S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 12.06.2026 um 10.30 UTC Nächste Woche deutlicher Temperaturanstieg und zunehmend heiß. Dabei regional Gewitterneigung. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 19.06.2026 Am Montag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, liegen wir nach IFS in einer nordwestlichen Höhenströmung. Dabei ist nach wie vor eine recht kühle Luftmasse mit nur 3 bis 6°C in 850 hPa in weiten Teilen des Landes wetterwirksam, nur ganz im Süden ist es wärmer. Auch das Geopotential ist noch niedrig. In der nordwestlichen Höhenströmung schwenkt in der ersten Tageshälfte noch ein recht markanter Kurzwellentrog durch, zum Nachmittag und in der Nacht wird die Strömung deutlich antizyklonaler. Bodennah ist ein umfangreicher Tiefdruckkomplex im Bereich des Baltikums wetterbestimmend, während sich von Südwesten ein Hochkeil nähert, aus dem sich eine flache Hochdruckzone abspaltet. Insbesondere über der Nordosthälfte des Landes liegt ein recht kräftiger Gradient, so dass dort böiger Westwind erwartet wird. Am Dienstag verbleiben wir in einer leicht antizyklonalen Höhenströmung, wobei sich ein flacher Rücken von Westen her nur sehr langsam nähert und gleichzeitig sich hierzulande des Geopotential deutlich erhöht. Dies geht einher mit der Zufuhr wärmerer Meeresluft aus dem Biskayaraum, so dass bis zum Mittag in 850 hPa die Temperatur im Südwesten schon auf 14°C angestiegen ist, während sie im Nordosten noch 10 K kühler ist. Während sich das Hochdruckgebiet nach Südosten zurückzieht, sorgt eine Warmfront, die in eine flache Rinne eingelagert ist, weiterhin für zeitweise Bewölkung und im Tagesverlauf von Westen aufkommende Gewitterneigung. Am Mittwoch nähert sich die Achse des flachen Rückens und das Geopotential steigt weiter an. Eine warme Luftmasse mit 16°C im Süden und 10°C im Norden (850 hPa) setzt sich durch. Gleichzeitig zieht ein Sturmtief über die nördliche Nordsee, verbunden mit einem Trog, der über die Nordsee schwenkt und dort für eine kräftige Höhenströmung sorgt. Auch der bodennahe Wind frischt im Norden wieder etwas aus West auf. Die Kaltfront des Tiefs bringt im Norden viele Wolken und auch etwas Regen, während im übrigen Land wechselnd bewölktes Sommerwetter ansteht. Am Donnerstag sorgen der Höhenrücken und ein sich über den Alpen neu etablierendes Hoch für sonniges und hochsommerlich heißes Wetter im Süden. Im Norden ist es auch recht warm, allerdings tummeln sich im Bereich der sich auflösenden Kaltfront immer noch viele Wolken, die auch noch etwas Regen bringen können und sich erst nach und nach auflösen. Am Freitag kommt es über dem nahen Atlantik zu einem Trogvorstoß Richtung Süden, gleichzeitig steilt der Rücken über Deutschland deutlich auf. Der Bodenhochschwerpunkt zieht sich etwas nach Osten zurück, so dass von Südwesten eine noch wärmere Luftmasse einfließen kann. Bis zum Mittag werden in größeren Teilen des Landes 18 bis 21°C in 850 hPa erreicht, ganz im Nordosten sind es nur 11 bis 14°C. Somit steht im Südwesten ein sehr heißer Tag mit Höchstwerten über 35°C ins Haus. In einigen Landesteilen, vor allem im Westen und im Bergland kann sich hohes CAPE aufbauen, was über den Bergen zu starken Gewittern führen kann. Am Abend und in der Nacht soll eine Störung im Nordwesten für kräftige Gewitteraktivität sorgen. In den Folgetagen soll uns das sehr hohe Geopotential erhalten bleiben, zudem soll sich die heiße Luft noch weiter nach Norden hin durchsetzen, dass Höchstwerte deutlich jenseits der 35°C-Marke bis nach Schleswig-Holstein auftreten könnten. Dabei bleibt die Luftmasse leicht feucht, so dass sich zumindest regional (wenn es durch flache Druckminima zu Feuchteflusskonvergenzen kommt) hohe CAPE-Werte aufbauen können, die immer wieder auch in heftigen konvektiven Umlagerungen resultieren. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Der aktuelle Lauf des IFS ist mit seinen beiden Vorgängerläufen bis zum kommenden Freitag, was die Prognose in Deutschland angeht, recht konsistent. Die Sturmtiefentwicklung am Mittwoch ist in dieser Stärke erst im heutigen 00-UTC-Lauf aufgetaucht, so dass auch die stärkere Windentwicklung im Norden erst im heutigen Lauf erschien. Aber auch die Vorgängerläufe zeigten schon die Kaltfront über dem Norden Deutschlands, die sich später auflöst. Zum nächsten Wochenende hin zeigen sich dann deutlichere Unterschiede. Der gestrige 00-UTC-Lauf ließ ein Hoch über dem Nordatlantik und Grönland immer näher an uns heranrücken, so dass an seiner Ostflanke ab dem Samstag wieder deutlich kältere Luft den Norden erreichte, was zu einem erheblichen thermischen Gradienten hierzulande führte. Die beiden jüngeren Läufe simulieren das Hoch weiter westlich, so dass immer wieder Tiefs vom Atlantik über die Britischen Inseln ins Nordmeer ziehen können und die Zufuhr der sehr warmen Luft aufrechterhalten. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die grundlegende Entwicklung für die nächsten 7 (bis 10) Tage zeigen die vorliegenden deterministischen Modelle übereinstimmend. Alle zeigen das zunehmend ansteigende Geopotential (mit Zufuhr zunehmend heißer Luft) und die antizyklonale Strömung mit Aufbau eines starken Rückens zum Ende der kommenden Woche. Die damit verbundene starke Zunahme des Temperaturniveaus scheint in trockenen Tüchern. Im Detail gibt es aber noch Unterschiede: Der durchschwenkende Kurzwellentrog am Montag wird unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell simuliert. IFS zeigt dabei eine schnellere und intensivere Entwicklung. Die Sturmtiefentwicklung über der Nordsee am Mittwoch ist ebenso nur bei IFS zu finden. Dagegen zeigt GEM in der Nacht zum Sonntag (21. Juni) einen kräftigen Trog über der Nordsee. Insgesamt zeigen alle Modelle, dass am nächsten Wochenende immer wieder etwas feuchtere Luft in den Nordwesten eingesteuert wird, teils verbunden mit flachen Tiefs, so dass dort eine gewisse Anfälligkeit für Unwetter besteht. Die Details unterscheiden sich aber noch stark und müssen heute noch nicht erläutert werden. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Im Zeitraum Mittwoch bis Freitag werden alle IFS-Ensemblemitglieder einem Cluster zugeordnet. Die Grafik zeigt schön den Geopotentialaufbau über Deutschland. Das Regime ist zunächst noch "positive NAO", also eine westliche Lage. Im Zeitraum von Samstag bis Montag wechselt das Regime zu "Blocking". Dann werden drei Cluster gebildet. Bei C1 (22 Mitglieder, Kontrolllauf) reicht das Blocking nordwärts bis Skandinavien, wird allerdings durch einen in die Nordsee ziehenden, sich abschwächenden Trog etwas angegriffen, so dass es zum Montag im Nordwesten recht gewittrig werden könnte. Bei C2 (16 Mitglieder) reicht der Geopotentialblock sogar weiter nach Nordosten bis in die Karasee, der Trog von Westen wird stärker abgeblockt. Bei C3 wird der Rücken dagegen über Skandinavien abgehobelt und Tröge können dort wieder ostwärts ziehen. Alles in allem bestätigt das die schon oben getroffene Aussage: Hochsommerlich heiß mit Gewitterpotential von Nordwesten her. Die Rauchfahnen für Geopotential und Temperatur kennen ab Montag nur eine Richtung: Es geht steil nach oben, bei der Temperatur landesweit um ca. 15 K. Zudem zeigt sich zum nächsten Wochenende im Süden und in der Mitte eine ungewöhnlich geringe Streuung der Kurven. So liegen zum Beispiel am kommenden Wochenende die 850-hPa-Temperaturkurven über Augsburg zum größten Teil zwischen 17 und 22°C, die erwarteten Höchstwerte in 2 m kann man sich heute noch gar nicht vorstellen. Im Norden liegt der Schwerpunkt der Kurven kaum tiefer, allerdings gibt es doch den einen oder anderen Ausreißer deutlich weiter nach unten (bis unter 5°C). Die Niederschlagssignale sind nicht besonders ausgeprägt, aber doch landesweit deutlich vorhanden und zeigen einen ausgeprägten konvektiven Tagesgang. Noch ein Blick auf das GFS-Ensemble: Die Rauchfahnen zeigen hier keine ganz so große Sicherheit der Prognose, sprich, insbesondere bei der Temperatur gibt es ein paar mehr Ausreißer nach unten und auch der Hauptast der Kurvenschar liegt etwas tiefer als beim IFS. Der Hauptlauf liegt dagegen eher am oberen Rand der Verteilung, was aber auch beim IFS tendenziell der Fall ist. Fazit: Des einen Freud, des anderen Leid: Die Hitzewelle ist unausweichlich. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Der EFI zeigt am Montag ein überraschend starkes Signal für Wind im Nordosten Deutschlands. Dieses Signal spiegelt vor allem die hohe Sicherheit der Windvorhersage wider. Die tatsächliche Stärke ist dagegen nicht signifikant und liegt dabei im Bereich wahrscheinlicher Böen der Stärke 7. 8er-Böen werden bei IFS-EPS und ICON-EPS nur an der Ostsee mit erhöhter Wahrscheinlichkeit simuliert. Bezüglich Gewitter gibt es in der nächsten Woche keine Hinweise auf starke Entwicklungen seitens der Modellfelder. Aus synoptischen Überlegungen heraus darf aber am Montag in weiten Landesteilen eine geringe Gefahr markanter Gewitter (bezüglich sämtlicher Begleiterscheinungen) angenommen werden. Für die Tage Dienstag bis Donnerstag gilt dies insbesondere im Norden, wobei am Dienstag und Mittwoch die leichte Dynamik noch für das Potential stürmischer Böen sorgt, während am Donnerstag in zunehmend feuchtwarmer Luftmasse dann eher Starkregen in den Fokus rückt. Wirklich interessant dürfte die Gewitterentwicklung wieder an Freitag werden, wenn sehr hohe CAPE-Werte etwaige Gewitter (vor allem im Nordwesten und im Bergland) kräftig ausfallen lassen mit Unwettergefahr durch Starkregen. Aufgrund schwacher Dynamik sollte Hagel eine geringe Rolle spielen und Böen keinesfalls das Unwetterkriterium erreichen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-MIX, IFS-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann