S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 12.07.2026 um 10.30 UTC Sommerlich warm bis heiß, ansteigende Gewitterwahrscheinlichkeit. Lokal Unwetter. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 19.07.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befinden wir uns im Bereich recht flacher Geopotenzial- und Luftdruckverhältnisse. Klar hohes Geopotenzial liegt tendenziell aber nördlich von uns sowie weiter südlich, wir daher im Bereich einer flachen Geopotenzialrinne zwischen einem höhentief über dem nahen Atlantik und einem über Osteuropa. Am Boden hat sich über dem Süden des Landes eine flache Tiefdruckrinne eingenistet, ein Ableger des flachen Tiefs über Frankreich. Dort sickert feuchte Luft ein. Damit dürfte insbesondere auch mit Hilfe der Orografie und der Überhitzung ausreichend Hebungsantrieb vorhanden sein, um zumindest örtlich Schauer und Gewitter auszulösen - vorranging wohl über dem Bergland. Aufgrund geringer Verlagerung, höheren ppw (um 35 mm) und erhöhtem CAPE (um 1000 J/kg, teils darüber) sind lokal kräftige Entwicklung insbesondere in punkto Starkregen möglich. In wie weit nach Osten/Nordosten Konvektion in Gang kommt, ist unsicher. Dort ist zwar das Geopotenzial geringer, die Luft aber zumindest trockener. Aber potenziell kann es wohl auch dort vom Bergland ausgehend lokal reichen. Am Donnerstag und Freitag setzt sich der allmähliche Geopotenzial- und Luftdruckfall langsam weiter fort. Die Geopotenzial- und Luftdruckverteilung bleibt aber recht flach. Von daher sind wirklich dynamische Hebungsantriebe weiterhin eher Mangelware. Bei feuchterer, instabiler Luftmasse im Südwesten/Süden muss voraussichtlich zumindest lokal wieder mit der Auslöse von Schauer und Gewittern gerechnet werden, vorrangig voraussichtlich vom Bergland ausgehend, mit geringer Verlagerungsgeschwindigkeit und somit erhöhter Starkregengefahr. Lokal Unwetter nicht ausgeschlossen. Das Temperaturniveau bleibt voraussichtlich bis mindestens Freitag hoch, die 15 Grad-Isotherme in 850 hPa liegt etwa über dem Südwesten des Landes. Demnach werden Höchstwerte meist zwischen 27 Grad im Norden und um 35 Grad im Südwesten erwartet. Am Freitag aufgrund höherer Bewölkung und dem angestiegenen Niederschlagsrisiko im Südwesten eventuell geringfügig darunter. Auch die Wärmebelastung bleibt demnach hoch, da auch die nächtliche Abkühlung durch das Mehr an Bewölkung gedämpft wird. Insbesondere im Südwesten sind daher teils Tropennächte zu erwarten. Am Samstag und Sonntag ändert sich wenig am Gesamtbild. Deutschland liegt weiterhin in schwachgradientigem Umfeld unter leichtem Tiefdruckeinfluss und in einer Geopotenzialrinne. Die feuchtere, instabilere Luftmasse kann weiter nordwärts vordringen. Die wärmste Luftmasse (850 hPa-Temperaturen um/leicht über 15 Grad) verschiebt sich etwas in den Nordosten/Osten. Daher dürften sich das Risiko für Schauer/Gewitter vom Süden/Südwesten weiter nord-/nordostwärts ausdehnen. Davon ausgenommen bleibt möglicherweise der Nordwesten/Norden, dort dominiert nach aktuellem Vorhersagestand weiterhin eine trockenere Luftmasse und leicht höheres Geopotenzial, was eine Konvektionsauslöse unwahrscheinlicher macht. In der erweiterten Mittelfrist deutet sich weiterhin eher ein zyklonal geprägter, leicht unbeständiger Witterungsabschnitt an, insbesondere im Norden. Im Westen oder Südwesten ist aber auch wieder zumindest leichter Hochdruckeinfluss eine der Möglichkeiten. Die Unsicherheiten sind groß. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist anfangs okay, aufgrund der relativ flachen Geopotenzial-/Druckverteilung über Mitteleuropa aber teils schwierig im Detail. Zum kommenden Wochenende wird die Konsistenz noch etwas geringer, Grundtenor aber weiter zunehmende Zyklonalität. Wo genau dann der anvisierte Trog liegt und welche Grundströmung (eher West/Nordwest oder doch Südwest) vorherrscht, ist sehr unsicher. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Mit Blick auf andere Globalmodelle lassen sich die Einlassungen hinsichtlich der Konsistenz teils wiederholen. Die recht diffuse Geopotenzialverteilung zeigt sich zunächst auch in anderen Modellen wie ICON und GFS, diese steuern etwas deutlicher und schneller in die eher zyklonal geprägte Grundstruktur und zeigen somit auch deutlichere Niederschlagssignale bereits ab Donnerstag/Freitag und vor allem dann zum Wochenende. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse des IFS zeigt für den ersten Zeitraum von Mittwoch 00 UTC Bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis +96 h) sechs Cluster mit 18, 12, 8, 5, 4 und 4 Membern, der Kontrolllauf befindet sich in Cluster 1. Auch hier zeigt sich im Detail die Schwierigkeit mit der diffusen, schwachgradientigen Struktur. Vor allem das flache Höhentief über dem Osten/östlich von uns wird unterschiedlich positioniert. Eine belastbare Aussage über die Auswirkungen ist schwierig bzw. im Detail nicht möglich. Als Regime wird durchweg "Blocking" angegeben, was uns allerdings nur bedingt betrifft und eher im Bereich Nordatlantik/Nordsee/Nordwesteuropa vorherrschend ist. Auch im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) werden sechs Cluster dargestellt. Drei mit 12, 10 und 8 Membern, inklusive Kontrolllauf in Cluster 1, zeigen weiterhin das Blocking, zunehmend über dem Atlantik und über Mitteleuropa die nach wie vor eher diffuse, tendenziell leicht zyklonalere Struktur. Cluster 4 bis 6 mit 8, 7 und 6 Membern schwenken auf "Atlantic Ridge". Die Unterschiede dieser Regime sind tatsächlich kaum wahrzunehmen. Für Deutschland ergeben sich wenig belastbare, prognoserelevante Unterschiede. Es überwiegt weiterhin eher geringe Geopotenzialunterschiede mit allgemein leicht abnehmender Tendenz, markante Trogstrukturen bleiben eher über Nordeuropa. Die Rauchfahnen zeigen dies ebenfalls: Das Geopotenzial in 500 hPa fällt über den Mittelfristzeitraum insgesamt leicht ab und bleibt in der erweiterten Mittelfrist recht konstant auf niedrigerem Niveau. Der Spread ist aber auch relativ groß, Ausreißer nach oben zu höherem Geopotenzial sind aber ehr Einzellösungen, im Süden etwas häufiger als im Norden. Auch die Temperatur in 850 hPa geht ebenfalls tendenziell zurück, allerdings erst im Verlauf des kommenden Wochenendes, zu Beginn der Mittelfrist geht sie vor allem im Norden und der Mitte zunächst noch etwas nach oben. Der Spread wird ab dem Wochenende recht groß, wärmere Lösung sind eher Einzellösungen. Niederschlagssignale sind recht viele Vorhanden, allgemein im Süden, zum Wochenende zunehmend auch in den mittleren Landesteilen und im Norden, dort aber auf etwas geringerem Niveau. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Warnwürdige Wetterereignisse deuten sich lediglich in Form eines zunehmenden Gewitterrisikos an, lokal können dabei auch kräftige Entwicklungen auftreten. Geringe Verlagerungstendenzen und hohe ppws deuten darauf, dass insbesondere in punkto Starkregen auch lokal Unwetter nicht ausgeschlossen ist. Details sind aber extrem unsicher, erhöhte CAPE/CAPE shear deuten sich im EFI am ehesten im Westen/Südwesten/Süden an, bleibt die Frage nach der Auslöse (dynamisch+Orografie) und wie gut die Parameter zusammenpassen. Ansonsten zeigt der EFI lediglich Signale bei der Temperaturanomalie. Die Wärmebelastung ist zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch und Donnerstag vor allem im Südwesten noch erhöht (Höchstwerte um 35 Grad, inklusive Tropennächte), in der Tendenz aber allmählich abnehmend. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger