S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 25.07.2026 um 10.30 UTC Ab Mittwoch Beginn neuer intensiver Hitzewelle, allmählich ansteigendes Gewitterpotenzial in energiereicher Luftmasse. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 01.08.2026 Mit Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt Deutschland in einer nordwestlichen Höhenströmung rückseitig eines über Polen ostwärts schwenkenden Troges. Über Westeuropa liegt ein Rücken des südwesteuropäischen Höhenhochs. Dieser schwenkt ebenfalls nach Osten. Am Boden wandert ein Hoch über Frankreich nach Süddeutschland und weiter nach Osten. Im Norden und Osten gibt es noch örtliche Schauer, sonst bleibt es trocken. Von Südwesten her setzt kräftige Warmluftadvektion (WLA) ein. Am Abend liegt die Temperatur in 850 hPa zwischen 9 Grad an der Oder und 19 Grad im Breisgau. Am Mittwoch schwenkt der Rücken nach Polen, und die kräftige WLA vorderseitig eines Troges über Nordwesteuropa hält an. Bis Mittwochabend erreicht die Temperatur in 850 hPa 14 Grad in Flensburg und 21 Grad in Freiburg. Im Norden liegt feuchtwarme und instabile Luft, es fehlt dort aber am Auslösemechanismus. Am Donnerstag verstärkt sich die Trogvorderseite über Deutschland. An ihr wird ein nordostwärts laufender Randtrog interessant. Dieser löst im Nordwesten und der westlichen Mitte örtlich Schauer und Gewitter aus; dies gilt auch für die Nacht zum Freitag. Eine verbreitete Auslöse wird allerdings nicht simuliert, da der dynamische Antrieb zu gering ist. Die Erwärmung geht trotz des bereits erreichten hohen Niveaus weiter. Gegen 18 UTC werden in 850 hPa von Nordost nach Südwest 17 bis 24 Grad simuliert. Am Freitag reicht der Höhenkeil vom westlichen Mittelmeer nach Osteuropa. Der Trog, ausgehend von der Norwegischen See, zieht rasch von den Britischen Inseln nach Schweden. Ihm folgt vom Atlantik ein weiterer Trog nach Irland. Eine Kaltfront schwenkt am Freitag nach Deutschland und erreicht bis zum Abend eine Linie Eifel-Ostsee. Der thermische Gradient über Deutschland ist enorm: Am Abend reicht die Temperaturspanne zwischen knapp 27 Grad im Berchtesgadener Land und 10 Grad über Helgoland, wohlgemerkt im 850-hPa-Niveau. Im Vorfeld der Kaltfront sowie mit der Front selbst kommt es zur Auslöse von kräftigen Gewittern in einer sehr energiereichen Luftmasse. Die Frage der Verteilung scheint noch sehr unsicher. Am Samstag schwenkt der Trog über Irland noch etwas ostwärts und erneuert den Haupttrog über Nordwesteuropa. Deutschland bleibt auf dessen Vorderseite. Die Kaltfront über Deutschland kommt noch etwas nach Südosten voran, liegt dann strömungsparallel und wird quasistationär. Sie trennt sehr heiße Luft im Südosten (bis zu 25 Grad an der Grenze zu Oberösterreich in 850 hPa) und kühlere Meeresluft im Nordwesten (8 Grad über Sylt). Ein Randtrog aktiviert diese im Tagesverlauf, und es soll von Südwesten nach Nordosten zu einer erstmals verbreiteteren Auslöse von kräftigen Schauern und Gewittern kommen, die bis Sonntagfrüh nach Polen abziehen. In der erweiterten Mittelfrist am Sonntag und Montag ändert sich an der großräumigen Struktur kaum etwas. Deutschland verbleibt auf der Vorderseite des Troges. Die wellende Front über Deutschland macht kaum Boden in eine Richtung gut. Sie trennt weiterhin sehr heiße Luft im Süden von deutlich kühlerer Meeresluft im Nordwesten. Randtröge sorgen wiederholt für kräftige Gewitter in einem Bereich von Südwest- nach Nordostdeutschland. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag liegt Mitteleuropa unter einer kräftigen nordwestlichen Höhenströmung zwischen einem Höhenhoch über Südwesteuropa und einem Trog über Skandinavien. Ein Keil über Westeuropa schwenkt in der Folge über Mittel- nach Osteuropa. Am Boden wird, auch durch kräftige Warmluftadvektion ein Hoch gestützt. Deutschland gelangt zunehmend auf die Vorderseite eines Troges über Nordwesteuropa. Während der Südosten in heißer Luft und unter Hochdruckeinfluss liegt, wird der Nordwesten von der Frontalzone beeinflusst. Die Konsistenz mit den Vorläufen ist bis Freitagfrüh gut. Nachfolgend lassen die beiden neuesten Läufe eine Kaltfront am Samstag bis in den Süden vorankommen. Der gestrige Morgenlauf war diesbezüglich weniger progressiv. Ab Freitag nimmt die Konsistenz ab. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen Modelle simulieren die Entwicklung sehr ähnlich. Unterschiede ergeben sich im Verlauf der Frontalzone und dann vor allem ab Freitag bezüglich der Kaltfront und deren Vordringen nach Südosten. ICON ist am progressivsten und lässt diese bis an die Alpen ziehen. GFS dagegen belässt diese im Nordwesten Deutschlands. Die Lösung von IFS befindet sich dazwischen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Das Geopotenzial in 500 hPa steigt am Dienstag rasch an, um dann auf hohem Niveau zu verweilen und ab Donnerstag/Freitag bei zunehmender Unsicherheit langsam zu sinken, wobei gerade im Süden auch Lösungen mit weiterhin sehr hohem Niveau existieren. Die Temperatur in 850 hPa erreicht ihr Maximum am Donnerstag/Freitag, bevor eine Abnahme wahrscheinlich ist, die im Norden wahrscheinlich markanter ausfällt als im Süden. Die Unsicherheiten nehmen ab dann auf jeden Fall deutlich zu und sind gerade im Norden groß. Im Süden bleibt das Niveau sehr wahrscheinlich bis zum Ende der Mittelfrist stark überdurchschnittlich. Für Stuttgart tummeln sich die Läufe beispielsweise zwischen 15 und 27 Grad in 850 hPa. CLUSTERUNG: Für Dienstag und Mittwoch werden vier Cluster angeboten, die alle anfangs dem Regime "Atlantischer Rücken" und später "NAO positiv" angehören. Die Unterschiede für Deutschland sind sehr gering. Für Donnerstag bis Samstag gibt es drei Cluster, die alle dem Regime "NAO positiv" angehören. Für Deutschland zeigt sich in allen die ausgeprägte Trogvorderseite und Südwestströmung. Unterschiede ergeben sich in der Konfiguration des Troges über Nordwesteuropa und darin, wie glatt die Strömung über Deutschland hinwegläuft. Für Sonntag bis Dienstag gibt es drei Cluster, wobei es kein einheitliches Bild bei den Regimen mehr gibt. Die beiden mitgliederstärksten Cluster zeigen die stark ausgeprägte Südwestströmung, beim größten eher zyklonal, beim zweiten eher antizyklonal geprägt. Cluster drei zeigt eine schwächere Südwestströmung, die sehr stark antizyklonal geprägt ist. FAZIT: Die Mittelfrist steht im Zeichen einer massiven Hitzewelle (Beginn Mittwoch), deren Fokus im Süden und Südosten liegt. Im Laufe der Mittelfrist bildet sich einer zweiter Fokus, die Gewitter heraus. Besonders am Wochenende deutet sich Ungemach in einer sehr energiereichen Luftmasse an. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Am Mittwoch am Alpenrand, am Donnerstag und Freitag vom Südwesten bis in den Nordosten einzelne starke Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel wahrscheinlich. Vereinzelt vor allem am Freitag unwetterartige Gewitter mit lokal heftigem Starkregen, großem Hagel und schweren Sturmböen wahrscheinlich. Temperatur: EFI: Ab Mittwoch von Südwesten starke bis extrem starke Signale für ein sehr ungewöhnliches Temperaturereignis. Der EFI ist im Süden für mehrere Tage am oberen Limit und der SOT liegt bei über 2! Sonst keine Auffälligkeiten in den Wahrscheinlichkeitsprodukten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / M. Sc. Met. Thore Hansen