S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 15.08.2026 um 10.30 UTC Unbeständig und nur mäßig-warm. Regional Stark- / Dauerregengefahr. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 22.08.2026 Am Dienstag startet die Mittelfrist bereits mit dem Übergreifen einer neuen atlantischen Störung. Deutschland liegt zwar unter einer noch leicht antizyklonal konturierten westlichen Höhenströmung, von Nordwesten greifen jedoch zunächst die Warmfront und nachfolgend die Kaltfront eines Tiefs über dem Nordmeer beziehungsweise Skandinavien über. Dabei trägt insbesondere die kräftige Warmluftadvektion zu den Hebungsprozessen bei. Entsprechend breiten sich von Nordwesten Regenfälle auf weite Teile des Landes aus. Gebietsweise können diese auch schauerartig verstärkt ausfallen. Dabei besteht im Westen lokal Starkregengefahr mit Mengen um 25 l/qm innerhalb von 6 Stunden. Im Süden und Südwesten bleibt es zunächst noch länger trocken. Das Temperaturniveau liegt insgesamt im mäßig warmen Bereich, größere Hitze ist kein Thema mehr. Am Mittwoch verbleibt Deutschland im Einflussbereich der Frontalzone. Die Kaltfront kommt ostwärts voran, wobei sich rückseitig vorübergehend etwas höherer Luftdruck bemerkbar macht. Gleichzeitig nähert sich von Westen bereits der nächste Trog. Somit bleibt die Wetterberuhigung nur von kurzer Dauer. Vor allem im Umfeld der Front fällt gebietsweise Regen, teils auch schauerartig verstärkt. Größere Niederschlagsmengen über 30 l/qm innerhalb von 12 beziehungsweise 24 Stunden sind allenfalls regional ein Thema, insbesondere in einem Streifen von Nordrhein-Westfalen bis nach Mecklenburg. Das Temperaturniveau bleibt überwiegend mäßig warm, lediglich im Süden wird lokal die 30-Grad-Marke erreicht. Am Donnerstag rückt der Trog näher und sorgt für ein Aufsteilen der Höhenströmung. Dadurch kommt die Kaltfront kaum noch nach Südosten voran und beginnt über der Südosthälfte des Landes zu schleifen. Daraus ergeben sich drei unterschiedliche Wetterzonen: Der Nordwesten liegt im Trogbereich, wo es wiederholt zu Schauern kommt, während der Südosten in der wärmeren Luft verbleibt. Entlang der Luftmassengrenze treten ebenfalls schauerartige Regenfälle auf, in der wärmeren Luft sind zudem Gewitter eingelagert. Entsprechend besteht regional Starkregengefahr mit Mengen um 30 l/qm innerhalb von 6 bis 12 Stunden. Zwischen diesen beiden Wetterzonen erstreckt sich ein Streifen mit dem obligatorischen Absinken von Rheinland-Pfalz über Hessen bis nach Mecklenburg. Am Freitag liegt der Trog im Bereich der Nordsee. Die Dreiteilung der Wetterlage bleibt zunächst bestehen, wobei es im Süden zu einer Intensivierung der Niederschläge kommen kann. Ein flaches Bodentief, das von den Alpen in Richtung Polen zieht, kann für kräftige Niederschläge bis in den Unwetterbereich sorgen. Die genaue Zugbahn des Tiefs ist allerdings noch völlig unsicher. Es könnte auch weiter westlich ziehen, wodurch der Südwesten und die Mitte Deutschlands stärker betroffen wären, oder so weit östlich verlaufen, dass lediglich der äußerste Südosten erfasst würde. Die weitere Entwicklung bleibt somit spannend. Zum Wochenende deutet sich nach Abzug des Troges vorübergehend ein flacher Höhenrücken an. Dieser kann für eine zeitweilige Wetterberuhigung sorgen, allerdings bleibt die Frontalzone in unmittelbarer Nähe. Weitere atlantische Tiefausläufer können daher rasch wieder auf Deutschland übergreifen. Entsprechend wechseln sich trockenere Phasen mit neuen Regenfällen und Schauern ab. Die genaue zeitliche Abfolge der Störungen wird vom IFS zunehmend unsicher simuliert. Insgesamt stellt sich damit eine wechselhafte und deutlich weniger extreme Witterungsphase ein. Die Temperaturen bewegen sich meist im mäßig warmen Bereich. Eine erneute ausgeprägte Hitze mit verbreitet über 30 Grad ist derzeit ebenso wenig in Sicht wie eine länger anhaltende ungewöhnlich kühle Phase mit verbreiteten Höchstwerten unter 20 Grad. Gleichzeitig kehren nach der trockenen Vorgeschichte wieder häufiger flächige Niederschläge zurück. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der jüngsten IFS-Läufe ist zu Beginn der Mittelfrist, insbesondere am kommenden Dienstag, noch recht gut. Im weiteren Verlauf nehmen die Unterschiede zwischen den einzelnen Läufen jedoch deutlich zu. Als weitgehend sicher kann die Umstellung auf eine wechselhafte und zunehmend zyklonal geprägte Wetterlage angesehen werden. Deutschland gelangt in den Einflussbereich der Frontalzone, wobei sich Tröge und vorübergehende Höhenrücken in rascher Folge abwechseln. Nach Abzug eines Troges wölbt sich jeweils kurzzeitig ein Rücken auf, bevor von Westen bereits der nächste Trog nachfolgt. Unter diesen Bedingungen können Tiefdruckgebiete beziehungsweise deren Frontensysteme wiederholt auf Deutschland übergreifen und endlich auch wieder verbreiteter Niederschläge bringen. Die Unsicherheiten betreffen weniger den grundsätzlich wechselhaften Wettercharakter als vielmehr das genaue Timing und die Amplitude der einzelnen Tröge sowie deren Wechselwirkung mit den korrespondierenden Bodentiefs. Entsprechend bestehen von Lauf zu Lauf Unterschiede hinsichtlich der räumlichen und zeitlichen Verteilung der Niederschläge. Dies ist für eine dynamische und von der Frontalzone geprägte Wetterlage allerdings nicht ungewöhnlich. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen Globalmodelle zeigen zunächst keine grundsätzlichen Alternativen. Der Übergang zu einer unbeständigen Wetterlage ist weitgehend unstrittig. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung ab Mitte der kommenden Woche bestehen jedoch größere Unterschiede zwischen den Modellen. Insbesondere Lage, Amplitude und Verlagerung des Troges werden unterschiedlich simuliert, wovon die weitere Wetterentwicklung maßgeblich abhängt. So lässt ICON den neuen Trog beispielsweise langsamer ostwärts vorankommen. Deutschland würde dadurch länger auf dessen Vorderseite verbleiben, wobei ein Bodentief über das Land hinwegziehen und verbreitet kräftige, regional auch ergiebige Niederschläge bringen könnte. Liegt der Trog dagegen weiter östlich, wie es von den anderen Globalmodellen teilweise simuliert wird, würden die kräftigeren Niederschläge eher auf den Südosten Deutschlands beschränkt bleiben. Die genaue räumliche Verteilung der Niederschläge bleibt somit noch unsicher. Das Potenzial für endlich wieder verbreitetere und flächigere Niederschläge ist jedoch vorhanden. Im Gegensatz zu vielen Wetterlagen dieses Sommers wären die Niederschläge damit nicht ausschließlich an lokale Gewitter gebunden. Eine gleichmäßige Verteilung über Deutschland ist allerdings eher nicht zu erwarten. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen In den ersten beiden Zeitschritten der Clusteranalyse werden drei beziehungsweise fünf Cluster angeboten. Diese zeigen zunächst übereinstimmend eine westliche bis nordwestliche, leicht antizyklonal konturierte Höhenströmung, die im weiteren Verlauf in eine zunehmend zyklonal geprägte Südwestströmung übergeht. Deutschland gelangt damit zunehmend in den Einflussbereich der Frontalzone. Auch in der erweiterten Mittelfrist verbleibt Deutschland im Einflussbereich des Troges, wobei sich dieser allmählich weiter nach Osten verlagert. Nachdem zuvor die Luftmassengrenze über Deutschland liegt, kann sich zum Ende der Mittelfrist zunehmend kühlere Meeresluft durchsetzen. Insgesamt deutet die Clusterung somit auf eine wechselhafte und zeitweise niederschlagsreiche Witterungsphase hin. Die Rauchfahnen des gestrigen 12-UTC-Laufs des europäischen Modells (der aktuelle 00-UTC-Lauf liegt noch nicht vor) zeigen bis Mittwoch eine vergleichsweise geringe Streuung. Danach nimmt der Spread deutlich zu, was auf wachsende Unsicherheiten in der weiteren Entwicklung hindeutet. Bei der 850-hPa-Temperatur zeigt sich zunächst bis Dienstag eine deutliche Abkühlung, gefolgt von einem leichten Wiederanstieg. Im Süden fällt der Temperaturrückgang schwächer aus als im Norden. Im weiteren Verlauf zeigen die Ensembles stärkere Schwankungen, passend zum wechselhaften Wettercharakter und zur über Deutschland verlaufenden Luftmassengrenze. Das Geopotenzial bewegt sich insgesamt auf vergleichsweise niedrigem Niveau und unterstreicht damit den überwiegend zyklonalen Charakter der Wetterlage. Niederschlagssignale sind wiederholt vorhanden und fallen insbesondere im Nordwesten sowie im Süden deutlich aus. In der Mitte und im Osten sind die Signale dagegen schwächer ausgeprägt. Fazit: Die Ensembleverfahren stützen insgesamt den Übergang zu einer wechselhaften und überwiegend zyklonal geprägten Witterungsphase. Wiederholte Niederschläge sind wahrscheinlich, wobei die Schwerpunkte nach aktuellem Stand eher im Nordwesten und Süden liegen. Die Temperaturen bewegen sich überwiegend im mäßig warmen Bereich, größere Hitze ist nicht in Sicht. Ab der zweiten Wochenhälfte nehmen die Unsicherheiten hinsichtlich der genauen Lage der Luftmassengrenze sowie der Niederschlagsverteilung allerdings deutlich zu. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Ab Wochenmitte sind zunächst im Bereich schleifender Tiefausläufer, im weiteren Verlauf vor allem in der Südosthälfte, gebietsweise Schauer und kräftige Gewitter möglich. Dabei besteht lokal Starkregengefahr. Wie sich die überregionalen Niederschlagsmengen entwickeln, bleibt noch abzuwarten. Warnwürdige Mengen zeichnen sich derzeit nur regional ab. Am Dienstag und Mittwoch können insbesondere im Nordwesten beziehungsweise Norden gebietsweise markante Niederschlagsmengen um 30 l/qm innerhalb von 12 bis 24 Stunden auftreten. Ab Donnerstag verlagert sich der Niederschlagsschwerpunkt voraussichtlich in die Südosthälfte. Allerdings bestehen hinsichtlich der räumlichen Verteilung und der zu erwartenden Mengen noch größere Unsicherheiten. Insgesamt deutet die Prognose zumindest auf eine gewisse Entspannung der zuletzt angespannten Trockenheitssituation hin. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, EPS, MosMix, ICON ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marco Manitta