S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 10.05.2026 um 10.30 UTC Überwiegend wechselhaft, anfangs im Norden mit Gewittern, nachfolgend im Süden teils andauernde Niederschläge, in Hochlagen der Alpen Schnee. Insgesamt eher kühl. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 17.05.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland auf der Vorderseite des sich amplifizierenden Troges über Nordwest-/Westeuropa. Nach Osten/Südosten hin voraussichtlich noch Zwischenhocheinfluss. Das korrespondierende Bodentief verlagert sich von den Britischen Inseln über die südliche Nordsee in Richtung Norddeutschland/Dänemark. Die zuvor bestimmende, arktische Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0, teils unter -2 Grad wird zunächst weitgehend ostwärts abgedrängt, rückseitig des Tiefs sickert aber bereits wieder eine sehr kühle Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0 Grad in den Nordwesten. Bei wechselhafter Bewölkung breiten sich mit Trogannäherung schauerartige Niederschläge von Nordwesten südostwärts bis in die mittleren Landesteile aus. Lokal sind dabei auch Gewitter möglich. Hinsichtlich potenzieller Begleiterscheinung muss am ehesten mit stürmischen Böen gerechnet werden, Scherung ist durchaus vorhanden, sonst ist die Luftmasse aber relativ trocken und auch die Labilität hält sich in Grenzen. Der Wind um Südwest frischt insgesamt teils böig, vor allem m Mittelgebirgsraum auch stark böig auf. In der Nacht zum Donnerstag hält die Schauertätigkeit an, anfangs lokal eventuell auch noch gewittrig. Ganz im Südosten teils noch gering bewölkt und weiterhin noch trocken. Am Donnerstag (Christi Himmelfahrt) amplifiziert der Trog mit Achse westlich unseres Vorhersagegebietes, das Bodentief verlagert sich Richtung Südschweden zw. füllt sich leicht auf. Die Bodendruckverteilung wird über Mitteleuropa damit relativ diffus und flach. Die Strömung in der Höhe steilt etwas auf, die Temperaturen in 850 hPa bewegen sich zwischen etwa -1 Grad im Nordwesten und etwa 5 Grad im Südosten. Das Wetter gestaltet sich bei wechselnder Bewölkung insgesamt durchwachsen mit wiederholt auftretenden Schauern, dabei zunächst frischem, teils böigem Wind aus West bis Südwest. Lokale Gewitter werden vor allem im Norden und Nordosten erwartet, dort ist die Luftmasse am labilsten und feuchtesten, zudem deutet sich das Durchschwenken eines kurzwelligen Troganteils an. Weiter südlich und südöstlich sind potenzielle Hebungsantriebe geringer, die Luftmasse etwas trockener und die Labilität hält sich in Grenzen. In höheren Lagen der Alpen oberhalb etwa 1500 m kann Schnee dabei sein. In der Nacht zum Freitag lässt die Niederschlagstätigkeit häufig nach. Der Trog beginnt über Frankreich abzutropfen, dadurch ergibt sich vor allem über den mittleren Landesteilen eine noch flache Potenzialbrücke, am Boden steigt der Luftdruck ebenfalls leicht an. Vorderseitig des abtropfenden Troganteils findet über Italien bzw. dem westlichen Mittelmeer eine Zyklogenese statt. Damit in Verbindung stehende Aufgleitprozesse können im Alpenraum für Niederschläge sorgen, die sich bis ins Alpenvorland erstrecken können. Nachts daher im Süden/Südosten eventuell regnerisch. Am Freitag tropft der Trog über Frankreich vollends ab, das Cut-off-Tief verlagert sich Richtung Löwengolf/Ligurisches Meer. Auf dessen Vorderseite wird in der Höhe feuchtere und wärmere Luft nordwärts geführt. Im 850 hPa steigen die Temperaturen im Südosten auf 7 bis 8 Grad. Damit verbunden ist also Warmluftadvektion und Aufgleitprozesse, die über die Alpen in den Süden/Südosten Deutschlands ausgreifen. Zudem stellt sich mit der bodennah nördlichen Anströmung der Alpen eine Gegenstromlage ein. Demnach überwiegt dort dichtere Bewölkung und es regnet zeitweise, teils auch länger. In Hochlagen der Alpen oberhalb 1500 bis 2000 m fällt dabei Schnee. Wo genau die Niederschlagsschwerpunkte dann liegen und ob gebietsweise markante Mengen fallen, ist noch unsicher, aber durchaus nicht ausgeschlossen. Im Norden schwenkt das Trogresiduum durch, bei wechselnder Bewölkung treten hier und da Schauer auf. Insgesamt dürfte aber im Tagesverlauf eher die Geopotenzialbrücke und Zwischenhocheinfluss zum Tragen kommen, dabei dann häufig abklingende Schauer und Auflockerungen. Im Nordwesten sickert nach wie vor eine polare Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen unter 0 Grad ein. Bei stärkerem Aufklaren in der Nacht zum Samstag recht niedrige einstellige Tiefstwerte, lokaler Frost in Bodennähe nicht ganz ausgeschlossen. Am Samstag hält die Gegenstromlage im Alpenraum an. Das Höhentief verlagert sich allmählich ostwärts Richtung Balkan. Die Bodentiefzone südlich der Alpen weist mehrere Kerne auf. Über die nördlichen Landesteile schwenkt eventuell ein weiterer Kurzwellentrog, dabei wechselnde Bewölkung und geringes Schauerrisiko. Sonst tendenziell leichter Hochdruckeinfluss und kompensierendes Absinken, häufig niederschlagsfrei. Im Süden und Südosten dicht bewölkt und regnerisch, in Hochlagen der Alpen Schnee. Vor allem am Alpenrand andauernde Niederschläge, so dass markante Mengen nicht ganz ausgeschlossen sind, die genauen Schwerpunkte und ob tatsächlich Warnschwellen überschritten werden ist unsicher. Auch wie weit die Niederschläge über dem Osten nordwärts ausgreifen ist unsicher. Am Sonntag mit weiterem Abzug des Höhentiefs nach Osten insgesamt recht flache, leicht diffuse Geopotenzialverteilung. Auch am Boden flache/diffuse Druckverteilung. Damit nachlassende/abklingende Gegenstromlage und Aufgleitprozesse und über der Südosthälfte nachlassende Niederschläge, noch häufig stark bewölkt. In der Nordwesthälfte wechselnde Bewölkung, häufig niederschlagsfrei. Prognose aber insgesamt unsicher. In der erweiterten Mittelfrist unsichere Entwicklung: Tendenziell voraussichtlich eher wieder Übergreifen eines atlantischen Troges und damit zyklonale Grundströmung mit wechselhafter Witterung. Bei auf eher südwestliche Richtungen drehenden Grundströmung leicht ansteigendes Temperaturniveau. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bereits zu Beginn der Mittelfrist zeigen die vorliegenden IFS-Modellläufe einige Phasen- und Amplitudendifferenzen im Umgang mit der Annäherung und dem Abtropfen des Troges über Nordwest-/Westeuropa und dem damit verbundenen Einfluss auf unser Wettergeschehen. Diese Differenzen wachsen im Mittelfristzeitraum naturgemäß weiter an. In der erweiterten Mittelfrist schwenken die aktuelleren Modellläufe eher wieder in Richtung zyklonaler Grundstruktur. Die Unsicherheiten sind aber groß. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Mit Blick auf andere Globalmodelle zeigt sich bis einschließlich Donnerstag noch eine ganz gute Übereinstimmung, nur leichte Unterschiede in Amplitude und Timing. Ab Freitag zeigt sich dann ein ähnlich diffuses Bild im Detail wie in den verschiedenen IFS-Modellläufen bei grundlegend eher zyklonaler, wechselhafter und kühler Witterung. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse des EZMW zeigt für den ersten Zeitraum von Mittwoch 00 UTC bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis + 96 h) drei Cluster mit 23, 15 und 13 Membern, Haupt- und Kontrolllauf werden in Cluster 1 einsortiert. Alle Cluster und Zeitpunkte werden dem Regime "atlantischer Rücken" zugeordnet. Für uns steht aber Trogeinfluss auf dem Programm, der in den Clustern relativ ähnlich simuliert wird. Prognoserelevante Unterschiede in der Grundstruktur sind nicht zu erkennen. Im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) sind vier Cluster dargestellt (15, 13, 13 und 10 Member, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 3). Vom Regime wandeln sich Cluster 1 und 4 von "atlantischer Rücken" zu "Blocking", wobei das Blocking im Bereich Nordosteuropa zu finden ist und der atlantische Rücken weiterhin besteht. Für unseren Vorhersagraum bleibt zwischen dem Trog über dem Nordatlantik mit potenziellem Kurzwellentrog an dessen Ostflanke und dem Höhentief südlich der Alpen eine diffuse, eher zyklonale Grundstruktur übrig. Cluster 2 und 3 wandeln sich vom Regime "Atlantischer Rücken" zu "NAO positiv", da das Tief über dem Nordatlantik/Island etwas markanter simuliert wird. Für unseren Vorhersagebereich bleibt aber auch hier die relativ diffuse Geopotenzialverteilung, in der Mitte und im Norden eher leicht antizyklonal konturierte Grundströmung "übrig". In der erweiterten Mittelfrist von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+192 bis + 240 h) sind vier Cluster mit 16, 14, 12 und 9 Membern dargestellt, im Prinzip zeigen alle das Blocking-Regime. Allerdings liegt das Blocking nach wie vor eher östlich/nordöstlich unseres Vorhersagebereiches. Eventuell kann nach dem ein oder anderen Cluster der Nordosten/Osten Deutschlands davon profitieren, tendenziell überwiegt aber eher der leicht zyklonale Einfluss. Die Rauchfahnen des IFS liefern wenig Neuerkenntnisse. Das Temperaturniveau ist insgesamt sehr verhalten, der Spread weitet sich ab Freitag zunehmend, ein Aufwärtstrend abseits von Einzelmembern deutet sich erst im Laufe der erweiterten Mittelfrist an, im Südosten etwas eher. Beim Geopotenzial deutet sich nach Trogdurchgang am Donnerstag ein leichter Zugewinn an, der Spread bleibt überschaubar, unsicherer wird es zur erweiterten Mittelfrist mit zunehmendem Spread, vom Mittelwert/Schwerpunktsbereich der Member her deutet sich aber wenig Änderung an. Nach Süden hin wird es mit zunehmendem Spread bereits zum Freitag unsicherer, ein Geopotenzialanstieg wird eher im Laufe des Wochenendes (Verlagerung Höhentief) gezeigt. Niederschlagssignale sind kontinuierlich vorhanden. Im Norden und der Mitte werden die Hauptniederschläge zu Beginn der Mittelfrist Mittwoch/Donnerstag erwartet, im Süden/Südosten eher Donnerstag bis Sonntag mit Peak am Wochenende wohl in Verbindung mit der Gegenstromlage. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Der Wind weht am Mittwoch, teilweise auch noch am Donnerstag vor allem im Mittelgebirgsraum sowie bei Schauern und lokalen Gewittern in Böen stark bis stürmisch auf (Bft 7 bis 8). Gewitter können am Mittwoch vor allem vom Norden bis in die Mitte, am Donnerstag eher im Norden und Nordosten auftreten. Hinsichtlich markanter Begleiterscheinungen drängt sich nur der böige Wind (wahrscheinlich maximal Bft 8) auf. Die Luftmasse gibt vom Feuchtegehalt nur wenig her, Starkregen sollte also kein Thema sein. Es gibt zwar etwas Scherung, insgesamt hält sich die Labilität (CAPE) aber in Grenzen und so sind organisierte Strukturen eher unwahrscheinlich. Hinsichtlich markanter Niederschläge muss der Süden, insbesondere der Alpenrand im Auge behalten werden. Freitag/Samstag stellt sich eine Gegenstromlage ein, die teils zu andauernden Niederschlägen führen kann. Ob dabei aber tatsächlich Warnschwellen hinsichtlich markanter Mengen überschritten werden, ist unsicher. Signal aus der Ensemblewelt sind bisher nicht vorhanden (EFI) bzw. sehr gering. Interessanter ist die Niederschlagsphase in Hochlagen der Alpen oberhalb etwa 1500 bis 2000 m. Dort fällt Schnee. In Anbetracht der Jahreszeit sind dann voraussichtlich zumindest gelbe Warnungen notwendig, markante nicht ausgeschlossen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger