S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 25.05.2026 um 10.30 UTC Zunächst meist ruhiges und sommerliches Hochdruckwetter mit sehr geringer Gewitterneigung. Ab dem Wochenende Zonalisierung und zunehmend gewittrig. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 01.06.2026 Zu Beginn der Mittelfrist liegt Westeuropa unter einem ausgeprägten Höhenkeil, dessen Achse sich von Großbritannien bis ins Nordmeer erstreckt. Dieser Keil ist verbunden mit einer "Hitzeglocke" über Südwesteuropa. Flankiert wird er von einem Cut-Off-Tief über dem Atlantik und einem Langwellentrog über Osteuropa. Das korrespondierende Bodenhoch liegt über der Nordsee. Somit liegt Mitteleuropa weiträumig unter Absinken. Während die Südwesthälfte Deutschlands unter dem Einflussbereich einer warmen Luftmasse mit 850-hPa-Temperaturen von über 10 °C liegt, beginnt sich die eingeflossene kühlere Kontinentalluft (T850 ~ 5 °C) über dem Osten Deutschlands zu erwärmen. An den Alpen ist die Luft etwas labil geschichtet. Durch erzwungene Hebung können dort einzelne Gewitter entstehen. Ansonsten bleibt es sonnig. Am Freitag schwenkt die Keilachse weiter nach Osten und erreicht den Westen Deutschlands. Dabei steigt die 850-hPa-Temperatur deutschlandweit über 10 °C, im Südwesten sogar über 15 °C. Allerdings beginnt sich das Bodenhoch abzuschwächen, was in einer diffusen gradientschwachen Lage über West- und Mitteleuropa mündet. Über Deutschland gibt es eine konvergente Bodenströmung, die allerdings vom Höhenkeil überlaufen wird. In der sich zunehmend labilisierenden Luftmasse verhindert dieser eine großflächigere Auslösung von Konvektion. Einzelne Hitzegewitter sind dennoch möglich. Am Samstag regeneriert sich der Keil vorderseitig des nachrückenden Cut-Off-Tiefs über dem Atlantik wieder und stößt in die Nordsee vor. Wir gelangen an dessen Nordostflanke, wobei ein schwacher, wenig wetterwirksamer Kurzwellentrog über den Nordosten zieht und die Nordosthälfte von Kaltluftadvektion erfasst wird. In der schwülen und labilen Luftmasse im Südwesten sind einzelne Gewitter möglich. Aber auch hier verhindert der Höhenkeil eine großflächige Auslösung. Am Sonntag zonalisiert die Lage allmählich. Nach einem raschen Durchgang des sich immer weiter abflachenden Höhenkeils greift ein flacher Kurzwellentrog auf den Westen über. Auf weitere Details wird hier verzichtet, da die Modelle noch sehr sprunghaft sind. Nach den meisten Lösungen bauen sich vorderseitige über 1000 J/kg CAPE auf, in der je nach Modell bei schwacher bis mäßiger Scherung Gewitter ausgelöst werden. Im weiteren Verlauf zonalisiert die Lage weiter. Zunächst stellt sich ein Trog-Keil-Muster ein, dass in der erweiterten Mittelfrist laut IFS in einen Trog Westeuropa übergeht. Dies würde eine wechselhafte Witterungslage mit anfänglich kräftigen Gewittern und stetiger Abkühlung zur Folge haben. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis Freitag ist die Konsistenz des IFS gut. Zum Wochenende hin ist die Tendenz auch recht klar. Bezüglich der Kurzwellentröge gibt es einige Sprünge. Die Tendenz zur Zonalisierung und anschließenden Troglage wird auch im neuen Lauf bestätigt. Allerdings wölbt sich im neuen Lauf am Dienstag nächster Woche vorderseitig des nachrückenden Troges nochmal ein Keil auf, der schwül-heiße Luft nach Deutschland führt. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch die anderen Modelle zeigen eine ähnliche Entwicklung: Bis Freitag ist mit recht konsistentem Hochdruckwetter zu rechnen, am Wochenende nimmt die Zonalisierung zu und es gibt unterschiedliche Lösungen bezüglich des Übergreifens von Kurzwellentrögen, Konvergenzen bzw. Tiefdruckrinnen. Danach zeigt GFS nochmals eine Vorderseite mit schwül-heißer Luft zu Beginn der nächsten Woche, während ICON weitere Kurzwellentröge simuliert. GFS rechnet den Übergang zu Trog Mitteleuropa dann zum Ende der übernächsten Woche. Die AIFS-Vorhersage ähnelt der IFS-Vorhersage. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die IFS-Rauchfahnen sind bis Freitag stark gebündelt und zeigen einen erneuten Temperaturpeak der 850-hPa-Temperatur am Freitag. Anders als im Hauptlauf berechnen einige Ensembles bereits am Freitag Niederschlagssignale im Norden, die vermutlich im Zusammenhang mit der Tiefdruckrinne stehen. Während der Temperaturrückgang am Samstag im Norden deutlich zu sehen ist, sind die Ensembles im Südwesten deutlich aufgefächert, was auf die Unsicherheiten beim Trogdurchgang hindeutet. Nach dem Wochenende ist die Streuung erheblich, bei allgemein sinkenden 850-hPa-Temperaturen und Geopotenzial sowie steigenden Niederschlagssignalen, die dennoch im moderaten bis leichten Bereich bleiben. Der erneute Temperaturanstieg im IFS-Hauptlauf am Dienstag ist ein Ausreißer. Fazit: Bis Freitag gilt ruhiges Hochdruckwetter mit dem Hitzepeak am Freitag als gesichert. Die Gewitterneigung bleibt dabei ziemlich gering. Ab dem Wochenende zonalisiert die Lage zunehmend, sodass besonders bis Sonntag die Gewitterneigung steigt. Es gibt jedoch große Unsicherheiten bezüglich des genauen Ablaufs. Danach geht es mit einer wechselhaften Westwetterlage weiter. Gegen Ende des Vorhersagezeitraums besteht Potenzial für eine Troglage über West- oder Mitteleuropa, was auch die Clusteranalysen stützen. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Am Donnerstag bleibt das Gewitterpotenzial am Alpenrand gering. Am Freitag können im Südwesten sowie im Bereich der Tiefdruckrinne im Nordwesten einzelne kräftigere Gewitter entstehen. Am Wochenende steigt das Gewitterpotenzial: Am Samstag ist vor allem im Süden mit Gewittern zu rechnen, am Sonntag dann landesweit. Auch wenn die meisten Modelle nur wenig Scherung berechnen, sind bei CAPE-Werten von über 1.000 J/kg dann einzelne Unwetter zu erwarten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage Bis Freitag IFS/ICON, MOSMIX ab Samstag ENS-Mittel ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold