S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 29.07.2026 um 10.30 UTC Abseits der Küste überwiegend sehr warm bis heiß und zunehmend unbeständig mit kräftigen, teils unwetterartigen Gewittern. Ab Mittwoch voraussichtlich langsam kühler. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 05.08.2026 Ein Blick auf das IFS-EPS und die bevorzugten Wetterlagen der Member verrät uns schon viel über das potentielle Wetter. Demnach duellieren sich die Wetterlagen Brücke Mitteleuropa und Trog Westeuropa um die Mehrheit im EPS. Am Wochenende kann dabei die Wetterlage BM klar die Mehrheit der EPS-Mitglieder unter sich vereinen. Nur etwa ein Viertel ordnet sich in die Wetterlage TrW ein. Zur neuen Woche verschieben sich die Mehrheiten und die Wetterlage Trog Westeuropa kann etwa die Hälfe der Member für sich überzeugen. Die andere Hälfe der Member ist sehr unentschieden und fühlt sich zu insgesamt 5 anderen Mustern hingezogen. Die Mehrheit vom großen Rest bleibt aber der Brücke Mitteleuropa treu. Aus den genannten übergeordneten Verteilungen kann man bis Sonntag einen Trend zu hohem Luftdruck erkennen, wobei eine Brücke auch gerne eine mehr oder weniger aktive Luftmassengrenze im Gepäck hat. Zur neuen Woche könnte mit dem Trend hin zum Trog Westeuropa auf der einen Seite der Tiefdruckeinfluss zunehmen und auf der anderen Seite die Zufuhr von sehr warmer bis heißer Subtropikluft erneut Fahrt aufnehmen. Doch in welche Richtung schwenkt der Hauptlauf? Dieser passt sich zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums der Mehrheit der EPS-Member an und simuliert ebenfalls ein Hochdruckbrücke von West nach Ost über Europa. Die Achse sollte dabei etwa von England über die südliche Nordsee, Hamburg, polnische Ostseeküste bis zum Baltikum verlaufen. Da sich der Schwerpunkt des Hochs von Freitag bis Montag entlang beschriebener Linie ostwärts verlagert, kann in die Nordhälfte durchaus kühlere Nordseeluft eindringen. Dagegen hält gleichzeitig tiefer Luftdruck über Südwesteuropa, welcher sehr warme bis heiße Luft nordwärts bis in den Süden Deutschlands schiebt. Entsprechend ist hierzulande eine markante Luftmassengrenze zu erkennen, die aufgrund des Hochdruckeinflusses am Sonntag aber wohl nur bedingt aktiv daherkommt. Anders sieht es noch am Samstag aus, wenn in der Höhe ein Kurzwellentrog mit ordentlich PVA die Hebung anheizt. Resultierend werden zum Samstag bis Samstagmittag von Südwesten über die Mitte hinweg in den Nordosten kräftige schauerartige, teils gewittrige Regenfälle gezeigt, die mit Starkregen, teils bis in den Unwetterbereich einhergehen können. In der heißen und potentiell labilen Luft im Süden und Südosten kann es dagegen wohl über das gesamte Wochenende gebietsweise heftig krachen. Von Montag bis Mittwoch induziert ein Trog über dem Ostatlantik, der unter Reduzierung der Amplitude ostwärts über Deutschland hinwegschenkt, eine ausgeprägte Tiefdruckzone, die sich mit dem Trog von Frankreich über Deutschland und die Nordsee hinweg nach Skandinavien verschiebt. In die Tiefdruckzone sind dabei einige mehr oder weniger intensive Tiefs eingelagert, die teilweise einen Frontenzug im Schlepptau haben. So greift z.B. am Dienstag von Nordwesten eine Kaltfront auf Deutschland über und überquert das Land langsam südostwärts. Angetrieben durch PVA aus der Höhe, den Tiefs am Boden, diabatischen Input sowie im Verlauf auch frontogentischen Prozessen setzt ein unbeständiger, zu Schauer und teils kräftigen Gewittern neigender Witterungsabschnitt ein. Erst in der erweiterten Mittelfrist zum Donnerstag scheint von Westen mit zunehmendem Luftdruck wieder Wetterberuhigung einzusetzen. Bezüglich der Temperaturen ist Deutschland durch die Luftmassengrenze überwiegend zweigeteilt. Am Samstag herrschen in 850 hPa in der Südhälfte 13 bis 19 Grad, im Norden 6 bis 13 Grad, am Sonntag kann sich die warme Luft schon etwas nordwärts schieben, sodass im Norden 7 bis 10 Grad und sonst 10 bis 21 Grad zu verzeichnen sind. Am Montag sollen auf der Vorderseite des hochreichenden Tiefs und somit Warmluftzufuhr die Werte in 850 hPa von Nord nach Südost zwischen 12 und 24 Grad, an den Alpen teils um 25 Grad liegen. Am Dienstag sorgt die Kaltfront dafür, dass 11 Grad im Nordwesten den 21 Grad im Süden gegenüberstehen. Am Mittwoch hat die kühlere Lauft schon weite Teile des Landes geflutet. Allenfalls im Südosten werden noch um 20 Grad gezeigt, sonst liegen die Werte zwischen 4 und 18 Grad. Bodennah entsprechen die genannten Werte in 850 hPa Höchstwerte am Samstag von 20 bis 25 Grad im Norden und 25 bis 31 Grad sonst, am Sonntag im Küstenumfeld um 23 Grad, sonst 25 bis 34 Grad, am Montag insgesamt 24 bis 36 Grad, am Dienstag 24 bis 34 Grad und am Mittwoch 22 bis 32 Grad. Demnach ist in der Südhälfte mit einer anhaltenden Hitzewellen zu rechnen. Vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit würde die gefühlte Temperatur zusätzlich erhöhen und den Aufenthalt im Freien für viele Menschen eher unerträglich machen. Der Wind spielt aus synoptische Sicht kaum eine Rolle, kann aber durch die Konvektion regional warnwüdig werden. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden über den mittelfristigen Zeitraum vom IFS konsistent abgebildet. In der Höhe sind sogar bis einschließlich Dienstag kaum nennenswerte Abweichungen in der Phase und Amplitude zu verzeichnen. Zum Ende des betrachteten Zeitraums weist der neuste Lauf allenfalls eine etwas größere Amplitude auf, was wiederum die Hebungsimpulse auf der Vorderseite des Troges, also hierzulande etwas verstärken würde. Ansonsten zeigen vor allem der gestrige 12 UTC Lauf sowie der aktuelle 0 UTC Lauf sehr vergleichbare Verteilungen. Beide lassen den Trog über dem Ostatlantik und Westeuropa im Vergleich zum gestrigen 0 UTC Lauf weiter nach Süden amplifizieren, sodass die Südwestströmung über Europa wieder mehr Aufsteilen würde. Resultierend könnte die teils heiße Suptropikluft wieder weiter nordwärts ausgreifen. Bodennah ist am Wochenende hoher Luftdruck bestimmend, wobei über Deutschland eine Luftmassengrenze verläuft. Zur neuen Woche nimmt der Tiefdruckeinfluss konsistent zu. Gewisse Unsicherheiten gibt es in der räumlichen Einordnung kleinräumiger Tiefs, die sich in einer ausgeprägten Tiefdruckzone tummeln. Interessant ist auch, dass in der Nacht auf Dienstag alle betrachteten Läufe über dem Alpenraum die 25er Isohypse im Programm haben. Am Dienstag sollte mit Übergreifen einer Kaltfront Abkühlung einsetzen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch andere Globalmodelle zeigen eine zum IFS vergleichbare Geopotential- und Luftdruckverteilung. Während bei der Amplitude im Verlauf des mittelfristigen Zeitraums kaum nennenswerte Abweichungen auftreten, zeigen sich bezügliche der Phase leichte Verschiebungen. Demnach sind vor allem das UK10 und das ICON geringfügig rascher in der Verlagerung des Troges. Bei dem abgeleiteten Wetterbedingungen führen diese Unterschiede aber zu keinen signifikanten Abweichungen, wenngleich bei ICON und UK10 die kühlere Luft schneller südostwärts vorankommt und auch die Wetterberuhigung aus Westen etwas früher einsetzt. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen am Samstag und Sonntag einen recht geringen Spread bei der Temperatur in 850 hPa und dem Geopotential in 500 hPa auf und verfügen über einen stark definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit. Resultieren kann am Wochenende noch von einer recht hohen Vorhersagegüte ausgegangen werden. Ab Montag spannt sich sowohl der EPS-Raum der Temperatur als auch der des Geopotential stärker auf. Bei einem weniger ausgeprägten Bereich höherer Auftrittswahrscheinlichkeit sowie einem Spread von um 12 Grad bzw. 15 bis 20 hPa ist die Prognosegüte signifikant reduziert, wenngleich zumindest ein Trend konsistent sichtbar ist. Festgehalten werden kann aber, dass das EPS bis auf Sonntag durchgehend Niederschläge im Programm hat. Bei der Einordnung des IFS-EPS in übergeordnete Muster wird für den ersten Zeitraum von +72 bis +96h nur ein Cluster angeboten, welches komplett dem Schema einer pos. NAO zugeschrieben wird. Im Zeitraum von +120 bis +168h reicht weiter eine Lösung aus, um alle Unsicherheiten im EPS-Raum zu beschreiben. Die genannte Lösung verbleibt dabei auch weiter komplett im Schema einer pos. NAO. In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h erklärt erneut nur ein Cluster alle Unsicherheiten. Dabei wird nun aber das Schema eines atlantischen Rückens propagiert, welches zum Ende in das Schema einer neg. NAO wechselt. Daraus lässt sich eindrucksvoll ableiten, wie festgefahren die Wetterlage und deren Veränderung ist. Im Detail ergibt sich bezüglich des Wettergeschehens aber durchaus eine gewisse Variabilität. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Der EFI des ECMWF weist über den gesamten mittelfristigen Zeitraums nur teils deutlich überdurchschnittliche Temperaturen in der Südhälfte auf. Der Wind spielt aus skaliger Sicht auch keine Rolle und kann wohl allenfalls im Hochschwarzwald am Dienstag und Mittwoch steife bis stürmische Böen bringen. Ansonsten gibt es bevorzugt vom IFS-EPS im Nordseeumfeld noch geringe Wahrscheinlichkeiten bis 40% für steife und bis 20% für stürmische Böen. Bei den Niederschlägen dominieren konvektiv getriggerte Niederschläge. Dabei werden in der Fläche über 12 bis 24 Stunden weder von der Det. Noch vom EPS warnwürdige Mengen erreicht. Der Fokus liegt daher voll auf inhomogen verteiltem Starkregen, der von den Regional- und Globalmodellen jedoch kaum aufgelöst werden kann. Allenfalls potentielle Schwerpunkte kann man ableiten. Etwas mehr hilft da zumindest zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums noch die sog. Zutatenmethode auf Basis des ICON6. Demnach würde am Samstag am Alpenrand und Südostbayern ein gewisses Gewitterpotential bestehen. Zwar ist die Luft neutral bis leicht stabil geschichtet, etwas PVA sowie die Orografie können aber mit Hebungsimpulsen aushelfen. Bei Auslöse muss zwingend mit Starkregen gerechnet werden. PPWs von 28 bis 38 mm lassen bei geringer Verlagerung lokal durchaus auch heftigen Starkregen zu. Bei Cape-Werten von 400 bis 1000 J/kg ist bei Auslöse zudem mit kleinkörnigem Hagel zu rechnen. Des Weiteren sind wohl steife Böen wahrscheinlich, stürmische Böen möglich, Sturmböen nicht ausgeschlossen. Am Samstagmorgen sind zusätzlich auch im Osten in Verbindung mit einem Kurzwellentrog noch Gewitter möglich, die rasch nach Polen abziehen. Aufgrund der guten Scherung könnten langlebige und organisierte Gewitter auftreten. Entsprechend wäre neben (heftigem) Starkregen durch PPWs von 30 bis 40 mm auch (schwere) Sturmböen möglich. Am Sonntag läge der Fokus bei labiler Schichtung vor allem auf der Region südlich der Donau. Dort kann sich im Tagesverlauf nach aktuellen Berechnungen signifikant Cape bis zu Werten von 800 bis 2200 J/kg aufbauen. Dazu gesellen sich PPWs von 35 bis 45 mm. Die Scherung ist dagegen kaum vorhanden. Dazu fehlt es wohl auch an dynamischer Unterstützung. Daher müssen die diabatischen Prozesse mit orografischer Unterstützung ausreichen. Resultierend sind bei etwas CIN einzelne Zellen wahrscheinlich, die jedoch rasch mit heftigem Starkregen und Hagel um 2-3 cm im Unwetterbereich landen können. Am Montag kommt dann dynamische Hebung in Spiel. Da sich gleichzeitig die sehr warme bis heiße und potentiell labile Luft nordwärts ausdehnt, sollten auch die Gewitterschwerpunkte zunehmen. Ab dem Nachmittag wäre die Westhälfte durch die dyn. Hebung ein Thema. Der Süden bleibt aber allein aus diabatischer Sicht im Blickfeld. Zudem bieten einzelne Modelle auch eine Auslöse im Osten, auf der warmen Seite der Warmfront an. Am Dienstag und Mittwoch wären schließlich nahezu landesweit Gewitter möglich, die jedoch im Vergleich zu den Vortagen mit einer etwas geringeren Intensität daherkommen. Für eine detaillierte Beschreibung ist es aber derzeit noch viel zu früh. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS-EPS, ICON-EPS, anfangs auch det. ICON/IFS, für TT auch MosMix ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel