S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 09.06.2026 um 10.30 UTC Langwellen oder auch Randtröge sorgen für eine unsichere Wetterprognose. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 16.06.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Freitag befindet sich Mitteleuropa im Einflussbereich eines umfangreichen Langwellentrogs, der sich von Spitzbergen über Skandinavien und der Ostsee bis nach Ungarn erstreckt. Über Südwesteuropa und den Azoren gibt es dagegen eine umfangreiche Hochdruckzone, die sich zur Nordsee zu leicht aufwölbt. Deutschland befindet sich dabei auf der Westflanke des Troges, bei der relativ kühle Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen um 2 Grad heranadvehiert werden. Im Südwesten aber macht sich bodennah Hochdruckeinfluss bemerkbar. Jedoch nähert sich vom Atlantik her ein weiterer Trog mit zugehörigen Bodentief, der an der Nordflanke des Hochs ostwärts zieht. Ein zugehöriges Frontensystem greift im Laufe des Freitags auf Deutschland über und verlagert sich langsam nach Osten. Dabei gelangen feuchte-milder Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen bis 8 Grad in die Südwesthälfte. Entlang der Luftmassengrenze kommt es zumeist zu skaligen Hebungsprozessen, die bei nur langsamer Verlagerung strichweise zu kräftigeren Regen führen. Meist werden nur Mengen 5 und 10 l/qm erwartet, strichweise aber auch bis 20 l/qm, im Berchtesgadener Land mit entsprechender Staukomponente gibt es aber auch Signale um 35 l/qm. Bei ICON auch bis 60 l/qm in 24 Stunden. Am Samstag befindet sich der atlantische Randtrog über Skandinavien und hinter der zugehörigen Kaltfront kann wieder etwas kühlere und trockener Luftmassen in den Norden einfließen. Im Süden hält sich weiterhin die feucht-milde Luft, und bei anhaltendem Nordwestwind kann es vor allem am östlichen Alpenrand noch länger regnen. Die Intensität lässt aber mit zunehmendem Aufwölben des Azorenhochs nach Norden nach. In der Nacht zu Sonntag verlagert sich der Randtrog nach Polen, wobei sich in der Höhe eine diagonale Tiefdruckrinne etabliert, sie sich von der Grönlandsee über Skandinavien bis nach Osteuropa bzw. Südosteuropa erstreckt. Die trockenere und kühlere Luftmasse (850 hPa Temperatur um 2 Grad) kann bis zum Alpenvorland vorstoßen. Am Sonntag nähert sich von Atlantik her eine kräftige und hochreichend kalte Zyklone Westeuropa an. Auf dessen Vorderseite kann sich das Azorenhoch nun endlich bis nach Groß-Britannien richtig aufwölben. Es entsteht eine Art Omega Struktur, wobei sich Deutschland zunächst noch auf der kalten Seite des Hochs befindet. Am Montag indes greift der Höhenkeil auf Mitteleuropa über und ganz Deutschland gerät unter Hochdruckeinfluss. Nach und nach gelangen von Südwesten her auch mildere Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen bis 13 Grad in die West- und Südwesthälfte, in der Nacht zu Dienstag auch zunehmend in den Osten. Am Dienstag bleibt der Rücken zunächst über Deutschland wetterwirksam, die hochreichende atlantische Zyklone jedoch nähert sich Irland an, dabei steilt die Strömung noch etwas auf, so dass nun 850 hPa Temperaturen bis nahe 20 Grad in den äußersten Südwesten strömen. Gleichzeitig nähert sich von Westen die zugehörige Frontalzone an. Dienstagabend, evtl. auch in der Nacht zu Mittwoch könnten dann schon wieder die ersten evtl. unwetterträchtigen Gewitter vor der Türe stehen. Die Vorhersage ob und wie genau sich die Frontalzone an Deutschland annähert, ist aktuell aber noch völlig unsicher. Ab Mittwoch und damit in der erweiterten Mittelfrist soll die Antizyklone vor allem im Süden weiterhin Wetterbestimmend sein, in der Nordhälfte sorgen Tröge, bzw. Rangtroge für einen unbeständigeren und teils gewittrigen Witterungsabschnitt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Der Abzug des Langwellentrogs am Freitag nach Osten wird im aktuellen IFS-Lauf etwas langsamer simuliert, auch nachfolgende Randtröge sorgen dafür, dass der Hochkeil von Südwesten her erst zum Montag richtig auf Mitteleuropa übergreifen kann. Montag und Dienstag stehen im Zeichen des Hochkeils, ab Mittwoch soll sich ein neuer atlantischer Zyklone Europa und die dazugehörige Luftmassengrenze von Westen annähern, entlang dieser sind kräftige Gewitterentwicklung potenziell möglich. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die großen Druckgebilde simulieren zwar alle Globalmodelle ähnlich, jedoch wann und wo welcher Trog/Keil Einfluss auf Deutschland hat ist ab Freitag schon relativ unsicher. Sicher ist jedoch, dass es vorallem im Norden und Nordosten mehr Varianzen gibt als im Südwesten und Süden, wo die Mehrheit der Modelle den Hochdruckeinfluss gewinnen lassen. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Auch in den Rauchfahnen wird die Unsicherheit der Vorhersage ab dem kommenden Wochenende recht deutlich. Im 850 hPa Temperatur, sowie im 500 GeoPot Feld gibt es ab Samstag einen sehr großen Spread innerhalb des Ensembles. Ein vergleichbares Bild ist auch im Ensemble des GFS zu erkennen. In der Clusteranalyse gibt es im Zeitbereich von 120 bis 168 h 5 verschiedene Cluster. Dabei gibt es nur zwei vorherrschende Regimes Blocking oder Atlantic Ridge, wobei der Atlantic Ridge etwas häufiger auftritt als das Blocking. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Dauerregen Am Freitag und bis in den Samstag hinein gibt es geringe Anzeichen für markanten Dauerregen bis 40 l/qm im Berchtesgadener Land. Wind An den Küsten und auf den Alpengipfeln gibt es immer mal wieder stürmische Böen. Gewitter: Zum Ende der Mittelfrist nimmt das Risiko wieder zu, dass sich kräftige Gewitter entwickeln. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, EPS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher