S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 30.08.2026 um 10.30 UTC Im Norden wechselhaft, zeitweilig Regen, lokal Gewitter, windig bis stürmisch. Im Süden störungsfrei, sommerlich warm. Ab Sonntag auch im Süden zunehmende Regenwahrscheinlichkeit, lokal kräftige Gewitter. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 06.09.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch liegt die Achse eines Langwellentroges bereits östlich von Deutschland, über den Norden laufen kurzwellige Anteile ostwärts. Dabei schleift ein Frontensystem mit zeitweiligem Regen über die nördlichen Landesteile, im Zusammenhang mit Kurzwellentrögen sowie einem Randtief, das im Tagesverlauf von den Britischen Inseln über die südliche Nordsee Richtung Dänemark zieht, nimmt die Niederschlagsintensität zeitweise zu, lokal schauerartig verstärkt, vereinzelt gewittrig. Außerdem nimmt der Gradient zu und der Westwind weht auf der Südflanke des Randtiefs abends und nachts in Böen stark bis stürmisch, im Küstenumfeld (und auf dem Brocken) teils auch mit Sturmböen. Von Südwesten her wölbt sich ein Höhenkeil auf, auch der Bodendruck steigt im Süden durch die Ausdehnung eines Keils vom Hoch über der Biskaya. Abgesehen von ein paar Quellwolken im Tagesverlauf überwiegt störungsfreies, freundliches Wetter. Bei schwachem Wind bildet sich nachts gebietsweise Nebel. Bei 850 hPa-Temperaturen um 10 Grad ist es im Süden sommerlich warm bei 23 bis 27 Grad, bei geringen Sonnenanteilen im Norden und 850 hPa-Temperaturen von 5 bis 7 Grad sind Höchstwerte zwischen 19 und 22 Grad zu erwarten. Von Donnerstag bis Samstag ändert sich dann wenig an der grundsätzlichen Geopotenzial- und Luftdruckverteilung: Es hat sich eine westliche Höhenströmung eingestellt, in der die nördlichen Landesteile auf der Südflanke des umfangreichen Tiefkomplexes über Nordeuropa liegt. Dabei streifen wiederholt Frontensysteme mit zeitweiligem, teils auch andauerndem Regen. Niederschlagsschwerpunkte deuten sich aus heutiger Sicht dabei in der Nacht zum Donnerstag und am Freitag an. Ob dabei Warnschellen hinsichtlich Dauerregen überschritten werden, bleibt abzuwarten, geringe Signale sind dafür sowohl in der Deterministik als auch in der Probabilistik vorhanden. Außerdem ist der Luftdruckgradient über den nördlichen Landesteilen etwas stärker ausgeprägt, so dass der Westwind zeitweise böig auffrischt, insbesondere am Freitag im Zusammenhang mit einem Randtief. Insbesondere auf See und in den küstennahen Gebieten sowie im nördlichen Bergland sind starke bis stürmische Böen zu erwarten, exponiert auch mal Sturmböen nicht ganz ausgeschlossen. Im Süden dominiert hoher Luftdruck und störungsfreies, freundliches Wetter. Die Temperaturverhältnisse bilden nach wie vor ein Nord-Süd-Gefälle mit 5 bis 10 Grad in 850 hPa im Norden und um 15 Grad im Süden. Im Norden bleibt es daher eher mäßig warm, im Süden setzen sich die überwiegend sommerlichen Temperaturen fort, Richtung Oberrhein sind zum Ende der Woche auch Höchstwerte um oder leicht über 30 Grad möglich. Über den mittleren Landesteilen liegt irgendwo der Übergangsbereich zwischen tief- und hochdruckdominierter Witterung, wo genau, ist leicht unsicher. Am Sonntag steilt die Strömung vorderseitig einer zunehmenden Austrogung über dem Ostatlantik/Westeuropa auf. Kurzeitig kann sich ein Höhenkeil aufwölben und auch ein Zwischenhoch über weiten Teilen des Landes bemerkbar machen. Voraussichtlich wird aber irgendwann im Tagesverlauf von Westen her der Langwellentrog oder auch ein sich andeutender, vorlaufender Kurzwellentrog auf Deutschland übergreifen und den Zwischenhocheinfluss beenden. In der sich aufwölbenden Strömung gelangt von Südwesten eine subtropische Luftmasse in den Südwesten, die 850 hPa-Temperaturen können wohl auf Werte um 20 Grad ansteigen und damit können Höchsttemperaturen im Südwesten leicht über 30 Grad erwartet werden. Im Zusammenhang mit dem Kurzwellentrog kann sich vorderseitig des eigentlichen Frontensystems eines Tiefs mit Zentrum bei Irland im Tagesverlauf eine Tiefdruckrinne bilden. Zunächst im Westen und Südwesten, eventuell allgemein im Süden bilden sich dann Schauer und Gewitter, die lokal wohl auch mal kräftig ausfallen können. Die Kaltfront greift dann mit weiterem Regen voraussichtlich in der Nacht zum Montag von Westen über. In der erweiterten Mittelfrist sind die Unsicherheiten noch sehr groß. Zum Teil deutet sich eine leicht südlichere Frontalzone an als zuvor, so dass sich allgemein (auch im Süden) eher wechselhafte Witterung einstellen dürfte. In wie weit von Südwesten Luftdruck- und Geopotenzial wieder ansteigen und wieder zu einer Wetterberuhigung führen, ist ebenfalls unsicher. Hinsichtlich des Temperaturniveaus deuten sich wenig Änderungen und keine Extrema an. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist zunächst gut mit Tiefdruckeinfluss im Norden und wahrscheinlich der Mitte, Hochdruckeinfluss im Süden. Im Laufe des Wochenendes deutet sich eine zunehmende Austrogung über dem Ostatlantik an, dabei nehmen auch die Unsicherheiten in den vorliegenden Modellläufen zu und die Konsistenz etwas ab. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Zu Beginn deuten sich auch in anderen Globalmodellen wenig Unterschiede an. Ab Freitag ist vor allem das GFS dann aber progressiver und zeigt bereits einen Trog über Mitteleuropa, der dann auch im Süden bereits zu einer höheren Regenwahrscheinlichkeit führt. Bereits zum Sonntag dann aber mit Aufwölbung eines signifikanten Troges ein deutlich antizyklonaleres Umfeld im Prinzip für das gesamte Vorhersagegebiet. ICON zeigt im Vergleich zum IFS abgesehen von kleineren Phasen-/Amplitudendifferenzen ein sehr ähnliches Muster. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse des IFs zeigt für den ersten Zeitraum von Mittwoch 00 UTC bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis +96 h) fünf Cluster, dabei ist für Mitteleuropa keine Prognoserelevanz erkennbar. Von Südwesten wölbt sich der flache Keil auf, der im Süden für zunehmend störungsfreies Wetter sorgt. Der Norden verbleibt im Einflussbereich der Frontalzone. Im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) sind sechs Cluster im Angebot, der Kontrolllauf mit insgesamt 15 Membern in Cluster 1. Es zeigen sich gewisse Unterschiede in Timing und Amplitude der Kurzwellentröge, die über den Norden schwenken. Somit zeigen sich leichte Unsicherheiten, wie weit die wechselhafte Witterung auch die mittleren Landesteile beeinflusst. Cluster 5 und 6 zeigen ein deutlich antizyklonaleres Muster bis weit in die nördlichen Landesteile Deutschlands, allerdings werden diese Cluster nur von 6 bzw. 2 Membern repräsentiert, so dass das eher als Außenseiterlösung zu betrachten ist. Cluster 5 ähnelt dabei eher dem GFS, dass das Aufwölben vor dem Ostatlantiktrog und dessen Übergreifen früher simuliert (Zwischenhocheinfluss eher schon Freitag als Samstag). Cluster 6 zeigt insgesamt eher antizyklonale Muster für unser Vorhersagegebiet. Für die erweiterte Mittelfrist von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+192 bis + 240 h) sind drei Cluster vorhanden, die doch recht unterschiedliche Varianten zeigen: Cluster 1 mit insgesamt 21 Membern und inklusive Kontrolllauf etabliert eine zyklonale West- bis Südwestströmung. Cluster 2 mit 16 Membern lässt den Trog recht langsam durchschwenken und ist Mitte der Folgewoche noch recht indifferent, von Südwesten mit Andeutungen von Geopotenzialanstieg. Cluster 3 mit 14 Membern entwickelt die antizyklonalste Variante mit einer allmählichen Aufwölbung eines Keils über Mitteleuropa nach Durchschwenken eines recht flachen Troges. Die Rauchfahnen des IFS zeigen hinsichtlich der Niederschlagssignale ein klares Nord-Süd-Gefälle, im Süden nehmen die Regensignale insbesondere ab der erweiterten Mittelfrist zu, in Einzellösungen ab Freitag/Samstag. Die Temperaturkurve in 850 hPa sind bis Donnerstag, im Süden bis Freitag gut gebündelt, dann nimmt der Spread deutlich zu, im Norden mit Wichtung eher auf niedrigerem Temperaturniveau und wenigen Ausreißern nach oben, im Süden eher mit Fokus auf höhere Werte und Einzellösungen auf niedrigerem Temperaturniveau. Auch die Kurvenschar des Geopotenzials zeigt eine recht gute Bündelung bis einschließlich Donnerstag, im Süden Freitag. Nachfolgend gibt es mit größerem Spread offensichtlich Timing- und Amplitudenunsicherheiten im Zusammenhang mit dem Trog, wobei im Süden die Wahrscheinlichkeit sogar recht hoch ist, dass das Geopotenzial auf recht hohem Niveau bleibt und erst in der erweiterten Mittelfrist sukzessive zurückgeht. Wobei in der erweiterten Mittelfrist der Spread zwischen den Einzellösungen recht groß ist und sich auch keine gute Wichtung hin zu einem Regime mehr erkennen lässt. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Im Norden im Zusammenhang mit Kurzwellentrögen Mittwoch bis Freitag gewisses Gewitterrisiko: CAPE vorhanden, aber nicht sonderlich hoch, erhöhte Scherung (vor allem Geschwindigkeitsscherung), ppws erhöht um 25 bis 30. Insgesamt aber Hauptfokus bei Begleiterscheinung auf Wind mit potenziellen Sturmböen. Am Sonntag von Westen/Südwesten örtlich Gewitter, lokal markant (geringere Verlagerung, angefeuchtete Luftmasse). Bis dato aber keine Hinweise auf Unwetter. WIND: Im Norden zeitweise stark bis stürmisch auflebender Westwind, Mittwoch bis Freitag vor allem im Küstenumfeld sowie im Bergland (vor allem Brocken) zeitweise Sturmböen (Bft 8, vereinzelt 9). DAUERREGEN(?): Im Norden wiederholt Regen, dabei deuten sich akkumuliert teils höhere Niederschlagsmengen im Grenzbereich zu den Dauerregenkriterien an, ob dann tatsächlich eine Warnung nötig ist, bleibt abzuwarten. Zudem sind im Norden ja auch konvektive Verstärkungen bzw. lokal Gewitter dabei, von daher schwierig mit Dauerregen und möglicherweise eher lokaler Starkregen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger