S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 29.04.2026 um 10.30 UTC Zunehmend unbeständig mit teils kräftigen Schauern und Gewittern und lokalem Starkregen. Anfangs frühsommerlich warm. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 06.05.2026 Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Samstag dürfte der ein oder andere den tags zuvor möglicherweise eingesetzten Bollerwagen nochmals rausholen. Der Frühling drückt nämlich richtig auf's Gaspedal und stößt in frühsommerliche Gefilde vor. Anders kann man das kaum beschreiben angesichts erwarteter Höchstwerte von verbreitet 24 bis 27 Grad! Zu verdanken haben wir das einem vom westlichen Mittelmeerraum über Deutschland hinweg bis nach Nordwestrussland reichenden Rücken, dessen Achse uns im Tagesverlauf ostwärts verlässt. In der Folge gelangen wir auf die Vorderseite eines atlantischen Troges mit eingebettetem Höhentief südwestlich von Irland. Korrespondierend dazu verläuft am Boden eine Tiefdruckzone von Skandinavien bis nach Südwesteuropa, während hoher Luftdruck vornehmlich über Osteuropa sowie westlich der angesprochenen Tiefdruckzone zu finden ist. Damit ergibt sich eine südwestliche Strömung mit der allmählich feucht-warme Subtropikluft ins Land einfließt. Die Temperatur in 850 hPa steigt auf Werte zwischen 9 und 13 Grad. Gepaart mit meist noch einmal reichlich Sonnenschein (das Osteuropahoch wirkt noch nach) kommt es dann eben zu den anfangs beschriebenen frühsommerlichen Höchstwerten. Im Westen macht sich dagegen die Tiefdruckzone bemerkbar. In der zunehmend feuchten Luft kann sich etwas CAPE aufbauen, was neben Schauern auch einzelne Gewitter hervorbringen dürfte. Bei PPWs zwischen 20 und 25 mm und nur langsamer Zuggeschwindigkeit ist dabei lokaler Starkregen wahrscheinlich. Am Sonntag verstärkt sich das atlantische Höhentief etwas und beginnt sich vom Haupttrog Richtung Biskaya zu lösen. Innerhalb der korrespondierenden Tiefdruckzone verstärkt sich dadurch zudem ein Tief über Westeuropa, von dem aus sich eine Rinne über Norddeutschland entwickelt. Die feuchte Luft kommt weiter ostwärts voran und erfasst allmählich nahezu das gesamte Bundesgebiet. Während es Richtung Osten/Südosten wohl noch einmal weitgehend trocken bleiben könnte (bei erneut bis zu 27 Grad), stehen ansonsten örtlich wieder teils kräftige Schauer und Gewitter mit lokalem Starkregen an. Innerhalb der norddeutschen Rinne steigen die PPWs zum Teil auf über 25 mm. Bei nur langsamer Zuggeschwindigkeit wären dabei - wenn es ganz dumm läuft - auch einzelne unwetterartige Ereignisse mit knapp über 25 mm/h nicht ganz ausgeschlossen. Bis Mittwoch rückt uns das Höhentief mehr und mehr auf die Pelle, sodass die Höhenströmung weiter aufsteilt und zunehmend diffluent wird. Am Boden befinden wir uns in einem regelrechten "Tiefdrucksumpf", wobei von Westen her wieder etwas kühlere Luft einströmt. Nichtsdestotrotz muss weiterhin mit zum Teil kräftigen Gewittern und lokalem Starkregen gerechnet werden, wobei vereinzelt auch das Unwetterkriterium (>25 mm/1h) gerissen werden könnte. Durch die gerade Richtung Mittwoch besser werdenden Scherungsbedingungen, könnte sich auch der Wind als markante Begleiterscheinung entwickeln. In der erweiterten Mittelfrist wird das Höhentief von einem Nordmeertrog (ursprünglicher "Muttertrog") aufgenommen und als Randtrog über uns nordostwärts hinweggeführt. Die Tiefdruckzone am Boden zieht ebenfalls nordostwärts ab und verstärkt sich dabei. In der Folge strömt aus Nordwesten subpolare Meeresluft ein (T850 in der Nordhälfte nur noch um -2 Grad), die unter Hochdruckeinfluss gerät. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz des aktuellen 00-UTC-Laufes des IFS kann hinsichtlich der großräumigen Strukturen und Strömungsverhältnisse als sehr gut bezeichnet werden. Demnach schwächt sich der Hochdruckeinfluss am Wochenende von Westen her mehr und mehr ab und es wird in der Folge zunehmend unbeständig mit teils kräftigen Schauern und Gewittern und lokalem Starkregen. Im Detail gibt es naturgemäß noch Unsicherheiten, was hauptsächlich die Schwerpunkte der Schauer- und Gewittertätigkeit betrifft. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die an dieser Stelle betrachteten, anderen Globalmodelle (ICON, GFS, UK10) zeigen zunächst eine sehr ähnliche Entwicklung wie das IFS. Deutliche Abweichungen gibt es dann im Laufe des Dienstags, wenn nämlich bei allen drei "Alternativmodellen" der Nordmeertrog beginnt, sich nach Süden auszuweiten. Die Tiefdruckzone wird ostwärts abgedrängt und rückseitig fließt von der Nordsee her subpolare Meeresluft mal mehr, mal weniger weit nach Deutschland ein. ICON hat für Mittwoch sogar eine ausgeprägte Luftmassengrenze diagonal über Deutschland im Programm (T850: -4 Grad an der Nordsee, um +10 Grad an der Oder), an der ein Leetief von den Alpen nord/-nordostwärts unter Intensivierung gesteuert wird und gebietsweise mehrstündiger Starkregen gerechnet wird. Bei IFS passiert dieser Kaltluftvorstoß erst 24 bis 36 Stunden später. Aber wie dem auch sei: Etwa ab Wochenmitte könnte es durchaus spannend werden. Mal sehen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen zunächst die beschriebene Entwicklung des IFS-Hauptlaufs für das Wochenende: Sehr warm bei gleichzeitig nachlassendem Hochdruckeinfluss/Geopotenzial und in der Folge ansteigender Niederschlagsneigung. In der neuen Woche nimmt der bis dahin sehr enge Spread deutlich zu. Der Trend in Sachen Temperatur geht jedoch abwärts, beim Niederschlag aufwärts. Auffällig ist, dass der Hauptlauf bis Mittwoch einer der wärmsten Läufe ist, ehe er sich nach dem beschriebenen Kaltlufteinbruch am Donnerstag (erweiterte Mittelfrist) wieder mittig bzw. im Norden sogar unten in der Memberschar einreiht. Beim Clustering ergibt sich sowohl für den Zeitraum von Montag bis Mittwoch 0 UTC als auch für die erweiterte Mittelfrist (Donnerstag bis Samstag 0 UTC) gerade mal ein einziges Cluster (Mittelfrist NAO+, erw. Mittelfrist NAO- und am Ende "Atlantischer Rücken"). Interessant ist, dass der Trogvorstoß ähnlich wie bei den anderen, deterministischen Globalmodellen schon früher gesehen wird und der IFS Hauptlauf damit quasi eine Außenseiterlösung einnimmt. FAZIT: Der Hochdruckeinfluss neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Die Luft wird im Laufe des Wochenendes von Westen her feuchter, womit auch das Schauer- und Gewitterrisiko ansteigt. Lokaler Starkregen als Begleiterscheinung ist sehr wahrscheinlich. Das gilt zunächst auch mal für den Start in die neue Woche. Wie es dann genau Richtung bzw. ab Wochenmitte weitergeht ist noch recht unsicher, wenngleich wohl aus Nordwesten wieder spürbar kühlere Luft einfließen könnte. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Signifikante Wettererscheinungen beschränken sich nach derzeitigem Stand auf markante Gewitter mit lokalem Starkregen und lokal eng begrenzt eventuell auch stürmischen Böen (Bft 8). Das Risko dafür nimmt im Laufe des Wochenendes von Westen her zu und hält auch in der neuen Woche an. Dass es Richtung Wochenmitte auch mal für ungewittrigen/mehrstündigen Starkregen reicht ist nicht ausgeschlossen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz