S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 25.03.2026 um 10.30 UTC Wechselhafte und teils kühle Witterung, ab Montag mit kräftigen Schneefällen in den Alpen und vorübergehend auffrischendem Wind. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.04.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag erstreckt sich tiefer Luftdruck vom Europäischen Nordmeer über Grönland bis nach Kanada. Von einem hochreichenden Teiltief zwischen Island und Norwegen ausgehend, schwenkt ein Trog im Tagesverlauf von den Britischen Inseln bis nach Skandinavien und tropft dabei am Abend über Frankreich ab. Das resultierende Tief zieht in der Folge in den Löwengolf. Ein weiteres Tief liegt im östlichen Mittelmeer und der Balkanhalbinsel mit Kern über Griechenland. Deutschland befindet sich zunächst unter einer Hochdruckbrücke, die sich von einem Hoch nahe der Azoren bis nach Westrussland erstreckt, wird jedoch in der Nacht zum Sonntag vom Trogresiduum erreicht. Am Boden erkennt man ebenfalls eine Hochdruckbrücke, die von einem Hoch nördlich der Azoren ausgeht und sich über den Süden und Osten Deutschlands bis nach Westrussland erstreckt. Von dem Tief zwischen Island und Norwegen geht eine Kaltfront aus, die bereits in der Nacht zum Samstag den Nordwesten Deutschlands erreicht und im weiteren Verlauf südostwärts durchschwenkt, dabei jedoch zunehmend unter Hochdruckeinfluss gerät. Dieser verstärkt sich ausgehend von den Azoren in der Nacht zum Sonntag. Mit diesem Ausläufer gelangt vorübergehend etwas mildere Luft nach Deutschland (850 hPa-Temperatur um 0 Grad Celsius), prä- und postfrontal ist etwas kältere Luft wirksam (850 hPa-Temperatur bis -6 Grad Celsius). Insbesondere im Südwesten und Süden Deutschlands reicht dies voraussichtlich für etwas Schneefall. Die teilokkludierte Front eines im Verlauf bei Island aufziehenden weiteren Tiefs erreicht ausgangs der Nacht zum Sonntag die Britischen Inseln. Am Sonntag zieht das Trogresiduum unter Abschwächung weiter in die Ostsee und ins Baltikum. Von den Azoren ausgehend wölbt sich ein kleiner Rücken über Deutschland und Skandinavien hinweg bis ins Europäische Nordmeer. Von Island her intensiviert sich jedoch ein weiteres Tief. Von diesem ausgehend vergrößert ein mit kalter Höhenluft angereicherter Trog seine Amplitude und erstreckt sich Montagfrüh bereits über Skandinavien bis in den DACH-Raum. Dabei wölbt sich ein weiterer breiter Rücken von den Azoren bis nach Island auf. Deutschland liegt zunächst unter Hochdruckeinfluss, wobei der äußerste Südosten anfangs noch von der abziehenden Kaltfront beeinflusst wird, die an den Alpen noch etwas Schnee bringt. Das okkludierte Frontensystem des Islandtiefs, das in einen zweiten Tiefkern über Skandinavien übergeht, erreicht im Nachmittagsverlauf den Nordwesten Deutschlands und kommt bis Montagfrüh in den Osten und Süden voran. Da das Azorenhoch weiterhin recht ortsfest nordöstlich der Azoren liegt, stellt sich rückseitig des Tiefausläufers eine nordwestliche Strömung in Deutschland ein. Gleichzeitig wird der Ausläufer rückläufig und geht über in die Warmfront eines Randtiefs auf dem Nordostatlantik südlich von Island. An den 850 hPa-Temperaturen über Deutschland ändert die Okklusion nur wenig, meist liegen diese bei -1 bis -5 Grad Celsius. Am Montag zieht der Trog über Deutschland nur langsam ostwärts und vergrößert weiter seine Amplitude bis er schließlich Dienstagfrüh über Österreich Abtropftendenzen zeigt. Die kälteste Höhenluft befindet sich über der Osthälfte Deutschlands. Von Westen schiebt die Vorderseite des vom Azorenhoch ausgehenden Rückens, dessen Achse sich über die Britischen Inseln bis nach Skandinavien erstreckt, mit milderer Luft herein. Die Okklusion über Deutschland zieht rasch südostwärts ab. Durch die kalte Höhenluft (850 hPa: -2 bis -5 Grad Celsius; 500 hPa: in der Osthälfte um -35 Grad Celsius) bilden sich in einer nordwestlichen Strömung zahlreiche Schauer, die in den Mittelgebirgen und eventuell sogar im Nordosten und Osten auch als Schnee oder Schneeregen fallen können sowie einzelne Graupelgewitter. An den Alpen treten Stauniederschläge auf, wobei die Schneefallgrenze bis Dienstagfrüh voraussichtlich bis in Tallagen absinken kann. Am Dienstag verlagert sich die höhenkalte Luft weiter nach Osten. Das über Österreich abgetropfte Tief zieht ins zentrale Mittelmeer. Die Achse des vom Azorenhoch ausgehenden Rückens schwenkt bis Mittwochfrüh nach Deutschland und führt einen Schwall milderer Höhenluft zu uns. Gleichzeitig ziehen weitere Tiefkerne von Island in Richtung Skandinavien, wo die kalte Luft in größeren Höhen weiterhin wetterwirksam ist. In Deutschland macht sich bereits Dienstagfrüh im Nordwesten die Warmfront des nach Südnorwegen ziehenden Randtiefs bemerkbar und überquert Deutschland im weiteren Verlauf. Die zugehörige Kaltfront greift ausgangs der Nacht zum Mittwoch auf den äußersten Norden Deutschlands über. Die zunächst noch recht kalte Luft im Süden Deutschlands (850 hPa-Temperatur um -5 Grad Celsius) wird allmählich ausgeräumt. Im Warmsektor liegt die 850 hPa-Temperatur meist im niedrigen einstelligen Bereich. Am Mittwoch etablieren sich mehrere Tiefkerne über Skandinavien und dem Baltikum. Die Achse des Rückens über Deutschland wird dabei nach Norditalien abgedrängt. Somit befinden wird uns in einer nordwestlichen Höhenströmung, wobei die kälteste Höhenluft über dem Norden zu finden ist. Am Boden schwenkt die Kaltfront vom Norden bis zur Mitte Deutschlands, kommt dann aber nicht weiter südwärts voran, da sie rückläufig wird und in ein bei Schottland entstandenes Randtief übergeht. Dieses Randtief ist im aktuellen IFS-Lauf recht flott unterwegs und erreicht bereits in der Nacht zum Donnerstag den Nordwesten Deutschlands. In der erweiterten Mittelfrist von Donnerstag bis Samstag zeigt sich im aktuellen Lauf ein weiterer Trogvorstoß über Osteuropa, gleichzeitig wölbt sich ein Rücken von den Azoren bis ins Europäische Nordmeer. Deutschland liegt dabei in einer nördlichen Strömung unter kalter Höhenluft. Am Boden streift zunächst ein Randtief den Nordosten Deutschlands, bevor zum Wochenende ein Ableger des Azorenhochs seinen Schwerpunkt in den Westen Deutschlands verlagert. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis Montag ist die Konsistenz der neuesten IFS-Modellläufe recht gut. Am Montag selbst gelangt die kalte Höhenluft im aktuellen IFS-Lauf etwas schneller nach Deutschland, als das in den Vorläufen der Fall war. Gleichzeitig ist die Drängung der Linien gleichen Geopotentials des damit verbundenen Höhentroges nicht mehr ganz so eng. Auch am Boden war die Drängung der Isobaren und somit der Gradient über Deutschland im gestrigen 00 UTC-Lauf noch deutlich stärker und wurde im gestrigen 12 UTC-Lauf bereits etwas zurückgerechnet. Somit sollte der Wind am Montag nach IFS nicht mehr so stark ausfallen, wie es in den Vorläufen angekündigt wurde. Der sich am Dienstag nach Deutschland schiebende Höhenrücken wird im aktuellen Lauf ebenfalls stärker betont. Gleichzeitig fällt der Kaltluftausbruch über Osteuropa schwächer aus, als in den beiden Vorläufen. In der erweiterten Mittelfrist deutet sich im aktuellen Lauf, wie auch schon in den Vorläufen, ein weiterer Kaltluftvorstoß über Osteuropa an, wobei der aktuelle IFS-Lauf von der räumlichen Ausprägung her etwa in der Mitte zwischen dem gestrigen 00 UTC-Lauf (deutlich massiverer Kaltluftvorstoß, der bis zu den Britischen Inseln reicht) und dem gestrigen 12 UTC-Lauf (schwächste Version) liegt. Allerdings ist die höhenkalte Luft mit -38 Grad Celsius im aktuellen Lauf etwa 2 Kelvin kälter als in den beiden Vorläufen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Bis Montag sind sich die Globalmodelle im Großen und Ganzen über die zeitliche und räumliche Entwicklung recht einig. Aber bereits ab Montag laufen die verschiedenen Lösungen deutlich auseinander. GFS ist dem IFS recht ähnlich, wenngleich sich kleinere Unterschiede zeigen. So ist der Kaltluftausbruch am Montag über Osteuropa etwas stärker. Der nachfolgende Höhenrücken schwenkt etwas langsamer durch und wirkt noch bis weit in den Mittwoch hinein. Entsprechend ist auch die übergreifende Warmfront etwas schwächer ausgeprägt. Der erneute Trogvorstoß über Osteuropa wird dann aber ähnlich gerechnet, wenngleich die GFS-Variante von Norden übergreifende Randtröge stärker betont und die kalte Höhenluft etwas kälter ist. ICON lässt bereits in der Nacht zum Dienstag ein hochreichendes Tief von Südnorwegen nach Deutschland ziehen, das uns bis zum Mittwoch beeinflussen soll. Das kanadische GEM-Modell simuliert den in der erweiterten Mittelfrist im IFS und GFS sichtbare Kaltluftausbruch schon am Mittwoch. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen der 850 hPa-Temperatur und des Geopotenzials in 500 hPa unterstützen die zur Konsistenz bereits getroffenen Aussagen. Bis Montag liegen die verschiedenen Lösungen eng beieinander. Am Montag nimmt die Streuung etwas zu, wenngleich nach Norden und Osten hin das Geopotenzial deutlich abfällt. Nach Westen und Süden zu erscheint dieser Abfall aber nicht ganz so deutlich. Die vorübergehende Milderung unter höherem Luftdruck am Dienstag bzw. Mittwoch lässt sich in ganz Deutschland erkennen, wenngleich die Streuung sehr groß ist und in dieser Zeit auch weiterhin einige Niederschlagssignale vorhanden sind. In der erweiterten Mittelfrist zeigt sich eine bimodale Verteilung bei der Temperatur in 850 hPa. Nach Norden und Osten hin ist der kältere Zweig der 850 hPa-Temperatur minimal stärker ausgeprägt. Die Clusteranalyse zeigt im Zeitschritt von +120 h bis +168 h (Montag bis Mittwoch, 00 UTC) insgesamt vier Cluster, die alle recht ähnlich verteilt sind. Cluster 1 (15 Member) und 4 (10 Member) zeigen zum Mittwoch hin einen massiven Trogvorstoß über Osteuropa. In Cluster 2 (13 Member) und 3 (13 Member inklusive Haupt- und Kontrolllauf) fällt der Trog am Dienstag schwächer aus, zum Mittwoch baut sich eine Hochdruckbrücke auf, die in Cluster 2 am stärksten simuliert wird. Im nächsten Zeitschritt von +192 h bis +240 h (Donnerstag bis Samstag, 00 UTC) zeigen sich nur 2 Cluster mit ähnlicher Verteilung. Cluster 1 mit 27 Member samt Haupt- und Kontrolllauf zeigt den erneuten Kaltluftvorstoß über Osteuropa, während Cluster 2 mit 24 Member den Trog eher über Deutschland mit anschließendem Abtropfen ins Mittelmeer rechnet. FAZIT: Über das bevorstehende Wochenende sind sich die Modelle recht einig. Ab Montag nehmen die Unsicherheiten dann deutlich zu. Es bleibt erst einmal wechselhaft und kühl. Am Montag stellt sich vorübergehend windiges, teils stürmisches Aprilwetter mit Schauern in verschiedenen Niederschlagsphasen sowie einzelnen Graupelgewittern ein. Insbesondere die Alpen sehen dann nochmal kräftige Schneefälle. Ein weiterer Kaltluftvorstoß nach Mittel- bzw. Osteuropa in der erweiterten Mittelfrist ist aktuell ebenfalls recht wahrscheinlich, wenngleich die Unsicherheiten des genauen Ablaufs und die Lage die Abschätzung der Auswirkungen auf Deutschland erschweren. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen STURM: In der Nacht zum Montag insbesondere an der Nordsee, im angrenzenden Binnenland sowie in einigen Gipfellagen stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9). Am Montag dann allgemein auffrischender West- bis Nordwestwind. Bei Schauern und Gewittern, im Bergland sowie in einigen Leelagen und dem Alpenvorland stürmische Böen bis 75 km/h (Bft 8), im höheren Bergland sowie an der Nordsee Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9), auf dem Brocken und dem Feldberg im Schwarzwald teils schwere Sturmböen bis 100 km/h (Bft 10) wahrscheinlich. In der Nacht zum Dienstag in tiefen Lagen dann vorübergehend etwas nachlassender Wind, im Bergland und an den Küsten weiterhin stürmisch. Auch am Dienstag an den Küsten und im Bergland noch stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h (Bft 8-9). Windrichtung West bis Nordwest. SCHNEE: Am Montag und Dienstag an den Alpen teils bis in tiefe Lagen Schneefälle, in Hochlagen markante Neuschneemengen. In 48 Stunden dort zwischen 20 und 50 cm wahrscheinlich, in einzelnen Staulagen auch Mengen um 60 cm nicht ausgeschlossen. GEWITTER: Am Montag gebietsweise einzelne kräftige Graupelgewitter mit stürmischen Böen bis 75 km/h (Bft 8) wahrscheinlich, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch einzelne Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9). ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / MSc.-Met. Sebastian Schappert