S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 24.07.2026 um 10.30 UTC Nach kurzer Beruhigung Warmluftvorstoß mit Hitze und einzelnen kräftigen Gewittern __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 31.07.2026 Am kommenden Montag schwenkt zu Beginn der Mittelfrist die Achse eines bisher wirksamen Höhentrogs über Polen hinweg ostwärts. Ein Frontensystem, das zu einem Tief vor der Küste Norwegens gehört, bringt anfänglich schauerartigen Regen, zieht jedoch im Tagesverlauf aus Deutschland nach Polen ab. Gleichzeitig verlagert ein Tief südwestlich von Island seinen Kern in südöstlicher Richtung. Davon ausgehend greift eine Warmfront auf Großbritannien über. Diese wird allerdings von einem breiten Höhenrücken überlagert, dessen Achse sich Dienstagfrüh vom westlichen Mittelmeer über Frankreich bis in die Nordsee erstreckt und das Wettergeschehen in Deutschland allmählich beruhigt. Während im Norden Deutschlands rückseitig des Frontensystems kühlere Meeresluft mit 850 hPa-Temperaturen um 5 Grad Celsius einfließt, bleibt im Süden die wärmere Luft mit Werten knapp über 10 Grad Celsius erhalten. Am Dienstag passiert die Achse des Höhenrückens, die sich vom zentralen Mittelmeer bis nach Skandinavien erstreckt, Deutschland ostwärts. Das Atlantiktief zieht hingegen knapp nördlich von Schottland auf. Die zugehörige Warmfront bringt dabei dem Norden und Nordosten Deutschlands dichte Wolken, aber kaum Regen. Von Südwesten wird dabei eine wärmere Luftmasse nach Deutschland geführt, die am Mittwochfrüh im Nordosten 10, im Südwesten 18 Grad erreicht. Am Mittwoch und am Donnerstag erstreckt sich die Achse des Höhenrückens vom Mittelmeer über Polen bis in die Ostsee und nach Finnland. Deutschland gelangt dabei auf die Vorderseite des recht stationären Tiefs zwischen Schottland und Island in eine südwestliche Strömung, mit der zunehmend heiße Subtropikluft sowie ein Schwall Saharastaub zu uns geführt werden. Dabei werden am Mittwoch voraussichtlich 850 hPa-Temperaturen von 13 bis 20, am Donnerstag sogar 18 bis 25 Grad Celsius erreicht. Allerdings können eingelagerte Kurzwellentröge in der Höhe, am Donnerstag auch eine flache Tiefdruckrinne, regional etwas Hebung generieren, sodass es möglicherweise lokal für Schauer und teils kräftige Gewitter reicht - insbesondere im Süden und Südosten des Landes. Am Freitag zeigt die Höhenströmung über Deutschland wieder antizyklonalere Konturen. Am Boden verlagert ein Hoch seinen Schwerpunkt über die Britischen Inseln hinweg in die Nordsee. Dabei fließt in den Norden wieder etwas kühlere Luft mit 850 hPa-Temperaturen von 12 Grad ein, im Süden bleibt die heiße Luft mit Werten bis 24 Grad wetterwirksam. Dort können sich mit Hilfe der Orographie noch einzelne kräftige Gewitter bilden. In der erweiterten Mittelfrist verbleibt Deutschland in einer südwestlichen Strömung mit der möglicherweise sogar 850 hPa-Temperaturen von bis zu 26 Grad Celsius in den Südwesten einfließen können. Auch im Norden sollen die Temperaturen wieder auf Werte nahe 20 Grad ansteigen. Am Boden verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt von Dänemark in die Ostsee, wodurch mögliche Randtiefs über Frankreich und Benelux den Nordwesten Deutschlands beeinflussen könnten. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs zu den beiden Vorläufen ist zumindest bis Donnerstag recht gut. Zum Freitag gehen die Lösungen dann auseinander. Während in dem gestrigen 00 UTC-Lauf von Frankreich übergreifende Tiefdruckrinnen mit Schauern und Gewittern simuliert wurden, zeigte der gestrige 12 UTC-Lauf hingegen einen über Ostdeutschland regenerierenden Höhenrücken sowie 850 hPa-Temperaturen von 26 Grad im Südwesten. Der aktuelle Lauf liegt irgendwo dazwischen mit hohem Luftdruck im Norden und weiterhin heißen Temperaturen im Süden. In der erweiterten Mittelfrist setzen sich die Abweichungen zwischen den einzelnen Läufen fort, wenngleich in allen eine gewisse Tiefdruckaktivität zu erkennen ist sowie heiße 850 hPa-Temperaturen von über 20 Grad Celsius im Süden. Im gestrigen 12 UTC-Lauf flossen hingegen bereits wieder Temperaturen nahe 10 Grad in den Nordwesten ein. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Bis Mittwoch besteht auch im Vergleich mit weiteren Globalmodellen eine gute Konsistenz. Zum Donnerstag gehen die Lösungen dann allmählich etwas auseinander. GFS stützt die Warmluftadvektion und liefert dabei die heißeste Lösung mit verbreitet 850 hPa-Temperaturen von 25/26 Grad. Aufgrund eines breiten Höhenrückens fällt die Tiefdruckaktivität dabei jedoch geringer aus. ICON lässt das Hoch dagegen am Freitag rasch Deutschland überqueren. Nachfolgend setzen sich dann zyklonale Verhältnisse durch. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen unterstützen die Bewertung der Konsistenz. Bis Donnerstag liegen die Ensemblemitglieder recht eng beieinander und gehen im Laufe des Donnerstags dann auseinander. Beim Blick auf die Temperatur fällt ab Freitag der Kontrolllauf als Ausreißer nach oben aus. Das breit gelaufene Mittel liegt im Norden um 12, im Süden um 20 Grad Celsius. Niederschlagssignale sind nahezu durchweg vorhanden, was auf ein anhaltendes konvektives Potenzial hindeutet. Lediglich am Dienstag und Mittwoch ist die Wahrscheinlichkeit für trockenes Wetter gebietsweise recht hoch. Die Rauchfahnen des Geopotenzials nehmen bis Dienstag rasch zu und oszillieren dann auf erhöhtem Niveau bis in die erweiterte Mittelfrist. Die Clusteranalyse weist im Zeitschritt von Dienstag bis Donnerstag (t+120 h bis t+168 h) 6 verschiedene Cluster auf (13/9/9/8/7/5 Mitglieder), wobei 5 der 6 Cluster (45 von 50 Mitgliedern) dem Regime NAO+ zugeordnet werden, darunter Clusters 4 mit 8 Mitgliedern einschließlich des Kontrolllaufs. Lediglich das letzte Cluster mit 5 Mitgliedern zeigt einen atlantischen Trog. Die Unterschiede zwischen den Clustern fallen in Mitteleuropa jedoch nicht allzu groß aus und betreffen vor allem die Amplitude des Rückens über Mittel- bzw. Osteuropa sowie den Einfluss kurzwelliger Tröge von Westen. Somit kann die großräumige Wetterlage insgesamt als recht gut abgesichert angesehen werden. Für den Zeitraum Freitag bis Sonntag (t+192 h bis t+240 h) nimmt die Unsicherheit erwartungsgemäß zu. Die Clusteranalyse liefert drei Lösungen (18/18/15 Mitglieder), die dem Regime NAO+ zugeordnet werden. Der Kontrolllauf findet sich im dritten Cluster wieder. Die Unterschiede betreffen vor allem den Einfluss atlantischer Tiefausläufer auf Deutschland, während der Warmluftvorstoß nach Mitteleuropa grundsätzlich von allen Lösungen gestützt wird. FAZIT: Bis Donnerstag ist die Mittelfristprognose recht sicher. Deutschland gelangt auf der Vorderseite eines Atlantiktiefs zunehmend in eine südwestliche Strömung, mit der ab Dienstag sehr warme bis heiße Subtropikluft nach Mitteleuropa geführt wird. Dabei steigt die Wärmebelastung deutlich an. Kleinere Störungen sorgen im Wochenverlauf regional für konvektives Potenzial mit einzelnen kräftigen Gewittern. Ab Freitag nimmt die Unsicherheit zu, wobei die Warmluftzufuhr mit heißer Subtropikluft zumindest in der Südosthälfte weiterhin wahrscheinlich ist. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Am Montag im Osten und Südosten einzelne Gewitter mit Starkregen, stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel gering wahrscheinlich. Im Nachmittagsverlauf abziehend. Am Mittwoch dann im Süden und Südosten, am Donnerstag vom Westen und Südwesten bis in den Nordosten einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel wahrscheinlich. Vereinzelt unwetterartige Gewitter mit lokal heftigem Starkregen, großem Hagel und schweren Sturmböen wenig wahrscheinlich. STURM: Am Montag insbesondere in der Osthälfte böig auffrischender Wind. Dabei in einzelnen Gipfellagen sowie bei auflandigem Wind an der Ostsee stürmische Böen (Bft 8) aus Nordwest gering wahrscheinlich. HITZE: Voraussichtlich ab Mittwoch von Westen und Südwesten her zunehmend starke Wärmebelastung. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M.Sc.-Met. Sebastian Schappert