S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 30.06.2026 um 10.30 UTC Vor allem im Norden wechselhaft und windig, im Süden und Südwesten Wetterberuhigung. Dort meist sommerlich warm, im Südwesten teils heiß und häufig Sonne. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 07.07.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Freitag schwenkt der zuvor wetterbestimmende Trog weiter ostwärts durch und wir gelangen auf dessen Rückseite. Die zum korrespondierenden Bodentief über Skandinavien gehörende Kaltfront zieht ostwärts ab, nach Süden hin hängt sie zurück und kann vor allem südlich der Donau noch für etwas Regen sorgen. Unter ansteigendem Luftdruck und Geopotenzial verliert sie allmählich an Wetterwirksamkeit, das hat auch zur Folge, dass ganz im Süden die warme Luftmasse (850 hPa-Temperatur über 10 Grad) kaum ausgeräumt wird und im Tagesverlauf mit Drehung der Strömung auf eher westliche Richtungen im Südwesten wieder etwas an Raum gewinnen kann. Im Südwesten werden daher sommerliche Höchstwerte zwischen 25 und 28 Grad erwartet, im Südosten aufgrund stärkerer Restbewölkung und vor allem in den übrigen Landesteilen meist 20 bis 25 Grad, an den Küsten darunter. In der kühleren Luft im Norden sind aufgrund möglicher Kurzwellentröge, die auf der Rückseite des Langwellentroges ablaufen können, Schauer und einzelne Gewitter möglich. Von der Intensität in Anbetracht der Luftmasse dürften diese aber nicht sonderlich stark ausfallen. Interessante ist die Windentwicklung im Norden: Auf der Süd-/Südwestflanke des Skandinavientiefs ist der Gradient stärker ausgeprägt, so dass im Norden und Nordosten mit starken bis stürmischen Böen aus West bis Nordwest gerechnet werden muss. An exponierten Küstenabschnitten wie den Nordfriesischen Inseln und an der Ostseeküste können Sturmböen auftreten. Im Laufe der Nacht zum Samstag zieht das Tief von Skandinavien ostwärts und der Gradient fächert auf, der Wind lässt von Westen langsam nach. Am Samstag setzt sich in etwa in der Südhälfte Hochdruckeinfluss durch. Es wird dort ein heiterer, teils sonniger sowie trockener Tag erwartet. Die 10-Grad-Isotherme in 850 hPa greift nordwärts bis etwa zu Mitte des Landes aus, im Südwesten werden teils um 15 Grad in 850 hPa erwartet. Damit liegen die Höchsttemperaturen recht verbreitet zwischen 25 und 29 Grad, im Südwesten um oder leicht über 30 Grad. Kühler bleibt es im Norden. Dieser liegt nahe der Frontalzone in einer zyklonalen West- bis Nordwestströmung. Der Keil über Westeuropa ist relativ flach, so dass kurzwellige Troganteile über den Norden geführt werden können. Weiter nördlich über dem Nordmeer wird der Trog regeneriert. Östlich von Island liegt ein Bodentief, dessen Frontensystem auch den Norden Deutschlands beeinflusst. Dabei überquert zunächst die Warmfront die nördlichen Landesteile mit viel Bewölkung und zeitweiligem Regen. Ab dem Abend und in der Nacht zum Sonntag schleift die Kaltfront von der Nordsee herein, dabei sind bis in die nördliche Mitte örtlich Schauer möglich, das Gewitterrisiko ist eher gering und eher auf das Küstenumfeld beschränkt. Der Wind weht im Norden frisch, im Küstenumfeld teils stark böig um West. Am Sonntag und Montag verbleibt der Norden im Frontalzonenbereich mit kurzwelligen Troganteilen und der schleifenden Fronten des Tiefs über dem Nordmeer, das weiter in Richtung Skandinavien zieht. Die Front wird rückläufig in eine Warmfront eines weiteren Tiefs westlich von Island (eventuell mit "zusätzlicher" Warmfrontwelle bei Schottland). Von daher überwiegt an beiden Tagen dichte Bewölkung mit zeitweiligem Regen im norden und teils bis in die mittleren Landesteile. Der Wind um West bis Nordwest weht in der Nordhälfte insgesamt frisch, im Bergland und an den Küsten auch teils stark böig. Zum Montag leicht abschwächender Wind, starke Böen vor allem noch im Umfeld der Ostsee. Im Südwesten und Süden dominiert Hochdruckeinfluss mit störungsfreiem, häufig sonnigem Wetter. Höchsttemperaturen im Norden unter 25 Grad, an den Küsten um 20 Grad, von der Mitte bis in den Süden überwiegend sommerlich mit Werten über 25 Grad, im Südwesten teils 30 bis 33 Grad. Am Dienstag verlagert sich der Langwellentrog über Nordeuropa ostwärts und amplifiziert dabei. Damit kann sich der Keil über Westeuropa aufwölben und verstärkt seinen Einfluss allmählich auch über Deutschland, auch der Bodendruck steigt. Die schleifende Front über dem Norden verlagert sich unter langsamer Abschwächung ostwärts. Über dem norden und vor allem Nordosten dominiert weiterhin Bewölkung und es regnet zeit- und gebietsweise, mit abnehmender Tendenz zum Abend bzw. in der Nacht zum Mittwoch. Kaum Änderung im Temperaturniveau: Unter 25 Grad im Norden und Nordosten, von der Mitte bis in den Süden sommerlich warm mit 25 bis 29, im Südwesten teils 30 bis 33 Grad. In der erweiterten Mittelfrist deutlich zunehmende Unsicherheiten mit großer Varianz zwischen eher zyklonaler Grundströmung, vor allem im Norden/Nordwesten auch wechselhafter Witterung und von Südwesten wieder zunehmend antizyklonaler Prägung und tendenziell ansteigendem Temperaturniveau. Bisher ohne Hinweise auf neue Hitzewelle. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist zu Beginn der Mitelfrist am Freitag gut, im Verlauf des Wochenendes nehmen die Differenzen in der genauen Ausgestaltung der Trog-Keil-Struktur und den Bodendruckgebilden allmählich zu. Vor allem der Norden und Nordwesten verbleibt noch unterschiedlich stark von der Frontalzone beeinflusst in einer zyklonal geprägte Nordwest- bis Westströmung. Im Westen und Südwesten steigen Luftdruck und Geopotenzial an, das Wetter beruhigt sich. In wie weit sich diese Wetterberuhigung bis in den Norden und Nordosten durchsetzt, ist unsicher. Die neueren Modellläufe sind dabei eher etwas zyklonaler aufgestellt. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Ein Blick auf andere Globalmodelle zeigt lediglich ganz zu Beginn noch ein recht einheitliches Bild, nachfolgend ergeben sich in den Grundstrukturen zunehmend Differenzen. Während ICON und UK10 dem aktuellen IFS-Lauf zunächst noch recht ähnlich sind und erst in der kommenden Woche zunehmende Unterschiede aufweisen, kommt es beim GFS bereits im Laufe des Wochenendes zu einer Regenerierung des Langwellentroges über Deutschland und einem somit insgesamt deutlich zyklonalerem Umfeld. Selbst im Südwesten und Süden wäre damit eine Wetterberuhigung eher unwahrscheinlich. Am antizyklonalsten und wärmsten sind ICON und UK10 aufgestellt. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse des IFS-Ensembles zeigt für den ersten Zeitraum von Freitag 00 UTC bis Samstag 00 UTC (+72 bis + 96 h) vier Cluster mit 16, 15, 11 und 9 Membern (Kontrolllauf in Cluster 1). Vom Regime dominiert ganz klar "Atlantic Ridge", so dass unser Vorhersageraum überwiegend in einer nordwestliche, zyklonalen Strömung liegt, mit antizyklonalem Einschlag im Südwesten. Dieser antizyklonale Einfluss im Südwesten wird leicht unterschiedlich gezeigt, daraus aber konkrete Prognoserelevanz abzuleiten, ist nicht möglich. Auch im Folgezeitraum von Sonntag 00 UTC bis Dienstag 00 UTC (+120 bis +168 h) werden alle fünf Cluster dem Regime "Atlantic Ridge" zugeordnet. Die Detailbetrachtung bestätigt die zunehmende Unsicherheit, in wie weit der antizyklonale Einfluss des Keils über den Südwesten hinaus nord-/nordostwärts ausgreifen kann. Der Norden und Nordosten scheint aber durchweg von zyklonalem Einfluss geprägt und damit eher unbeständig mit Niederschlägen und geringen Sonnenanteilen. In der erweiterten Mittelfrist zeigen alle drei Cluster (19, 18 und 14 Member, Kontrolllauf in Cluster 1) das Übergreifen des vormals atlantischen Rücksens auf West- und Mitteleuropa, allerdings zeigen sich Unterschiede in der Ausprägung und Ausrichtung des Keils sowie in dessen Nachhaltigkeit. Für den Süden scheint dabei die überwiegend antizyklonale Grundstruktur erhalten zu bleiben, für den Norden ist die Wetterberuhigung und deren Nachhaltigkeit eher fraglich. Ähnliches zeigen auch die Rauchfahnen des IFS: Im Norden eher geringes Geopotenzial als im Süden, mit größerem Spread im Verlauf der Mittelfrist und der Option auch dort zum Geopotenzialgewinn. Nach Süden hin zwar auch Spreadzunahme, relativ hohe Wahrscheinlichkeit aber für anhaltend höheres Geopotenzial. Niederschlagssignale deutlich höher im Norden als im Süden, aber ohne markante Peaks. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Warnwürdige Wettererscheinungen sind zu Beginn der Mittelfrist am Freitag und bis einschließlich Montag voraussichtlich eher leicht herbstlich mit starkem bis stürmischem Wind in Norddeutschland und mit zeitweiligen Sturmböen vor allem im Küstenumfeld. In Trognähe kann im Norden auch mal ein Gewitter dabei sein, wirklich markante Entwicklungen deuten sich dabei aktuell nicht an. In der Mittelfrist deutet sich für Deutschland aktuell keine neue Hitzewelle an, im Südwesten und Süden bleibt es aber sommerlich warm bis heiß (Höchsttemperaturen 26 bis 30, gebietsweise etwas über 30 Grad). ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger