sind im Herbst nicht ungewöhnlich. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn